Als Tripel-Allianz-Krieg () wird der von 1864 bis 1870 dauernde Kampf Paraguays gegen die verbündeten Staaten Argentinien, Brasilien und Uruguay bezeichnet. Dabei stand Paraguay zunächst auf der Seite der konservativen Regierung Uruguays, die im Uruguayischen Krieg mit Brasiliens Unterstützung 1865 gestürzt wurde.

Der Krieg endete mit der völligen Niederlage Paraguays und gilt als der blutigste Konflikt in der lateinamerikanischen Geschichte. Nach sechs Jahren Krieg war Paraguay nahezu entvölkert: 60 bis 80 Prozent der Bewohner des Landes waren im Kampf, durch Hunger oder durch Seuchen umgekommen. In Europa blieb der Krieg weitgehend unbeachtet.Ralph Rotte: Paraguays Kampf gegen die Tripel-Allianz 1864 bis 1870, in Militärgeschichte, Ausgabe 1/2010, S. 8–11.

In Paraguay wird er auch „Großer Krieg“ () oder „Krieg gegen die Tripelallianz“ () genannt, in Argentinien, Brasilien und Uruguay „Paraguayischer Krieg“ (; ).

Die Tripel-Allianz Nachdem die mit ihm befreundete Regierung Uruguays durch den Einfluss Brasiliens und Argentiniens gestürzt worden war, begann der Diktator Paraguays, Francisco Solano López, im Dezember 1864 einen Eroberungskrieg gegen Brasilien, um Zugang zum Meer zu gewinnen.

Auf Betreiben von Uruguays Staatschef Venancio Flores wurde daraufhin am 1. Mai 1865 in einem Geheimvertrag die Tripel-Allianz beschlossen: die Allianz von Brasilien, Argentinien und Uruguay gegen Paraguay, die bis zum Kriegsende 1870 Bestand hatte. Weitere Unterstützung kam von Frankreich und Großbritannien, die (wie auch Spanien) den US-Bürgerkrieg (1861–1865) als Chance zu neuen Interventionen in Amerika nutzten (Spanien allerdings war im Callao-Krieg mit Ecuador, Peru, Bolivien und Chile beschäftigt).

Obwohl sich das Blatt bald gegen Paraguay wendete, war López nicht zur Kapitulation bereit. Am Ende kosteten der Krieg und die durch ihn ausgelösten Epidemien rund drei Viertel der Bevölkerung Paraguays das Leben.

Verlauf Kriegsursachen und Kriegsbeginn mini|hochkant|Paraguays Präsident Francisco Solano López (1870)

Im April 1863 löste Venancio Flores, der Parteiführer der Liberalen (Colorados) in Uruguay, einen Aufstand gegen die Regierung aus, die von der Partei der Konservativen (Blancos) kontrolliert wurde. Dabei konnte Flores auf die Unterstützung Brasiliens sowie Argentiniens zählen, wo er im 1861 zu Ende gegangenen Bürgerkrieg an der Seite des siegreichen Präsidenten Bartolomé Mitre gekämpft hatte. Die in Bedrängnis geratene uruguayische Regierung wandte sich nun hilfesuchend an Paraguay, welches durch sein für damalige Verhältnisse großes und gut ausgebildetes Heer sowie dank einer fortschrittlichen Wirtschaft eine bedeutende Rolle in der Region spielte. Seit 1862 regierte in Paraguay der Diktator Francisco Solano López. López sah das regionale Kräftegleichgewicht gestört und ergriff für die Blancos Partei. Er befürchtete, die Brasilianer und Argentinier könnten im Falle eines Erfolgs in Uruguay dann nach diesem Muster auch gegen seine Herrschaft in Paraguay vorgehen. Als Brasilien López’ Versuchen, im Konflikt zu vermitteln, eine Abfuhr erteilte, forderte er am 30. August 1864 von der brasilianischen Regierung ultimativ ein Ende der Einmischung in Uruguay. Im betreffenden Dokument wurde klar zum Ausdruck gebracht, dass Paraguay eine Besetzung uruguayischen Territoriums durch brasilianische Truppen als casus belli betrachten würde.

Als die Brasilianer im Oktober 1864 dennoch mit der Blockade Montevideos und der Anlandung von Truppen begannen, ließ López zur Vergeltung im folgenden Monat das brasilianische Schiff Marquêz de Olinda auf dem Río Paraguay beschlagnahmen, seine Besatzung und den an Bord befindlichen Gouverneur der Provinz Mato Grosso gefangen setzen und Brasilien am 13. Dezember 1864 den Krieg erklären. Paraguayische Truppen unter Vicente Barrios und Francisco Isidoro Resquin drangen noch im selben Monat in den Mato Grosso ein; sie stießen auf wenig Widerstand, nahmen das kleine Fort von Nova Coimbra und im Januar 1865 auch Corumbá ein. Eine weitere paraguayische Kampftruppe operierte zur selben Zeit erfolgreich im heutigen brasilianischen Bundesstaat Rio Grande do Sul. Der geringe Widerstand der Brasilianer war vor allem dadurch bedingt, dass diese ihre nur kleine Armee hauptsächlich auf dem in ihren Augen weit wichtigeren Kriegsschauplatz Uruguay konzentriert hatten. Dort waren sie erfolgreich. Am 20. Februar 1865 konnten sie die Hauptstadt Montevideo erobern und Flores als Präsidenten einsetzen. Damit war der Krieg in Uruguay für die von Paraguay unterstützte Seite bereits verloren.

Um den brasilianischen Truppen in Uruguay entgegentreten zu können, forderte López vom argentinischen Präsidenten Bartolomé Mitre das Recht zum Durchmarsch durch die argentinische Provinz Corrientes. Argentinien, das sich in dem Krieg offiziell für neutral erklärte, de facto aber brasilianische Kriegsschiffe durch nationale Gewässer passieren ließ, lehnte diese Forderung ab. Darauf erfolgte am 18. März 1865 die Kriegserklärung Paraguays an Argentinien.

Der weitere Kriegsverlauf mini|Karte von Paraguay (in seinen heutigen Grenzen, 1869 gehörte der nordwestliche Teil noch zu Bolivien) mit wichtigen Schlachtorten und den Gebieten, die Paraguay an seine Nachbarländer abtreten musste (grün schraffiert)

López’ Truppen drangen zunächst sowohl in Süd- und Südwestbrasilien als auch in der argentinischen Provinz Corrientes schnell vor und nahmen im April 1865 die Stadt Corrientes ein. Hauptursache für diese Anfangserfolge Paraguays war, dass sein stehendes Feldheer nicht nur gut ausgebildet, sondern mit einer Gesamtstärke von 38.173 Mann den Gegnern, die zunächst nicht mehr als 28.000 Mann (Brasilien 17.600, Argentinien 6.000 und Uruguay bis zu 4.000) aufbieten konnten, die noch dazu teilweise fernab der zukünftigen Kampfschauplätze stationiert waren, auch zahlenmäßig deutlich überlegen war.Whigham (2002), S. 167, 172 und 187. – Die Zahl 38.173 entstammt einer offiziellen paraguayischen Quelle von Anfang 1865 und dürfte laut Whigham der Realität relativ nahekommen. Thompson (1869), S. 52, gibt für die Armee Paraguays 80.000 Mann an, von denen ein Drittel auf die Kavallerie entfallen sein soll. Insgesamt herrscht in der Literatur hinsichtlich der Heeresstärken der Konfliktparteien jedoch ein beträchtliches Wirrwarr, weil bei den genannten Zahlen häufig nicht zwischen stehendem Heer und milizartigen Nationalgarden sowie den einzelnen Waffengattungen unterschieden wird. Vgl. dazu auch die Zahlen bei Abente (1987), S. 55, Tabelle 1: Regional Power Capabilities of Paraguay, Argentina, Brazil and Uruguay circa 1860 (PDF; 2,4 MB). Der Schlüsselfaktor für die Zukunft war aber nicht, wie viele Soldaten die jeweiligen Kriegsparteien am Beginn des Krieges unter Waffen hatten, sondern auf welche Reserven sie zurückgreifen konnten bzw. wie viele Menschen sie mobilisieren konnten. Hier aber fiel die Bilanz eindeutig zu Ungunsten Paraguays aus, obwohl dessen Reserven auf bis zu 150.000 Mann geschätzt werden, was rund einem Drittel der Gesamtbevölkerung entsprochen haben soll.Whigham (2002), S. 187. Im Vergleich dazu konnte jedoch allein Argentinien, der „kleinere“ der beiden „großen“ Kriegsgegner Paraguays, auf 184.478 Mann, die Anfang 1865 in der Guardia Nacional zusammengefasst waren, zurückgreifen.Whigham (2002), S. 172.

Als Brasilien, Argentinien und Uruguay am 1. Mai 1865 zum Zweck gemeinsamer Kriegführung gegen Paraguay den Tripelallianz-Vertrag abschlossen, in dem sie sich verpflichteten, den Krieg bis zum Sturz von López fortzusetzen, war eine entscheidende politische Wende zu Ungunsten Paraguays eingetreten. Hinsichtlich menschlicher und materieller Ressourcen stand das Land fortan einer erdrückenden Übermacht gegenüber, die durch den Allianzvertrag noch dazu gebündelt worden war und sich für den weiteren Kriegsverlauf als entscheidend erweisen sollte. Für Paraguay wandelte sich der Charakter des Krieges daher spätestens nach Mitte 1865 vom Angriffskrieg zum reinen Defensivkrieg und für Francisco Solano López zum Kampf um das politische Überleben.

Zunächst jedoch scheiterte im Mai 1865 ein Versuch der Verbündeten, Corrientes im Handstreich zurückzuerobern, woraufhin sie knapp südlich der Mündung des kleinen Flusses Riachuelo einen Stützpunkt für ihre Flussstreitkräfte errichteten, die hier ausschließlich von Brasilien gestellt wurden. Der Angriff der von Pedro Ignacio Meza kommandierten Marine Paraguays auf die brasilianischen Flussstreitkräfte endete am 11. Juni 1865 mit einer folgenschweren Niederlage in der Schlacht auf dem Riachuelo. Die Marine Paraguays verlor dabei vier der neun hier eingesetzten Dampfschiffe und alle sieben kanonenbestückten Bargen.

Bevor die Alliierten ihrerseits zur Offensive übergehen konnten, mussten sie die paraguayischen Uferbatterien südlich von Corrientes ausschalten, was im August 1865 gelang. Im selben Monat hatten die López-Truppen eine weitere Niederlage hinnehmen müssen, als eine der beiden im Süden operierenden Heereseinheiten am Rio Yatay, einem Zufluss des Río Uruguay, von Venancio Flores geschlagen wurde; die andere Einheit wurde von den Alliierten bei Uruguayana eingeschlossen und kapitulierte schließlich im September 1865. Mit diesen Niederlagen war die strategische Initiative endgültig an die Alliierten übergegangen, die nun zur Gegenoffensive ansetzten und sich auf eine Invasion Paraguays vorbereiteten. López ordnete den Rückzug aller noch auf feindlichem Gebiet stehenden paraguayischen Armeeeinheiten in ihre Heimat an und ließ auch seine nun zu exponierten Stellungen in der Provinz Itapúa räumen.

Nachschubprobleme, Uneinigkeit im alliierten Oberkommando und die sommerlichen klimatischen Bedingungen im Gebiet entlang des Río Paraná, den die Alliierten für eine Invasion Paraguays zu überqueren hatten, verzögerten zunächst ihre Gegenoffensive bis zum April 1866. Die paraguayische Armee nutzte diese Zeit zwischen Ende 1865 und Frühjahr 1866 zu einem intensiven Kleinkrieg, bei dem sie durch wiederholte Raids versuchte, die am Südufer des Rio Paraná sich vorbereitenden Alliierten zu stören, ihnen nach Möglichkeit Verluste beizubringen und ihre Kampfmoral zu erschüttern.

Nachdem es der brasilianischen Marine im Zusammenwirken mit Heerestruppen gelungen war, das Fort Itapirú einzunehmen, das die Mündung des Río Paraguay in den Rio Paraná beherrschte, setzte das Gros der alliierten Truppen – rund 47.000 Mann unter Mitres Oberkommando – am 26. April 1866 über den Rio Paraná und begann damit den Einmarsch in Paraguay. Den von ihnen gebildeten Brückenkopf versuchte die paraguayische Armee in der Schlacht am Estero Bellaco zu beseitigen, was allerdings unter großen Verlusten misslang. Daraufhin zogen sich die Paraguayer in neu errichtete Verteidigungslinien entlang des Rio Estero Bellaco del Norte zurück. Der von hier aus unternommene Versuch der paraguayischen Truppen, den nur langsamen Vormarsch der Alliierten durch einen Angriff auf ihr Hauptlager (34.700 Mann) zu stoppen, endete am 24. Mai 1866 mit einer schweren Niederlage in der Ersten Schlacht bei Tuyutí. Die Armee Paraguays büßte dabei bis zu 13.000 der insgesamt 18.000–24.000 eingesetzten Soldaten durch Tod und Gefangenschaft ein, darunter ihre besten Soldaten. Die Angaben dazu schwanken stark und liegen, wie jene zur Gesamtstärke des paraguayischen Armee, zum Teil sogar noch darüber. Allerdings versäumten es die Alliierten anschließend, die Initiative zu ergreifen, was es den Paraguayern ermöglichte, sich neu zu gruppieren und Ersatzkräfte zu mobilisieren. Sie zogen sich nun abermals zurück, und zwar in Richtung des Festungskomplexes Curupaiti–Humaitá am Río Paraguay. mini|links|hochkant|Ein brasilianischer Korporal des „1. Bataillons der Freiwilligen des Vaterlandes“ (1º Batalhão de Voluntários da Pátria), 1865 mini|Schlacht bei Curupaytí (1866). Paraguayische Soldaten (im Vordergrund) wehren den Angriff der Alliierten ab.