mini|Nikolai Krestinski (1929)

Nikolai Nikolajewitsch Krestinski (, * in Mogiljow, Russisches Kaiserreich; † 15. März 1938 in Moskau) war ein russischer Revolutionär und Politiker.

Biografie Aufstieg zur Macht Der Rechtsanwalt und Journalist Krestinski zählte zu den frühen führenden Revolutionären gegen das zaristische Russland. Bereits 1903 wurde er Mitglied der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Russlands (SDAPR). 1917 war er Vorsitzender eines Gebietsparteikomitees von Jekaterinburg (Ural). Auf dem geheimen VI. Parteitag (26. Juli bis 3. August 1917) der SDAPR – später Kommunistische Partei der Sowjetunion – wurde er in das 21-köpfige Zentralkomitee der Partei gewählt. Er war in dieser Zeit einer der wichtigsten Vertrauten von Lenin. Während des revolutionären Überganges vom 10. Oktober 1917 bis 18. Februar 1919 war er Sekretär des Zentralkomitees und des Organisationsbüros der Partei. Durch den VIII. Parteitag am 18. Februar 1919 wurde er in das nunmehr 5-köpfige Politbüro der Partei – bestehend aus Lenin, Kamenew, Trotzki, Krestinski und Stalin – gewählt. Von 1920 bis 1921 leitete er schließlich als „Verantwortlicher Sekretär“ das Sekretariat des ZK.

Zunehmender Machtverlust Bereits auf dem X. Parteitag von 1921 verlor Krestinski aber durch sein Eintreten für Trotzki die Mitgliedschaft im Politbüro, im OrgBüro und im Zentralkomitee. Er wurde zunächst kurzzeitig Volkskommissar für Justiz, dann von 1921 bis 1923 Volkskommissar für die Finanzen und von 1922 bis 1930 Botschafter in Berlin und nach 1930 stellvertretender Volkskommissar für Auswärtige Angelegenheiten.Lebenslauf bei Bundesarchiv.dePersonalakte Nikolai Krestinski. Akten des Reichskommissars für Überwachung der öffentlichen Ordnung im Militärarchiv Moskau (RGVA, Bestand 772k, Findbuch 3, Akte 572a).

Obwohl er sich 1923 von der Gruppe um Trotzki entfernte und 1928 sich entschieden von der Opposition in der Partei distanzierte, blieb Stalin ihm gegenüber nachhaltig misstrauisch.

Schauprozess und Tod Im Herbst 1936 initiierte Stalin die Zeit des Großen Terrors. Drei der vier Moskauer Prozesse waren öffentliche Schauprozesse. Krestinski und 20 andere hohe Funktionäre der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (darunter das ehemalige Politbüromitglied Bucharin und der ehemalige Vorsitzende des Rates der Volkskommissare Rykow) wurden im „Prozess der Einundzwanzig“ am 13. März 1938 zum Tod verurteilt. Krestinski wurde zwei Tage später hingerichtet.

Rehabilitation 1956 wurde er im Rahmen der Entstalinisierung in der Geheimrede Chruschtschows auf dem XX. Parteitag der KPdSU teilweise und dann in der Zeit der Perestroika nach 1986 durch Michail Gorbatschow vollständig rehabilitiert.

Literatur Leo Trotzki: Stalin – Eine Biographie. Pawlak-Verlag und Kiepenheuer & Witsch (Jahr unbekannt). Spuler: Regenten und Regierungen der Welt. Minister-Ploetz Bd. 4, 1964. Merle Fainsod: Wie Russland regiert wird. Kiepenheuer & Witsch, 1965.

Weblinks

Steffen Dietzsch: Bucharin, Nikolai Iwanowitsch, Karl Radek et al., in: Kurt Groenewold, Alexander Ignor, Arnd Koch (Hrsg.): Lexikon der Politischen Strafprozesse, Online, Stand September 2015

Einzelnachweise

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