Würdenhain ist nach Einwohnern der kleinste Ortsteil der Gemeinde Röderland im südbrandenburgischen Landkreis Elbe-Elster. Er befindet sich westlich der Mündung der Großen Röder in die Schwarze Elster im Süden des Naturparks Niederlausitzer Heidelandschaft.

In Würdenhain gab es nachweislich eine befestigte Anlage in Form einer Burg oder eines Schlosses, die vermutlich im ersten Viertel des 11. Jahrhunderts entstand. Der Ort selbst wurde 1346 erstmals urkundlich erwähnt. Im Jahr 1370 war die Herrschaft Würdenhain im Besitz von Kaiser Karl IV. Das Schloss wurde 1442 auf Befehl des sächsischen Kurfürsten Friedrich des Sanftmütigen zerstört, da sich der dortige kursächsische Vasall des Landfriedensbruches schuldig gemacht hatte. Das Herrschaftsgebiet wurde der benachbarten Herrschaft Mühlberg zugeteilt. Als das Gebiet durch Tausch- und Kaufgeschäfte an den böhmischen Adligen Hinko Birke von der Duba kam, wurde in der Kaufurkunde vermerkt: „Das Waell zcu Werdenhein sol zcu ewigen Zeiten nicht bebauwet noch betzimmert werden.“

Nach der politischen Wende in Deutschland bildete am 26. Oktober 2003 Würdenhain mit den umliegenden Dörfern Haida, Prösen, Reichenhain, Saathain, Stolzenhain und Wainsdorf die Gemeinde Röderland.

Geografie Geografische Lage und Naturraum mini|Naturpark Niederlausitzer Heidelandschaft mini|Das Landschaftsschutzgebiet Elsteraue II mit der Ortslage von Würdenhain Würdenhain liegt im Norden der Gemeinde Röderland linksseitig der Mündung der Großen Röder in die Schwarze Elster. Der Verwaltungssitz der Gemeinde Röderland, Prösen, befindet sich etwa zehn Kilometer südöstlich des Dorfes.

Der Ort liegt etwa sechs Kilometer westlich der Stadt Elsterwerda und acht Kilometer östlich der Kurstadt Bad Liebenwerda im Süden des Naturparks Niederlausitzer Heidelandschaft, der ein 484 Quadratkilometer großes Gebiet im Landkreis Elbe-Elster und im Landkreis Oberspreewald-Lausitz umfasst. Sein Kernstück, das Naturschutzgebiet Forsthaus Prösa mit einem der größten zusammenhängenden Traubeneichenwälder Mitteleuropas liegt nur wenige Kilometer nördlich Würdenhains in der einstigen Liebenwerdaer Heide.

Der Ort ist vom etwa 6011 Hektar großen Landschaftsschutzgebiet Elsteraue umgeben, das in drei ökologische Raumeinheiten aufgeteilt ist, wobei das Teilgebiet Elsteraue II Würdenhain einschließt. Einer der Schutzzwecke des Landschaftsschutzgebietes ist „die Erhaltung des Gebietes wegen seiner besonderen Bedeutung für die naturnahe Erholung im Bereich des Kurortes Bad Liebenwerda.“

Nordwestlich des Ortes erstreckt sich entlang des Flusslaufs der alten Röder bis Prieschka das etwa 80 Hektar große Naturschutzgebiet Alte Röder. Sein Schutzzweck besteht unter anderem in der Erhaltung und Entwicklung dieses Gebietes als Lebensraum des Elbebibers und anderer existenzbedrohter Tierarten. Die bereits 1981 unter Naturschutz gestellte Röderniederung beherbergt eines der beständigsten Vorkommen des vom Aussterben bedrohten Elbebibers.

Geologie Würdenhain befindet sich im Breslau-Magdeburger Urstromtal, das wenige Kilometer östlich in der Niederung des Schradens zwischen Elsterwerda und Merzdorf mit sieben Kilometer Breite seine engste Stelle erreicht und dann nach Nordwesten schwenkt. Das heutige Landschaftsbild ist maßgeblich von der vorletzten Eiszeit geprägt. Eine mehrere hundert Meter mächtige Schicht Sand und Kies bedeckt das kristalline Grundgebirge, das Teil der Saxothuringischen Zone des variszischen Grundgebirges ist. Die höchste Erhebung im Ort hat eine Höhe von etwa 90 m ü. NN.

Klima mini|Klimadiagramm von Doberlug-Kirchhain etwa 20 km nordöstlich von Würdenhain Würdenhain liegt mit seinem humiden Klima in der kühl-gemäßigten Klimazone, jedoch ist ein Übergang zum Kontinentalklima spürbar. Die nächsten Wetterstationen befinden sich in Richtung Nordosten in Doberlug-Kirchhain, westlich in Torgau und südlich in Oschatz und Dresden.

Der Monat mit den geringsten Niederschlägen ist der Februar, der niederschlagsreichste der Juli. Die mittlere jährliche Lufttemperatur beträgt an der etwa 20 Kilometer nordöstlich gelegenen Wetterstation Doberlug-Kirchhain 8,5 °C. Der Unterschied zwischen dem kältesten Monat Januar und dem wärmsten Monat Juli beträgt 18,4 °C.Geoklima 2.1

Geschichte mini|Der Ortseingang von Würdenhain aus Richtung Haida Ortsname Der Name Würdenhain leitet sich von Werder (Insel) und Hain (Wald) ab und bedeutet bewaldete Insel.onomastik.com Onomastik, Namenkunde, Namenforschung …

Frühere Schreibweisen waren 1346 Werdenhayn, 1405 Werdinhain, Wirdenhain, 1410 Werdenhain, 1486 Wirdenhain, 1529 Werdenhayn, 1577 Wirdenhan, 1617 Wirdenhain und Werdenhain. Seit 1675 hieß der Ort Würdenhain.

Ortsgeschichte Frühgeschichte und erste urkundliche Erwähnung Würdenhains mini|Würdenhain Bodenfunde beweisen, dass auf Würdenhainer Gebiet bereits steinzeitliche Jäger und Sammler ihre Feuersteinwaffen und Werkzeuge bearbeitet haben. So machte der Prieschkaer Ernst Voegler, bis zum Ersten Weltkrieg Lehrer in Würdenhain, auf der Gemarkung von Würdenhain mehrere Funde aus der jüngeren und mittleren Steinzeit. Außerdem wurden bronzezeitliche Scherben gefunden. Im Jahr 1947 fand man eine 25 Zentimeter hohe Urne sowie Reste von zwei Schalen aus der frühen Eisenzeit (Billendorfer Kultur).

Der Ort Würdenhain wurde urkundlich zum ersten Mal 1346 erwähnt.

Die Herrschaft Würdenhain In Würdenhain gab es eine befestigte Anlage in Form einer Burg oder eines Schlosses, die vermutlich im ersten Viertel des 11. Jahrhunderts entstand. Würdenhain war Eckpunkt des Gaues Nizizi beziehungsweise der Ostmark und dürfte vom Ort Belgern aus angelegt worden sein. Die Vasallen lebten von der Arbeit ihrer Bauern, die um 1200 die Dörfer Würdenhain, Reichenhain und Haida gründeten und die alten Wendendörfer Prieschka, Oschätzchen, Kröbeln und Kosilenzien ausbauten. Zur Herrschaft Würdenhain gehörten die Gemeinden Prieschka, Haida, Würdenhain, Reichenhain und Oschätzchen und ursprünglich wohl auch Kosilenzien und Kröbeln, wie aus den alten Kirchspielgrenzen geschlossen werden kann. Das Kernstück der Herrschaft bildete der Oppach, ein etwa 1700 Morgen großer Eichenwald. Weiterhin gehörten die Wälder Ziegram und Kliebing zur Herrschaft Würdenhain.

Im Jahr 1370 kam der römisch-deutsche Kaiser Karl IV., der bereits 1367 die Niederlausitz und die Herrschaft Strehla an der Elbe erworben hatte, in den Besitz der Herrschaft Würdenhain sowie der angrenzenden Herrschaften Mühlberg, Elsterwerda, Mückenberg und Ortrand. Er schlug das Gebiet seinem Stammbesitz, den böhmischen Kronländern, zu. Gegen Ende des 14. Jahrhunderts kam die Herrschaft Würdenhain wie auch Mühlberg, das 1397 verpfändet wurde, an die Mark Meißen. mini|Kurfürst Friedrich II. von Sachsen, genannt der Sanftmütige

1405 wurde das Schloss Würdenhain, das sich südöstlich des heutigen Ortes befand, in einer Verpfändungsurkunde bezeugt, als der seit 1398 auf Mückenberg sitzende Heinrich von Waldow, mit dem Schloss Werdinhain für 1000 Gulden vom Meißner Markgrafen Wilhelm I. belehnt wurde.

Letzter bekannter Besitzer des Würdenhainer Schlosses war Hans Marschalk. Man warf dem kursächsischen Vasallen 1442 Untreue vor, da er es offenbar mit dem Landvogt der Niederlausitz Nickel von Polenz auf Senftenberg hielt. Dieser hatte sich zum Missfallen der Sachsen am 3. Januar 1441 vom brandenburgischen Kurfürsten Friedrich dem Zweiten gegen Zahlung von jährlich 500 Gulden für drei Jahre unter Schutz stellen lassen. Zuvor hatte der Liebenwerdaer Amtsvogt einen heimlichen Boten ausgeschickt, „daß er zur Lußitz ging, Erfahrung zu haben, ob nymant Hans Marschalk wolde zu Hülffe kommen.“

Hans Marschalk wurde ins Gefängnis geworfen, sein Lehen eingezogen und das Schloss geschleift. Das in der Liebenwerdaer Chronik von 1837 aufgeführte Vergehen, Marschalk habe sich gegen eine Hofdame der zu Liebenwerda residierenden Kurfürstin ungebührlich gezeigt, diente wohl nur als Vorwand. Kurfürst Friedrich der Sanftmütige ließ das Würdenhainer Herrschaftsgebiet an die Herrschaft Mühlberg übertragen. Im Jahr 1443 kam das Gebiet durch Tausch- und Kaufgeschäfte an den böhmischen Adligen Hinko Birke von der Duba. In der Kaufurkunde wurde vermerkt: „Das Waell zcu Werdenhein sol zcu ewigen Zeiten nicht bebauwet noch betzimmert werden.“

Die „Wahlstedt“ Würdenhain erschien in einem Lehnsbrief letztmals im Jahre 1480.

Würdenhain als Mühlberger Amtsgemeinde Das Herrschaftsgebiet Würdenhain gehörte ab 1520 zum Amt Mühlberg, an das fortan Steuern und Frondienste geleistet werden mussten. In Würdenhain gab es einen Dingestuhl, dem außer dem Dorf auch Haida, Reichenhain und Oschätzchen angehörten. Am Dingetag mussten alle Bauern dieser Dörfer erscheinen und der Dorfrichter nahm nach Entrichtung einer Gebühr Klagen an, um sie dann beim Amt einzurügen.

Im Jahr 1564 war der Würdenhainer Kretzschmann (Schankwirt) Hans Bräunig Wortführer eines Aufruhrs der Bauern von Würdenhain und der Nachbardörfer Haida, Reichenhain und Prieschka gegen den Mühlberger Amtsvogt Fuchs. Sie legten ihre Beschwerden in einem Schriftstück mit der Überschrift „Die 10 Klageartikel der Dorfschaften Werdenhayn und Heide“ nieder und leiteten es über den Amtmann nach Dresden. Da sie aber dem Dienstweg nicht trauten, schickten sie eine zweite Ausfertigung direkt an den Kurfürsten „zu seinen selbstigen Händen“. Sie beschwerten sich unter anderem über die Beeinträchtigung der Fischerei und der Forstnutzungsrechte sowie über geschmälerten Lohn beim Schlossbau in Mühlberg.

Dresden ordnete daraufhin zunächst Nachforschungen nach den „Rehdelsführern“ an, da man das Vorgehen der Bauern als gefährlich und strafwürdig ansah. Hans Breunig, der zunächst verhaftet wurde, und einige andere Bauern wurden später mit Gerichtsbußen belegt. mini|Amt Mühlberg auf einer 1745 erstellten Karte von Peter Schenk

Während des Dreißigjährigen Krieges erlitt Würdenhain schwere Verwüstungen. Besonders hart traf es das Dorf 1637, als schwedische Truppen des Generals Johan Banér im Januar das nicht weit entfernte Torgau einnahmen und dort bis in den Frühsommer lagerten. Sie durchstreiften das angrenzende Elbe-Elster-Gebiet, plünderten die Orte und setzten sie in Brand. Mehrere Höfe wurden auch in Würdenhain niedergebrannt; noch bis etwa 1700 waren die Spuren des Krieges sichtbar. Neben den Folgen des Krieges litten die Bewohner des Dorfes auch unter der Pest. Besonders schwer traf es den Ort 1680, als etwa 40 der 100 Einwohner der Seuche zum Opfer fielen, die der Bruder des Würdenhainer Pastors aus Dresden mitgebracht haben soll. Die alte Burgstätte wurde als Pestfriedhof genutzt, aber auch im Oppach und im Dorf selbst wurden die Opfer beerdigt.

Etwa um 1700 ließ sich der Besitzer des Freigutes Prieschka, Obrist-Wachtmeister Andreas Gottfried von Kirchbach, in der Kirche zu Würdenhain einen Herrschaftsstuhl einrichten. Zum eigenen Schankgut erwarb er noch das Schankgut Würdenhain. Das Gut Prieschka hatte damals eigene Winzer in Prieschka und Haida. Die Prieschkaer Weinberge befanden sich in Haida. Von Kirchbach wurde 1724 in einer Gruft in der Würdenhainer Kirche beigesetzt.

Der 1756 begonnene Siebenjährige Krieg hatte auch Auswirkungen auf das im preußisch-sächsischen Grenzgebiet liegende Würdenhain. Durchziehende Truppen suchten die Gegend immer wieder heim und die Preußen versuchten mit Zwangsrekrutierungen junge Männer aus den besetzten Gebieten in ihre Armee zu pressen. Im Oktober 1757 rückten fünfhundert Kroaten im Dorf ein. Die Truppen, deren Generalmajor in der Pfarre eingemietet war, blieben drei Tage. Dabei waren sie „überaus bescheiden und zechten nur von ihrem eigenen Geld“.

Vom Wiener Kongress bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges mini|Alte Röder mini|Oppach mini|Würdenhain auf einer geschichtlichen Karte des Kreises Liebenwerda (1910). mini|Die Röder kurz vor ihrem Eintritt in die Schwarze Elster mini|Die von 1958 bis 1959 errichtete Elsterbrücke