Küsnacht (zürichdeutsch Chüsnacht ,Sprachatlas der deutschen Schweiz, Band V 1b. Chüsnecht ) ist eine politische Gemeinde im Schweizer Kanton Zürich. Sie liegt am östlichen Zürichseeufer – der sogenannten Goldküste – im Bezirk Meilen und ist nicht zu verwechseln mit der Schwyzer Gemeinde Küssnacht am Fusse der Rigi.

Geographie Zu Küsnacht gehören neben dem Küsnachter Dorfzentrum die am Zürichsee gelegenen Ortsteile Goldbach im Norden und Heslibach im Süden. An die Gemeinde Zumikon grenzt das höher gelegene Quartier Itschnach (Mundartname Itschne). Am oberen Lauf des Küsnachter Dorfbaches liegen die Küsnachter Weiler und Höfe Küsnachter Berg, Schmalzgrueb, Limberg, Wiserholz, Hohrüti, Wangen, Chaltenstein (Kaltenstein) und die Siedlung Forch. Nachbargemeinden neben Zumikon sind Zollikon im Norden, Erlenbach und Herrliberg im Süden sowie Maur im Osten.

Die Gemeinde hat eine Fläche von 1236 ha, davon sind 28 % Wald, 35 % Acker und Wiesen sowie 24 % Hofraum und Garten.

Geschichte Die ersten Spuren einer Besiedlung stammen von Seeufersiedlungen aus der Jungsteinzeit (4500 bis 2300 v. Chr.) im Heslibacher «Hörnli». Im Küsnachter Tobel beim Hügel der Ruine Wulp fand man Überreste aus der späteren Bronzezeit (2300 bis 800 v. Chr.). 1978 stiess man auf der Küsnachter Allmend auf ausgedehnte Reste eines Gutshofs, dessen mutmasslicher lateinischer Name fundus Cossiniacus «Landgut des Cossinius» die Grundlage des heutigen Ortsnamens sein dürfte. Dieser Name wurde bei den im Frühmittelalter eingewanderten Alemannen zu Chussennacho und wurde in dieser Form erstmals 1188 in einer päpstlichen Urkunde schriftlich festgehalten.Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen. Hrsg. vom Centre de Dialectologie an der Universität Neuenburg unter der Leitung von Andres Kristol. Frauenfeld/Lausanne 2005, S. 491 f. 2018 wurde unter dem Singsaal der Kantonsschule Küsnacht ein Gräberfeld aus dem 9. bis 11. Jahrhundert entdeckt. Am Standort der 1188 erstmals urkundlich bezeugten Kirche stand demnach schon Jahrhunderte früher ein Vorgängerbau.Daniel Fritzsche: Skelette unter dem Singsaal. In: Neue Zürcher Zeitung, Nr. 146 vom 27. Juni 2018, S. 21; online unter dem Titel: Die Toten unter dem Singsaal: Eine Zürcher Schule überrascht Archäologen mit einem gruseligen Fund. nzz.ch, 26. Juni 2018.

Im Hochmittelalter (950 bis 1250 n. Chr.) wurden die Herrschaftsrechte von den Freiherren von Regensberg ausgeübt, deren Dienstleute ihren Sitz auf der Burg Wulp hatten. Im 14. Jahrhundert verkauften die Regensberger die Herrschaft Küsnacht an das Rittergeschlecht der Mülner, die als Dienstleute der Fraumünsterabtei in den Adelsstand aufgestiegen waren. Ebenfalls im 14. Jahrhundert errichtete der Ritterorden der Johanniter bei der St. Georgskirche ihren Verwaltungsbezirk, die Komturei Küsnacht. Der letzte Komtur Konrad Schmid, der 1520 eingesetzt wurde und 1522 bis 1524 die Reformation durchsetzte, fiel 1531 als Gefährte von Ulrich Zwingli in der Schlacht bei Kappel.Alfred Egli: Komtur Konrad Schmid, ein Wegbereiter der Reformation. In: Küsnachter Jahresblätter. 1981, S. 30–48 (online) 1384 verkaufte Ritter Götz III. Mülner die Vogtei über Küsnacht und Goldbach für 400 Gulden an die Stadt Zürich. Damit wurde Küsnacht Teil der Obervogtei Küsnacht, die durch zwei dem Zürcher Rat angehörende Obervögte verwaltet wurde. Diese Zugehörigkeit bestand bis 1798.

Seit dem 12. Jahrhundert ist Küsnacht als eines der grössten und wichtigsten Rebgebiete am Zürichsee belegt. Die Küsnachter Reben erstreckten sich bis Anfang 20. Jahrhundert vom Goldbach über Kusen, Wangensbach, Obere Schiedhalde bis in den Heslibach. Haupterwerbsquelle der Bevölkerung waren Weinbau und Landwirtschaft mit dem dazugehörigen handwerklichen Gewerbe. Der erste Nachweis des bedeutenden Weinbergs im Wangensbach stammt aus dem Jahr 1284 und ist somit älter als der Bundesbrief.

Ein Münzfund von 1974 (Restaurierung 1977–1979) im Küsnachter Seehof enthielt kleinformatige Zürcher Münzen aus dem 17. bis 19. Jahrhundert. Ein zweites Konvolut enthielt Bundesmünzen des 19. und 20. Jahrhunderts. Somit umfassen die Funde den gesamten Kleingeldumlauf auf der Landschaft im 17. und 18. Jahrhundert und decken das Währungsgebiet in den Grenzen des Standes Zürich ab, dessen Geld auch in westlichen Teilen St. Gallens und dem östlichen Aargau galt.

Um 1624 führte Beat Werdmüller, Erbauer des Schlosses im Wangensbach sowie Besitzer der dortigen Reben, Wäldchen und Landwirtschaft, die Produktion von Seide ein. Im 19. Jahrhundert siedelten sich kleinere Industriebetriebe in Küsnacht an. Aus einer 1868 gegründeten Seidenhanddruckerei ging die spätere Firma Terlinden & Co. hervor. Geselliger Mittelpunkt war der Gasthof Sonne, seit 1711 im Besitz der Küsnachter Familie Guggenbühl, zu dem Reben und eine ausgedehnte Landwirtschaft gehörten. Das Lokal, für das unter dem Sonnenwirt Eduard Guggenbühl-Brunner der erste private Dampfschiffsteg gebaut wurde, diente der Küsnachter Bevölkerung für Vereinsanlässe und Familienfeste und zog berühmte Gäste aus aller Welt an.

Küsnachter Überschwemmung 1778: In den Abendstunden des 8. Juli 1778 ging ein heftiges Gewitter über Küsnacht nieder. Aus dem Küsnachter Tobel ergossen sich gewaltige Wassermassen über den Ort. Die Flut zerstörte zahlreiche Gebäude und Brücken. 63 Menschen kamen ums Leben.

1830 entstand das Küsnachter Memorial, eine liberale Streitschrift, in der eine neue Kantonsverfassung mit gleichen Rechten für Stadt und Land gefordert wurde. Zu den Autoren gehörten der deutsche Pädagoge Ludwig Snell sowie die Küsnachter Bürger Heinrich Streuli und Rudolf Brunner.

Nicht zuletzt aufgrund dieser liberalen Gesinnung wurde 1832 mit dem Zürcher Lehrerseminar das erste staatliche Lehrerseminar der Schweiz unter Ignaz Thomas Scherr im Seehof (heute C. G. Jung-Institut) eröffnet. Der erste zweijährige Ausbildungskurs wurde von 35 angehenden Lehrern besucht. Bekannte einstige Seminaristen sind nebst anderen die Schweizer Schriftsteller Ernst Kappeler, Jakob Bosshart und Albin Zollinger. Aus dem Seminar entwickelte sich im letzten Viertel des 20. Jahrhunderts die heutige Kantonsschule Küsnacht (Namensänderung 1983).

Am 3. und 4. Juni 1878 wurde das Dorf erneut von einer Überschwemmung heimgesucht, 100 Jahre nach der letzten. 1909, nach dem Bau der Seestrasse und der rechtsufrigen Bahnlinie, wurde die Bauzone beinahe auf das gesamte Hanggebiet ausgedehnt. Dies hatte zur Folge, dass innerhalb weniger Jahrzehnte fast das gesamte Rebgelände überbaut wurde: 1886 betrug die Rebfläche noch 148 Hektar, 1950 waren es noch deren 3. Die alten Siedlungskerne Dorf, Heslibach und Kusen wuchsen zusammen, und auch zu den Nachbargemeinden Zollikon und Erlenbach bestehen keine Siedlungsgrenzen mehr.

2006 wurde Küsnacht in einem Städte-Rating der Zeitschrift Bilanz als «lebenswerteste Stadt der Schweiz» eingestuft.

Wappen Blasonierung: In Rot ein übereckgestelltes, quadratisches goldenes Kissen mit Eckquasten.

Das Gemeindewappen von Küsnacht ist ein sogenanntes redendes Wappen, das heisst, das Wappen bildet den Ortsnamen ab. Die Verbindung von «Küsnacht» mit «Kissen» (mittelhochdeutsch küssîn) ist allerdings volksetymologisch, also sprachgeschichtlich unzutreffend.

Das Küsnachter Wappen ist vielleicht auf dasjenige der Gemeinde Küssnacht am Rigi zurückzuführen. Zwischen Küsnacht und Küssnacht bestanden nachweislich Adelsbeziehungen. Das Kissen schmückte 1497 die Helmzier im Wappen des Komturs Andreas Gubelmann, der damals dem Johanniterhaus Küsnacht vorstand. Während auf Ämterscheiben von 1544, 1560 und 1574 Kissen und Quasten golden (gelb) sind, wurden sie im 19. Jahrhundert häufig silbern (weiss) dargestellt. Gerold Edlibach zeigt in seiner Zürcher Chronik (ca. 1490; S. 420) ein anderes Wappen, nämlich eine Darstellung des Hl. Georg mit Drachen auf rotem Grund; Georg wird erstmals 1332 als Patron der Küsnachter Pfarrkirche erwähnt. Das heute gültige Wappen wurde 1933 vom Gemeinderat mit Rückgriff auf die erwähnten Ämterscheiben des 16. Jahrhunderts festgelegt.Peter Ziegler: Die Gemeindewappen des Kantons Zürich. Hrsg. von der Antiquarischen Gesellschaft in Zürich. Wappenzeichnungen von Walter Käch und Fritz Brunner. Berichthaus, Zürich 1977, ISBN 3-85572-022-3, S. 67.

Dorfwappen

Bevölkerung Bevölkerungsentwicklung Jahr 1634 1799 1850 1900 1950 2000 2015 2016 Einwohner 1064 1512 2486 3391 8920 12’484 13’796 14’141

Ausländeranteil: 28,3 % (2024) Religion: 34 % reformiert, 25 % römisch-katholisch (2016) Durchschnittsalter: 45 Jahre (2016) Arbeitslosenanteil: 2,1 % (2016)

In jüngster Zeit findet in Küsnacht ein demografischer Wandel statt: 2022 war Küsnacht «Schweizer Rekordhalter» bei den in der Gemeinde vorübergehend ansässigen Expats: «Ein Sechstel der Wohnbevölkerung gibt in Küsnacht als Hauptsprache Englisch an, das ist der Höchstwert unter den Schweizer Städten.» Der übrige Ausländeranteil im Kanton Zürich belief sich «Ende 2024 auf rund 465'000 Personen. Dies entspricht einem Ausländeranteil von 29 Prozent. Damit ist die Zahl der ausländischen Staatsangehörigen in den letzten zehn Jahren um über 95'000 Personen respektive gut ein Viertel gewachsen.»

Grünraum mini|Grünraum am Dorfplatz Küsnacht 1994 Im Gebiet der Gemeinde Küsnacht gibt es 34 geschützte Naturschutzobjekte. Im kantonalen Inventar der Natur- und Landschaftsschutz sind unter anderem das Küsnachter Tobel, der Rumensee, der Schübelweiher, das Gebiet um das Wehrmännerdenkmal auf der Forch und die Cholgrueb als Landschaftsschutzgebiete von kantonaler Bedeutung aufgeführt. Projekte zur nachhaltigen Aufwertung und ökologischen Vernetzung im Naherholungsgebiet werden unter anderem durch das Naturnetz Pfannenstil umgesetzt. Seit den 2010er Jahren geht der einstigen Gartenstadt Küsnacht durch den andauernden Bauboom im Siedlungsgebiet ausgedehnter Grünraum verloren. Als Symbol für diese Entwicklung wird der Dorfplatz angesehen, der Anfang 21. Jahrhundert mit einheimischen Bäumen und – als weitherum sichtbare Landmarke – dem über hundertjährigen Mammutbaum vor der reformierten Kirche umgeben war. mini|Dorfplatz Küsnacht, Gemeindehaus mit altem Gebäudeteil 2024 Die 2012 anlässlich der Abstimmung über die Sanierung und Pflästerung des Dorfplatzes versprochene Pflanzung einer Dorflinde steht aus: «Der Dorfplatz soll möglichst grosszügig gestaltet werden. Die eindrücklichen historischen Bauten, die den Dorfplatz einfassen, sollen entsprechend zur Geltung kommen. Unterstützt wird dies durch eine Pflästerung des Dorfplatzes, das Pflanzen einer Dorflinde vor dem alten Gebäudeteil des Gemeindehauses und durch eine indirekte Beleuchtung des Platzes mittels Fassadenbeleuchtung». Der «schleichenden Verstädterung» stellten sich die Stimmberechtigten 2012 mit der überwältigenden Annahme einer Initiative zur Auszonung der sogenannten «Zwingli-Wiese» gegen die behördliche Empfehlung entgegen.

Politik Nationalratswahlen Bei den Nationalratswahlen 2023 betrugen die Wähleranteile in Küsnacht: SVP 31,08 % (+2,99), FDP 26,40 % (−3,04), glp 13,23 % (−1,37), SP 11,78 % (+2,99), Mitte 7,29 % (+1,88), Grüne 6,86 % (−2,10), EVP 1,28 % (−0,34). Bei den Kommunalwahlen 2023 löste die SVP die FDP als stärkste Kraft ab.So hat Küsnacht gewählt, auf nzz.ch Ebenfalls 2023 wurde die bisherige Vorsteherin Finanzen Nina Fehr-Düsel (SVP) in den Nationalrat gewählt.

Gemeinderat (Stand 2024) Adrian von Burg (SVP)LiegenschaftenClaudio Durisch (parteilos)Tiefbau und SicherheitKlemens Empting (FDP)SchulpräsidentMarkus Ernst (FDP)Gemeindepräsident, Zentrale DienstePia Guggenbühl (FDP)FinanzenGauthier Rüegg (FDP)Hochbau und Planung Susanna Schubiger-Münger (GLP)Gesellschaft / Vizepräsidentin

Gemeindepräsidenten (seit 1939) Markus Ernst (seit 2013) Max Baumgartner (2006–2013) Ursula Gut (1998–2006) Fritz Gehrig (1990–1998) Arthur Egli (1978–1990) Hans Bollmann-Walder (1970–1978) Gottfried Spörri (1963–1970) Eduard Guggenbühl (1939–1963)

Wirtschaft mini|Bahnhof Küsnacht