Alan Kurdi (ex Joh. L. Krueger, ex Professor Albrecht Penck) ist der Name eines unter deutscher Flagge fahrenden Seeschiffs. Es wird seit 2018 von der deutschen Hilfsorganisation Sea-Eye zur Seenotrettung im Mittelmeer eingesetzt und trägt seit dem Jahr 2019 den Namen des ertrunkenen syrischen Flüchtlingskindes Alan Kurdi. Zuvor war das Schiff als Offshoreversorger und als Forschungsschiff des Landes Mecklenburg-Vorpommern in Fahrt.

Geschichte Forschungsschiff der DDR Das Schiff wurde im Jahr 1951 auf dem VEB Roßlauer Schiffswerft gebaut. Es lief am 4. Juni 1951 vom Stapel und wurde im September 1951 fertiggestellt.

Das Schiff war Teil eines Bauprogramms, mit dem Reparationsforderungen der Sowjetunion erfüllt werden sollten, blieb dann aber in der DDR und wurde ihr erstes Forschungsschiff.

Zunächst als Vermessungsschiff mit dem Namen Joh. L. Krueger (nach dem Landvermesser und Mitbegründer der modernen Erdmessung Johann Heinrich Louis Krüger) in Dienst gestellt, gehörte das Schiff dem Seehydrographischen Dienst der DDR (SHD). Am 1. Januar 1960 wechselte das Institut für Meereskunde, an dem die Joh. L. Krueger beheimatet war, vom SHD zur Akademie der Wissenschaften der DDR. Mit dem Wechsel wurde das Schiff in Professor Albrecht Penck umbenannt (nach Albrecht Penck, dem zweiten Direktor des Instituts und Museums für Meereskunde in Berlin).

Die DDR setzte das Schiff nicht nur für Forschungsfahrten in Nord- und Ostsee ein. So wurde mit der Professor Albrecht Penck 1962 die erste DDR-Spitzbergen-Expedition durchgeführt, im Jahr 1964 führte die erste Atlantik-Expedition der DDR das Schiff in den Golf von Guinea. Nachdem die Akademie der Wissenschaften der DDR 1970 das Forschungsschiff A. v. Humboldt erhalten hatte, fuhr die Professor Albrecht Penck überwiegend auf Nordsee und Ostsee.

Mecklenburg-Vorpommern Nach der deutschen Wiedervereinigung ging das Schiff mit der Auflösung der Akademie der Wissenschaften der DDR in den Besitz des Landes Mecklenburg-Vorpommern über und stand seit 1992 dem neu gegründeten Institut für Ostseeforschung in Warnemünde (IOW) zur Verfügung.500.000 Seemeilen für die deutsche Meeresforschung: Forschungsschiff „Prof. Albrecht Penck“ wird 50, Informationsdienst Wissenschaft, 23. Mai 2001. Das Schiff, das rund 200 Tage im Jahr auf See war, wurde fortan überwiegend in der westlichen Ostsee eingesetzt. Es war dazu mit einem Ausleger und einer Winde für Forschungsarbeiten ausgerüstet und hatte vier Labore (Nass-, Chemie-, Bio- und Computerlabor).

Am 21. August 2010 wurde das Schiff am Warnemünder Passagierkai außer Dienst gestellt. Geplant war, es anschließend nach Stralsund zu bringen und es dem dortigen Nautineum zur Nutzung zu überlassen., Schweriner Volkszeitung, 17. August 2010. Abgerufen am 26. Mai 2015. Das Land Mecklenburg-Vorpommern wich von diesem Plan ab und bot das Schiff zum Kauf an, da es die Finanzierung des Einsatzes im Nautineum nicht als gesichert ansah. Es wurde dann in einem Bieterverfahren von der Krebs-Unternehmensgruppe erworben, die im März 2011 mit dem Ozeaneum Stralsund eine Kooperation zur Nutzung des Schiffes vereinbarte. Danach sollte das Schiff im Winter für „maritime Bildungskurse“ und „Forschungsreisen für Schülerklassen“ verwendet werden und ansonsten als Arbeitsplattform für Wartungstrupps von Offshore-Windkraftanlagen zum Einsatz kommen., Wie tickt Natur, 14. Dezember 2011. Abgerufen am 26. Mai 2015.Ralph Sommer: , Schweriner Volkszeitung, 10. März 2010. Abgerufen am 26. Mai 2015. Aus finanziellen Gründen ließ der Förderverein des Deutschen Meeresmuseums im Winter 2013 das Bildungsprojekt und die Kooperation mit der Krebs-Unternehmensgruppe auslaufen. Die Krebs-Gruppe setzte es für Arbeiten an Offshore-Windparks und im Umweltmonitoring ein., Krebs-Unternehmensgruppe (PDF, 0,7 MB). Abgerufen am 9. März 2016. Im Winter lag es in Rostock.Ex-Forschungsschiff bleibt in Rostock – „Professor Albrecht Penck“ wird kein Klassenzimmer – Hohe Kosten und mehr Offshore-Nutzung. In: THB – Deutsche Schiffahrts-Zeitung, 4. Februar 2013, S. 3.

Rettungsschiff der Hilfsorganisation Sea-Eye Im Herbst 2018 wurde das Schiff an die Nichtregierungsorganisation Sea-Eye verkauft, die es als Rettungsschiff für in Seenot geratene Flüchtlinge und Migranten im Mittelmeer einsetzt.Vanessa Vu: Sea-Eye startet Rettungsmission unter deutscher Flagge, zeit.de 24. November 2018. Abgerufen am 28. November 2018.Wolfhart Fabarius: Mission unter deutscher Flagge, Täglicher Hafenbericht, 26. November 2018.

Am 21. Dezember 2018 lief es von Algeciras in Richtung Libyen aus. Laut Sea-Eye ist es das erste Schiff einer zivilen Rettungsorganisation unter deutscher Flagge.FAZ.net: Migranten droht Weihnachten auf dem Meer Am Sonntag, dem 10. Februar 2019, taufte der Vater des verstorbenen Alan Kurdi das Schiff im Beisein religiöser und politischer Vertreter, wie des Bischofs von Mallorca Sebastià Taltavull i Anglada, im Hafen von Palma de Mallorca auf den Namen seines ertrunkenen Sohnes.Alan Kurdi - Deutsches Rettungsschiff nach totem Flüchtlingskind benannt, Spiegel Online, 10. Februar 2019. Abgerufen am 10. Februar 2019.

Am 3. April 2019 nahm das Schiff vor der libyschen Küste 64 Menschen aus einem Schlauchboot auf, nachdem die libyschen Behörden, laut Schiffsbesatzung, auf Funksprüche nicht reagiert hätten. Italiens Innenminister Matteo Salvini verweigerte das Anlanden der Personen, mit der Begründung, das Schiff fahre unter deutscher Flagge.Associated Press: „Italy Rebuffs Ship with 64 Migrants Rescued in Sea Off Libya“ Voice of America vom 4. April 2019 Die Aktivisten wiesen die Forderung, nach Deutschland zu fahren, zurück – man habe nicht genug Verpflegung und Trinkwasser für die drei- bis vierwöchige Reise.Migrant ship with 64 people denied safe port by Italy and Malta, TheGuardian.com / Associated Press vom 4. April 2019 Die Personen wurden nach einer Einigung am 13. April nach Malta gebracht, von wo sie auf Deutschland, Frankreich, Portugal und Luxemburg verteilt werden. Der Alan Kurdi selbst wurde nicht erlaubt in Malta einzulaufen.„Malta reaches deal to allocate 64 migrants in four EU countries“ Politico.eu vom 13. April 2019

Anfang Juli 2019 – kurz nachdem es zwischen dem Rettungsschiff Sea-Watch 3 und italienischen Behörden zum Konflikt gekommen war – entschied sich die Besatzung, sich der selbstgewählten Such- und Rettungszone vor der libyschen Küste zu nähern; mit an Bord befand sich eine Journalistin der FAZ.Julia Anton: „Mit dem Schicksal der „Sea-Watch 3“ an Bord“ FAZ vom 1. Juli 2019 Am 5. Juli 2019 wurden von der Alan Kurdi vor der libyschen Küste in internationalen Gewässern 65 Personen von einem Schlauchboot an Bord geholt. Laut begleitender Journalistin waren unter den Geretteten „39 minderjährig. Der Jüngste sei erst zwölf Jahre alt.“ Insgesamt stammten sie aus zwölf verschiedenen Ländern, 48 kamen aus Somalia, sechs aus dem Sudan, die Übrigen aus Libyen, Kamerun, Südsudan, Mali, Tschad, Nigeria, Benin, der Elfenbeinküste und Guinea-Bissau.Rettungsschiff im Mittelmeer : Auch die „Alan Kurdi“ nimmt Kurs auf Lampedusa, faz.de vom 5. Juli 2019 Das Flüchtlingsboot soll überladen, ohne GPS-fähiges Telefon oder andere Navigationshilfen unterwegs gewesen sein; auch befanden sich offenbar nur zehn Liter Trinkwasser auf dem Schlauchboot, das bereits 12 Stunden auf See war. Kontaktversuche seitens der Alan Kurdi zu den libyschen Behörden sowie zu den italienischen Rettungsleitstellen blieben nach Aussage von Sea-Eye erfolglos. Das Schiff nahm Kurs auf Lampedusa„Deutsches Rettungsschiff ‚Alan Kurdi‘ nimmt 65 Migranten an Bord“" Welt.de vom 5. Juli 2019Rettungsschiff im Mittelmeer: Auch die „Alan Kurdi“ nimmt Kurs auf Lampedusa, www.faz.de vom 5. Juli 2019 und verblieb vorerst wartend in internationalen Gewässern vor der italienischen Küste."Alan Kurdi" hält sich an Salvinis Verbot, tagesschau.de vom 6. Juli 2019. Nachdem auf Weisung des italienischen Innenministeriums dem Schiff die Einfahrt in den Hafen von Lampedusa verweigert worden war, nahm die Alan Kurdi Kurs auf Malta. Von dort wurde zunächst das Einlaufen in den Hafen untersagt, allerdings hoffte die Crew, durch internationale Hilfszusagen doch noch die Genehmigung zum Festmachen zu erhalten. Am 7. Juli 2019 durfte die Alan Kurdi sämtliche Migranten an maltesische Schiffe übergeben, nachdem die Besatzung drei medizinische Notfälle an Bord gemeldet hatte. Focus vom 7. Juli 2019

Kurz nachdem das Schiff die Gewässer vor Malta verlassen hatte, rettete es am 8. Juli 2019 angabegemäß in Kooperation mit den maltesischen Behörden 44 weitere Menschen, die von dem privaten Suchflugzeug Colibri auf einem Holzboot entdeckt worden waren. Sie stammten aus Libyen, Syrien, Palästina und Pakistan.„Deutsches Rettungsschiff nimmt 44 Migranten von Holzboot auf“ www.tagesspiegel.de vom 8. Juli 2019 Wieder konnte die Besatzung die abgeborgenen Migranten an die maltesische Küstenwache übergeben. Die Besatzung entschloss sich anschließend, ihren Mittelmeereinsatz zunächst zu beenden.Julia Anton: „Erfolgreiches Ende einer Rettung“ FAZ vom 9. Juli 2019

Am 31. Juli 2019 rettete die Alan Kurdi erneut Migranten von einem Schlauchboot, nach eigenen Angaben etwa 30 Seemeilen vor der libyschen Küste. Die 40 Personen hätten angegeben, aus Nigeria, Ghana, Mali, Kamerun, dem Kongo und der Elfenbeinküste zu stammen.„Sea-Eye rettet 40 Migranten von Schlauchboot – Suche nach Hafen“ www.welt. de vom 31. Juli 2019 Auch diese Geretteten wurden zunächst an die maltesische Küstenwache übergeben; sie sollen aber auf andere EU-Mitgliedsstaaten verteilt werden.Neue Zürcher Zeitung: Lösung für Rettungsschiff «Alan Kurdi» - Migranten werden verteilt, 4. August 2019. Anfang September nahm die Besatzung 13 Migranten aus Tunesien auf, die nach und nach als Notfälle in Malta an Land gebracht wurden. Am 10. September verließen die letzten 5 Migranten das Schiff.„Seenotretter werfen maltesischer Regierung Erpressung vor“ www.faz.de vom 10. September 2019

Am 26. Oktober rettete die Besatzung nach eigenen Angaben 90 Personen innerhalb der libyschen Such- und Rettungszone außerhalb der libyschen Hoheitsgewässer. Libysche Schnellboote mit Bewaffneten hätten Warnschüsse abgegeben, Retter und Migranten bedroht und selbst Migranten an Bord geholt, die dann aber wieder ins Wasser gesprungen seien und an Bord der Alan Kurdi genommen wurden.„Libysche Einsatzkräfte feuerten laut NGO bei Flüchtlingsrettung Warnschüsse ab“ Der Standard vom 26. Oktober 2019 Nachdem weitere Personen aufgenommen wurden, steuerte der Kapitän das Schiff mit 88 Migranten am 1. November ohne Erlaubnis in italienische Hoheitsgewässer bei Marzamemi. Als Begründung wurde schlechtes Wetter angegeben.„„Alan Kurdi“ fährt eigenmächtig in italienische Hoheitsgewässer ein“" Welt.de vom 1. November 2019 Die Behörden erlaubten noch am selben Tag das Einlaufen des Schiffes in Tarent. Die Masse der Migranten soll nach Frankreich und Deutschland gebracht werden, fünf würden nach Presseangaben nach Portugal und zwei nach Irland verteilt.„‚Alan Kurdi‘ darf in Italien anlegen“" www.welt vom 2. November 2019

Am 28. November nahmen das Schiff vor Libyen 84 Migranten an Bord, von denen einige aus medizinischen Gründen wenig später nach Lampedusa gebracht wurden.„Mehrere medizinische Notfälle an Bord der ‚Alan Kurdi‘“ Tagesspiegel.de vom 2. Dezember 2019 Den übrigen 61 wurde am 4. Dezember erlaubt in Sizilien anzulanden.„Italien lässt Rettungsschiffe sizilianische Häfen anlaufen“ www.faz.net vom 4. Dezember 2019