Sesamstraße ist eine der erfolgreichsten Fernsehserien für Kinder im Vorschulalter. Die halbstündigen Folgen setzen sich aus sechs bis zehn kleineren, meist thematisch voneinander unabhängigen Einzelbeiträgen zusammen, die eine inhaltlich zusammenhängende Rahmenhandlung unterbrechen. Neben sketchartigen oder lehrreichen Puppendialogen („Ein Kreis ist rund“, „jetzt bin ich hier, jetzt bin ich dort“), Trickfilmen und Kinderliedern gibt es oft auch Realfilmbeiträge über einfache Situationen aus dem Kinderalltag oder über die Herstellung eines Produkts. Die Fernsehserie wird von Sesame Workshop produziert, die ihren Sitz in New York City im 1 Lincoln Plaza hat. Eine anliegende Straße, die West 63rd Street, trägt in diesem Bereich als Zweitnamen die Bezeichnung „Sesame Street“.
Geschichte Ursprung in den USA , so der Originaltitel, startete am 10. November 1969 im US-Fernsehen. Die Rahmenhandlung spielte in der , einer fiktiven, in einem Filmstudio nachgebauten Großstadt-Wohnstraße, in der es unter anderem ein von einem (in der deutschen Synchronisation „Herr Huber“, gespielt von Will Lee) geführtes Lebensmittel-Geschäft gibt. Neben weiteren menschlichen Bewohnern wie Bob (Bob McGrath), Gordon (Matt Robinson), Luis (Emilio Delgado) und Susan (Loretta Long) lebten hier (Bibo) und andere Figuren. In einer der Mülltonnen im Hof wohnt (der Griesgram). Neben Bibo und Oscar kamen in der Sendung von Beginn an weitere Muppets von Jim Henson zum Einsatz, darunter Kermit, der bereits 1955 in der Sendung Sam and Friends erstmals auftrat und später auch in der Muppet Show mitwirkte.
Produktionsorte waren und sind: 1969–1992: Reeves Teletape Studios, Manhattan, New York City 1987–1993: Unitel Video (einige Folgen), Manhattan, New York City seit 1993: Kaufman Astoria Studios, Astoria, Queens, New York City.
Einige der Original-US-Folgen wurden vom 5. bis 9. April 1971 im dritten Programm des NDR und 1973 in jenen des WDR und hr gezeigt.
Von 2014 bis 2017 wurde im Vereinigten Königreich der britisch-US-amerikanische Ableger Das Furchester Hotel ausgestrahlt.
Unsynchronisierte US-Folgen in Deutschland 60-minütige Folgen in Originalsprache wurden als Testprogramm gesendet, bevor die Sesamstraße als Vorschulprogramm im deutschen Fernsehen ausgestrahlt wurde. Der NDR zeigte im April, der WDR im Mai 1971 fünf der von Children’s Television Workshop (CTW) realisierten Originalfassungen der Sesame Street.
Das Testprogramm umfasste folgende Folgen: Folge 103, WDR, Erstausstrahlung 2. Mai 1971 Folge 107, WDR, Erstausstrahlung 9. Mai 1971 Folge 109, WDR, Erstausstrahlung 16. Mai 1971 Folge 113, WDR, Erstausstrahlung 23. Mai 1971 Folge 116, WDR, Erstausstrahlung 30. Mai 1971
Die ARD und das ZDF verhandelten um die Rechte der Ausstrahlung, und schließlich bekam der NDR in Hamburg den Zuschlag.Elke Baur: Wenn Ernie mit der Maus in der Kiste rappelt. Vorschulerziehung im Fernsehen. Hrsg. von der Projektgruppe Kinderfernsehen. Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt (am Main) 1975, ISBN 3-436-02053-2, S. 86. Im August 1972 wurden versuchsweise die ersten Sendungen der Sesame Street in der Originalfassung ausgestrahlt und die Resonanz war positiv.
Synchronisierte US-Folgen in Deutschland Die deutsche Adaption der sollte bundesweit im ersten Programm laufen, weil aber der Bayerische Rundfunk die soziale Situation in Deutschland in der Sendung nicht korrekt dargestellt sah, wurde die Sendung im Ersten nur im Sendegebiet von NDR, Radio Bremen, SFB, WDR und hr sowie in allen dritten Programmen mit Ausnahme des Bayerischen Rundfunks gesendet. Die Erstausstrahlung fand am 8. Januar 1973 statt. Vollkommen neu war dabei, dass eine Kindersendung mehrmals in der Woche und zudem zweimal am Tag lief. Die Sesamstraße wurde von Montag bis Donnerstag um ca. 9.30 Uhr gesendet und abends um 18:00 Uhr oder 18:30 Uhr wiederholt. Die Sender von SWF, SDR und SR kamen erst später im Jahr hinzu und zeigten die Folgen nur jeweils am Samstag und Sonntag um 18:00 Uhr ausschließlich in ihrem dritten Programm. Zeitweise wurde freitags eine Folge in französischer Sprache ausgestrahlt. Nach ARD-internen Regelungen musste der BR die von ihm abgelehnte Sesamstraße durch eine Eigenproduktion ersetzen; dies war der Grund, dass der BR seine Kindersendung Spielschule (ab 1969) weiterentwickelte und mit der Kinderfernsehserie Das feuerrote Spielmobil an den Start ging (Erstausstrahlung: 21. April 1972).Dirk Ulf Stötzel.: Das Magazin „Die Sendung mit der Maus“ : Analyse einer Redaktions- und Sendungskonzeption. O. Harrassowitz, Wiesbaden 1990, ISBN 978-3-447-02991-9.
Der NDR übernahm dabei (damals in Kooperation mit dem WDR und dem HR) die deutsche Bearbeitung. Von 1973 bis Ende 1975 wurden 250 Folgen (mehrmals) ausgestrahlt. Dabei handelte es sich um für das deutsche Publikum nachbearbeitete, synchronisierte Fassungen der amerikanischen Originalsendung. Lediglich wenige Einzelbeiträge stammten aus deutscher Produktion, etwa das Zeigen des Alphabets mit Buchstaben aus Schriftzügen im Stadtbild. Die Titelmelodie stammt von Ingfried Hoffmann. Die bekanntesten Muppets der Einzelbeiträge waren Ernie und Bert, Kermit der Frosch, Grover (Grobi), Cookie Monster (das Krümelmonster), Oscar und Big Bird (Bibo). Unter dem Motto „Ein Wiedersehen mit Bibo & Oscar“ wiederholten die dritten Programme von NDR, WDR (nur 1984) und HR in den 1980er Jahren auf zahlreichen Zuschauerwunsch hin einige dieser synchronisierten US-Folgen mehrmals im gemeinsamen Sommerprogramm. Die letzte Wiederholung lief 1990 im NDR und teilweise im hr. Anders als bei der Erstausstrahlung wurden bei diesen Folgen (abgesehen von Vor- und Nachspann) keine deutschen Einspielfilme gezeigt.
Folgen mit deutscher Rahmenhandlung Ab 1976 wurde die originale Rahmenhandlung nicht mehr gezeigt, da insbesondere die Figur des Oscar vehemente Proteste seitens der Elternschaft hervorrief. Stattdessen gab es eine filmisch erzählte Geschichte, die in keiner Straße spielte, so dass der Serientitel Sesamstraße nun nicht mehr nachvollziehbar war. Hauptfiguren waren ein kleiner Junge namens Bumfidel und seine Mutter.
Am 2. Januar 1978 startete eine „deutsche Sesamstraße“ als Rahmenhandlung, die das Studio Hamburg des NDR in Tonndorf produzierte. Bei dieser deutschen Kulisse handelte es sich aber weniger um eine Wohnstraße als vielmehr um eine Art offenes Haus. Den Mittelpunkt bildete dabei die Küche mit einer Theke und Hockern davor. Hauptdarsteller waren von nun an zwei Menschen und zwei Puppen: Bei den Menschen handelte es sich um Schauspieler, eine Frau und einen Mann, die meist mit ihren wirklichen Vornamen auftraten. In der ersten Staffel übernahmen Henning Venske und Liselotte Pulver (Lilo) diesen Teil. Später folgten unter anderem Ilse Biberti, Manfred Krug, Uwe Friedrichsen, Ute Willing und Horst Janson. Ab 1986 traten Hildegard Krekel (Bettina) und Gernot Endemann (Schorsch) auf. Für die beiden Puppen reiste der Henson-Mitarbeiter Kermit Love mehrere Wochen durch Deutschland, um sich bei der Gestaltung von Figuren inspirieren zu lassen, die dem deutschen Wesen entsprachen. So entstanden Samson und Tiffy – bis 1983 gespielt und geprägt von Peter Röders und Kerstin Siebmann-Röders. Samson als großer Bär nimmt dabei in etwa die Rolle von Bibo in der originalen ein. Weitere Menschen wie etwa ein Postbote kamen nur ausnahmsweise vor; weitere Puppen gab es zunächst nicht. Später kamen hinzu: Herr von Bödefeld, die Schnecke Finchen sowie Samsons Vetter Simson. Ein Bestandteil des Sendekonzeptes war es, hinter die Kulissen des Fernsehens zu blicken, also die Regie- und Kamera-Arbeit sowie die (damaligen) Möglichkeiten visueller Trickverfahren aufzuzeigen und ins Geschehen einzubinden. So konnten die „Bewohner“ jederzeit trockenen Fußes auf die Südseeinsel wandern und danach die Regie bitten, das Wasser einzublenden.
Höhepunkt dieser Phase stellte die große Zirkusgala anlässlich der 1000. Folge dar, bei der auch Original-Puppen aus den USA wie Bibo auftraten.
Ungeachtet der nun deutschen Rahmenhandlung lief Sesamstraße nach wie vor nicht regulär im Bayerischen Fernsehen.Jan Ulrich Welke: Sind wir nicht alle ein bisschen Bert? In: Stuttgarter Zeitung vom 7. November 2009. Lediglich im Samstagnachmittagprogramm im Ersten konnte man eine Folge sehen.
Nach dem Großbrand Nach dem Tod des bisherigen Samson-Darstellers Herbert Langemann 1987 und nachdem bei einem Großbrand in einer Lagerhalle des NDR in Buxtehude 1988 der Kostümfundus, Requisiten und Kulissenteile der Sesamstraße zerstört wurden, wurde das deutsche Konzept der Serie einschließlich Vor- und Abspann erstmals auffällig inhaltlich und technisch überarbeitet. Die bisherigen Kulissen wurden dabei durch neue – bestehend aus Vorgarten, Wald und Höhle – ersetzt. Zusätzlich wurden neue Puppen eingeführt, darunter ein Uhu und Rumpel aus der Regentonne, der den früheren Oscar ersetzte. Die ersten prominenten Mitspieler an der Seite der Puppen waren in diesem neuen Konzept Gernot Endemann, der bereits ab 1986 als Schorsch auftrat, sowie ab 1991 Kirsten Sprick als Bettina. Seitdem traten immer wieder neue aktuelle Schauspieler und Prominente in den Rahmenhandlungen auf, darunter in den 2000er Jahren Peer Augustinski, Dirk Bach, Anke Engelke, Annette Frier und Miriam Krause. Kostümbildnerin für die Schauspieler wie die Kunstfiguren war zehn Jahre lang Julia Stoess.
Am 30. Dezember 1993 wurde in den USA die Neujahrssendung Sesame Street Stays Up Late (bekannt als Sesame Street Celebrating Around The World) ausgestrahlt, in der gezeigt wurde, wie in anderen Ländern Silvester gefeiert wird, etwa Israel, Mexiko, Deutschland, Norwegen, Japan und Portugal, wobei einige Figuren aus den nationalen Sesamstraßenausgaben auftraten. Im Beitrag über Deutschland, der in Buxtehude gedreht wurde, tauchten Tiffy als Reporterin, Samson und Finchen auf, zusammen mit einigen Kindern.
Im Jahr 2003 wurde der 30. Geburtstag der Sendung aufwendig mit Sondersendungen und Bühnenshows in deutschen Bahnhöfen gefeiert. Nahezu gleichzeitig änderte die ARD die Ausstrahlungszeiten: Der traditionelle Termin am Vorabend (18:00 bzw. 18:30 Uhr) entfiel und wurde durch Termine im Frühprogramm oder zur Mittagszeit ersetzt. Dies führte vor allem bei Eltern und Freunden der Sesamstraße zu Protesten. Insgesamt wurden über 2000 Folgen gesendet.
Seit 2010 wird ein Ableger der Sesamstraße präsentiert und die Sendung Eine Möhre für zwei ausgestrahlt. Hauptfiguren der Serie sind die aus der Sesamstraße bekannten Figuren Wolle und Pferd.
Der NDR produzierte 2011 einen weiteren Ableger mit 15 Musikfilmen zu je 5 Minuten, Sesamstraße präsentiert: Ernie & Bert Songs. Es handelt sich um neun Märchenlieder sowie sechs Lieder mit den Gästen Lena Meyer-Landrut, Xavier Naidoo, Herbert Grönemeyer, Jan Delay, Juli und Max Raabe. Die Serie wurde vom 5. bis 23. Dezember 2011 im KiKA sowie im Jahr 2012 im NDR ausgestrahlt.
2012 wurde nach vier Jahren Pause wieder eine neue Staffel produziert. Diese war ab dem 1. Oktober 2012 im KiKA zu sehen. Das Konzept wurde dabei komplett erneuert. Im Mittelpunkt der Sendung steht nun Elmo, der von Puppenspieler Martin Reinl gespielt wird. Des Weiteren sind die bereits bekannten „deutschen“ Figuren Finchen, Pferd und Wolle, die bereits „eingedeutschten“, ursprünglich amerikanischen Figuren Ernie und Bert sowie das Krümelmonster und Grobi in der Sendung zu sehen.
Sammlungen einiger Folgen aus den 1970er, 1980er, 1990er und 2000er Jahren sind digital bei ARD Plus verfügbar.
Ab November 2025 sollen die neuesten Folgen der amerikanischen Originalversion auch auf Netflix veröffentlicht werden, werden aber nicht in deutschsprachigen Ländern verfügbar sein.
Seit Januar 2026 sind mehrere klassische Folgen der amerikanischen Originalversion auf YouTube verfügbar.
Figuren der Sesamstraße
US-amerikanische Figuren
Puppen Bibo und Klein Bibo mini|Kopf der um 1975 verwendeten Bibo-Puppe|links