Didymoticho ( , , ) ist eine Kleinstadt in der Region Ostmakedonien und Thrakien im Nordosten Griechenlands und eine gleichnamige Gemeinde im Regionalbezirk Evros. Die Stadt hat rund 9.000 Einwohner, in der Gemeinde leben etwa 19.500 Menschen.

Die Stadt Didymoticho erhielt ihren Namen aufgrund der doppelten Stadtmauer (), die früher zur Verteidigung errichtet wurde. Ein Teil dieser Befestigungsmauer ist heute noch zu besichtigen.

Geographie mini|links|Topografische Karte von Didymoticho Das Gemeindegebiet erstreckt sich beiderseits des Flusses Erythropotamos (), der von Nordosten kommend dem Evros zufließt. Die Stadt Didymoticho liegt am Nordufer, etwa drei Kilometer nordwestlich der Mündung, in der Evros-Ebene. Der Evros bildet die östliche Gemeindegrenze, die hier gleichzeitig Staatsgrenze zur Türkei mit der Grenzgemeinde Uzunköprü ist. Westlich grenzt an die Gemeinde der bulgarische Oblast Chaskowo. Die griechischen Nachbargemeinden sind Orestiada im Norden und Soufli im Süden. Didymoticho liegt etwa 100 Kilometer nördlich der Ägäis-Küste mit Alexandroupoli und 50 Kilometer südlich von Edirne.

Religion Griechisch-Orthodoxes Christentummini|223x223px|Ikonenmosaik am Eingang des Doms zeigt den Metropoliten Nikiforos in Proskynese|alternativtext=Die religiöse Vielfalt des Byzantinischen und später auch des Osmanischen Reiches hat sich teilweise erhalten. Didymoticho ist Bischofssitz der Metropolie Didymoticho, Soufli und Orestiada, Bischof ist seit 2009 Damaskinos Karpathakis. Damaskinos folgte auf dem Bischof Nikiforos Archangelidis, der 1988 inthronisiert wurde und bis 2009 das Amt bekleidete. Der Bischof untersteht hierarchisch dem Patriarchen von Konstantinopel.

Ein architektonisches Wahrzeichen der Stadt ist die 1994 erbaute Kirche der Metropolie, die („Befreiende Jungfrau Maria“). Die Kirche ist in neobyzantinischem Stil errichtet worden und ist 35 Meter hoch. Das Patronatsfest wird alljährlich am 28. Oktober gefeiert.

Die Gemeinde der Muslime

Der Mufti für den Regionalbezirk Evros hat seinen Sitz in der Stadt. Mehmet Şerif Damadoğlu () war von 1986 bis Dezember 2016 Mufti von Didymoticho. Kommissarischer Leiter wurde im Dezember 2016 Osman Hamza (). Die Muslime der Stadt sind in ihrer Gesamtheit seit dem 16. Jahrhundert ansässig. Die Integration in die Gesellschaft und das allgemeine Leben findet nur zögerlich statt, trotz Versuchen wie Bauprojekten und Sprachkursen der kommunalen Verwaltung. Außerhalb der Stadt, in den Dörfern der Gemeinde, gibt es kaum weitere Muslime, so dass die Moschee in der Stadt die einzige der ganzen Gemeinde ist.

Die Westthrakienmuslime (türkisch Batı Trakya Türkleri) sind eine Minderheit in Westthrakien. Sie stellen im Vertrag von Lausanne eine geschützten Minderheit in Westthrakien dar und fielen damit ebenso wie die Istanbuler Griechen nicht unter das türkisch-griechische Abkommen über den Bevölkerungsaustausch vom 30. Januar 1923. In die Zahl der griechischen Muslime in Westthrakien werden die ethnischen Türken und slawische Pomaken zusammengerechnet.

Armenische Gemeinde

Seit dem 18. Jahrhundert gibt es in Didymoticho eine relativ große armenische Gemeinde. Das Kulturzentrum der Armenier liegt in der historischen Kirche des Heiligen Georgios Paleokastritis ().

Judentum

Über die Jahrhunderte bestand in Didymoticho eine große jüdische Gemeinde, eine der ältesten Griechenlands. Im Ersten Weltkrieg verlor sie viele Mitglieder. Im Zweiten Weltkrieg wurden 731 Juden am 4. Mai 1943 von deutschen Truppen ins besetzte Polen deportiert und Opfer des Holocaust. Nur 33 Personen konnten der Deportation entgehen.Martin Gilbert: . Routledge, London, 3. Auflage 2002, ISBN 0-415-28145-8, S. 150 f. Das letzte Mitglied der Gemeinde starb 1987. Vor der nationalsozialistischen Besetzung war die jüdische Gemeinde so groß gewesen, dass diese eine jüdische Schule in Betrieb hatte, wo u. a. Hebräisch gelehrt wurde.

Geschichte Antike und Mittelalter Archäologische Funde datieren die Gründung des Ortes auf das 7. Jahrhundert n. Chr. Als Geburtsstadt der byzantinischen Kaiser Johannes III. Dukas Batatzes, Johannes V. Palaiologos und Basileios II. zeugt die Stadt von reicher byzantinischer Geschichte und war mehrmals Regentensitz der byzantinischen Kaiser. Basileios II., „der Bulgarentöter“ genannt, nutzte die Stadt als Lager und Zentrale für seine Annexionspolitik gegen das Erste Bulgarische Reich.

Der Niedergang der Stadt und damit das Ende ihrer Geschichte innerhalb des Reiches von Byzanz war auch der Niedergang des Reiches selbst. Der 3., 4. und 5. Kreuzzug der westlichen Kirche schwächten Byzanz und boten eine Angriffsfläche für spätere Besatzer. Die Stadt Didymoticho litt unter diesen Kreuzzügen und den Zerstörungen unter anderem durch Kaiser Barbarossa. Im Juni 1206 versuchte der bulgarischen Zar Kalojan die Stadt einzunehmen, nachdem sich die Bewohner mit den Kreuzrittern gegen ihn verbündet hatten. Dabei änderte er die Flussrichtung des Flusses Erythropotamos. Ende August 1206 erfolgte die Zweite Belagerung von Didymoticho. Dabei wurde die Stadt eingenommen und zerstört. In der Folgezeit wurde die Stadt erneut von byzantinischen Truppen erobert und die Stadt wieder aufgebaut. Um 1340 wurde Didymoticho Sitz des Gegenkaisers Johannes VI. Seine Krönung in Didymoticho löste einen weiteren Bürgerkrieg aus, der letztendlich von Johannes V. 1354 gewonnen wurde. Der italienische Chronist Matteo Villani berichtete, dass die Stadt 1359 zum ersten Mal von den Osmanen erobert worden sei. Im November 1361 geriet sie endgültig in osmanische Hände und löste kurzzeitig Bursa als Residenzstadt der osmanischen Sultane ab. Somit war Didymoticho deren erste Hauptstadt in Europa (bis 1366, danach Adrianopel (Edirne) bis 1453).David Nicolle: Die Osmanen – 600 Jahre islamisches Weltreich. Wien 2008, S. 60. Villani beschrieb Didymoticho als die zweitwichtigste byzantinische Stadt in Thrakien, nach Konstantinopel. Der Eroberung Didymotichos folgte die Unterwerfung und Zerstörung der Festungen in den Ostrhodopen, unter anderem Perperikon, Ljutiza bei Iwajlowgrad, Ustra und Wischegrad bei Kardschali. Im Februar 1713 wurde Karl XII. von Schweden während seines Aufenthaltes im Osmanischen Reich von Sultan Ahmed III. in Adrianopel arrestiert. Von dort aus verlagerten die Osmanen den Hausarrest im November 1713 nach Didymoticho.

Neuzeit Didymoticho gehörte danach zunächst bis 1912 ununterbrochen zum Osmanischen Reich, bevor es während des Ersten Balkankrieges von bulgarischen Truppen besetzt und zunächst an Bulgarien abgetreten wurde. Als der Zweite Balkankrieg ausbrach, verloren die bulgarischen Truppen. Wegen des drohenden Anschlusses an Bulgarien formte sich Widerstand in der muslimisch-türkischen Bevölkerung Westthrakiens, die mit 185.000 Einwohnern die Mehrheit in der Region stellte.Katrin Boeckh: Von den Balkankriegen zum Ersten Weltkrieg. Kleinstaatenpolitik und ethnische Selbstbestimmung auf dem Balkan. Oldenbourg, München 1996, ISBN 3-486-56173-1, S. 77. Der Widerstand mündete in die Gründung der Regierung Westthrakien.mini|links|Bulgarische Flüchtlinge aus Bulgarköi (heute Ellinochori), bei Didymoticho (1913)Im Ergebnis des Zweiten Balkankrieges erhielten die Osmanen 1913 die Stadt zwar noch einmal zurück, traten sie aber 1915 endgültig an Bulgarien ab, um Bulgarien an der Seite der Mittelmächte zum Eintritt in den Ersten Weltkrieg zu bewegen. Nach der Niederlage der Mittelmächte musste Bulgarien 1919 schließlich West-Thrakien samt Didymoticho an Griechenland abtreten. Beim folgenden Bevölkerungsaustausch verließen 53.000 Bulgaren Griechenland.Elisabeth Kontogiorgi: . Clarendon Press, Oxford 2006, ISBN 0-19-927896-2, S. 229. Umgekehrt verließen 46.000 Griechen Bulgarien.

Didymoticho und die Präfektur Evros blieben als Enklave auch während des Zweiten Weltkriegs griechisch, da sie unter deutscher Militärverwaltung standen. Die weiter westlich gelegenen Gebiete Thrakiens und Ostmakedonien hingegen waren von 1941 bis 1944 wieder von Bulgarien annektiert worden.

Starke Regenfälle verursachten am 17. Februar 2005 eine Überflutung der Region um den Fluss Evros und der Stadt. Die Flut ebbte ab dem 4. März langsam ab und hinterließ große Schäden. Auch die Eisenbahnlinie wurde stark betroffen, so dass der Zugverkehr für mehrere Monate stillgelegt werden musste. Im Jahr 2010 wurde im Zuge des Kallikratis-Programms die westliche Nachbargemeinde Metaxades in die Gemeinde Didymoticho eingemeindet.

Kultur und Sehenswürdigkeiten Die Überreste der antiken Siedlung Zwischen dem Bahnhof der Stadt und den Flüssen Erythropotamos und Evros erhebt sich die . Ausgrabungen ergaben, dass dieser Ort mit der antiken Stadt Plotinoupolis zu identifizieren ist, die der römische Kaiser Trajan gründete und nach seiner Frau Pompeia Plotina benannte. Die Ruinen der antiken Siedlung sind heute dort zu besichtigen. Die Ausgrabungen dauern an, und die Funde werden im archäologischen Museum von Komotini ausgestellt. Die Böden der Patrizierhäuser sind gut erhalten und offenbarten bei Ausgrabungen seit 2009 hochwertige Mosaike mit Darstellungen aus der antiken griechischen Mythologie. 1965 hatte man eine Goldbüste des Septimius Severus zufällig beim Bau eines Grabens durch die griechische Armee gefunden. In der Umgebung der Stadt laufen Ausgrabungen an mehreren griechisch-thrakischen Gräbern, wie zum Beispiel in Thyrea. Auch Überreste der Festung Pythion befinden sich in der Nähe.

Die Burg mini|Blick auf den Burgberg Zu den Hauptsehenswürdigkeiten zählen die Burg und die Befestigungsanlagen des mittelalterlichen Didymoticho. Der Berg wurde in der Epoche des Justinian I. in der Zeit 527–565 befestigt und hat in den kommenden Epochen der Byzantinischen Kaiser immer wieder Veränderungen erfahren müssen. Die Burg dokumentiert die geostrategische Wichtigkeit der Stadt während der Jahrhunderte. Der berühmte „Prinzessinenturm“ (), wo sich der Sage nach die junge Prinzessin eines byzantinischen Kaisergeschlechts in den Tod warf, weil sie einer Zwangsheirat entkommen wollte, ist der besterhaltene Turm der Burg. Insgesamt 24 Türme sind heute noch erhalten, wobei die meisten steinerne Monogramme verschiedener byzantinischer Kaiserdynastien aufweisen. Gut erhalten ist auch das Burgtor. Während der osmanischen Herrschaft wohnte die christlichen Bevölkerung, also die Griechen, Armenier und Bulgaren, „oben“ (= innerhalb der Burg), während die muslimischen Bewohner der Stadt „unten“, um die Moschee herum, lebten.

Die Altstadt Innerhalb der Stadtmauern befindet sich die Altstadt. Hier stehen die byzantinische Kirche der Heiligen Ekaterini sowie die historische Kirche des Heiligen Georgios Palaeokastritis, in der Johannes VI. Kantakouzenos gekrönt wurde. Felshöhlen befinden sich sowohl im Bereich, der von den byzantinischen Festungsmauern umrahmt wird, als auch in dessen Umkreis. Zwei Höhlen, die neben der Metropolis des Heiligen Athanasios liegen, dienten der Legende nach als Gefängnis Karls XII. von Schweden. Bei der Çelebi-Sultan-Mehmed-Moschee, deren Konstruktion unter Murad I. (1326–1389) begonnen und unter Bayezid I. (1347–1402) fertiggestellt wurde, handelt es sich um die älteste osmanische Moschee Europas. Sie wurde gebaut, als die Stadt kurzfristig Residenz des osmanischen Sultans war. Gegenwärtig wird das Gebäude saniert. Besichtigen kann man außerdem den Komplex des türkischen Hamam, griechisch auch „Bäder der Liebe“ () genannt. Dieses Hamam wird auf das 15. Jahrhundert datiert. Besichtigen kann man das Mausoleum des Oruç Paşa (), welches sich direkt hinter dem heutigen Rathaus der Stadt befindet. Oruç Paşa war General des osmanischen Heers und Stifter des Hamam.

Viele klassizistische Gebäude wie Stadtvillen prägen das Bild der Stadt und wurden unter Denkmalschutz gestellt. Ebenfalls häufig und unter Denkmalschutz sind für die Region typische Herrenhäuser ().