mini|Gedenktafel für Olav Engelbrektsson in St. Gummarus, Lier (Belgien) Olav Engelbrektsson (* nach 1480; † 7. Februar 1538 in Lier) war der letzte römisch-katholische Erzbischof in Norwegen. Er war der zentrale Gegenspieler der Einführung der Reformation in Norwegen.

Herkunft Olav Engelbrektsson stammte aus einem Bauern- oder niederadeligen Geschlecht. Über seine Jugend ist kaum etwas bekannt. Seit dem 17. Jahrhundert wurde versucht, seine Familie zu ermitteln. Die überzeugendste Theorie stellte Ludvig Daae auf: Danach war Olav Sohn des Ehepaars Engelbrekt Gunnarsson und Jorunn in Trondenes bei Harstad. Die beiden zogen zusammen mit dem Dekan von Nidaros Sakse Gunnarsson, der nach dieser Hypothese ein Onkel Olavs war, nach Rom. Danach hatte er einen Bruder Aslak, der 1533 Setesvein in Trondenes, und einen Bruder Gunnar, der Kanoniker in Oslo war. Sein Neffe Gaute Taraldsson wurde nach 1533 Olavs Kanzler und ein anderer naher Verwandter Christoffer Trondsson wurde sein Admiral. Dieser entstammte dem Adel von Sunnhordland, aber Olav selbst entstammte einem Großbauerngeschlecht in Romerike. Er führte ein Adelswappen mit drei Lilien um eine Rose gruppiert. Daraus ist jedenfalls zu entnehmen, dass er zur norwegischen Elite gehörte.

Ausbildung und Werdegang Ausbildung 1503 wurde Olav an der Universität Rostock immatrikuliertSiehe dazu den Eintrag der Immatrikulation von Olav Engelbrektsson im Rostocker Matrikelportal und dort auch zum Priester geweiht. Er hielt sich bis 1514 in Rostock auf, wurde 1505 BaccalaureusSiehe dazu den Eintrag des Bakkalaureats von Olav Engelbrektsson im Rostocker Matrikelportal und 1507 Magister artium.Siehe dazu den Eintrag der Magisterpromotion von Olav Engelbrektsson im Rostocker Matrikelportal Er war mehrere Jahre im Vorstand der norwegischen Studentenverbindung „Regentia S. Olavi“, die wahrscheinlich vom Erzbischofsstuhl in Nidaros unterhalten wurde. Gleichzeitig scheint er an der Universität unterrichtet zu haben. Damals war Rostock Mittelpunkt des norddeutschen Humanismus mit starker nationaler Ausrichtung und historischen Interessen.

Die ersten Ämter Am 17. Dezember wurde er Dekan in Nidaros. Damit hatte er den höchsten Rang im Bistum nach dem Erzbischof und war für den Gottesdienst im Nidarosdom verantwortlich. 1519 redigierte er mit dem Kantor Peter Sigurdsson das Missale Nidarosiense. Er verstand sich gut mit Erzbischof Erik Valkendorf und wurde dessen Offizial. Er scheint auch für das Bistumsvermögen zuständig gewesen zu sein. Als Valkendorf im Konflikt mit König Christian II. nach Rom zog, ging die Regierung über das Bistum auf das Domkapitel über, dem Olav als Dompropst vorstand. Seine Rechnungsbücher und das Grundbuch aus seiner Zeit als Erzbischof, seine Baumaßnahmen an der Domkirche und in Steinvikholmen zeigen seine hohe Verwaltungsbegabung.

Die Wahl zum Erzbischof miniatur|hochkant|Olav Engebrektssons Wappenschild mit einer von drei Doppel-Lilien umgebenen Rose. Als aus Rom die Nachricht von Valkendorfs Tod eintraf, wurde Olav am 30. Mai 1523 vom Domkapitel zum Erzbischof gewählt. Er reiste unverzüglich nach Rom, musste aber auf die Einsetzung des neuen Papstes warten, bevor er erst im Dezember von Papst Clemens VII. das Pallium erhielt. In Rom lernte er den deutschen Geografen und gelehrten Theologen Jakob Ziegler kennen, der 1532 in Straßburg ein geografisches Werk über Skandinavien, Schondia, herausgab, in welchem er in der Einleitung zum Kartenwerk die Sichtweise Olav Engelbrektssons über Norwegen wiedergab: Norwegen sei ursprünglich ein blühendes Reich gewesen, bis in einer Zeit der Thronvakanz der Adel das Wahlkönigtum eingeführt habe. Dies habe zu Bürgerkriegen geführt, so dass fremde Mächte in das Königreich eingedrungen seien und die Macht übernommen hätten. Die Folge sei die Unterwerfung unter Dänemark gewesen. Die Dänen hätten daraufhin Norwegen ausgeplündert und eine Willkürherrschaft ausgeübt. Die Versammlungsfreiheit sei aufgehoben worden. Dänemark habe die Schifffahrt von und nach Norwegen kontrolliert, so dass jeglicher Handel sofort unterbunden werden konnte, wenn sich Norwegen gegen den König unbotmäßig erweisen sollte. Im Wesentlichen charakterisierte er so die Herrschaft Christians II. Aber es erscheint nicht wahrscheinlich, dass Olav Engelbrektsson norwegischer Erzbischof hätte werden können, wenn Christian II. die volle Kontrolle über Norwegen gehabt hätte.

Während der Vakanz des Bischofsstuhls 1523 erhob sich der dänische Adel mit militärischer Unterstützung aus Lübeck gegen Christian II., der aus Dänemark fliehen musste. Der neue König Friedrich I. war vom norwegischen Reichsrat noch nicht zum norwegischen König gewählt worden. Olav war altem Brauch gefolgt, als er auf seiner Reise nach Rom 1523 bei seinem Aufenthalt in den Niederlanden König Christian II., der immer noch Norwegens König war, huldigte. Auf seiner Heimreise nach Norwegen wurde ihm klar, dass Friedrich I. neuer norwegischer König sein werde, nachdem er von allen übrigen Mitgliedern des Reichsrates anerkannt war. So huldigte er dem neuen König im April 1524 in Flensburg unter der Bedingung, dass der König das norwegische Recht und die Privilegien der Kirche respektiere.

Der Konflikt mit Dänemark Die Reichsversammlung in Bergen Auf einer Versammlung des norwegischen Reichsrates im August 1524 in Bergen formulierte dieser die Wahlkapitulation für die offizielle Wahl Friedrichs zum norwegischen König: Norwegen sollte einen gleichwertigen Status mit Dänemark im Gesamtreich mit eigener Selbstverwaltung durch den norwegischen Reichsrat haben. Die Erhebung von Steuern und wichtige außenpolitische Entscheidungen sollten der Zustimmung des Reichsrates bedürfen. Die norwegischen Gesetze und die Privilegien der Kirche sollten respektiert und das norwegische Staatsarchiv nach Norwegen zurückgebracht werden. Der König sollte Norwegen dabei unterstützen, alles zurückzubekommen, was es unter den vorigen Königen verloren hatte. Es gab noch weitere Bedingungen zur Stärkung der adligen und geistlichen Standesprivilegien.

Die Forderungen des Reichsrates lagen auf der gleichen Linie wie bei früheren Wahlkapitulationen, und die nationalen Forderungen stimmten mit der Haltung Olav Engelbrektssons überein. Sie waren auf einem Treffen Olavs mit dem Bischof von Hamar, Mogens Lauritsson, und anderen Adligen aus Østlandet bei seiner Rückkehr aus Rom im Mai ausgearbeitet worden. Dieser führte vor dem Reichstag in Bergen Verhandlungen mit Friedrich, um dessen Zustimmung zu erreichen.

Die politische Entwicklung unter Friedrich I. Die Unvorsichtigkeit, mit der in der Folgezeit die eingeschlagene Politik durchgeführt wurde, war im Wesentlichen auf Vincens Lunge zurückzuführen. Er zwang 1524/1525 auf die Forderung Bergens Henrik Krummedike auf alle norwegischen Lehen zu verzichten und vertrieb Olav Galle aus Schloss Akershus, beides gegen den ausdrücklichen Willen des Königs. In Dänemark wurde Lunge als treibende Kraft hinter dieser herausfordernden Politik betrachtet. Dagegen galt der Erzbischof eher als besonnen.

Die Amtsführung des Erzbischofs legt es nahe, dass er Anhänger einer eher vorsichtigen Linie war. Er konzentrierte sich auf kirchliche Aufgaben und die Stärkung seiner Machtbasis, insbesondere durch den Bau der Festung Steinvikholmen 1525. Er hoffte, dass die Politik Lunges keinen Schaden anrichtete; doch dieser bereitete ihm dauernd Schwierigkeiten, weil er nicht auf eine Absprache gemeinsamer Politik wartete, sondern als Statthalter des Königs in Nordafjellske Norge auf eigene Faust handelte und so Olavs Stellung als Vorsitzenden des Reichsrates schwächte. Lunge trieb durch seine harsche Landbesitz-Politik gegen verschiedene Adelsgeschlechter frühzeitig einen Keil in die norwegische Gesellschaft. Ein Brief von 1526 zeigt, dass er sich mit den Bischöfen von Bergen und Stavanger verfeindet hatte, unter anderem, weil Lunge mit dem Luthertum sympathisierte, was auch zu Misstrauen des Erzbischofs ihm gegenüber führte.

In dieser Zeit trat der Reichsrat Norwegens nicht zusammen, sondern begnügte sich mit Beratungen durch Briefwechsel. Der Grund waren wohl die häufigen Seeräuberüberfälle. Der Erzbischof widersetzte sich 1525/1526 dem Wunsch des Königs, in Konghelle (Bohuslän) gekrönt zu werden, da dies nicht die richtige Krönungskirche war und weil die Küste vor Piraten nicht sicher sei. Die eigenmächtige Festlegung von Zeit und Ort der Krönung widersprach der Wahlkapitulation. Die Stadt stand unter dänischer Kontrolle und war durch eine schwedische Okkupation in Viken von Norwegen abgeschnitten. Olav holte sich die Zustimmung der übrigen Mitglieder des Reichsrates für seine Ablehnung ein. Wahrscheinlich haben dabei auch Informationen über Friedrichs I. lutherische Gesinnung eine Rolle gespielt. Der König wollte dabei auch in Kongshelle eine gemeinsame Zusammenkunft der dänischen und norwegischen Reichsräte abhalten. Im Herbst 1526 bestellte der König mit einer sehr kurzen Frist den Erzbischof, Vincens Lunge und Olav Galle zu einem Treffen mit dem dänischen Reichsrat in Odense ein, das nicht zu Stande kam. Lunge behauptete später, er habe die Ladung erst Monate nach dem Treffen erhalten. In Odense plante Friedrich eine Expedition gegen Schloss Akershus, die im Mai 1527 durchgeführt wurde. Olav Galle wurde gezwungen, das Schloss an den Dänen Mogens Gyldenstierne zu übergeben. Dies geschah im Einvernehmen mit den sønnafjelsken Mitgliedern des Reichsrates und dem Bischof von Oslo Hans Rev. Gyldenstierns Vetter erhielt Bohuslän. Olav wandte sich an den König, Olav Galle wenigstens seine Lehen in Trøndelag zu bestätigen, was ihm auch gelang, Vincens Lunge distanzierte sich im Herbst 1527 von Olav Engelbrektsson auf Grund einer schottischen Klage, dass norwegische Schiffe schottische Schiffe gekapert hätten, und stellte Olavs Kriegsschiffe in Bergen unter Arrest.

Olav Engelbrektsson verweigerte weiterhin die Krönung Friedrichs, der nunmehr Oslo vorgeschlagen hatte, das er militärisch beherrschte. Olav fürchtete wohl, dass er in Oslo unter Druck gesetzt werde und beharrte auf Nidaros als traditionellem Krönungsort.

1528 unterstützte Vincens Lunge einen landflüchtigen schwedischen Abenteurer, den „Daljunker“, der einen misslungenen Aufstand gegen den schwedischen König Gustav I. Vasa angeführt hatte. Der Erzbischof hatte sich an dieser Unterstützung nicht beteiligt. Aber König Gustav betrachtete ihn gleichwohl als Mittäter und verlangte von König Friedrich, alle aus der Familie von Lunge und den Erzbischof abzusetzen, was dem dänischen König sehr willkommen war. Lunge musste zwar das Schloss Bergenhus an den Dänen Eske Bille abtreten, der der Vetter der Lehnsmänner in Akershus und Bohus war, erhielt aber gleichzeitig Klostergut in Bergen und behielt die Lehen in Vestlandet und in Mittel- und Nordnorwegen. Der Erzbischof sollte seine Lehen in Trøndelag an zwei holsteinische Adlige in den Diensten des Königs abtreten. Diese Verfügungen des Königs waren ein eklatanter Bruch der Wahlkapitulation. Der König informierte den Erzbischof auch nicht mehr über seine Entscheidungen. Dieser musste sich mit Informationen aus Dritter Hand über die Maßnahmen gegen die Selbstverwaltung Norwegens und die Selbständigkeit der Kirche begnügen. Hinter dieser Entwicklung stand Vincens Lunge, der seine neue Position in Dänemark dazu benutzte, den Erzbischof in Misskredit zu bringen.