Hagnau am Bodensee ist eine Gemeinde im Bodenseekreis in Baden-Württemberg. Sie hieß zu Beginn des 19. Jahrhunderts noch Hangnau.Kompass (Hrsg.): Lexikon Bodensee Gesamtgebiet, 1c, ISBN 3-85491-002-9, S. 20.

Geographie links|mini|Hagnau aus dem Zeppelin gesehen.

Hagnau liegt am Nordufer des Bodensees zwischen Meersburg und Friedrichshafen.

Oberhalb des Ortes liegt der Hügel Wilhelmshöhe (473 m), ein beliebter Aussichtspunkt.

Geschichte miniatur|Hagnau um 1904

Bereits während der späten Bronzezeit 1050 v. Chr. war die Seeufersiedlung Hagnau-Burg besiedelt. 1986 fand man hier die bislang älteste Holz-Flöte Europas.Günter S. Schöbel: Ein Flötenfragment aus der spätbronzezeitlichen Siedlung Hagnau-Burg, Bodenseekreis. In: Archäologische Nachrichten aus Baden. Heft 38/39, 1987, S. 84–87. Im Überlinger Museum befindet sich eine römische Öllampe, die in Hagnau gefunden wurde. Vom Burgstall Hagnau bestehen keine Überreste mehr.

Ende des 6./Anfang des 7. Jahrhunderts gehörte Hagnau zum Gebiet des Alamannenherzogs Gunzo. Im Jahr 1010 schenkten die Welfen das Gebiet der Benediktinerabtei Altdorf. Hagnau wurde erstmals am 24. Januar 1152 in einer Urkunde Papst Eugens III. erwähnt. Im Jahr 1436 verkaufte der Weingartner Abt Hagnau an Überlingen. Die Pest forderte im Jahr 1514 in fast jedem Haus in Hagnau Tote.Vgl.: Karl Heinz Burmeister: Der Bodensee im 16. Jahrhundert. In: Montfort, Vierteljahreszeitschrift für Geschichte und Gegenwart Vorarlbergs. Jahrgang 2005, Heft 3, S. 243 Im Jahr 1650 wurde Hagnau von Überlingen an das Kloster Einsiedeln verkauft. Einsiedeln verkaufte Hagnau 1693 an die Benediktinerabtei Weingarten. Sie wurde 1803 säkularisiert, und, im Rahmen des Reichsdeputationshauptschlusses, dem Haus Nassau-Dillenburg zugeteilt. In Umsetzung der Rheinbundakte wurde Hagnau 1806 badisch.Gertraud Gaßner, Rainald Schwarz-Gaßner: Rad Reisebuch. Rund um den Bodensee. Knaur Taschenbücher 4635, ISBN 3-426-04636-9, S. 234.

Im Jahr 1817 herrschte in Hagnau große Hungersnot. Das Hochwasser des Bodensees überschwemmte die Keller und fußhoch die Straßen des Unterdorfs von Hagnau. Im Jahr 1830 gab es eine Seegfrörne, und die Hagnauer trugen in der Eisprozession die Büste des Heiligen Johannes von Münsterlingen nach Hagnau. Im Jahr 1880 gab es wieder eine Seegfrörne ohne Eisprozession (erst 1963 gab es sie wieder, und die Johannesbüste wurde wieder nach Münsterlingen gebracht). 1882 sank der Bodenseepegel so stark, dass der Felsen „Die Burg“ trocken lag. Im Herbst 1891 überschwemmte wieder das Hochwasser des Bodensees das Unterdorf.Heinrich Hansjakob: Schneeballen, dritte Reihe, 1893. Neuauflage 1911 im Verlag von Adolf Bonz & Comp. Stuttgart. Neuauflage 2002 von der Waldkircher Verlagsgesellschaft, Waldkirch, ISBN 3-87885-190-1, S. 164–172, 181, 280 (Begebenheiten während der Zeit als Pfarrer von Hagnau 1869-1884).

An die Zeit des Ersten und Zweiten Weltkrieges erinnert an der Südseite der Pfarrkirche ein Kriegerdenkmal mit den Namen der Gefallenen und Vermissten.Gefallenendenkmäler: Gefallene und Vermisste in Hagnau

Am 1. Januar 1973 wurde der Landkreis Überlingen aufgelöst, wodurch Hagnau zum neugebildeten Bodenseekreis gelangte.

Am 3. Oktober 2015 wurde ein Baumdenkmal für die Deutsche Einheit im Uferpark beim Strandweg gepflanzt.Bäume als Symbol für Wiedervereinigung. In: Schwäbische Zeitung, 04. 14. Oktober 2015, abgerufen am 14. 14. Januar 2024.

Politik Verwaltungsverband Hagnau hat sich mit der Stadt Meersburg und den Gemeinden Daisendorf, Stetten und Uhldingen-Mühlhofen zu einem Gemeindeverwaltungsverband zusammengeschlossen.

Bürgermeister Im Oktober 2015 wurde der Jurist Volker Frede im ersten Wahlgang zum Nachfolger von Simon Blümcke gewählt, der von 2003 bis 2015 amtierte. Frede trat das Amt am 15. Dezember 2015 anhttps://www.google.de/webhp?sourceid=chrome-instant&ion=1&espv=2&ie=UTF-8#q=volker+frede+hagnau+wahl und wurde im Oktober 2023 für eine zweite Amtszeit wiedergewählt.

Gemeinderat Das Wahlergebnis der Kommunalwahl am 9. Juni 2024 ist in nebenstehendem Diagramm dargestellt. Die Wahlbeteiligung lag bei 69,6 %. Daraus ergab sich folgende Sitzverteilung:

Wappen

Gemeindepartnerschaften mini|Blick auf Hagnau vom Bodensee mini|Hagnau am Bodensee an der Schiffsanlegestelle: Historische Verbindung mit der Partnergemeinde Altnau in der Schweiz durch die Seegfrörnen und Eisprozessionen.

Hagnau unterhält partnerschaftliche Beziehungen zu den drei gegenüber am Südufer des Bodensees gelegenen Schweizer Gemeinden: Altnau: Die Verbundenheit zwischen Altnau und Hagnau zeigte sich immer, wenn der See zugefroren war und überquert werden konnte. Die Erkundung der Passierbarkeit des Bodensees zur Vorbereitung der Eisprozession führte die Hagnauer 1880 nach Altnau („von den Altnauern freundlich empfangen“) und 1963 in der ersten Gruppe nach Güttingen („als uns die Wirtsleute ‚Zum Schiff‘ in Güttingen in ihre warme Stube führten“) und in der zweiten Gruppe nach Altnau („bogen dann nach Süden direkt auf den kleinen Hafen von Altnau zu“). Am 6. Februar 1830 brachten 100 Hagnauer Schulkinder ein gerahmtes Christusbild über den gefrorenen See zur Schule nach Altnau. Dieses Bild wurde am 9. Februar 1963 von 60 Schülern der Sekundarschule Altnau über den gefrorenen See zurück in die Hagnauer Schule gebracht. Im Sommer gibt es an einigen Wochentagen eine direkte Schiffsverbindung (Seelinie) von Altnau und Güttingen quer über den Bodensee nach Hagnau und Immenstaad. Münsterlingen: Die Partnerschaft ist besonders gefestigt durch den Brauch, bei der so genannten Seegfrörne die Büste des Heiligen Johannes über den zugefrorenen See aus der Partnergemeinde in die eigene Gemeinde abzuholen. Der Brauch der Eisprozession besteht seit der Seegfrörne von 1573.Kompass (Hrsg.): Lexikon Bodensee Gesamtgebiet, 1c, ISBN 3-85491-002-9, S. 21 An die Überquerung des Sees durch Hagnauer Bürger im Februar 1880 (ohne Eisprozession) anlässlich der damaligen Seegfrörne erinnert in der Grünanlage bei der Schiffsanlegestelle in Hagnau eine Inschrift auf dem Findling von 1830. Ein weiterer Gedenkstein am Osthafen unterhalb des Rathauses erinnert an die Seegfrörne und Eisprozession von 1963. Seitdem steht die Büste des Johannes wieder in der Pfarrkirche des ehemaligen Klosters Münsterlingen, und der Sockel in der Hagnauer Kirche ist leer. Güttingen

Wirtschaft und Infrastruktur Weinbau

mini|Hagnau am Bodensee: Weinlese am 6. Oktober 2015.

Hagnaus Geschichte ist untrennbar mit dem Weinbau verbunden. Der Ort ist bekannt durch seine ausgedehnten Weinanbaugebiete. Die Winzergenossenschaft, der Winzerverein Hagnau eG, ist die älteste in Baden und die größte am Bodensee, sowohl nach Mitgliedern (97 Winzer aus 52 Winzerfamilien) als auch nach Hektar Rebland (170 Hektar Anbaufläche). Mittlerweile haben sich viele Winzer mit dem Tourismus ein zweites Standbein geschaffen. Der Winzerverein wurde im Jahr 1881 vom Volksschriftsteller und damaligen Pfarrer der Gemeinde, Heinrich Hansjakob, in wirtschaftlicher Notzeit gegründet. Der Weinbau wird „kontrolliert umweltschonend“ und ertragsreduziert betrieben.

Obstanbau Im höher gelegenen Hinterland wird Bodensee-Obst (z. B. Äpfel und Zwetschgen) angebaut. In der Gemeinde Hagnau gibt es auch heute noch viele Kleinbrenner.Südkurier-Grafik: Orlowski / Quelle: Hauptzollamt Ulm: Zahl der Kleinbrenner. In: Hanspeter Walter (hpw): Das alte Monopol läuft aus. In: Südkurier vom 17. Dezember 2011

Fischerei An mehreren Stellen im Ort kann frischer oder geräucherter Bodenseefisch gekauft werden. Auch die Restaurants bieten vielerlei Fischgerichte an. Bis vorerst Ende 2026 wurde in der Region ein Felchenfangverbot ausgesprochen, um den Bestand der bekannten Bodenseefelchen zu sichern. Im Ort gibt es auch heute noch Berufsfischer, deren Fischerboote in den Hagnauer Häfen beheimatet sind.

Tourismus Eine intakte Dorfstruktur mit regem Vereinsleben und vielen Veranstaltungen wie auch die direkte Lage am Bodensee ergänzt durch einen Hafen, machen Hagnau zu einem beliebten Urlaubsort. Spazierwege entlang des Bodenseeufers nach Immenstaad und Meersburg und ein gutes Radwegenetz laden zum Aktiv sein ein.

Verkehr mini|Schiffsanlegestelle Hagnau am Bodensee. Sturm mit Sturmwarnung

Das Dorf liegt an der Bundesstraße 31, etwa 13 Kilometer westlich von Friedrichshafen.

Es ist tagsüber viertelstündlich per Bus auf der Strecke Friedrichshafen–Immenstaad–Hagnau–Meersburg–Überlingen erreichbar; Busverbindungen werden abgedeckt durch den Bodensee-Oberschwaben Verkehrsverbund (bodo). Die nächsten Bahnhöfe für den Fernverkehr liegen in Friedrichshafen, Überlingen und Konstanz, der nächste Flughafen in Friedrichshafen.

Hagnau ist ab Ostern bis Oktober auch mehrmals täglich per Schiff zu erreichen (Linie Konstanz–Bregenz der Bodensee-Schiffsbetriebe).

Durch eine Alltagsroute aus dem Radnetz Baden-WürttembergDas RadNETZ Baden-Württemberg auf www.radroutenplaner-bw.de ist Hagnau über Meersburg und Unteruhldingen mit Überlingen und in der anderen Richtung über Immenstaad mit Friedrichshafen verbunden.

Als direkt am See liegende Gemeinde ist Hagnau auch Station des Bodensee-Radwegs und des Bodensee-Rundwegs. Der Bodensee-Radweg ist auf der Nordseite des Sees auch ein Teil der D-Route 8 (Rhein-Route).D-Netz auf dem Radroutenplaner Deutschland

Freizeit und Sport Östlich des Ortes gibt es einen Naturstrand mit Bademöglichkeit und Sanitär- und Umkleidebereich. Ebenfalls östlich vom Ort gibt es Campingplätze direkt am See. Bei der Schiffsanlegestelle (Westhafen) ist 2024 ein neuer Hafen entstanden, der auch Platz für Gastboote bietet. Im kleineren Osthafen der Gemeinde gibt es eine Bootsvermietung mit Motorbooten, Tretbooten und SUPs. 45 km Wanderwege ermöglichen es Wanderern, Hagnau und Umgebung zu erkunden. Tennisplätze befinden sich beim TC Hagnau. Im Uferpark beim Rathaus befinden sich eine Minigolfanlage und eine Boule-Bahn.

Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Nachbildung der Lourdesgrotte im Kirchhof der Pfarrkirche St. Johann Baptist mini|Salmannsweiler Hof mini|hochkant=0.6|Teilansicht der Schneeballensäule in der Ortsmitte: Hansjakob und sein Sakristan.

Bauwerke Die Pfarrkirche St. Johann Baptist umfasst die wichtigsten Stile der letzten acht Jahrhunderte: Der Turm ist romanisch, der Chor gotisch, das Kirchenschiff barock – und die originelle Bemalung der Decke und des Chorbogens ist von 1980. Im Kirchhof sind eine Kapelle mit einer Statue des St. Wendelin und eine mit der Nachbildung der Lourdesgrotte.

Aus der Klosterzeit gibt es noch sechs ehemalige Klosterhöfe. Einer davon ist der 1568 umgebaute Salmannsweiler Hof der Reichsabtei Salem (Burg Hagnau) neben der Kirche. Die am Hause angebrachte Wappentafel verweist auf den Salemer Abt Georg II. von Kaisersberg, der das heutige Gebäude auf älteren Grundmauern 1568 errichten ließ. Im Salemer Pfleghof gibt es einen Turmsockel mit außergewöhnlich großen Buckelquadern, Reste einer Burg. Der ehemalige Klosterhof (Hofmeisterei) des Benediktinerklosters Weingarten von 1714 war Wirtschaftshof für die Ländereien in Hagnau und Umgebung. Er umfasste 30 Räume, Dachspeicher und zwei große Keller. Bauherr war Abt und Landesherr Sebastian Hyller (1697–1730). Sein Wappen ist über dem Haupteingang auf der Nordseite angebracht. Bauleiter war Frater Andreas Schreck aus Vorarlberg. Der Klosterhof ist gebaut im Barock-Stil in Hanglage und parallel zum Seeufer. Er ging 1806, nach der Säkularisation, in badischen Staatsbesitz über und wurde 1846 an die Gemeinde Hagnau verkauft. Das Gebäude beherbergt das Rathaus (Bürger- und Gästehaus) sowie das Hagnauer Museum.Infotafel am RathausHagnauer Museum (Hrsg.): Hagnauer Museum im Bürger- und Gästehaus. Faltblatt von ca. 2012Diethard Hubatsch: 300 Jahre Hofmeisterei des Klosters Weingarten. In: Kreisarchiv Bodenseekreis (Hrsg.): Tag des offenen Denkmals am 14. September 2014. Faltblatt Salem 2014. Der Gebäudekeller wird seit 1882 durch den Winzerverein Hagnau genutzt.