Die Schwarz-Gruppe (Eigenschreibweise Schwarz Gruppe) ist eine deutsche Unternehmensgruppe mit faktischem Sitz in Neckarsulm. Unter den Marken Lidl und Kaufland werden nach eigenen Angaben insgesamt ca. 14.500 Filialen in 34 Ländern betrieben. Da es sich im handelsrechtlichen Sinn bei der Schwarz-Gruppe nicht um einen Konzern handelt, wird keine Konzernbilanz erstellt. Die Schwarz-Gruppe hat eine verschachtelte Beteiligungskonstruktion, ähnlich der eines Konglomerats.
Operative Struktur Das operative Geschäft ist auf fünf Unternehmensgruppen verteilt, die gesellschaftsrechtlich aber nicht miteinander verbunden, sondern Schwesterunternehmen sind:
Lidl
Die Lidl Stiftung & Co. KG (Lidl-Filialen in Europa, aber ohne Deutschland und den USA) und die LD-Stiftung (Lidl-Filialen in Deutschland) sind Lebensmitteleinzelhändler, die zusammen ca. 14.500 Lidl-Filialen betreiben. Die Regionallager und das Immobiliengeschäft sind bei den Regional- bzw. Landesgesellschaften angesiedelt.
Kaufland
Die Kaufland Stiftung & Co. KG ist ein Lebensmitteleinzelhändler, der ca. 1.467 Filialen betreibt. Die Regionallager und das Immobiliengeschäft sind bei den Regional- bzw. Landesgesellschaften angesiedelt. Die fünf fleischverarbeitenden Betriebe sind Tochtergesellschaften.
Schwarz Produktion
Die Schwarz Produktion Stiftung & Co. KG ist ein Lebensmittelhersteller, der Eigenmarken für Lidl und Kaufland herstellt. In geringem Umfang wird auch für Dritte produziert. Das Recyceln und die Produktion von neuen Kunststoff-Flaschen für die Getränkeabfüllung sind Teil der Schwarz Produktion.
Prezero
Die Prezero Stiftung & Co. KG ist ein Entsorgungsunternehmen mit 460 Standorten in Europa, davon rund 120 in Deutschland. Prezero arbeitet sowohl für Unternehmen der Schwarz-Gruppe als auch für Dritte.
Schwarz Digits
Die Schwarz Digits KG ist die Digital- und IT-Sparte der Schwarz-Gruppe und bündelt deren IT-Organisation sowie externe Angebote in den Bereichen Cloud, Informationssicherheit, Künstliche Intelligenz und digitale Lösungen.
Unternehmensgeschichte mini|Lidl & Co. Südfrüchtenhandlung in der Sülmerstraße 54 in Heilbronn (um 1905) 1930 trat der Heilbronner Kaufmann Josef Schwarz (1903–1977) als persönlich haftender Gesellschafter (Komplementär) in die Lidl & Co. Südfrüchtenhandlung ein. Das Unternehmen wurde in Lidl & Schwarz KG umbenannt und zu einer Lebensmittelgroßhandlung für die Region Heilbronn-Franken ausgebaut.
Nachdem Lidl & Schwarz 1944 im Zweiten Weltkrieg völlig zerstört worden war, gelang der Wiederaufbau innerhalb von zehn Jahren. 1954 schloss sich Lidl & Schwarz der A&O-Handelskette an. Das Unternehmen erhielt 1954 in Heilbronn erneut einen eigenen Sitz. (5. März 2018).
Der einzige Sohn von Josef Schwarz, Dieter Schwarz, absolvierte nach seinem Abitur von 1958 bis 1960 eine kaufmännische Ausbildung bei Lidl & Schwarz in Heilbronn. Das Unternehmen wurde von seinem Vater zu diesem Zeitpunkt als alleinigem Geschäftsführer geleitet. 1962 wurde Dieter Schwarz Prokurist und 1963 persönlich haftender Gesellschafter der Lidl & Schwarz KG in Heilbronn.
Aufstieg der Schwarz-Gruppe
Im Jahr 1968 eröffnete Dieter Schwarz mit seinem Vater den ersten Supermarkt unter dem Namen „Handelshof“ im schwäbischen Backnang. 1972 wurde in Neckarsulm eine neue Unternehmenszentrale eröffnet. Seinen ersten Discountermarkt in Ludwigshafen am Rhein eröffnete Dieter Schwarz 1973 in der Mundenheimer Straße. Weil er den Namen Lidl aus rechtlichen Gründen nicht ohne Weiteres übernehmen konnte und um das Wortspiel „Schwarzmarkt“ zu vermeiden, sicherte er sich rechtlich ab, indem er dem pensionierten Berufsschullehrer und Kunstmaler Ludwig Lidl für 1000 DM die Namensrechte abkaufte.
1976 wurde Klaus Gehrig Geschäftsführer unter Eigentümer Dieter Schwarz. Die Unternehmensaktivitäten wurden in Discountmärkte (Kleinflächen) unter dem Namen Lidl sowie in die Vollsortimenter (Großflächen) der Marke Kaufland aufgeteilt. Als Josef Schwarz 1977 im Alter von 74 Jahren starb, übernahm Dieter Schwarz die Lebensmittelgroßhandlung Lidl & Schwarz KG. Zu diesem Zeitpunkt verfügte Dieter Schwarz über 30 Lidl-Filialen.
1984 eröffnete in Neckarsulm der erste Supermarkt unter dem damals neuen Namen „Kaufland“. Alle Handelshof-Supermärkte wurden in Kaufland umbenannt.
Nach der Expansion Lidls innerhalb Deutschlands erfolgte 1988 der Markteintritt Lidls in Europa.
Nach der Wende in der DDR 1989/90 expandierte Kaufland in die neuen Bundesländer. Der erste ostdeutsche Kaufland-Supermarkt wurde 1990 in Meißen eingerichtet. Heute ist Kaufland im Supermarktsegment Marktführer in den neuen Bundesländern. 1998 wurde in Kladno in Tschechien die erste Kaufland-Filiale im Ausland eröffnet. Weitere Filialen betreibt Kaufland in den mittel- und osteuropäischen Ländern.
Die Schwarz-Gruppe ist aktuell (2020) nach Jahresumsatz das größte Handelsunternehmen Europas und beschäftigt etwa 458.000 Mitarbeiter. In Europa und den USA gibt es über 11.000 Lidl-Filialen, womit Lidl nach der Anzahl der Filialen der größte Discounter der Welt ist. Auf Kaufland entfallen laut Unternehmensangaben vom Dezember 2020 rund 1.300 Märkte mit etwa 132.000 Mitarbeitern in acht Ländern Europas.
Der Schwarz-Projekt-Campus, ein Forschungs- und Innovationszentrum, entsteht seit 2020 in Bad Friedrichshall. Zwei Radwegbrücken verbinden den Campus mit der Stadt und dem Neckarradweg. Nach Zusage erheblicher Investitionen seitens der Dieter Schwarz Stiftung erfolgte am 21. Oktober 2025 der Spatenstich für den Innovationspark Künstliche Intelligenz (IPAI) in Heilbronn. Die Investitionen sollen drei Milliarden Euro betragen. Am 17. November 2025 erfolgte der Spatenstich für ein KI-Rechenzentrum der Schwarz-Gruppe in Lübbenau im Spreewald. Auf rund 13 Hektar Fläche sollen elf Milliarden Euro investiert werden, laut Unternehmensangabe die größte Einzelinvestition in der Unternehmensgeschichte.
Gesellschafterstruktur und Unternehmensgeflecht An der Lidl Stiftung & Co. KG sind – aufgrund der Rechtsform als Kommanditgesellschaft – sowohl Komplementäre als auch Kommanditisten beteiligt. Als Komplementäre treten – laut Handelsregister – die in Dresden ansässige LSt Stiftung und die PVG Geschäftsführungs-KG mit Sitz in Neckarsulm auf. Als Kommanditisten der Lidl Stiftung & Co. KG sind im Handelsregister eine SB Lidl KG mit Sitz in Neckarsulm und eine VK GmbH mit Sitz in Liebenwalde registriert.
Der Beteiligungskette folgend, sind an der SB Lidl KG – wiederum aufgrund der Rechtsform als Kommanditgesellschaft – ebenfalls Komplementäre und Kommanditisten beteiligt. Als Komplementäre treten die Alpha Stiftung mit Sitz in Dresden, die bekannte PVG Geschäftsführungs-KG mit Sitz in Neckarsulm und die SB-Lidl Verwaltungs GmbH mit Sitz in Neckarsulm in Erscheinung. Als Kommanditist tritt nur eine Gesellschaft, die sogenannte D. Schwarz Beteiligungs-KG mit Sitz in Neckarsulm, in Erscheinung. zentriert|rahmenlos| Beteiligungen innerhalb der Schwarz-Gruppe laut deutschem/schweizerischem Handelsregister Beteiligungen innerhalb der Schwarz-Gruppe laut deutschem/schweizerischem Handelsregister|665x665px
1. Bündelung des Vermögens – das Kapital Die D. Schwarz Beteiligungs-KG / Rosint GmbH / Zeha GmbH An der D. Schwarz Beteiligungs-KG sind als wesentlich Beteiligte vor allem die Kommanditisten Rosint GmbH und Zeha GmbH mit Sitz im schweizerischen St. Gallen zu nennen. Neben diesen beiden schweizerischen GmbHs tritt die Schwarz Unternehmenstreuhand KG mit Sitz in Neckarsulm als Kommanditistin auf. In der Schwarz Unternehmenstreuhand KG sind Sarah Fix-Bähre, Rainer Neske, Fritz Oesterle und Jürgen Schreiber als De-facto-Aufsichtsrat beteiligt. Neben genannten natürlichen Personen tritt als Kommanditist der Schwarz Unternehmenstreuhand KG die Dieter Schwarz TV-Vermögensverwaltung GmbH mit Sitz in Neckarsulm auf.
Die Dieter Schwarz TV-Vermögensverwaltung GmbH An der Dieter Schwarz TV-Vermögensverwaltung GmbH sind als Gesellschafter die natürlichen Personen Hermann-Josef Hoffmann, Berthold Gaede und Armin Sohler eingetragen. Armin Sohler ist auch Komplementär bei der Rettenmaier Unternehmenstreuhand GmbH & Co. KG mit Sitz in Heilbronn. Berthold Gaede ist Rechtsanwalt und Steuerberater der international tätigen Rechtsanwaltskanzlei Noerr. Herrmann-Josef Hoffmann ist Wirtschaftswissenschaftler und Geschäftsführer der Dieter Schwarz TV-Vermögensverwaltung GmbH mit Sitz in Neckarsulm.
Die Präambel des Gesellschaftsvertrages nimmt Bezug auf das Testament von Dieter Schwarz. Die Gesellschaft soll laut der Präambel als eine Art Testamentsvollstrecker wirken.
Die gemeinnützigen Dieter Schwarz Stiftungen Die Anteile an den schweizerischen GmbHs, der Rosint GmbH und der Zeha GmbH, werden von zwei deutschen Stiftungen bürgerlichen Rechts gehalten. So sind laut schweizerischem Handelsregisterauszug beispielsweise die Anteile an der schweizerischen Rosint GmbH in der deutschen Dieter Schwarz Stiftung für Kunst & Kultur, die Anteile der schweizerischen Zeha GmbH in der deutschen Dieter Schwarz Stiftung für Wissenschaft und Forschung zusammengefasst worden. Während diese beiden Stiftungen Stiftungen bürgerlichen Rechts gem. § 80 ff. BGB darstellen, ist die Dieter Schwarz Stiftung gGmbH eine anerkannte gemeinnützige GmbH.
Es ist aufgrund der Firmierung beider Stiftungen jeweils von einem gemeinnützigen Zweck auszugehen. D. h. die Kapitalanteile der deutschen Schwarz-Gruppe sind unter Zwischenschaltung zweier schweizerischer GmbHs in zwei deutschen, gemeinnützigen Stiftungen bürgerlichen Rechts gebündelt. Um bei gewerblich tätigen Personengesellschaften auf der Ebene der Stiftungen dennoch das Rechtsinstitut der ggf. steuerbegünstigten Vermögensverwaltung zu erzielen, werden regelmäßig Kapitalgesellschaften zwischengeschaltet.
Eine gemeinnützige Stiftung bürgerlichen Rechts muss mindestens ein Drittel ihrer Erträge für ihren gemeinnützigen Zweck aufbringen. Ein weiteres Drittel kann in eine Rücklage für spätere gemeinnützige Projekte eingestellt werden. Das letzte Drittel kann an den Stifter abfließen und ist von diesem in vollem Umfang zu versteuern. Die Übertragung von Vermögen auf eine gemeinnützige Stiftung ist in der Regel erbschaftsteuerbefreit möglich – allerdings gibt der Stifter sein Eigentum am Vermögen auf und kann nur noch über maximal ein Drittel der Erträge einer gemeinnützigen Stiftung privat verfügen.
Die privatnützige Familienstiftung Schwarz Neben den Dieter Schwarz Stiftungen besteht noch die Familienstiftung Schwarz als Stiftung bürgerlichen Rechts, die als privatnützige Stiftung der Versorgung des Stifters und seiner Abkömmlinge dient. Sie ist an der Kaufland Stiftung & Co. KG mit Sitz in Neckarsulm als wesentlicher Komplementär beteiligt. Eine privatnützige Stiftung ist nicht erbschaftsteuerbefreit. Erträge aus einer privatnützigen Stiftung sind in vollem Umfang der regulären Besteuerung zu unterwerfen. Es liegt das sogenannte Doppelstiftungsmodell vor. Ähnliche Konstruktionen bestehen auch bei Robert Bosch und Bertelsmann.
Zusammenfassung Stiftungen Es bestehen somit drei unmittelbare Beteiligungsträgerstiftungen – und mehrere sonstige Stiftungen. Als Beteiligungsträgerstiftungen treten zwei gemeinnützige, deutsche Stiftungen bürgerlichen Rechts, die die gesamten, wesentlichen Kapitalbeteiligungen der D. Schwarz Beteiligungs-KG – respektive Rosint GmbH / Zeha GmbH – auf sich vereinen (hier: Dieter Schwarz Stiftung für Kunst & Kultur und die Dieter Schwarz Stiftung für Wissenschaft und Forschung) auf. Beide Stiftungen sind in Neckarsulm ansässig.
Daneben besteht als weitere, privatnützige Beteiligungsträgerstiftung die Familienstiftung Schwarz, welche unmittelbar an der deutschen Kaufland Stiftung & Co. KG als nennenswerte Komplementärin beteiligt ist. Diese hat ihren Sitz im sächsischen Dresden.