mini|Allen Francis Gardiner Allen Francis Gardiner (* 28. Juni 1794 in Basildon, Berkshire, England; † 6. September 1851 in Bahía Aguirre, Feuerland) war ein britischer Marineoffizier und Missionar.
Leben Kindheit Allen Francis Gardiner wurde als fünftes Kind frommer und wohlhabender Eltern geboren. Sein Vater Samuel Gardiner war Herr zu Coombe Lodge, County Oxford. Er erhielt von seinen Eltern eine sorgfältige und religiöse Erziehung, jedoch starb seine Mutter schon früh, so dass ihm der innere Halt verloren ging. Zeitgenössische Quellen sprechen später von einem leichtsinnigen und gottlosen Lebenswandel. Die Seefahrt und das Abenteuer schien auf ihn von Kindheit an eine große Anziehungskraft auszuüben, folgerichtig betrat er schon mit knapp 14 Jahren, am 13. Februar 1808, das Royal Naval College in Portsmouth.
Dienst in der Royal Navy Ab Juni 1810 fuhr Gardiner im Dienste der Royal Navy zur See, zunächst als Freiwilliger auf der Fortunée unter Kapitän Henry Vansittart. Von März 1811 bis August 1814 fuhr er auf der Phoebe unter Kapitän Hillyar. Er war an mehreren Seegefechten beteiligt: Im Mai 1811 kämpfte er in einem Gefecht mit drei französischen Fregatten, von denen zwei, die Renommée und die Néréide, gekapert wurden, im August 1814 fand die Seeschlacht vor Valparaíso im Rahmen des Krieges zwischen Amerika und Großbritannien (1812–1814) statt, bei der die amerikanische Essex gekapert wurde. Gardiner gehörte zu den Offizieren, die ausgewählt wurden, um die Prise nach England zu bringen. Im Dezember des gleichen Jahres wurde er zum Lieutenant befördert. 1815 diente er dann auf der Ganymede, 1819 auf der Leander, dem Flaggschiff von Konteradmiral Sir Henry Blackwood. Mit diesem Schiff fuhr er über das Kap der Guten Hoffnung nach Trincomalee (Ceylon). 1820 wechselte er auf die Dauntless unter Kapitän Valentyn Gardner, mit der er in Fernost unterwegs war, Madras, Penang (Malaysia), Malakka, Singapur, Manila, Macau und erneut Trincomalee. In Trincomalee wurde die Dauntless überholt und mit neuer Führung unter Kapitän Gambier ging es über Port Jackson (Neuseeland) nach Chile und Peru, von dort wieder zurück über die Marquesas, Tahiti und China nach Sydney. Krankheitsbedingt heuerte er ab und kehrt über das Kap der Guten Hoffnung nach England zurück, wo er am 31. Oktober 1822 in Portsmouth eintraf.
Die Zeit auf der Dauntless fiel in eine wichtige Phase seiner persönlichen Entwicklung: die (Wieder-)Bekehrung zum Christentum und die Entstehung des Wunsches, selber missionierend tätig zu werden. Schon 1818 schien die Begegnung mit einer sehr gläubigen Freundin seiner Mutter, Lady Grey, einen ersten Anstoß zu geben. Dann, auf der Dauntless, schienen ernste Ermahnungen in den Briefen seines Vaters und schriftliche Vorhaltungen besagter Freundin der Mutter die endgültige Rückkehr zum Glauben zu bewirken. Der Wille zur Mission erwuchs aus den negativen Erfahrung mit der katholischen Kirche in Südamerika und aus der auf Tahiti positiv erlebten Frische der beginnenden anglikanischen Mission.
Nach seiner Rückkehr nach England 1822 versuchte er ohne Erfolg, die London Missionary Society für die Mission bei den „vernachlässigten“ Indianern Südamerikas zu interessieren. Ein Gespräch mit dem Bischof von Gloucester ließ ihn schließlich zunächst in seinem Beruf bei der Royal Navy bleiben.
1823 heiratete Gardiner Julia Susanna Reade, die zweite Tochter von John Reade, Herr zu Ipsden House (County Oxford). Aus der Ehe gingen fünf Kinder hervor, von denen vier die Mutter überlebten. Der Dienst des jungen Ehemanns in der Navy ging weiter, 1824 auf der Jupiter, 1825 als Kapitän auf der Clinker. 1826 wurde er schließlich Commander. Damit endete seine Karriere in der Marine. In der Folgezeit widmete er sich seiner zunehmend kränker werdenden Frau und der Unterstützung verschiedener kirchlicher Vereinigungen. Auch für die Church Missionary Society war er unterwegs.
Am 23. Mai 1834 starb Gardiners Frau und er folgte nun endlich seiner Berufung zum Missionar.
Mission im Süden Afrikas
Am 24. August 1834 segelte Gardiner auf der Bark Wellington mit der Absicht nach Kapstadt los, den Boden für die Missionierung der Zulu zu bereiten. Zusammen mit seinem polnischen Begleiter Berken reiste er auf dem Landwege von Kapstadt über Grahamstown in das damalige Port Natal, einer Siedlung, deren Einwohner aus einigen englischen Händlern, mehreren Khoikhoi und dreitausend Zulu bestand. Gardiner gelang es, das Vertrauen des regierenden Zulu-Königs Dingane (auch Dingaan) zu gewinnen. Dingane übergab Gardiner das Gebiet zwischen dem Indischen Ozean und den Drakensbergen (Ost-West-Richtung) sowie den Flüssen Tugela und Umzimvubu (Nord-Süd-Richtung), alles in allem mehr als 50.000 km². Der Charakter dieser Gebietsübergabe ist unbekannt. Jedenfalls war sie so ernsthaft gemeint, dass Gardiner sie nicht für sich, sondern nur für die britische Krone annehmen wollte. Zur Abstimmung reiste er zunächst zum Gespräch mit dem Gouverneur der Kapkolonie Benjamin D’Urban nach Grahamstown und anschließend an Bord der Liverpool nach England (1836).
In England heiratete er in zweiter Ehe Elisabeth-Lydia Marsh, die älteste Tochter von Reverend Edward Garrard Marsh. Nach Verhandlungen mit der Church Missionary Society entsandte diese Reverend Francis Owen zur Missionierung nach Port Natal. Mit der Ehefrau, drei Töchtern aus erster Ehe und der Familie Owen schiffte Gardiner sich am 24. Dezember 1836 erneut mit Ziel Port Natal ein. Kurz vor der Ankunft verstarb die älteste Tochter Julia, die auf dem Gelände der von Gardiner gegründeten Missionsstation Berea begraben wurde. Das Grab ist noch heute auf dem Friedhof von St. Thomas zu sehen, eine benachbarte Straße heißt nach ihr Julia Road. Gardiner errichtete die Missionsstation Hambanati auf halber Strecke zwischen Port Natal und dem Tugela am Toongat-Fluss.
Buren, die von der Freundlichkeit Dinganes gegenüber Gardiner gehört hatten, wollten ähnliche Konzessionen von Dingane erhalten. Die Kontakte endeten jedoch in den Massakern an 70 Voortrekkern im königlichen Kraal (6. Februar 1838) und demjenigen bei Bloukrans. Die Situation für die Fortführung der Arbeit war in der aufgewühlten Atmosphäre hoffnungslos, so dass Gardiner das Land verließ, um an anderer Stelle seine Arbeit fortzusetzen.
Allen Gardiner war außerdem am 25. Juni 1835 an der Umbenennung Port Natals in Durban – nach Gouverneur d’Urban – beteiligt.
Einmal um die Erde Am 15. Mai 1838 schiffte Gardiner sich mit seiner Frau und den verbliebenen beiden Töchtern in Kapstadt nach Rio de Janeiro und dann Buenos Aires ein. Von dort ging es 900 Meilen durch die Pampa nach Mendoza und über die Kordilleren nach Concepción am Río Bío-Bío (Chile), das man im Dezember 1838 erreicht. Von Concepción aus unternahm er mehrere Reisen, um Ziele für die Missionierung zu erkunden. Unter anderem besuchte er das Volk der Mapuche, die damals noch die vollständige Unabhängigkeit gegenüber den Spaniern behaupteten (später missionierte sein Sohn, Allen W. Gardiner, bei den Mapuche). Diese Reisen aber auch die Weiterreise nach Valdivia brachte nicht die gewünschten Erfolge. So schiffte Gardiner sich am 29. Mai 1839 in Valparaíso auf der erneuten Suche nach einem geeigneten Platz zur Missionierung ein.
Über Tahiti und Sydney gelangte er im Oktober 1839 nach Timor. Dies war der Ausgangspunkt für das ins Auge genommene Ziel Ternate in Neuguinea. Er entkam Schiffbruch und Piraten knapp, die Familie erkrankte an schwerem Fieber, Erdbeben und andere Schwierigkeiten stellen sich ihm in den Weg. Letztendlich scheiterten Gardiners Bemühungen für den Aufbau einer Mission in Ternate aber an holländischen Gouverneuren und moslemischen Sultanen. Zur Wiederherstellung der Gesundheit fuhr die Familie nach Kapstadt. Bald reiste man jedoch wieder zurück nach Südamerika. Über Valparaíso gelangte die Familie schließlich auf die Insel Chiloé (Juli 1841). Auf der Fahrt zu der Insel wurde er von einem katholischen Mönch wiedererkannt, der schon beim ersten Aufenthalt Gardiners in Chile dessen Projekte hintertrieb. Auch jetzt verstand er es, Gardiner so viele Schwierigkeiten zu bereiten, dass Gardiner schließlich im November 1841 auf dem Seewege nach den Falklandinseln reiste, wo er am 24. Dezember 1841 in Port Louis eintraf. Von dort aus sondierte er, zunächst erfolgreich, Möglichkeiten der Missionierung in der Magellanstraße (März 1842). Da seinen Schreiben um Unterstützung an die Church Missionary Society kein Erfolg beschieden war, segelte Gardiner schließlich mit seiner Familie über Rio de Janeiro (von dort an Bord des schwedischen Schiffs Fanchon) nach England zurück.
Im Februar 1843, nach reichlich sechs Jahren Abwesenheit und Reisen um den ganzen Globus, traf Gardiner wieder in der Heimat ein. Er suchte in England Unterstützung für seine Missionsvorhaben in Patagonien und ging wegen mangelnden Erfolgs 1843 zunächst im Auftrage der Bibelgesellschaft erneut nach Südamerika, um Bibeln zu verteilen. Diese Reise dauerte sieben Monate. Nach der Rückkehr gründete Gardiner im Juli 1844 die Patagonian Missionary Society (PMS). In deren Auftrag brach er erneut zur Magellanstraße auf.
Trotz großer Anstrengungen vermochte Gardiner es nicht, Mittel für eine weitere Mission nach Patagonien zu erlangen. So machte er sich zu einer neuen großen Missionsreise an die Westküste Südamerikas auf. Am 23. September 1845 segelte er zusammen mit dem jungen spanischen Protestanten Federigo Gonzales an Bord der Plata von Liverpool aus nach Montevideo, von dort mit der Brigg Alciope nach Valparaiso und dann mit dem französischen Schiff Leonie weiter nach Cobija (5. Februar 1846). Cobija wurde zum Ausgangspunkt der Reise über die Kordilleren nach Tarija, danach ging es nach Caraparí, von dort über Zapatera () nach San Luis und Santa Cruz und zurück nach Tarija (25. Juli 1846). Gardiner erwähnte in seinem Tagebuch, dass er mit seinem Begleiter in den fünf Monaten seit Cobija 1061 Meilen zurückgelegt hatte. Beide waren während dieser Zeit schwer krank. Im September hatte Gardiner beim Präsidenten Boliviens in Chuquisaca eine Audienz und von diesem weitreichende Vollmachten für die Missionierung der Indianer bekommen. Aber auch dieser Erfolg zerschlug sich, als wenig später ein Staatsstreich den Präsidenten das Amt kostete. Nach einem Aufenthalt in Potosí kehrte Gardiner nach England zurück, im Februar 1847 landete er in Southampton.
Patagonien/Feuerland