mini|Logo des Pikes Peak Hill Climb 2013 mini|Pikes Peak Hill Climb Course Map
Das Pikes Peak International Hill Climb (PPIHC), auch Race To The Clouds genannt, ist ein Bergrennen für Rennwagen und Motorräder auf dem Pikes Peak, einem Berg der Front Range der Rocky Mountains im US-amerikanischen Bundesstaat Colorado. mini|Während die Rennstrecke früher komplett geschottert war, ist sie seit August 2011 vollständig asphaltiert mini|2007: Rod Millens Pikes Peak Toyota Tacoma in Goodwood
Das Rennen wurde bereits 1916 zum ersten Mal organisiert, um die als Touristenattraktion erbaute Straße zum Gipfel des Pikes Peak landesweit bekannt zu machen. Ursprünglich fand das Rennen jeweils am 4. Juli (Independence Day) statt, 2009 wurde die 87. Auflage des Klassikers erst am 19. Juli ausgetragen. 2010 und 2011 fanden die Rennen bereits am letzten Juni-Wochenende statt. 2012 war der 8. Juli als Renntag vorgesehen, aber der Waldbrand Waldo Canyon Fire erzwang eine Verschiebung, sodass es am 12. August stattfand.
Die Renndistanz beträgt 19,99 Kilometer (12,42 Meilen), die Strecke umfasst 156 Kurven. Der Start liegt auf 2.862 Metern Höhe, und es werden 1.439 Meter Höhenunterschied bei durchschnittlich 7 % Steigung der Straße bewältigt. Auf dem Weg zum Ziel, das sich auf dem Gipfel (The Summit) in 4.301 Metern (14.110 Fuß) Höhe über dem Meeresspiegel befindet, verlieren die Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren durch die dünne Höhenluft rund ein Drittel ihrer Leistung. In den ersten Jahren war die Piste zum größten Teil geschottert und verfügte über einzelne Pflasterstein-Passagen, die später jedoch asphaltiert wurden. 2001 wurde auf Initiative von Umweltschützern damit begonnen, auch die bisher unbefestigten Streckenabschnitte mit Asphalt zu belegen, seit August 2011 ist die gesamte Rennstrecke asphaltiert. Somit wurde das PPIHC bei seiner 90. Auflage 2012 erstmals über eine vollständig befestigte Strecke ausgetragen.
Das Pikes Peak International Hill Climb gilt als anspruchsvolles Rennen, da sich für die Teilnehmer nur begrenzte Trainingsmöglichkeiten bieten. So werden die Qualifikationsläufe nur auf einem Teilstück ausgetragen, während das Rennen auf dem Pikes Peak aus einem einzigen Wertungslauf besteht. Dabei besteht zudem die Gefahr, dass die Fahrer von unvermittelten Wetterumschwüngen überrascht werden können, deren Ursache in den verschiedenen Höhenlagen der Strecke liegen. In einzelnen Fällen führten die vorherrschenden Witterungsbedingungen am Pikes Peak zu einer Verkürzung der Renndistanz, da im oberen Streckenteil noch Schnee lag oder zu starker Nebel herrschte.
Rekordsieger beim Pikes Peak International Hill Climb ist der US-Amerikaner Bobby Unser. Er konnte das Rennen insgesamt 13-mal gewinnen. Überhaupt gilt die Rennfahrerdynastie der Unsers als die „Royal Family“ des Pikes Peak. So konnte bereits der Onkel von Bobby, Louis Unser jr., das Rennen neunmal gewinnen, sein Bruder Al Unser konnte zweimal siegen, und auch der Sohn von Bobby, Robby Unser, war bereits achtmal erfolgreich. Louis Unser hielt auch viele Jahre lang den Rekord für die meisten Zielankünfte mit 36. Dieser Rekord wurde 2011 von Randy Schranz gebrochen, als dieser sein 37. Rennen seit 1972 beenden konnte. Weitere berühmte Fahrer, die am Pikes Peak gewinnen konnten, sind die Indycar-Fahrer Mario Andretti und Rick Mears sowie die Rallyefahrer Michèle Mouton, Walter Röhrl und Ari Vatanen.
Geschichte Die ersten Jahre Das Pikes Peak International Hill Climb wurde 1916 zum ersten Mal ausgetragen. Begründer des Rennens war Spencer Penrose, ein Bürger der Stadt Colorado Springs und Investor, der sich damit einen Image-Gewinn für die Region versprach. Penrose stiftete auch eine Trophäe, die bis zur nächsten Austragung des Rennens im Besitz des jeweiligen Gesamtsiegers verbleiben sollte. Der Berg wurde sowohl mit Autos als auch mit Motorrädern in Angriff genommen. Die Zweiräder stammten größtenteils von der Excelsior Motorcycle Company, die Autos waren offene Rennwagen mit Frontmotoren (Open Wheel). Bedingt durch viele auftretende Pannen bestritt jeder Fahrer mit einem Mechaniker an seiner Seite das Rennen, später gingen die Fahrer in Einsitzern auf die Strecke. Der erste Pikes-Peak-Champion hieß Rea Lentz, der mit einem Romano Dämon Special die Strecke mit einer Zeit von 20:56 Minuten absolvierte. Zum Teilnehmerfeld gehörten auch Rennsport-Pioniere wie Eddie Rickenbacker und Barney Oldfield.
Wegen des Ersten Weltkriegs erfuhr das Bergrennen eine dreijährige Pause und wurde erst wieder 1920 – mittlerweile durch den damaligen Motorsportverband AAA sanktioniert – wiederaufgenommen. Die folgenden Jahre standen im Zeichen von Glen Schultz, der mit insgesamt acht Titeln zwischen 1923 und 1933 die erste Ära im Pikes-Peak-Rennen begründete.
1929 wurde mit der „Super Stock Category“ eine zweite Fahrzeugklasse eingeführt. Obwohl nach sechs Jahren vorerst wieder eingestellt, ist sie seit 1956 fester Bestandteil des Bergrennens.
Im Zeichen der Unser-Familie 1926 debütierte mit Joe Unser der erste Vertreter einer Rennfahrerfamilie, die seitdem den Wettbewerb prägte und 1934 durch Joes Bruder Louis Unser den ersten Sieg zu verzeichnen hatte. Die nächsten 20 Jahre bildete dessen anhaltender Zweikampf mit Landsmann Al Rogers den sportlichen Höhepunkt bei den Rennen. Rogers erreichte dabei fünf, Louis Unser neun Siege. 1953 stellte er dabei mit 15:15,40 Minuten einen neuen Streckenrekord auf.
Mitte der 1950er Jahre hatte die nächste Generation ihr Debüt beim Pikes Peak International Hill Climb. Jerry Unser, der in der „Super Stock Category“ startete, starb jedoch 1959 nach einem Unfall beim Training zur Indy 500. Seine jüngeren Brüder Bobby Unser und Al Unser siegten dagegen mehrmals, wobei Bobby mit insgesamt 13 Titeln – acht davon in der Open Wheel Category – zum Rekordsieger avancierte. 1968 gelang es ihm als erstem Fahrer, unter 12 Minuten zu bleiben.
Die dritte Generation debütierte 1976 mit Bobby Unser jr., dem kurz darauf sein Cousin Al Unser jr. und 1987 sein Bruder Robby Unser folgten, der achtmal das Rennen gewann. In den 1990er Jahren gehörten Johnny Unser, der Sohn von Jerry Unser und Jeri Unser, die Schwester von Bobby Jr. und Robby Unser, dem Teilnehmerfeld an. Insgesamt nahmen bis 2011 12 Mitglieder dieser Rennfahrerfamilie am Pikes Peak International Hill Climb teil.
Aufstieg und Erfolg der sogenannten Rallye-Fahrzeuge In den frühen 1970er Jahren erfuhr die Open Wheel Category eine technische Neuerung, als die bis dahin mit Frontmotor ausgestatteten „Sprint Cars“ zunehmend von tiefergelegten Rennwagen mit Heckmotor verdrängt wurden. Knapp zehn Jahre später erlebte die schnellste Fahrzeugklasse erneut eine technische Weiterentwicklung. Fortan bestimmten speziell für das Bergrennen ausgelegte Fahrzeuge das Tempo. Der erfolgreichste Vertreter dieser Wagengattung war der Wells Coyote Chevy, der von den Pikes-Peak-Gesamtsiegern der Jahre 1981 bis 1984 gefahren wurde.
1981 wurde mit der Open Rally Category eine Klasse in das Programm aufgenommen, deren Fahrzeuge zumeist aus der vorrangig in Europa ausgetragenen Rallye-Weltmeisterschaft stammten. In den ersten Jahren dominierte Audi das Rennen, auch deswegen, weil die Fahrzeuge mit Allradantrieb fuhren, mit dem sie auf der noch vollständig geschotterten Strecke eindeutig im Vorteil waren. Der US-amerikanische Rallyefahrer John Buffum blieb 1982 und 1983 mit seinem Audi quattro noch rund eine halbe Minute über den Zeiten der Rekordfahrer, doch bald darauf wurde Audi zu einem ebenbürtigen Gegner. 1985 holte sich Michèle Mouton als erste Frau mit ihrem Audi als erstes Fahrzeug der Open Rally Category den Gesamtsieg. Im Jahr zuvor waren sie (zusammen mit ihrer italienischen Beifahrerin Fabrizia Pons als Streckenaufschrieb-Vorleserin) und der Norweger Martin Schanche die ersten Europäer, die sich am Pikes Peak versuchten. Nachdem Schanche in Führung liegend nach etwa einem Drittel der Distanz einen Reifenschaden vorne rechts an seinem 560 PS starken Ford Escort Mk3 4×4 erlitten hatte, konnte Mouton den Rallye-Kategorie-Sieg erringen, mit 12:10,38 Minuten jedoch noch nicht in absoluter Bestzeit. Den Gesamtsieg holte sich mit Bill Brister ein Open-Wheel-Pilot und legte dabei eine Zeit von 11:42,82 vor. Doch die 1985er 11:25,30 Minuten von Mouton auf einem Audi Sport quattro waren endlich ein neuer Streckenrekord. Im Jahr darauf gab Audi dem zwölffachen Pikes-Peak-Sieger Bobby Unser die Chance, mit einem Werks-Quattro sein Glück zu versuchen. In 11:09,22 Minuten fuhr der US-Amerikaner zu seinem dreizehnten Sieg und zu einem weiteren neuen Streckenrekord.
mini|Audi S1 Pikes Peak gefahren von Walter Röhrl beim 1. Rossfeldbergrennen im Jahr 2013 mini|Peugeot 405 Turbo 16 Pikes Peak Im Jahr 1987 kam es zum Aufeinandertreffen der Werksmannschaften von Audi und Peugeot. Audi brachte eine nach den Erfahrungen der Vorjahre entstandene Weiterentwicklung des Audi quattro S1 aus der Gruppe B der Rallye-Weltmeisterschaft, den starken Audi Sport quattro E2 Pikes Peak, an den Start. Gefahren wurde das Auto vom zweifachen Rallye-Weltmeister Walter Röhrl. An der Spitze des Peugeot-Teams stand der ehemalige Rallye-Weltmeister Ari Vatanen mit dem Peugeot 205 T16 E2 Pikes Peak, sein Landsmann Juha Kankkunen fuhr ein baugleiches Auto, ebenso der Italiener Andrea Zanussi. Im Ziel angekommen unterbot Röhrl mit 10:47,850 Minuten als erster Fahrer die 11-Minuten-Marke für dieses Rennenhttps://www.rallye-magazin.de/histo/artikel/heute-vor-30-jahren-roehrl-stuermt-den-pikes-peak-30849/ und bescherte Audi damit auch den dritten Gesamtsieg in Folge. Sein stärkster Konkurrent Vatanen hatte mit seinem Peugeot ab etwa der Hälfte der Strecke Probleme mit dem Öldruck und benötigte 7 Sekunden mehr als Röhrl.
1988 kehrte Peugeot mit einem neuen Auto, dem Peugeot 405 Turbo 16 Pikes Peak, zurück. In Abwesenheit von Audi konnte Vatanen diesmal das Rennen für sich entscheiden, wobei er den Rekord von Walter Röhrl aus dem Vorjahr trotz schlechten Wetters um 63 Hundertstelsekunden verbesserte. Im Jahr darauf gewann mit Robby Unser wiederum ein Peugeot-Fahrer, der allerdings mit 10:48 Minuten einen weiteren Rekord knapp verfehlte.
Nachdem Peugeot fünf Jahre lang im Besitz des absoluten Streckenrekordes war, wechselte die Bestmarke 1993 noch einmal in die traditionelle Pikes-Peak-Kategorie. Der US-Amerikaner Paul Dallenbach gewann dabei mit einem Davis-Chevrolet in einer Zeit von 10:43 Minuten.
Austragung 1994 unter optimalen Streckenbedingungen Im Jahr 1994 kam es zu einer Anzahl neuer Rekorde. Verantwortlich dafür waren besonders günstige Streckenverhältnisse. Der lose Schotterbelag der Strecke war nach der Verwendung von Staubblockern in diesem Jahr sehr fest, so dass Bedingungen fast wie auf Asphalt herrschten und in den Kurven teilweise sogar schwarze Reifenspuren auf dem Schotterbelag sichtbar wurden. Mit dem Neuseeländer Rod Millen konnte diesmal wieder ein Pilot aus der Rallye-Klasse gewinnen, die mittlerweile in „Unlimited Category“ umbenannt worden war. Auf einem allradgetriebenen Toyota-Celica-Mittelmotor-Spezialfahrzeug mit bewältigte Millen den Pikes Peak in überragenden 10:04 Minuten und blieb damit fast 40 Sekunden unter der alten Bestzeit. Und auch der Sieger der Open-Wheel-Kategorie, Robby Unser, war mit knapp 10:06 Minuten nur unwesentlich langsamer.
Obwohl Rod Millen – jeweils in der Unlimited Category – bis 1999 noch vier weitere Gesamtsiege feiern konnte, blieb seine Rekordmarke aus dem Jahre 1994 unangetastet und sollte erst 13 Jahre später unterboten werden. Auch andere Rekorde aus diesem Rennen hielten für längere Zeit. So wurde der Stock-Car-Rekord von Bobby Regester erst im Jahr 2010 gebrochen, während der Open-Wheel-Rekord von Robby Unser noch bis heute (Stand: 2011) Bestand hat.
Jagd auf die 10-Minuten-Marke mini|2010: Der Monster Sport SX4 Hill Climb Special von Suzuki