Thor von Waldstein, eigentlich Thor Gebele von WaldsteinAngaben im Bundesweiten Amtlichen Anwaltsverzeichnis (abgerufen am 10. Dezember 2025) (* 7. November 1959 in Mannheim), ist ein deutscher Rechtsanwalt und Publizist der Neuen Rechten. Er war von 1979 bis 1982 Vorsitzender des rechtsextremen Nationaldemokratischen Hochschulbundes (NHB).

Herkunft und Studium Thor von Waldstein wurde 1959 als Sohn des Rechtsanwaltes Sigwalt von Waldstein in Mannheim geboren, der ab 1973 zeitweilig dem Bundesvorstand der NPD angehörte. Sein Vater ist u. a. durch „nationalrevolutionäre“ Äußerungen aufgefallen.Bundesministerium des Innern (Hrsg.): Innere Sicherheit. Nr. 21, Bonn 1974, S. 2.

Er besuchte nach eigenen Aussagen das Lessinggymnasium seiner Heimatstadt. Von 1978 bis 1985 studierte von Waldstein Rechtswissenschaft sowie Geschichte, Philosophie, Politikwissenschaft und Soziologie an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. 1985 legte er das erste juristische Staatsexamen ab. Ab 1986 absolvierte er das Referendariat (bis 1988) in den Landgerichtsbezirken Waldshut-Tiengen und Baden-Baden und arbeiteteThor von Waldstein: Vorwort von 2008. In: Ders.: Der Beutewert des Staates. Graz 2008, S. 11 f. an seiner Dissertation. 1988 war er kurzzeitig bei der Deutschen Auslandshandelskammer Indien in Bombay und Madras tätig und legte das zweite juristische Staatsexamen ab.

Im Jahre 1989 wurde er bei dem Politikwissenschaftler Bernard Willms,Franziska Hundseder: Rechte machen Kasse. Gelder und Finanziers der braunen Szene. Droemer Knaur, München 1995, ISBN 3-426-80047-0, S. 101. der als ein Vordenker der Neuen Rechten gilt, an der Ruhr-Universität Bochum mit der Dissertation Die Pluralismuskritik in der Staatslehre von Carl Schmitt zum Dr. rer. soc. promoviert; Zweitgutachter war Wilhelm Bleek. Im Vorwort dankt er ausdrücklich Hans-Dietrich Sander,Thor von Waldstein: Vorwort von 1989. In: Ders.: Der Beutewert des Staates. Graz 2008, S. 13 f. einem rechtsextremen Publizisten, der sein Interesse an dem 1985 verstorbenen Staatsrechtler und politischen Philosophen geweckt habe.

1991/1992 folgte eine Promotion bei Günther WüstThor von Waldstein: Vorwort. In: Ders.: Das Verklarungsverfahren im Binnenschiffahrtsrecht. Duisburg 1992, o. S. an der Juristischen Fakultät der Universität Mannheim zum Dr. iur. mit der Arbeit über Das Verklarungsverfahren im Binnenschiffahrtsrecht; Zweitgutachter war der Fakultätsbeauftragte für Binnenschifffahrtsrecht, Günther Wiese.

Anwaltliche Tätigkeit 1989 ließ er sich als Rechtsanwalt in MannheimAnton Maegerle: Holocaustleugner. In: Tribüne. Zeitschrift zum Verständnis des Judentums, 43 (2004) 172, S. 42–46, hier: S. 44. nieder, spezialisiert auf Schifffahrtsrecht, und trat als Prozessvertreter vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) auf. Außerdem wurde er u. a. Mitautor eines Gesetzeskommentars, der 2007 in der fünften Auflage erschien und als Standardwerk in diesem Bereich gilt, sowie Korrespondent des Fachmagazins Schiffahrt und Technik.Redaktion, Schiff und Technik, abgerufen am 1. Juni 2015.

Neben seiner Tätigkeit als Wirtschaftsanwalt verteidigte er auch mehrere Personen aus der rechtsextremen Szene. InternationaleSarah Rembiszewski: The Final Lie. Holocaust Denial in Germany. A Second Generation Denier as a Test Case. Tel Aviv University Press, Tel Aviv 1995, ISBN 965-7033-04-7, S. 92. Beachtung fand 1994 sein Mandat (gemeinsam mit Hajo Herrmann) für den amerikanischen Holocaust-Leugner Fred Leuchter.Rainer Fromm, Barbara Kernbach: Europas braune Saat. Die internationale Verflechtung der rechtsradikalen Szene. Aktuell, München u. a. 1994, ISBN 3-87959-512-7, S. 15. In diesem Zusammenhang bezeichnete ihn der Fachjournalist Rainer Fromm als „rechtsradikalen“ Anwalt.

Weitere Mandanten waren u. a. 1998 der Herausgeber der rechtsextremen Zeitschrift Staatsbriefe, Hans-Dietrich Sander,Rainer Erb: Staatsbriefe (1990–2001). In: Wolfgang Benz (Hrsg.): Handbuch des Antisemitismus. Judenfeindschaft in Geschichte und Gegenwart. Band 6: Publikationen. Im Auftrag des Zentrums für Antisemitismusforschung der Technischen Universität Berlin. De Gruyter Saur, Berlin u. a. 2013, ISBN 978-3-11-025872-1, S. 667. 2004 die Töchter des NS-Ministers Fritz TodtSven Felix Kellerhoff, Andrea Pu: Gedenkstein für NS-Minister: Töchter setzen sich gegen Bezirksamt durch. In: Die Welt. Jg. 59, 1. September 2004, Nr. 204, S. 35. und 2007 der rechtsextreme und geschichtsrevisionistische Verleger Wigbert Grabert.

Politik in der damaligen NPD Von Waldstein interessierte sich als Student für die extrem rechte französische , wie er selbst angibt. Er war von 1979Horst W. Schmollinger: Die Nationaldemokratische Partei Deutschlands. In: Richard Stöss (Hrsg.): Parteien-Handbuch. Die Parteien der Bundesrepublik Deutschland 1945–1980. Band 2: FDP bis WAV (= Schriften des Zentralinstituts für Sozialwissenschaftliche Forschung der Freien Universität Berlin. Band 39). Westdeutscher Verlag, Opladen, ISBN 3-531-11592-8, S. 1981. bis 1982 Vorsitzender der Studentenorganisation Nationaldemokratischer Hochschulbund (NHB) der Partei Die Heimat (damals noch NPD) und wurde 1984 von der damals durch Martin Mußgnug geleiteten rechtsextremen und in Teilen neonazistischen Nationaldemokratischen Partei Deutschlands (NPD) als Kandidat (Listenplatz 6)Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Wahl der Abgeordneten des Europäischen Parlaments aus der Bundesrepublik Deutschland am 17. Juni 1984 (= Bevölkerung und Erwerbstätigkeit. Fachserie 1). Heft 1: Textliche Auswertung der Wahlergebnisse. Kohlhammer, Stuttgart 1984, S. 19. zur Wahl des Europäischen Parlaments aufgestellt. Die Partei erreichte 0,8 Prozent der Stimmen und verpasste den Einzug. Zeitweilig war er auch stellvertretender Bundesvorsitzender der NPD-Jugendorganisation Junge Nationaldemokraten (JN).Martin Finkenberger: Geschichtsrevisionisten vor Gericht. In: Martin Finkenberger, Horst Junginger (Hrsg.): Im Dienste der Lügen. Herbert Grabert (1901–1978) und seine Verlage. Alibi Verlag, Aschaffenburg 2004, ISBN 3-932710-76-2, S. 13?. 1982 war er gemeinsam mit einer NPD-Landtagskandidatin Mitinitiator der als rassistisch gewerteten Bayerischen Liste für Ausländerstopp im Umfeld der Partei.Jens Mecklenburg (Hrsg.): Handbuch deutscher Rechtsextremismus (= Antifa-Edition). Elefanten-Press, Berlin 1996, ISBN 3-88520-585-8, S. 285.

Publizistik und Referententätigkeit in der Neuen Rechten Nach dem Sozialwissenschaftler Alexander Häusler vom Forschungsschwerpunkt Rechtsextremismus/Neonazismus der FH Düsseldorf sei der Rechtsanwalt „ein bekannter Autor, Rechtsanwalt und Vortragsredner der extremen Rechten“.Alexander Häusler: Mut zur Wahrheit? Entstehungskontext, Entwicklung und gesellschaftspolitische Positionen der „Alternative für Deutschland“. Expertise im Auftrag des Deutschen Gewerkschaftsbundes, erstellt vom Forschungsschwerpunkt Rechtsextremismus/Neonazismus der FH Düsseldorf, Berlin 2014, S. 70. (PDF)

So schrieb von Waldstein für verschiedene rechtsextreme Organe wie Nation und Europa und Staatsbriefe,Jean Cremet, Felix Krebs, Andreas Speit: Jenseits des Nationalismus. Ideologische Grenzgänger der "Neuen Rechten" – ein Zwischenbericht (= Reihe antifaschistischer Texte. Bd. 4). Unrast, Hamburg u. a. 1998, ISBN 3-928300-94-6, S. 65. in der geschichtsrevisionistischen Zeitschrift Deutschland in Geschichte und Gegenwart, im jungkonservativen Organ ZeitenwendeHelmut Kellershohn: Das Projekt Junge Freiheit. Eine Einführung. In: Helmut Kellershohn (Hrsg.): Das Plagiat. Der völkische Nationalismus der jungen Freiheit. Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung, Duisburg 1994, ISBN 3-927388-44-0, S. 45. sowie in den neurechten Blättern Elemente,Helmut Kellershohn: Das Projekt Junge Freiheit. Eine Einführung. In: Helmut Kellershohn (Hrsg.): Das Plagiat. Der völkische Nationalismus der jungen Freiheit. Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung, Duisburg 1994, ISBN 3-927388-44-0, S. 44. Sezession und Junge Freiheit. Der Extremismusforscher Armin Pfahl-Traughber, der von Waldstein als ehemaligen „NPD-Aktivisten“ bezeichnet,Armin Pfahl-Traughber: Konservative Revolution und neue Rechte. Rechtsextremistische Intellektuelle gegen den demokratischen Verfassungsstaat. Leske und Budrich, Opladen 1998, ISBN 3-8100-1888-0, S. 210. rechnet dessen vielfachInnenministerium des Landes Schleswig-Holstein (Hrsg.): Verfassungsschutzbericht 1998. Kiel 1999, S. 10 f. abgedruckte „Thesen zum Kapitalismus“ (1998) zur „rechtsextremistischen Kapitalismuskritik“.Armin Pfahl-Traughber: Globalisierung als Agitationsfeld des deutschen Rechtsextremismus. In: Thomas Greven, Thomas Grumke (Hrsg.): Globalisierter Rechtsextremismus? Die extremistische Rechte in der Ära der Globalisierung. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2006, ISBN 3-531-14514-2, S. 45. Der Sozialwissenschaftler Fabian Virchow (2000) machte in einigen von von Waldsteins Veröffentlichungen, erschienen in den Staatsbriefen (2001) und der JN-Zeitschrift Einheit und Kampf (1990), zudem einen der „extremen Rechten“ zugeneigten „Antiamerikanismus“ aus.Fabian Virchow: Gegen den Zivilismus. Internationale Beziehungen und Militär in den politischen Konzeptionen der extremen Rechten (= Forschung Politik). VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2006, ISBN 3-531-15007-3, S. 174. In einem Rechtsgutachten des Wiener Rechtswissenschaftlers Heinz Mayer (2005) für die Welser Initiative gegen Faschismus und das Mauthausen Komitee Österreich wird ein Beitrag von Waldsteins in den AFP-Informationen von 1985 dahingehend kritisiert, dass dieser „die Zeit des Nationalsozialismus durchgängig in besonders zynischer Weise“ darstelle. So bezeichnete von Waldstein beispielsweise den Holocaust als „US-amerikanisches Kulturprodukt“.Heinz Mayer: Rechtsgutachten [über die „Arbeitsgemeinschaft für demokratische Politik“ (AFP) und den „Bund freier Jugend“ (BfJ)]. Wien 2005, S. 10. Wie der Historiker Hans Fenske rezensierte, diffamiere von Waldstein im 1994 durch Heinz-Theo Homann und Gerhard Quast herausgegebenen Jahrbuch zur Konservativen Revolution die Weimarer Republik als „das erste staatlich-organisierte liberalistische Abenteuer auf deutschem Boden“. 1945 wurde dies den Deutschen „zum zweitenmal zugemutet“. Ferner sei das heutige Deutschland „fremdbestimmt“, und die politikwissenschaftlichen Lehrstuhlinhaber in „Großwestdeutschland“ seien in ihren „versontheimerten Ideologieschrebergärten“ nur mittelmäßig. Es seien also „deutliche Reserven“ gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung (FdGO) auszumachen, so Fenske.Hans Fenske: Über: Jahrbuch zur Konservativen Revolution 1994 (Rez.). In: Historische Mitteilungen der Ranke-Gesellschaft, 9/1996, S. 123–128, hier: S. 126. Auch in einem JF-Beitrag wandte er eine „unverhohlene Polemik“ gegen das Grundgesetz an, so Horst Meier.Horst Meier: Protestfreie Zonen?. Variationen über Bürgerrechte und Politik. BWV, Berlin 2012, ISBN 978-3-8305-3032-9, S. 92.