Der alte Kreis Soest (1953–1969 Landkreis Soest) war ein Landkreis im nordrhein-westfälischen Regierungsbezirk Arnsberg. Er lag am südlichen Rand der Westfälischen Bucht zwischen der Lippe und der Möhne. Er wurde am 1. Januar 1975 mit dem Kreis Lippstadt und dem Amt Warstein (zuvor Kreis Arnsberg) sowie einzelnen Gemeinden aus anderen Kreisen durch das Münster/Hamm-Gesetz zum neuen Kreis Soest zusammengeschlossen.

Geographie

Nachbarkreise Der Kreis Soest grenzte 1974 im Uhrzeigersinn im Norden beginnend an die Kreise Beckum, Lippstadt, Arnsberg, Iserlohn und Unna.

Geschichte Der Kreis Soest wurde 1817 im Regierungsbezirk Arnsberg der preußischen Provinz Westfalen aus zwei Gebieten mit unterschiedlicher Vorgeschichte gebildet.

Die Stadt Soest und ihr Umland, die Soester Börde, gehörten ursprünglich zur Grafschaft Mark und in der Franzosenzeit zum französischen Satellitenstaat Großherzogtum Berg. In Berg wurden ab etwa 1809 Verwaltungsstrukturen nach französischem Muster geschaffen. Dabei wurden im bergischen Ruhrdepartement die vier Mairien (Bürgermeistereien) Borgeln, Lohne, Schwefe und Soest eingerichtet, die 1817 allesamt zu Bürgermeistereien des Kreises Soest wurden.Zusammensetzung der Bürgermeistereien im Kreis Soest, Stand 1839

Der andere Teil des Kreises setzte sich aus einem Gebiet zusammen, das ursprünglich zum Herzogtum Westfalen gehörte und 1803 an Hessen-Darmstadt gefallen war. Dieses Gebiet umfasste bei der Kreisgründung 1817 die ehemaligen hessisch-westfälischen Ämter Belecke und Oestinghausen. Vom Amt Belecke verblieb nur das Kirchspiel Körbecke im Kreis Soest, nachdem am 1. Januar 1819 die Kirchspiele Belecke, Allagen, Hirschberg, Mülheim und Warstein abgetrennt und dem Kreis Arnsberg zugeordnet wurden. Im Gegenzug wechselte der größte Teil des ehemaligen Amtes Werl aus dem Kreis Arnsberg in den Kreis Soest. Der ehemals hessisch-westfälische Teil des Kreisgebiets war danach in die drei Bürgermeistereien Körbecke, Oestinghausen und Werl gegliedert.

Am 1. April 1826 wurden die Gemeinden Wickede und Wiehagen aus dem Kreis Hamm eingegliedert.

Im Rahmen der Einführung der Landgemeinde-Ordnung für die Provinz Westfalen wurden die Bürgermeistereien des Kreises 1843 in sechs Ämter überführt, wobei die Städte Soest und Werl amtsfrei blieben.Landgemeinde-Ordnung für die Provinz Westphalen vom 31. Oktober 1841 (PDF; 1,6 MB)

Die extreme Zergliederung in Klein- und Kleinstgemeinden spiegelte die Siedlungsstruktur im Kreisgebiet wider, die insbesondere im Gebiet der fruchtbaren Soester Börde durch eine Vielzahl von Dörfern gekennzeichnet ist, die meist auf eine tausendjährige Geschichte zurückblicken können.

1868 wurde die neue Gemeinde Paradiese aus Schwefe ausgegliedert und 1890 wurde aus Gemeinden des Amtes Körbecke das neue Amt Bremen eingerichtet. Am 1. April 1901 wurde Himmelpforten nach Niederense und 1925 die im Jahr 1912 im Möhnesee versunkene Gemeinde Kettlersteich nach Delecke eingemeindet. Der Kreis war danach in die folgenden Ämter und Gemeinden eingeteilt:

Amt GemeindenBorgeln Balksen, Berwicke, Blumroth, Borgeln, Brockhausen, Dinker, Dorfwelver, Eilmsen, Hattropholsen, Katrop, Meckingsen, Nateln, Stocklarn, Thöningsen, Vellinghausen und WeslarnBremen Bilme, Bittingen, Bremen, Blumenthal, Gerlingen, Höingen, Hünningen, Lüttringen, Niederense, Himmelpforten (bis 1901), Oberense, Parsit, Ruhne, Sieveringen, Volbringen und Waltringen Körbecke Berlingsen, Brüllingsen, Büecke, Delecke, Echtrop, Ellingsen, Günne, Hewingsen, Kettlersteich (bis 1925), Körbecke, Stockum, Theiningsen, Völlinghausen, Wamel, Westrich und Wippringsen Lohne Bergede, Beusingsen, Deiringsen, Elfsen, Enkesen im Klei, Heppen, Herringsen, Hiddingsen, Lendringsen, Lohne, Müllingsen, Neuengeseke, Opmünden, Ruploh und Sassendorf Oestinghausen Bettinghausen, Eickelborn, Heintrop-Büninghausen, Hovestadt, Hultrop, Krewinkel-Wiltrop, Lohe, Niederbauer, Nordwald, Oestinghausen, Ostinghausen und Schoneberg Schwefe Ampen, Ehningsen, Einecke, Eineckerholsen, Enkesen bei Paradiese, Epsingsen, Flerke, Hattrop, Kirchwelver, Klotingen, Meiningsen, Merklingsen, Meyerich, Ostönnen, Paradiese (seit 1868), Recklingsen, Röllingsen und Schwefe Werl Budberg, Holtum, Illingen, Mawicke, Niederbergstraße, Oberbergstraße, Ostbüderich, Scheidingen, Schlückingen, Westbüderich, Westönnen, Wickede und Wiehagen 1930 wurden die Ämter Borgeln und Schwefe zum Amt Borgeln-Schwefe zusammengeschlossen. Kirchwelver und Meyerich wurden 1957 zur Gemeinde Welver vereinigt. Ostbüderich und Westbüderich wurden 1964 zur Gemeinde Büderich vereinigt.

Die Vielzahl der Gemeinden im Kreis Soest verringerte sich durch das Soest/Beckum-Gesetz von 1969 drastisch. Die Kernstadt Soest wurde mit 18 umliegenden Gemeinden zusammengelegt. Gleichzeitig wurden alle Ämter aufgelöst.

Vom 1. Juli 1969 bis zum 31. Dezember 1974 bestand der Kreis aus den Städten Soest und Werl sowie den Gemeinden Bad Sassendorf, Eickelborn, Ense, Lippetal, Lohe, Möhnesee, Welver und Wickede (Ruhr). (Die Altgemeinden Eickelborn und Lohe waren bei der Gebietsreform von 1969 ausgespart worden und behielten dadurch bis 1974 ihre Eigenständigkeit.)

Am 1. Oktober 1969 wurde aus dem Landkreis der Kreis Soest.Bekanntmachung der Neufassung der Kreisordnung für das Land Nordrhein-Westfalen vom 11. August 1969 im Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Nordrhein-Westfalen, Jahrgang 1969, Nr. 2021, S. 670 ff.

Am 1. Januar 1975 wurde der Kreis aufgelöst und mit dem Kreis Lippstadt und dem Amt Warstein des Kreises Arnsberg sowie einzelnen Gemeinden aus anderen Kreisen zum neuen Kreis Soest zusammengeschlossen. Die archivwürdigen Unterlagen des Altkreises Soest werden im Kreisarchiv Soest aufbewahrt.

Einwohnerentwicklung Jahr Einwohner Quelle 1819 33.060 1832 37.281 1871 48.914 1880 51.057 1890 52.755 1900 56.420 1910 61.040 1925 66.754 1939 73.240 1950 101.994 1960 103.400 1970 118.300 Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 1972 1973 127.300 Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 1975

Politik

Ergebnisse der Kreistagswahlen von 1946 bis 1969

In der Liste werden nur Parteien und Wählergemeinschaften aufgeführt, die mindestens zwei Prozent der Stimmen bei der jeweiligen Wahl erhalten haben.Quelle: Jeweiliges Heft des Statistischen Landesamtes (LDS NRW), Mauerstr. 51, Düsseldorf, mit den Wahlergebnissen auf der Kreisebene.

Stimmenanteile der Parteien in Prozent

Jahr CDU SPD FDP BG DZP BHE 19461 49,5 27,0 6,2 21,3 1,3 1948 41,2 30,2 26,8 1952 31,3 23,2 19,8 17,7 6,6 1956 39,4 28,4 17,8 13,1 1961 48,1 26,4 14,5 5,1 5,9 1964 42,9 30,0 15,4 4,1 5,4 2,2 1969 48,0 30,1 10,4 9,6

Fußnote

1 1946: zusätzlich: KPD: 2,0 %

Landräte 1817–1838: Friedrich von Essellen 1838–1852: Florens von Bockum-Dolffs (Übernahme der kommissarischen Verwaltung 1837) 1852–1878: Georg Friedrich Fritsch 1879–1918: Florens von Bockum-Dolffs 1918–1936: Thilo von Werthern-Michels 1936–1945: Walter Möhring 1938–1939: Vertretung 1940–1944: Vertretung 1945: Franz Hackethal 1945–1946: August Günther 1946–1948: Hubertus Schwartz 1948–1950: Erwin Kegel 1950–1964: Karl Blume 1964–1969: Fritz Böhmer 1969–1974: Georg Ehrich

Oberkreisdirektoren 1946–1954: August Günther 1954–1967: Ferdinand Wilko von Wintzingerode 1967–1974: Rudolf Harling

Wappen Dem Kreis Soest wurde mit Urkunde vom 17. April 1935 das Recht verliehen, das nachstehend beschriebene Wappen zu führen:

Wappenbeschreibung: „Im gespaltenen silbernen Schild vorn ein aufgerichteter roter Schlüssel mit nach außen gerichtetem Bart, hinten ein durchgehendes schwarzes Kreuz.“

Nach Zusammenlegung des bisherigen Kreises Soest mit dem Kreis Lippstadt zum neuen Kreis Soest erhielt dieser am 26. Mai 1976 ein neues Wappen. Dieses unterscheidet sich von dem oben beschriebenen Wappen dadurch, dass dem schwarzen Kreuz noch die lippische Rose aufgelegt ist.

Kfz-Kennzeichen

Am 1. Juli 1956 wurde dem damaligen Landkreis bei der Einführung der bis heute gültigen Kfz-Kennzeichen das Unterscheidungszeichen SO zugewiesen.

Einzelnachweise

Literatur Heinrich Luhmann (Hrsg.): Der Kreis Soest. Werden und Wesen. Verlag Hans Burkhard, Essen ohne Jahresangabe (um 1955). Hans Weller: Die Selbstverwaltung im Kreis Soest 1817–1974. Ein Beitrag zur Geschichte der übergemeindlichen Selbstverwaltung. Paderborn 1987. Statistik des Kreises Soest. Essen 1881 Hermann Schmoeckel (Hrsg.): Kreis Soest (= Deutschlands Städtebau). DARI, Berlin-Halensee 1930.

Weblinks

Angaben zum Kreis Soest vornehmlich im 19. Jahrhundert

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