Die Thüringer Polizei ist die Landespolizei des Freistaates Thüringen mit ca. 6800 Bediensteten, darunter 5704 Polizeivollzugsbeamte (Stand Oktober 2023). Sie ist untergliedert in eine Landespolizeidirektion (LPD), das Landeskriminalamt (LKA) und die Polizeibildungseinrichtungen (PBE). Der LPD sind sieben Landespolizeiinspektionen (LPI), die Bereitschaftspolizei (BPTH) und die Autobahnpolizeiinspektion (API) inklusive drei weiterer Autobahnpolizeistationen nachgeordnet. Die PBE umfassen die Fachhochschule für öffentliche Verwaltung, Fachbereich Polizei, sowie das Bildungszentrum der Thüringer Polizei.
Geschichte Vor 1920 existierte der Freistaat Thüringen nicht, stattdessen existierten auf dem Gebiet die Kleinstaaten Sachsen-Weimar-Eisenach, Sachsen-Gotha, Sachsen-Meiningen, Sachsen-Altenburg, Schwarzburg-Rudolstadt, Schwarzburg-Sondershausen und Volksstaat Reuß. In diesen Staaten gab es die Gendarmerie oder Feldjäger.
Die Gendarmerie- und Feldjägerkommandos waren kommunale Polizeibehörden, welche militärisch ausgerichtet waren und ihren Ursprung in den Jahren 1809 bis 1855 hatten. Als einziger Staat hatte Sachsen-Meiningen ein Feldjägerkorps, alle anderen aufgeführten Staaten besaßen Gendarmeriekorps. Ihre Aufgabe bestand darin, die öffentliche Ruhe, Ordnung und Sicherheit aufrechtzuerhalten. Sie waren vorwiegend auf dem Land stationiert und jeweils gleich für mehrere Gemeinden zuständig. Sie bestanden bis zum 1. Oktober 1922 und wurden dann aufgelöst.
In den Städten Gera, Jena, Weimar, Gotha und Zella-Mehlis gab es Stadtpolizeikommandos mit Straßen- und Kriminalpolizei.Polizeihistorische sammlung Meiningen.
Weimarer Republik (1920–1930) mini|hochkant|Offizier und Wachtmeister der kommunalen Polizei (1924)
Am 20. April 1920 schlossen sich die sieben Einzelstaaten mit Wirkung zum 1. Mai 1920 zu einem Land Thüringen zusammen. Mit dem Zusammenschluss und den ersten Thüringer Landtagswahlen mit anschließender Regierungsbildung entstanden auch Ministerien. Als oberste Dienstbehörde der Polizei im Land wurde das Ministerium des Inneren gegründet, welches eine Polizeiabteilung besaß. Zuständig war diese für die Angelegenheiten der Gendarmerie, der allgemeinen Verwaltung, für Organisationsfragen, Beamtenvertretungen, Beamtenbesoldungen, Disziplinarsachen, Anstellungsverhältnisse der Polizei und dem Flurschutz.
Mit dieser Schaffung der neuen Strukturen in Thüringen entstand die Thüringer Polizei, untergliedert in die Landespolizei, die kommunale Polizei, die Gendarmerie und das Landeskriminalamt. Dabei war die kommunale Polizei, anders als heute, in das Aufgabengebiet der Städte und Gemeinden eingegliedert und der Bürgermeister für Polizei und ihre Aufgaben zuständig. Die Gendarmerie bestand ab 1922 als Kreispolizeibehörde und hatte einen Kommissar sowie ihm unterstellte Beamte. Anfangs noch unter der Leitung des Innenministeriums, wurde die Gendarmerie am 10. Juli 1926 den Kreisämtern unterstellt. Insgesamt verfügte sie 1928/29 über 15 Kommissare und 315 Kommissariate mit 339 Beamten. Eingesetzt wurden sie für Verwaltungsaufgaben und selbstständige polizeiliche Maßregeln und durften bei Gefahr in Verzug auch die Aufgaben der Ortspolizisten in den Kommunen übernehmen.
Zum 3. Juli 1922 wurde beim Thüringer Innenministerium eine Kriminalabteilung (Abteilung K) eingerichtet, welche direkt dem Minister unterstand und sich aus kommunalen Kriminalbeamten zusammensetzte. Zuständig waren diese ausschließlich für „Angelegenheiten im Zusammenhang mit Vereinen, Verbänden und Personen die staatsfeindliche Zwecke verfolgten sowie auf verbotene und aufgelöste Vereine und Vereinigungen“, was einer politischen Polizei gleichkam. Am 24. April 1923 wurde im Land das Landeskriminalpolizeiamt gegründet, das aus der Abteilung K hervorging und als eigenständige Behörde fungierte. Dessen Aufgaben waren ähnlich gehalten, erweiterten sich aber um die Bereiche Spionagebekämpfung und Ahndung aller Verstöße gegen das „Republikschutzgesetz“.
Die Landespolizei des Freistaates Thüringen wurde am 3. Dezember 1920 als „kasernierte Polizei“ mit einer Stärke von 1200 Beamten eingerichtet. Die Verteilung der Einheiten fand an fünf zentralen Standorten des Landes statt, zu denen die Städte Altenburg, Gera, Gotha, Hildburghausen und Weimar gehörten. Sie gliederte sich in Scharen von jeweils 130 Mann, wobei zwei Scharen eine Abteilung ergaben, mit dem Ziel der Unterstützung der Gendarmerie und zur Niederschlagung von Widerständen und Krawallen. Bereits 1922 fand eine Umstrukturierung der Standorte statt, der Standort Hildburghausen wurde aufgelöst und in die anderen Bereich eingegliedert, 1923 erfolgte eine weitere Veränderung, als der Standort Altenburg aufgelöst und in Zella-Mehlis neu aufgebaut wurde. Das erste Landespolizeibeamtengesetz entstand am 15. April 1925 und regelte alle Belange um die Einstellung, Dienstzeit und Besoldung der Polizeibeamten im Freistaat. Seit 1922 gab es im Freistaat auch zwei Polizeischulen, in Sondershausen für die Landespolizei und in Jena für alle anderen Polizeilaufbahnen.
Vor dem Dritten Reich (1930–1933) Mit der Wahl zum 5. Thüringer Landtag änderten sich die Mehrheitsverhältnisse und es wurde eine Regierung unter Beteiligung der NSDAP gebildet. Dabei übernahm das bisherige Innenministerium der NSDAP-Politiker Wilhelm Frick, was zuallererst zu einer Änderung des Ministeriums in „Volksbildungs- und Innenministerium“ führte. Ein Vierteljahr später brachte Frick ein Ermächtigungsgesetz in den Landtag ein, welches mit einfacher Mehrheit angenommen wurde und ebenso wie das spätere Gesetz im Reich die Regierung mit umfangreichen Befugnissen ausstattete, welche auch auf die Polizei deutlichen Einfluss nahmen.
So wurden die kommunale Polizei, die Gendarmerie und die Landespolizei verstaatlicht und in eine „uniformierte Schutzpolizei“ umgewandelt sowie die staatlichen Polizeiverwaltungen zusammengeführt, womit sich Frick eine starke Polizeitruppe schuf, welche unter seiner direkten Befehlsgewalt stand. Weitere Veränderungen hatten Einfluss auf das Landeskriminalamt und die Höhere Polizeischule Jena, welche in der Folge aufgelöst wurden. Die Ausbildung der Polizeibeamten fand nun zentral am Standort Sondershausen statt.
1932 erfolgte die 6. Thüringer Landtagswahl mit deutlichen Zugewinnen der NSDAP, welche stärkste Fraktion wurde und alle Minister der neuen Regierung stellte. Neuer Innenminister wurde Fritz Sauckel. Bis zur kompletten Machtergreifung der Nationalsozialisten erfolgten keine grundlegenden organisatorischen Veränderungen bei der Polizei, jedoch wurden alle Schlüsselpositionen mit NSDAP-Politikern oder -Mitgliedern besetzt. 1933 erfolgte dann die Gleichschaltung des Freistaates und die Auflösung aller bisherigen Polizeibehörden. Die Polizeiaufgaben übernahmen fortan andere staatliche Institutionen.
Zu Zeiten der DDR (1945 bis 1989/1990)
Nach dem Zweiten Weltkrieg, während der Deutschen Demokratischen Republik bis zum 3. Oktober 1990, bestand nur indirekt eine „Thüringer Polizei“. Vorwiegend gab es in der gesamten DDR die Volkspolizei, darunter drei Bezirksbehörden mit sieben Direktionsbereichen innerhalb des heutigen Thüringen.
Neuaufbau in der Bundesrepublik (1990–2000) mini|hochkant|Altes grünes Hoheitsabzeichen der Thüringer Polizei
Am 3. Oktober 1990 gründete sich mit dem Beitritt der DDR zur Bundesrepublik Deutschland die Polizei des Freistaates Thüringen neu.Magazin „dp special“ der GdP, abgerufen am 13. Oktober 2016 Mit der Neugründung strukturierte sich im Juli 1991 die Thüringer Polizei von den drei ehemaligen Bezirksbehörden der DDR, in sieben Direktionsbereiche mit jeweils vier bis sieben Gebietsinspektionen und je einer Kriminal- und Verkehrspolizeiinspektion sowie einer Inspektion für die Zentralen Dienste. Über den sieben Direktionsbereichen stand das Polizeipräsidium. Neben den Direktionsbereichen und dem Polizeipräsidium entstand die Bereitschaftspolizei und das Polizeiverwaltungsamt. Hinzu kam das Landeskriminalamt Thüringen, welches jedoch erst nach Auflösung des Zentralen Landeskriminalamtes der fünf neuen Bundesländer gebildet wurde.
Den ersten Polizeihaushalt gab es 1992, in welchem festgelegt war, welche Investitionen und wie viele Neueinstellungen bzw. Beförderungen es gab. 1994 wurde bekannt, dass die SPD das Polizeipräsidium auflösen und die Aufgaben dessen auf die Polizeidirektionen übertragen wolle, was nach langer und kontroverser Diskussion am 31. Dezember 1997 geschah.
Jahrtausendwende bis 2020
2011 wurden Pläne bekannt, dass die Thüringer Polizei einer Strukturreform unterzogen werden solle und am 13. Oktober stellte der damalige Innenminister Jörg Geibert sein Eckpunktepapier dem Thüringer Landtag zur Billigung vor. Vorgesehen war die Umbenennung der Polizeidirektionen zu Polizeiinspektionen einhergehend mit der Schaffung einer zentralen Landespolizeidirektion als Führungs- und Einsatzleitstelle, das Einrichten einer landesweiten Einsatzzentrale (Polizeileitstelle), die Umstrukturierung der Verkehrspolizei zur AutobahnpolizeiThüringer Landtag verabschiedet Polizeireform, otz.de, abgerufen am 7. Februar 2017. und ein Stellenabbau beim Innenministerium, der Polizeiinspektionen und der Bereitschaftspolizei.Erstmals konkrete Zahlen zur Polizeireform in Thüringen, auf thueringer-allgemeine.de
Mit Wirkung zum 1. Juni 2012 genehmigte der Landtag die Reformpläne, in dessen Folge alle Eckpunkte umgesetzt wurden, jedoch mit wenig positiven Resultaten.Bilanz der Regierungskoalition von CDU und SPD, 2009–2014, S. 28, (PDF; 3,45 MB). Aus diesem Grund erfolgte mit dem Regierungswechsel 2014 eine Evaluierung der Polizeistruktur unter Einbeziehung des Landeskriminalamtes Thüringen und einer Expertenkommission der Universität Erfurt.Pressemitteilung „Evaluierung der Polizeistrukturreform“, thueringen.de Am 23. Oktober 2015 veröffentlichte die Kommission ihre Ergebnisse mit dem Schluss, dass die Ziele der Polizeistrukturreform lediglich zum Teil erreicht wurden. Insgesamt gab es 64 verbesserungswürdige Punkte. Zu den wichtigsten Vorschlägen gehörten:Medieninformation 188/2016 „Gutachten der Expertenkommission zur Evaluierung der Polizeistrukturreform“, thueringen.de mehr Aufgaben auf die Landespolizeiinspektionen verlegen und deren Zahl auf vier reduzieren, die Autobahnpolizeiinspektion als Sonderpolizeibehörde auflösen und in die Landespolizeiinspektionen integrieren, Stellenabbau stoppen und mehr Polizisten in den Dienst der Polizei stellen, Polizeiinspektionen und Polizeistationen hinsichtlich der Anzahl auf den Prüfstand stellen.
Nach den Vorfällen rund um den nationalsozialistischen Untergrund (NSU) begannen 2012 Reformen um das Landesamt für Verfassungsschutz. Ziel sollte es sein, eine lückenlose Aufklärung der Taten zu gewährleisten und etwaige damalig begangene Fehler auszuräumen. Mitte 2013 erfolgte ein weiterer Stellenabbau innerhalb der Thüringer Polizei, bei dem von 7000 Planstellen rund 850 abgebaut werden sollten, um Geld zu sparen, was nur teilweise gelang.
In Folge von Terroranschlägen unternahm ab 2016 auch die Thüringer Landesregierung Anstrengungen zur Aufrüstung der Polizei u. a. mit neuen ballistischen Schutzwesten und Schutzhelmen, neuer olivgrüner Einsatzuniformen, Elektroimpulswaffen, neuer Sturmgewehre für das Sondereinsatzkommando und der Anschaffung eines neuen Helikopter für die Hubschrauberstaffel. 2020 steigerten sich die Investitionen in die Polizei mit dem Austausch von 161 alten Opel Corsa und Mercedes E-Klassen und dem Erwerb weiterer neuer Streifenwagen für den Streifen- und Verkehrsdienst. Seit Februar 2020 gibt es in der Landespolizeidirektion eine Gesundheitsmanagerin, die dafür sorgen soll, dass „die gesundheitlichen Belastungen der Polizistinnen und Polizisten reduziert und ihr Wohlbefinden am Arbeitsplatz verbessert wird“.
Die Thüringer Polizei heute