ServusTV ist ein österreichischer Privatfernsehsender mit Sitz in Wals-Siezenheim im Land Salzburg. Wie auch der Verlag mit der Zeitschrift Servus in Stadt und Land gehört er zu Red Bull Media House. Der Sender ging 2009 aus dem 1995 gegründeten Sender Salzburg TV hervor.

Der Sendebetrieb begann am 1. Oktober 2009. Der Sender wird grundverschlüsselt über DVB-T2 und Satellit (zum Beispiel via Smartcards von ORF Digital, Sky Österreich oder HD Austria) in Österreich ausgestrahlt. In den meisten österreichischen Kabelnetzen ist der Sender unverschlüsselt analog sowie digital über DVB-C empfangbar, darüber hinaus auch mittels IPTV. Auf der Website des Senders ist das Programm als Livestream verfügbar. ServusTV betreibt seit 2022 die Video- und Streamingplattform ServusTV On.

Seit 2016 wird der Sender insbesondere wegen wiederholter Auftritte von Rechtsextremisten in einer Talkshow sowie des „Wochenkommentar“ von Ferdinand Wegscheider als rechtspopulistisch kritisiert. Seit der COVID-19-Pandemie wird dem Sender die Verbreitung von diesbezüglichen Falschinformationen in einigen Sendeformaten vorgeworfen.

Geschichte 306x306px|mini|Logo von Salzburg TV

Salzburg TV ServusTV ging aus dem Sender Salzburg TV hervor, an dem Red Bull am 1. Jänner 2007 einen 95-Prozent-Anteil um einen symbolischen Euro erwarb.OÖ Nachrichten: Wie Wegscheider seine Politik-Kommentare unter dem Mantel der Satire versteckt, nachrichten.at, 9. Dezember 2021. 2008 verließen die beiden Gründer von Salzburg TV den Sender, die genannten Gründe waren starke Differenzen über die Zukunft des Senders. Ihre Anteile wurden ebenfalls von Red Bull erworben.

Nachdem der Relaunch mehrmals verschoben worden war, wurde der Sender am 1. Oktober 2009, 17.25 Uhr, in ServusTV umbenannt und zu einem 24-Stunden-Spartenprogramm mit Magazinen und Brauchtumssendungen, Berichten über Veranstaltungen, Kino, Sport, Reisen und Kulinarischem ausgebaut, der Informationen, Bildung, Beratung und Unterhaltung bietet. Gleichzeitig wurde die Variante in HD-Auflösung aufgeschaltet.

Vom Spartensender zum Vollprogramm Anfang 2010 wurden 3D-Testsendungen im ColorCode-3D-Verfahren eingeführt, für die man eine Anaglyphenbrille benötigt.Senderhomepage: . Es gab jedoch keine festen Zeiten für 3D-Sendungen, da ServusTV diese Programme zunächst testweise im Rahmen des Red-Bull-TV-Fensters ausstrahlte. Darüber hinaus wurden im Rahmen der Sendung Vogelfrei (Dienstag bis Freitag) Rundflüge über den Alpen-Donau-Adria-Raum in 3D gesendet.Website des Senders: . Trotz des umfangreichen Angebots in den verschiedenen Sparten war das Programm in Österreich lange Zeit nur als Spartenprogramm lizenziert. Erst im April 2013 erkannte die lizenzierende KommAustria das Angebot als Vollprogramm an. In Deutschland galt es zunächst weiterhin als Spartenprogramm mit dem Schwerpunkt Unterhaltung, erst im Jahr 2015 wurde es als Vollprogramm anerkannt. Für den Programmveranstalter ist die österreichische Lizenz maßgeblich, lediglich für die Verbreitung in den deutschen Kabelnetzen zusätzlich die deutsche Lizenz.

In Deutschland wurde ServusTV vom 1. September 2010 bis zum 31. Dezember 2023 auch im Free-TV über Telekom Entertain und Vodafone TV übertragen. Ab dem 20. Dezember 2010 gab es einen zusätzlichen Feed, um nach Aussage des Senders Schaltungen deutscher Werbekunden im Kabel und über Satellit separat berücksichtigen zu können. Das Programm selbst wurde (mit Ausnahme der DEL- beziehungsweise EBEL-Übertragungen im Rahmen der Servus Hockey Night) nicht auseinandergeschaltet. Von Dezember 2011 bis Jänner 2014 wurde ServusTV in Berlin auch über DVB-T übertragen. Später wurde ServusTV Deutschland ein eigener Sender. Das Programm von ServusTV Deutschland und ServusTV in Österreich unterschied sich stark, auch auf Grund unterschiedlicher Rechte für Filme und Sportübertragungen. ServusTV verzeichnete 2021 sein bisher stärkstes Quotenjahr. Der Sender kam in der Gesamtzielgruppe auf 3,7 Prozent Marktanteil (2020: 3,4 Prozent) und war damit im Vorjahr der in Österreich meistgesehene heimische private Fernsehsender.

Initiative zur Gründung eines Betriebsrates und angedrohte Einstellung des Sendebetriebs Am 3. Mai 2016 gab Red Bull Media House bekannt, den Sendebetrieb aus wirtschaftlichen Gründen einzustellen. Die diskutierte Gründung eines Betriebsrates war dafür ausschlaggebend. Dietrich Mateschitz gab dazu später an, dass die bevorstehende Gründung eines Betriebsrates für die Unabhängigkeit des Senders „nicht gerade dienlich sei“. Weiters kommentierte er, dass der Betriebsrat „anonym, unterstützt von Gewerkschaft und Arbeiterkammer“ zustande gekommen wäre. Die „Unabhängigkeit, Eigenständigkeit und Unbeeinflussbarkeit insbesondere durch politische Parteien, egal welcher Richtung, war von Anfang an ein tragender Pfeiler von ServusTV“. Nachdem sich fast alle Mitarbeiter am nächsten Tag gegen einen Betriebsrat schriftlich ausgesprochen hatten und auch in einer Videobotschaft an Mateschitz um die Weiterführung des Senders gebeten hatten, gab dieser einen Tag später bekannt, dass er seine Entscheidung wieder zurückgenommen habe.

Einstellung des Sendebetriebs in Deutschland und der Schweiz Am 31. Juli 2016 bestätigte Red Bull Media House, den Sendebetrieb in Deutschland und der Schweiz zum Jahresende einzustellen und die Sendelizenzen in den entsprechenden Ländern zurückzugeben. In diesem Zusammenhang berichtete der Kurier von einem jährlichen geschätzten Fehlbetrag in Höhe von 40 bis 50 Millionen Euro. Da die österreichische Version des Programms am 1. März 2016 aus rechtlichen Gründen verschlüsselt wurde und die für die Entschlüsselung erforderliche ORF-Smartcard nur für Personen mit Wohnsitz im Inland erhältlich ist, war ab diesem Zeitpunkt ein Empfang von ServusTV Österreich außerhalb Österreichs nicht mehr unverschlüsselt möglich.

Am 18. Oktober 2016 gab der Sender bekannt, den Sendebetrieb in Deutschland und auch in der Schweiz 2017 doch fortführen zu wollen.Servus TV zieht in Deutschland doch nicht den Stecker DWDL.de 18. Oktober 2016. Der Sendebetrieb in der Schweiz wurde dann am 31. Dezember 2021 eingestellt. Am 31. Dezember 2023 wurde auch in Deutschland der lineare Sendebetrieb eingestellt, die Übertragungswege und Teile des Programms wurden von DF1 übernommen. Das Unternehmen möchte sich auf die digitale Verbreitung über ServusTV On fokussieren.

Im Juni 2024 wurde Goetz Hoefer Generaldirektor des Senders, im November 2024 wurde Matthias Schrom übergreifender Redaktionsleiter. Im Februar 2025 wurde der Rückzug von Ferdinand Wegscheider aus dem operativen Tagesgeschäft von ServusTV ab September 2025 bekanntgegeben.

Programm

Das Programm von ServusTV hat fünf Kategorien: „Info und Aktuelles“, „Unterhaltung und Fiction“, „Entdecken und Wissen“, „Sport und Events“ und „Kultur und Volkskultur“. Zu Nachrichten und Magazinen werden unter anderem Servus-Nachrichten, Servus Wetter, Servus am Abend, Servus um 2 und Talk im Hangar-7 gezählt. Bei Dokumentationen und Porträts wird beispielsweise Terra Mater, TM Wissen (ehemals P.M. Wissen) oder Bergwelten ausgestrahlt. Zudem gibt es die Volkskultur-Sendungen Heimatleuchten und Hoagascht. Zur Unterhaltung zählt man Quizmaster und Quizjagd im Vorabendprogramm oder eigenproduzierte Fiction-Serien, Bares für Rares Österreich und Homo Austriacus im Hauptabendprogramm. Beim Kulturprogramm von ServusTV sieht man Sendungen wie kulTOUR mit Ioan Holender oder literaTOUR mit Alfred Komarek und Theodora Bauer sowie Live-Gottesdienste am Sonntag.Autorin Theodora Bauer als TV-Moderatorin. Artikel vom 27. Juli 2018, abgerufen am 28. Juli 2018.Theodora Bauer wird neue Moderatorin bei „literaTOUR“. Abgerufen am 28. Juli 2018. Zirka 70 Prozent der Erstausstrahlungen bei ServusTV Österreich sind Eigenproduktionen.

Sport Die Live-Talk-Sendung Sport und Talk aus dem Hangar-7 sowie die MotoGP und die Superbike-WM werden im Programmangebot Sport gezeigt, das in den vergangenen Jahren mit Fußball, Tennis und Formel 1 weiter ausgebaut wurde. Inhalte aus der Welt von Red Bull zeigt das „Red Bull-TV-Fenster“.

ServusTV war von 2010 bis 2020 Programmpartner der Österreichischen Eishockey-Liga. Dazu war es von 2013 bis 2016 Partner der Deutschen Eishockey Liga (DEL).Christian Buchler: EHC-Spiele kostenlos in TV und Netz; Wolfsburger Nachrichten, 18. Juni 2012. Von beiden Ligen wurde jeweils ein Spiel pro Woche im Rahmen der Servus Hockey Night gezeigt. In den Play-offs wurden vermehrt Spiele, zum Teil in Konferenzschaltung, übertragen.

Ab 2021 hat sich ServusTV die Fernsehrechte für die Formel 1 für die kommenden drei Jahre gesichert. Dort überträgt man in Partnerschaft mit dem österreichischen Sender ORF jeweils eine Hälfte der Saison, Ausnahme ist der Große Preis von Österreich, den beide Sender übertragen. ServusTV und ORF kooperierten bei der FIFA-WM 2022 und übertrugen alle 64 Spiele. Ebenso wurden alle 51 Spiele der UEFA EURO 2024 live im österreichischen Free-TV übertragen.

ServusTV überträgt jährliche Sport-Events wie den Wings for Life World Run oder die AirPower aus Zeltweg.

Eigenproduzierte Fiction 2017 produzierte ServusTV mit Trakehnerblut nach der Serie Eine Couch für alle seine zweite fiktionale Serie.Kleine Zeitung: Servus TV produziert erste eigene Serie. Artikel vom 27. Juli 2017, abgerufen am 14. August 2017. Im November 2018 wurde mit der Kriminalserie Meiberger – Im Kopf des Täters die nächste eigenproduzierte Serie ausgestrahlt.Servus TV zeigt neue Serie „Meiberger“ ab November, 12. September 2018, abgerufen am 28. Oktober 2018. Mittlerweile wurden zu „Meiberger“ insgesamt 20 Folgen in drei Staffeln sowie ein Special in Spielfilmlänge von ServusTV produziert. Der deutsche Sender VOX erwarb Senderechte daran und zeigte im Sommer 2022 alle Folgen im Hauptabendprogramm. Mit dem Altaussee-Krimi „Letzter Gipfel“, dem Mafia-Zweiteiler „Im Netz der Camorra“ mit Tobias Moretti in der Hauptrolle und „Meiberger – Mörderisches Klassentreffen“ produzierte ServusTV 2021 drei neue Spielfilme selbst. 2021 und 2022 wurden auch der Film „Klammer – Chasing the Line“, die Altaussee-Krimis „Letzte Bootsfahrt“ und „Letzter Saibling“ sowie die internationale Serie „Das Netz“ produziert.

Auszeichnungen und Publikumspreise „Quizmaster“-Moderator Andreas Moravec wurde 2020 mit der Romy in der Kategorie „Show und Unterhaltung“ ausgezeichnet. Die Sendung „Die Nachfolger“ wurde 2020 mit der Romy in der Kategorie „Beste Programmidee“ ausgezeichnet. „Bergwelten“ erhielt 2019 eine Romy als „Beste TV-Dokumentation“ („Mount Everest – Der letzte Schritt“, Regie: Reinhold Messner).

Bergwelten erhielt 2017 beim Filmfest St. Anton den Publikumspreis für „Still Alive“ (Regie: Reinhold Messner).

Terra Mater wurde unter anderem 2018 mit der Romy für die „Beste TV-Dokumentation“ ausgezeichnet.

Das „Servus Wetter“ wurde 2015 und 2016 zwei Mal in Folge mit dem ersten Platz beim „Wettergipfel-Award“ ausgezeichnet. Zudem erhielt es 2018 den „Sonderpreis Infotainment“ von „Der Österreichische Journalist“.

Rezeption Informationssendungen Der Sender erhielt in der Vergangenheit gute Kritiken für seine Diskussionssendungen, Informationen und Dokumentationen (Stand 2016).

Für eine Kooperation mit der Journalistengruppe „Dossier“ erhielt der Sender 2014 den Robert-Hochner-Preis.

Rechtspopulismus Seit 2016 ist Ferdinand Wegscheider Programmchef, vom Sender selbst „Intendant“ genannt. Er trug damit zugleich die Verantwortung für Programm und Budget, was bei Fernsehsendern eher unüblich ist und zuvor auch bei ServusTV getrennt war. Wegscheider geriet bereits häufiger für seinen umstrittenen wöchentlichen Fernsehkommentar Der Wegscheider in die Kritik, der ihm den Spitznamen „Wut-Chefredakteur“ einbrachte. Seine Positionen werden teilweise als rechtspopulistisch angesehen und werden häufig in der rechten Szene verbreitet, wovon sich Wegscheider bisher nicht distanziert hat.