mini|Illustration von Otto Ubbelohde, 1909 Die kluge Bauerntochter ist ein Märchen (ATU 875). Es steht in den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm an Stelle 94 (KHM 94). Zudem ist es auch im dänischen,Svend Grundtvig: Die kluge Königin. In: Dänische Volksmärchen 2. Joh. Barth, Leipzig 1879, S. 160–178; .Heinz Barüske (Hrsg. und Übers.): Die kluge Königin. In: Dänische Märchen. Insel Verlag, Frankfurt am Main und Leipzig 1993, S. 125–136, 399.Bengt Holbek (Hrsg.) Die kluge Küsterstochter. In: Dänische Volksmärchen. Akademie-Verlag, Berlin 1990, S. 149–157, 276; Übersetzung von Gisela Perlet. norwegischen,Reimund Kvideland, Hallfreður Örn Eiríksson (Hrsg.): Der Junge, der die Königstochter bekam. In: Norwegische und Isländische Volksmärchen. Akademie-Verlag, Berlin 1988, S. 188–189, 304. estnischen,Richard Viidalepp (Hrsg.): Die kluge Bauerntochter. In: Estnische Volksmärchen. Akademie-Verlag, Berlin, 1980, S. 327–330, 449; Übersetzung von Eugenie Meyer. lettischen,Ojārs Ambainis (Hrsg.): Die kluge Tochter. In: Lettische Volksmärchen. Akademie-Verlag, Berlin 1977, S. 330–333, 437; Übersetzung von Benita Spielhaus. litauischen,August Schleicher: Vom schlauen Mädchen. In: Litauische Märchen, Sprichworte, Rätsel und Lieder. Böhlau, Weimar 1857, S. 3–4; .Jochen Dieter Range (Übers. und Hrsg.): Von einer schlauen Magd bzw. Von einer schlauen Magd, die ein Gutsherr geheiratet hat. In: Die Märchen der Weltliteratur – Litauische Volksmärchen. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1981, S. 200–203, 275. polnischen,Helena Kapeuś, Julian Krzyżanowski (Hrsg.): Die kluge Kasia. In: Die Kuhhaut – Polnische Volksmärchen (Das Gesicht der Völker, Band 54). Erich Röth-Verlag, Kassel 1987, S. 293–300, 459. tschechischen,Oldřich Sirovátka (Hrsg.): Die Kluge vom Gebirge. In: Die Märchen der Weltliteratur – Tschechische Volksmärchen. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1969, S. 203–209, 302; übertragen von Gertrud Oberdorffer.Jaromír Jech (Hrsg.): Vom klugen Mädchen. In: Tschechische Volksmärchen. Rütten & Loening, Berlin 1961, S. 368–373, 579; Übersetzung von Franz Peter Künzel. slowakischen,Viera Gašparíková (Samm. und Hrsg.): Was ist das Liebste? In: Die Märchen der Weltliteratur – Slowakische Volksmärchen. Eugen Diederichs Verlag, München 2000, S. 180–183, 293. ungarischen,Agnes Kovács (Hrsg.): Das kluge Mädchen. In: Die Märchen der Weltliteratur – Ungarische Volksmärchen. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1966, S. 91–97, 337; übertragen von Jeanette Hajdu.Gyula Ortutay (Hrsg.): König Mátyás und das Szeklermädchen. In: Ungarische Volksmärchen. Corvina Kiadó, Ungarn 1980, S. 483–486, 541; aus dem Ungarischen übersetzt von Mirza Schüching und Géza Engl. serbischen,Vuk Karadžić: Von dem Mädchen das an Weisheit den Kaiser übertraf. In: Volksmärchen der Serben. Reimer, Berlin 1854, S. 157–161; .Wolfgang Eschker (Übers. und Hrsg.): Das Mädchen übertrifft den Zaren an Klugheit. In: Die Märchen der Weltliteratur – Serbische Märchen. Eugen Diederichs Verlag, München 1992, S. 194–198, 343. bulgarischen,Nikolai Rainow: Das kluge Mädchen. In: Bulgarische Märchen. Swjat Verlag, Sofia 1987, S. 283–285; Übersetzung von Lotte Markowa.Elena Ognjanowa (Hrsg.): Die Hirtin, die Zarin wurde. In: Märchen aus Bulgarien. Insel-Verlag, Leipzig 1987, S. 328–330, 503–504. rumänischen,Petre Ispirescu: Die kluge Tochter des Armen. In: Märchen. Altberliner Verlag Lucie Groszer, S. 132–143; Deutsch von Lotte Berg. ukrainischen,Bohdan Mykytiuk (Hrsg.): Das kluge Mädchen. In: Die Märchen der Weltliteratur – Ukrainische Märchen. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1979, S. 139–143, 278.P. V. Lintur (Hrsg.): Das weise Mädchen. In: Ukrainische Volksmärchen. Akademie-Verlag, Berlin 1981, S. 528–533, 678. russischen,Alexander Nikolajewitsch Afanassjew: Das kluge Mädchen. In: Russische Volksmärchen. Ludwig, Wien 1910, S. 152–157; .Erna Pomeranzewa (Hrsg.): Das kluge Mädchen. In: Russische Volksmärchen. Akademie-Verlag, Berlin 1977, S. 451–454, 562.Alexander Nikolajewitsch Afanassjew: Die kluge Jungfrau. In: Russische Märchen. Insel Verlag, Frankfurt am Main 1990. S. 372–376; Übertragen von Werner von Grimm. griechischen,Georgios A. Megas (Samm. und Hrsg.): Was ist das Schnellste auf der Welt? In: Die Märchen der Weltliteratur – Griechische Volksmärchen. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1965, S. 138–143, 317–318; übertragen von Inez Diller. italienischen,Paul Heyse: Das kluge Mädchen. In: Italienische Volksmärchen. I.F. Lehmann, München 1914, S. 74–79; . türkischenOtto Spies (Hrsg. und Übert.): Das kluge Bauernmädchen. In: Die Märchen der Weltliteratur – Türkische Märchen. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1967, S. 148–150, 319. und usbekischenIlse Laude-Cirtautas (Hrsg. und Übers.): Das kluge Mädchen. In: Die Märchen der Weltliteratur – Märchen der Usbeken. Eugen Diederichs Verlag, Köln 1984, S. 143–145, 263–264. Sprachraum bekannt.

Inhalt mini|Illustration von Otto Ubbelohde, 1909 Ein Bauer findet in einem Acker, den ihm der König schenkte, einen goldenen Mörser. Da er den dazugehörigen Stößel nicht findet, rät ihm seine Tochter davon ab, den Mörser ohne den Stößel dem König zu bringen. Der Bauer tut es trotzdem und wird sogleich gefangen gesetzt, weil der König ihm vorhält, den Stößel unterschlagen zu haben. Erst nachdem die Bauerntochter den König von ihrer Klugheit überzeugt, indem sie eine vermeintlich unlösbare Aufgabe löst, lässt dieser den Bauern wieder frei, heiratet die Bauerntochter und macht sie zur Königin.

Jahre später setzt die frühere Bauerntochter und jetzige Königin ihre Klugheit wieder ein, um einem Pferdebesitzer im Streit mit einem Ochsenbauern zu seinem Recht zu verhelfen, mischt sich dadurch aber in die Rechtsprechung des Königs ein, weswegen dieser sie verstößt. Er gesteht ihr aber noch zu, dasjenige aus dem Königsschloss mit in ihr Bauernhaus zu nehmen, was ihr „das Liebste“ ist. Die Königin versetzt ihren Mann in einen tiefen Schlaf und nimmt ihn, der ihr „das Liebste“ geworden ist, mit sich in ihr Bauernhaus.

Als der König dort wieder erwacht, erkennt er erst, wie groß die Liebe seiner Frau tatsächlich ist; er nimmt sie – zu Tränen gerührt – zurück mit auf das Schloss und lässt sich erneut mit ihr vermählen. „Und sie werden ja wohl noch auf den heutigen Tag leben“.

Estnische Variante

Eine estnischen Version beginnt mit einem Streit zwischen einem Gutsherrn und einem Bauern, den der Bauer, dank seiner rätselbegabten Tochter, vor Gericht, für sich entscheiden kann. Dem Hauptrichter gefällt die Tochter sehr und so nimmt er sie zur Frau. Im selben Ort kommt es dann zum Streit zwischen zwei Bauern, die zwei Pferdekoppeln besitzen. Der eine hat einen Wallach und der andere eine Stute und weil die Stute ihr Fohlen auf der Koppel des Wallach-Besitzers bekommen hatte, der gut Freund mit dem Richter ist, spricht dieser dem Besitzer des Wallachs das Fohlen zu. Die Frau des Richters rät dem Stuten-Besitzer daraufhin in die nahegelegene Sandwüste fischen zu gehen, wo der Richter ihn beim Spazierengehen sieht und lacht und der Mann dem Richter entgegnet, dass es genauso unmöglich ist Fische im Sand zu fangen, wie dass ein Wallach ein Fohlen bekommt. Vor Gericht spricht der Richter dann dem Stuten-Besitzer das Fohlen zu und erfährt, dass seine Frau es war, die dem Bauern den Rat gab. Noch einige Male mischt sich die Frau des Richters in die Angelegenheiten ihres Mannes ein, bis der sie schließlich wegschickt, ihr aber sagt, sie könne ihr teuerstes Gut mitnehmen. Nach einem großen Fest, nimmt sie ihren betrunkenen Mann mit und fährt zu einem Heuschober, wo der Nüchterngewordene am nächsten Morgen um Verzeihung bittet.

Herkunft mini|Illustration von Robert Anning Bell, 1912 Grimms Anmerkung notiert zur Herkunft „Zwehrn“ (von Dorothea Viehmann) und vergleicht anhand mehrerer Motive die Sage von Aslaug, Tochter Brünhilds bei Sigurd, bzgl. des Rätsels auch einen Schwank in Paulis Schimpf und Ernst und bei Hans Sachs „1560. Bl. 78“, Gesta Romanorum „Cap. 124“, „Cento novelle antiche (Torino 1802) S. 163“, Wuk „S. 125. 126“, Würdtwein „S. 488“, die Lalenbürger, Ratherius’ sermo de octavis paschae in Haupts Zeitschrift für deutsches Altertum 8, 21, Altdeutsche Blätter 1, 149, 152, Ferdinand Wolf „über die altfranzös. Heldengedichte S. 133.“ Grimms nennen noch Colshorn Nr. 26 Die kluge Dirne, Zingerle „S. 160“, Pröhles Märchen für die Jugend Nr. 49 Die kluge Hirtentochter, einen Reisebericht Asbjörnsens 1847 „S. 2“, Tendlau „in den jüdischen Sagen S. 54“.

In Ulrich Jahns Schwänke und Schnurren aus Bauernmund bekam das Märchen den Titel Kathrinchen, die kluge Besenbinderstochter.Ulrich Jahn: Kathrinchen, die kluge Besenbinderstochter. In: Schwänke und Schnurren aus Bauern Mund. Mayer und Müller, Berlin 1890, S. 75–86; .

Ákos Dömötör sah bei 600 Fassungen als Kern die unmöglichen Aufgaben des Königs an ein kluges Mädchen. Der zweite Teil der Erzählung scheint später angefügt und ähnelt der Salomo-Sage und Midrasch-Erzählungen.Walter Scherf: Das Märchenlexikon. Band 1. C. H. Beck, München 1995, ISBN 978-3-406-51995-6, S. 692–695. Das Motiv, dass die Frau als das Liebste ihren Mann mitnimmt, begegnet in anderem Zusammenhang in der Sage von Burg Weibertreu.

Vgl. später zum Fischgarn Die Räuberhöhle im Walde in Johann Wilhelm Wolfs Deutsche Hausmärchen, Hans ohne Sorgen in Ernst Heinrich Meiers Deutsche Volksmärchen aus Schwaben, Nr. 28, „nicht angezogen und nicht nackt“ auch in Ulrich Jahns Volksmärchen aus Pommern und Rügen, Nr. 11 Hadelum-pum-pum.

Varianten Das Märchen ist auch im nichtdeutschen Sprachraum bekannt. Eine dänische Variante wurde von Svend Grundtvig veröffentlicht. Eine weitere dänische Variante zeichnete Kristen Nielsen auf. Karl Brasets norwegische Variante dreht die Rollenverteilung um und lässt einen klugen Jungen die unlösbare Aufgabe lösen. Eine Veröffentlichung im Estnischen stammt von Jakob Hurt. Richard Viidalepp merkt dazu an, dass 18 estnische Varianten bekannt sind, die mehr im östlichen Teil des Landes verbreitet sind. In der Sammlung lettischer Märchen von P. Šmits finden sich 5 Varianten des Märchens. Alma Medne verzeichnet derer sogar 79. Litauische Varianten wurden von August Schleicher und Jonas Basanavičius veröffentlicht. Auch in livischer Sprache existiert eine Aufzeichnung, die von Oskar Loorits niedergeschrieben wurde.August von Löwis of Menar (Hrsg.): Das kluge Weib. In: Die Märchen der Weltliteratur – Finnische und estnische Volksmärchen. Eugen Diederichs, Jena 1922, S. 287–289; (Märchentext) und (Anmerkungen).

Eine polnische Variante von Stefania Ulanowska erschien in der Reihe Das Gesicht der Völker (Band 54). In Tschechien zeichnete Božena Němcová das Märchen zwischen 1845 und 1847 im Chodengebiet auf. Eine weitere tschechische Variante stammt von Josef Tvrdý; eine slowakische von Frank Wollman. Aus Ungarn stammt eine Variante von Antal Horger und eine, die von Oszkár Majland aufgezeichnet wurde. Gyula Ortutay merkt zu ersterer an, dass das Märchen auch durch Schulbücher in Ungarn sehr verbreitet war. Das Märchen ist in Ungarn auch bei den Roma bekannt, von denen eine Variante von Sándor Csenki veröffentlicht wurde.Heinz Mode, Milena Hübschmannová: König Mátyás und seine kluge Frau. In: Zigeunermärchen aus aller Welt. Vierte Sammlung, Insel-Verlag, Leipzig 1985, S. 214–217, 538; übertragen von Percy Dreger. Nach Diether Röth verbindet sich der Märchenstoff im Ungarischen in 13 von 43 Varianten mit der Person des Königs Matthias.József Vekerdi: Die zwei Bettler. In: Ilona Tausendschön – Zigeunermärchen und -schwänke aus Ungarn (Das Gesicht der Völker, Band 48). Erich Röth-Verlag, Kassel 1980, S. 136–139, 184; übersetzt von Henriette Schade-Engl.