300px|mini|Loučovice, Kirche: kostel svatého Oldřicha Loučovice (deutsch Kienberg) ist eine Gemeinde im Okres Český Krumlov in Tschechien. Sie liegt vier Kilometer westlich von Vyšší Brod (Hohenfurth) im Moldautal nördlich der österreichischen Landesgrenze.

Geographie Loučovice liegt am linken Ufer der Moldau im Böhmerwald. Südlich erstreckt sich der Sternwald, der auf tschechoslowakischer Seite seit dem Bau des Eisernen Vorhangs im Jahre 1959 entvölkert wurde. Durch Loučovice / Kienberg führt die Staatsstraße 163 zwischen Frymburk nad Vltavou und Vyšší Brod / Hohenfurth sowie die Eisenbahn Rybník u Dolního Dvořiště–Lipno nad Vltavou / Lippen. Im Norden erhebt sich der 933 m hohe Luč (Kienberg), der von der Moldau an drei Seiten umflossen wird. Nordöstlich liegt die Čertova stěna (Teufelswand) und im Nordwesten der Stausee Lipno.

Nachbarorte sind Dvorečná und Přední Loučovice im Norden, Lachovice und Vyšší Brod im Osten, Krásná Pole im Süden, Lipová und Nové Domky im Westen sowie Lipno nad Vltavou im Nordwesten.

Gemeindegliederung Die Gemeinde Loučovice besteht aus den Ortsteilen Loučovice und Nové Domky (Neuhäusel)http://www.uir.cz/casti-obce-obec/545601/Obec-Loucovice Grundsiedlungseinheiten sind Dvorečná (Woraschne), Kapličky (Kapellen), Kapličky I (Kienberger Kapellen), Loučovice 1.díl (Kienberg 1.Anteil), Loučovice 2.díl (Kienberg 2.Anteil), Loučovice-pod přehradou, Loučovice-u zastávky, Mnichovice (Minichschlag) und Nové Domky.http://www.uir.cz/zsj-obec/545601/Obec-Loucovice Zu Loučovice gehören außerdem die Weiler und Einschichten Přední Loučovice (Vorder Kienberg), Svatý Prokop (St. Prokop) und Lipová (Lindberg). Auf den Gemeindefluren liegen die Wüstungen Adámky (Abdank), Dobřín (Dobring), Dorstadt, Frantoly (Frauenthal), Hodoň (Hornschlag), Hřbítek (Hundsruck), Hvězda (Stern), Krásná Pole (Schönfeld), Lhota (Stift), Martínkov (Martetschlag) und Mlýnská (Mühldorf).

Das Gemeindegebiet gliedert sich in die Katastralbezirke Dvorečná, Kapličky, Loučovice und Mnichovice u Loučovic.http://www.uir.cz/katastralni-uzemi-obec/545601/Obec-Loucovice

Nachbargemeinden

Geschichte Kyenberg wurde 1361 erstmals urkundlich erwähnt und gehörte zum Kloster Hohenfurth.

Nach der Ablösung der Patrimonialherrschaften wurde Kienberg eine selbstständige Gemeinde, zu der jedoch nicht die rechts der Moldau befindlichen Ortsteile gehörten. Kienberg 1. Anteil war ein Teil von Minichschlag und Kienberg 2. Anteil gehörte zu Schönfelden.

Bedeutung erlangte das Dorf durch die zwischen 1885 und 1886 durch Ernst Porák aus Trautenau errichtete Moldaumühle, die zu einer der größten böhmischen Papierfabriken wurde. Nach Erweiterungen errichteten die Gebrüder Porák 1901 am gegenüberliegenden Moldauufer in St. Prokop eine weitere Kartonagenfabrik mit Kraftwerk und Holzschleiferei. Für den Abtransport der Produkte engagierten sich die Gebrüder Porák zusammen mit dem Abt des Klosters Hohenfurth für den Bau einer Anschlussbahn nach Zartlesdorf zur Strecke Budweis–Linz. Der 1909 begonnene Bau wurde 1911 abgeschlossen und am 17. Dezember erfolgte die Inbetriebnahme der elektrischen Bahn von Zartlesdorf über Hohenfurth nach der Lippnerschwebe.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Besitzer der Fabrik enteignet; sie ging in Staatsbesitz über. Loučovice war zu dieser Zeit ein Ortsteil der Gemeinde Bolechy. Im Zuge der Errichtung des Eisernen Vorhangs erfolgte die Verlegung des Gemeindesitzes nach Loučovice; 1951 wurde die Gemeinde Bolechy in Loučovice umbenannt.

Die Papierfabrik Im 13. Jahrhundert wurde der Ort Kienberg an der Moldau als Ansiedlung von Köhlern und Fischern genannt. Die Bewohner lebten bis zum Ende des 19. Jahrhunderts als Waldarbeiter, Handwerker, Kleinlandwirte und Holzflößer.

Im Jahre 1884 zählte der Ort 39 Anwesen mit 220 Bewohnern. In diesem Jahr fasste der aus Trautenau in Nordböhmen stammende 35-jährige Ernst Porak den Plan zur Gründung der Sulfitzellulosefabrik „Moldaumühl Brüder Porak“, die im Jahre 1886 mit 80 Arbeitern ihren Betrieb eröffnete. Maßgeblich für die Gründung an dieser Stelle waren der Waldreichtum der Umgebung und die Wasserkräfte der Moldau.

Gute Absatzmöglichkeiten des erzeugten Produktes forderten ständige Vergrößerungen. Bald wurde die erste Papiermaschine aufgestellt, welcher in den Jahren 1896 die zweite und 1897 die dritte folgten. Außerdem begann man 1901 mit der Errichtung einer großen Holzschleiferei sowie einer Karton- und Handpappenfabrik, die Ende des Jahres 1903 als „Pappenfabrik St. Prokop E. Porak“ in Betrieb genommen wurde. In der neuen Anlage stellte man neben der über 100 Meter langen Kartonmaschine noch eine zusätzliche Papiermaschine auf.

Die Aktiengesellschaft der Hohenfurther Lokalbahn begann im Jahre 1909 mit dem Bau einer für die Lieferung der Rohstoffe und den Abtransport der Güter bedeutenden Verkehrsader, welche im Dezember 1911 ihrer Bestimmung übergeben wurde. Im selben Jahr wurde ein Sägewerk mit zwei Gattern errichtet und im Jahre 1912 in der Anlage Moldaumühl eine weitere Papiermaschine aufgestellt.

Am 21. April 1918 verstarb der Besitzer der Fabrik im Alter von 69 Jahren. Der Sohn des Verstorbenen, Eugen Porak, übernahm nach seiner Rückkehr aus dem Krieg das Unternehmen. Nachdem die während des Krieges entstandenen Schäden beseitigt waren, begann die Weiterentwicklung der Fabriken. Verschiedene Um- und Zubauten wurden durchgeführt, neue Kessel- und Kraftanlagen errichtet und in der Anlage Moldaumühl im Jahre 1921 eine alte Papiermaschine durch eine neue ersetzt.

Im Jahre 1929 wurde eine neue Papiermaschine zur Erzeugung von Pergamentersatz und Pergamyn sowie 1930 eine alte Papiermaschine gegen eine moderne Hochleistungsselbstabnahmemaschine zur Erzeugung dünner Seiden- und Hutpackpapiere ausgewechselt. In der Anlage „St. Prokop“ wurde eine Spezialerzeugungsstätte für die Herstellung von Bahnversandkisten aus mehrfach geklebter Maschinenpappe eingerichtet, welche sich im Laufe weniger Jahre zur größten Kraftpappkistenfabrik in Europa entwickelte. Im Zuge dieser Erweiterungen musste das bestehende Sägewerk abgetragen werden, worauf am rechten Moldauufer zwischen den beiden Fabriken Moldaumühl und St. Prokop ein neues Sägewerk errichtet wurde, welches im Jahre 1937 mit den modernsten Ausrüstungen in Betrieb genommen wurde.

Die Eingliederung des Sudetengebietes in das Deutsche Reich brachte für das Unternehmen weitere Absatzmöglichkeiten, so dass der Austausch einer alten Papiermaschine gegen eine Spezialmaschine zur Erzeugung von Kraftpapieren notwendig wurde. Im Jahre 1940 verfügte das Unternehmen über drei Wasserkraftwerke mit 5 000 PS Nennleistung, Dampfkraftanlagen mit mehr als 5 000 PS, eine Zellstoffabrik, zwei Holzschleifereien, fünf Papiermaschinen, zwei Kartonmaschinen, eine Kraftpappkistenanlage und ein Sägewerk. Die Belegschaft zählte 1 560 Arbeiter und 150 Angestellte. Der Verbrauch an Holz betrug jährlich mehr als 150 000 Festmeter, die Erzeugung täglich fast 140 000 Kilogramm Papier, Pappe und Karton, wovon bis zu 40 000 Kilogramm täglich auf Kraftpappkisten entfielen. Die Ortschaft selbst war seit 1884 auf 162 Häuser angewachsen, von denen über 60 große und kleinere Häuser Eigentum der Firma waren. So hatte sich inmitten des Böhmerwaldes ein bedeutender Industrieort entwickelt, der mehr als 1800 Einwohner zählte.

Nach Kriegsende wurden die deutschen Besitzer der Anlagen vom tschechoslowakischen Staat entschädigungslos enteignet. Die Bewohner wurden aus ihrer Heimat vertrieben.Nach: Michael Wollner in Zs. „Hoam!“, 61. Jg., Juli 2008

Sehenswürdigkeiten katholische Kirche mit dem Patrozinium des hl. Ulrich, erbaut am Ende des 15. Jahrhunderts an Stelle einer 1361 errichteten Kapelle. Die Kirche wurde zwischen 1640 und 1644 umgebaut. Kapelle des hl. Prokop, seit 1310 nachweisbar Čertova stěna, Naturschutzgebiet Teufelswand am Ufer der Moldau

Söhne und Töchter der Gemeinde Michael Wollner (1890–1968), sudetendeutscher Lyriker und Böhmerwalddichter Friedrich Fenzl (1932–2014), österreichischer Buddhist

Literatur Michael Wollner: Das war unser Kienberg an der Moldau. Die Geschichte eines Industriestandortes in Südböhmen, Linz 1968

Einzelnachweise

Weblinks

(Informationen über die Gemeinde)

Kategorie:Böhmerwald Kategorie:Ersterwähnung 1361