Die sowjetischen Partisanen waren Mitglieder der Widerstandsbewegung gegen Faschismus und Nationalsozialismus, die im Krieg von 1941 bis 1944 gegen die deutschen Besatzer der Sowjetunion kämpften.Leonid D. Grenkevich: The Soviet Partisan Movement, 1941–1944: A Critical Historiographical Analysis. Frank Cass, London 1999, ISBN 978-0-7146-4874-3. Häufig wurde die Widerstandsbewegung von der sowjetischen Regierung und Armeeführung organisiert und unterstützt.

Durch das immer brutaler werdende Vorgehen (Banditenbekämpfung) der Deutschen in der Partisanenbekämpfung, verbunden mit dem Auslöschen ganzer Dörfer, stieg die Anzahl der Partisanen aus der Zivilbevölkerung sprunghaft an. 1943 operierten auf dem Gebiet der Sowjetunion ca. 250.000 Partisanen; sie beherrschten in einigen rückwärtigen Gebieten befreite Territorien. Ihre Aktionen behinderten die wirtschaftliche Ausbeutung der besetzten Gebiete und banden nicht nur deutsche Truppen mit ihren Verbündeten, sondern schränkten auch die deutsche Kriegsführung ein.Bundesarchiv (Hrsg.): Europa unterm Hakenkreuz: Die Okkupationspolitik des deutschen Faschismus (1938–1945); Heidelberg 1996; Bd. 8, S. 190 ff. ISBN 3-326-00411-7.

Anfang der Widerstandsbewegung

Bereits Karl Marx und Friedrich Engels beschäftigten sich in ihren Schriften intensiv mit dem Partisanenkrieg, so u. a. mit den Guerillakämpfen im Amerikanischen Bürgerkrieg, im Spanischen Unabhängigkeitskrieg oder dem Kampf der Francs-tireurs.Leonid Grenkevich: The Soviet Partisan Movement 1941–1944. London 1999, S. 38 ff. 1906 veröffentlichte Lenin einen Artikel über den Partisanenkrieg. Dieser wurde in allen fünf russischen Ausgaben seiner „Gesammelten Werke“ nachgedruckt und gilt als eine der bedeutendsten „taktischen“ Schriften Lenins und stellt die Originalschrift der kommunistischen operativen Doktrin dar. Darin forderte Lenin, dass die Partisanenkriegsführung mit dem Sozialismus werden müsse, damit das klassenbewusste Proletariat nicht auf das Niveau von Trunkenbolden und Landstreichern herabgedrückt werde.Franklin Mark Osanka: Der Krieg aus dem Dunkel. 20 Jahre kommunistische Guerillakämpfe in aller Welt. Köln 1963, S. 110 ff. 1941 bekamen die Partisanenführer einige Exemplare von Lenins Schrift ausgehändigt.Richard Overy: Die Diktatoren. Hitlers Deutschland, Stalins Russland. München 2005, S. 689. Die Partisanenkriegsführung war tief in den marxistischen Anschauungen über die militärischen Grundsätze verankert. Wobei Michail Wassiljewitsch Frunse den Partisanen gegenüber den regulären Truppen einen größeren und Michail Nikolajewitsch Tuchatschewski einen geringeren Stellenwert zuwies. Die sowjetischen Kommandeure hatten sich bei Beginn des Bürgerkrieges selbst als Partisanen betrachtet und dieser Geist war noch virulent.Raymond L. Garthoff: Die Sowjetarmee. Wesen und Lehre. Köln 1955. S. 443 f. Bereits 1933 erschien die „Vorschrift für den Partisanenkrieg“ als Dienstbuch für die Rote Armee.Lothar Rendulic: Der Partisanenkrieg. In: Bilanz des Zweiten Weltkrieges. Oldenburg 1953, S. 108. Nach eigenen Angaben wurde aber die Vorbereitung auf den Partisanenkrieg vernachlässigt, da P.N. Pospelow (Vorsitz. der Red.): Geschichte des Großen Vaterländischen Krieges der Sowjetunion. Berlin 1964, Band 3, S. 530. Laut Dieter Pohl war die sowjetische Partisanenbewegung zum erheblichen Teil stark geprägt, da sie größtenteils vom NKWD aufgestellt und geführt wurde.Dieter Pohl: Die Herrschaft der Wehrmacht. Deutsche Militärbesatzung und einheimische Bevölkerung in der Sowjetunion 1941–1944. Frankfurt am Main 2011, S. 283 f.

Zu Beginn des Überfalls auf die Sowjetunion bestand eine durchaus starke Diskrepanz zwischen den politischen Absichten Hitlers bzw. Stalins und dem Verhalten ihrer Soldaten, vor allem aber dem der sowjetischen Zivilbevölkerung. Entgegen den Erwartungen und Ankündigungen der NS-Propaganda stießen die vorrückenden deutschen Truppen in der Sowjetunion meist nicht auf Widerstand aus der Zivilbevölkerung, sondern stellten fest, dass sich diese, sofern sie die Deutschen nicht sogar freundlich begrüßte, zumeist neutral oder wenigstens indifferent verhielt. Laut John Lukacs lag der Beweggrund, die deutschen Soldaten willkommen zu heißen, meistens in der Überzeugung, die Deutschen seien die Sieger, die neuen Herren.John Lukacs: Der letzte europäische Krieg 1939–1941. München 1980, S. 126. Anders verhielt es sich mit den vielen Soldaten der Roten Armee, die im Zuge des deutschen Einmarsches ab dem 22. Juni 1941 hinter der Frontlinie zurückgeblieben, eingeschlossen oder versprengt worden waren. In dieser Kriegsphase von der einheimischen Bevölkerung meist kaum unterstützt, bildeten sich aus ihnen schon bald Gruppen, die begannen, den deutschen Okkupanten Widerstand zu leisten. Dabei handelte es sich jedoch zunächst kaum um mehr als um bloße „Überlebensgruppen“, und auch ihr „Widerstand“ war meist nur vom verzweifelten Willen bestimmt, irgendwie zu überleben. Militärisch stellten diese Gruppen noch keine ernsthafte Gefahr für die Deutschen dar. Eine andere Quelle für den Partisanenkampf waren die Vernichtungsbataillone. Dies waren paramilitärische Verbände zur Vernichtung feindlicher Saboteure und Fallschirm-Agenten im Hinterland, die bei einem Rückzug der Roten Armee vor der Wehrmacht verbrannte Erde hinterlassen sollten.

Am 29. Juni 1941 erließen die sowjetische Regierung und das ZK der KPdSU eine Direktive, in den grenznahen Gebieten Partisanengruppen zu bilden. In der Folgezeit wurden auch vermehrt kleine Trupps aus Angehörigen des NKWD in deutsch besetzte Gebiete eingeschleust, mit dem Ziel, Partisanen zu rekrutieren und Anschläge und Sabotageakte auf deutsche Einrichtungen und Personen auszuführen. Der sowjetische Rundfunk strahlte jeden Morgen und Abend, jeweils 10 Minuten lang einen „Partisanenlehrgang“ aus.Hesse, Partisanenkrieg, S. 105. Am 3. Juli 1941 sagte Stalin in einer Rundfunkrede:

Ab Juli 1941 wurden Diversanten mit dem Fallschirm im Hinterland abgesetzt und bildeten den Kern der späteren Partisanengruppen. Ausgestattet mit Sendegeräten, Sprengstoff und Handfeuerwaffen verursachten sie laut Klaus Jochen Arnold verstärkt durch Warnungen vor Fallschirmjägern im Vorfeld des Krieges unter den deutschen Truppen eine regelrechte .Klaus Jochen Arnold: Die Wehrmacht und die Besatzungspolitik in den besetzten Gebieten der Sowjetunion. Berlin 2005, S. 434 f. Die Panzergruppe 4 meldete Ende Juli 1941 erstmals planmäßige Partisanentätigkeit, u.a in Form von 20 Fällen von Kabelsabotage in einer Nacht, Überfällen und Brückensprengungen.Arnold: Die Wehrmacht und die Besatzungspolitik in den besetzten Gebieten der Sowjetunion, S. 429. Im Juli 1941 mussten bereits über die Sicherungsverbände und die Verbündeten hinaus 6 Divisionen gegen die sowjetischen Partisanen eingesetzt werden, diese banden somit taktisch wirksam Kräfte, die an der Front und im Ersatz fehlten.Ernst Klink: Der Krieg gegen die Sowjetunion bis zur Jahreswende 1941/42. In: MGFA (Hrsg.): Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg. Stuttgart 1983, Band 4, S. 498. Erwähnt mit Verweis auf Klink auch bei: Ludolf Herbst: Das nationalsozialistische Deutschland 1933–1945. Frankfurt am Main 1996, S. 363. Der General Gotthard Heinrici schrieb am 22. Juli 1941:

Das Politbüro des ZK der KPdSU fasste am 18. Juli einen Beschluss „Über die Organisierung des Kampfes im Hinterland der deutschen Truppen“. Diesen Bestrebungen spielte auch die deutsche Führung in die Hände, die bereits in der nach Mitte Juli 1941 an ihre Truppen ausgegebenen Weisung Nr. 33a darauf hingewiesen hatte, dass die Sicherung des eroberten sowjetischen Gebiets nur unter Anwendung „drakonischer Mittel“ gewährleistet werden könne. Die Militärs beriefen sich dabei auf den „Führer“, der diese Maßnahmen ausdrücklich billigte und am 16. Juli erklärt hatte, dass der Partisanenkrieg auch Vorteile habe, da er „uns die Möglichkeit [gibt] auszurotten, was sich gegen uns stellt“.Vgl. dazu Christian Hartmann: Wehrmacht im Ostkrieg. Front und Militaerisches Hinterland 1941/42 (= Quellen und Darstellungen zur Zeitgeschichte, Band 75) 2., verbesserte Auflage, München 2010, ISBN 978-3-486-70225-5, S. 718 ff.

Weitere Entwicklung Im Laufe der zweiten Jahreshälfte 1941 schwoll die Zahl der Partisanen stark an. Ende 1941 bestanden über 2.000 Partisanengruppen mit einer Stärke von rund 90.000 Mann. Das Wehrwirtschafts- und Rüstungsamt hielt am 29. Dezember 1941 fest, dass der Nachschub ist und werden.Rudolf Steiger: Panzertaktik im Spiegel deutscher Kriegstagebücher 1939–1941. Freiburg 1973, S. 153. Der Oberquartiermeister der 4. Armee Ihno Krumpelt berichtet das während der Schlacht um Moskau die der Partisanen zunahmen.Ihno Krumpelt: Das Material und die Kriegführung. Frankfurt am Main 1968, S. 186. Ab September 1941 wurden hinter der Front Partisanenschulen eingerichtet. Im Winter 1941/42 sprachen die Deutschen bereits von „Partisanengebieten“, wo die deutsche Herrschaft erheblich behindert war.Hesse, Partisanenkrieg, S. 143. Mitte April 1942 stellte der Befehlshaber des Rückwärtigen Heeresgebietes Mitte fest, dass die Kampfkraft der Partisanenabteilungen mit der von regulären Truppenteilen vergleichbar wäre. Bewaffnung und Organisationsgrad der Partisanen wurden ständig weiter ausgebaut. Im Mai 1942 waren ein Zentraler Stab der sowjetischen Partisanenbewegung und entsprechende Stäbe bei den sowjetischen Armeen und an den Fronten gebildet worden. Die Partisanen verfügten über Funkverbindungen und wurden mit Flugzeugen versorgt. Fast alle Kommandeure der Partisanen waren Mitglied der Kommunistischen Partei.Bonwetsch, Sowjetische Partisanen, S. 109. Im Sommer 1942 erschien ein „Partisanen-Führer“ ein 430-seitiges Handbuch für Partisanen.

Am 18. August 1942 erließ Hitler die „Weisung Nr. 46“ mit dem Titel „Richtlinien für die verstärkte Bekämpfung des Bandenunwesens im Osten“, sie begann mit den Worten:

1943 war ihre Zahl auf 250.000 gestiegen, und sie beherrschten in einigen rückwärtigen Gebieten das Territorium. Sie behinderten die wirtschaftliche Ausbeutung der besetzten Gebiete und banden nicht nur deutsche Truppen, sondern schränkten auch die deutsche Kriegsführung ein. Eine Analyse zum Partisanenkrieg der 2. Panzerarmee vom Juli 1942 stellte fest, dass die Partisanen kämpfen und sprach von einem .Christian Hartmann: Die Wehrmacht im Ostkrieg. München 2010, S. 756.

Zum Schutz der Bahnlinien wurden zu beiden Seiten ein etwa 300 Meter Waldstreifen gefällt und alle 400 bis 600 Meter standen Blockhäuser mit Holz- und Erdwällen sowie Stacheldraht umsäumt und mit Schießscharten für Maschinengewehre versehen. Die Stationsgebäude waren kleine Festungen und das gesamte deutsche Eisenbahnpersonal war bewaffnet. 1943/44 war dies das typische Bild im ganzen Hinterland.N. Galai: Partisanen. In: Liddell Hart: Die Rote Armee. Bonn o. J., S. 167 f. Die Abholzung hatte Heinrich Himmler 9. Juli 1942 vorgeschlagen und am 15. Juli 1942 erfolgte ein Erlass des Reichsministeriums für die besetzten Ostgebiete dazu.Christian Gerlach: Kalkulierte Morde. Die deutsche Wirtschafts- und Vernichtungspolitik in Weißrußland 1941 bis 1944. Hamburg 1999, S. 924. Der französische Botschafter de Brinon führte am 6. Juli 1943 vor Pressevertretern aus:

In der Nacht vom 2. auf den 3. August 1943 erfolgte mit der Operation Schienenkrieg ein Schlag gegen das feindliche Schienennetz, mit dem Masseneinsatz von kleinen Sprengladungen. Vom 19. September bis zum 1. November 1943 erfolgte die größere „Operation Konzert“ und im Juni 1944 eine noch größere solche Aktion zur Unterstützung der Operation Bagration.

1943 bis 1944 gelang der erstarkten Partisanenbewegung die Befreiung ganzer Gebiete. Die Deutschen, 1943/1944 auf dem Rückzug, hatten keine Möglichkeiten, gegen die immer größere Zahl von Anschlägen und Angriffen der Partisanen vorzugehen.Johannes Leeb, Die Nürnberger Prozesse. Der General Gotthard Heinrici schrieb im Oktober 1943: