Maschinenpistolen (MP oder MPi) sind in der Regel vollautomatische Handfeuerwaffen zum Verschießen von Pistolenmunition. Maschinenpistolen werden zum Bekämpfen von Zielen in geringer Entfernung benutzt. Dabei erreicht die effektive Einsatzschussweite in der Regel nicht mehr als 200 m. Maschinenpistolen dienten früher in erster Linie zur Verstärkung der Feuerkraft von Infanterieeinheiten im Nahkampf. Heute hat sich das militärische Einsatzspektrum stark auf den Selbstschutz verlagert. Darüber hinaus werden Maschinenpistolen auch von Anti-Terror- und Polizeikräften eingesetzt. Die Kalaschnikow, welche Mittelpatronen verschießt, wurde in der Terminologie vieler Staaten des ehemaligen Warschauer Vertrages als Maschinenpistole bezeichnet, nach heutiger Definition wird sie jedoch zu den Sturmgewehren gezählt.
mini|HK MP7
Bezeichnungen und Unterteilung
Sowohl im deutschen als auch im internationalen Sprachgebrauch sind eine Reihe unterschiedlicher Ausdrücke in Gebrauch, die sich auf Waffen beziehen, die hier unter dem Begriff Maschinenpistole zusammengefasst sind. Diese unterschiedlichen Namen entstanden zum Teil aus der historischen Entwicklung dieser Waffenart, zum Teil auch als werbewirksame oder propagandistische Namensprägungen.
Insbesondere in Großbritannien wurde die Maschinenpistole ursprünglich als machine carbine, wörtlich übersetzt Maschinenkarabiner, bezeichnet. Im Zweiten Weltkrieg setzte sich im englischen Sprachraum die in den Vereinigten Staaten von Amerika gebräuchliche Bezeichnung submachine gun durch, welcher die Maschinenpistole als automatische Waffe unterhalb des Maschinengewehrs (sub machine gun) einordnet.
Im deutschen wurde das spätere Sturmgewehr 44 zunächst auch als Maschinenpistole, später dann als Maschinenkarabiner bezeichnet. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg begann sich Sturmgewehr als Gattungsbegriff für Mittelpatronen verschießende automatische Waffen durchzusetzen. Der Begriff Maschinenkarabiner gilt heute als veraltet. Bis 1990 wurde die Kalaschnikow in der NVA als Maschinenpistole bezeichnet.
Mit der Einführung von Schnellfeuer- (mit Gewehrpatronen) und Sturmgewehren (mit Mittelpatronen) verschob sich das militärische Einsatzprofil der Maschinenpistolen von Schwerpunktwaffen hin zu Selbstschutzwaffen. So wurden sie vor allem von Führern, Meldern, Fahrzeug- und Waffenbedienungen getragen, die in der Regel keinen Feuerkampf jenseits der Nahdistanz zu führen hatten. Den bisherigen Höhepunkt dieser Entwicklung stellen sogenannte Personal Defence Weapons (PDW) dar. Es handelt sich dabei um sehr kompakte Waffen, die sich durch die Verwendung eines neuen Munitionstyps auszeichnen. Diese wurde nötig, weil die Verbreitung von Schutzwesten die Wirkung normaler Pistolenmunition stark einschränkt.
Einen Vorläufer dieser Entwicklung stellen die sogenannten Kleinstmaschinenpistolen dar, besonders kompakte Maschinenpistolen, die in ihren Abmessungen eher den Selbstladepistolen ähneln. Diese Waffen sind so konstruiert, dass sie bei Einzelfeuer – wie eine Pistole – einhändig geschossen werden können. Zur Abgabe von Dauerfeuer haben sie oft eine Schulterstütze. Ein früher Vertreter dieser Gattung war die tschechoslowakische Maschinenpistole Skorpion.
Im Gegensatz dazu sind Schnell- oder Reihenfeuerpistolen konstruktiv modifizierte Selbstladepistolen. Ursprünglich als Selbstladewaffen zur einhändigen Bedienung entwickelt, sind sie durch Veränderung der Abzugsgruppe in der Lage, Dauerfeuer zu schießen. Viele dieser Waffen verfügen über die Möglichkeit, einen Anschlagschaft zu montieren.
Geschichte und Einsatz Erster Weltkrieg mini|Villar-Perosa M15 von 1916 mini|Bergmann MP 18.1 Zu Beginn des Ersten Weltkrieges herrschten Repetiergewehre als Infanteriewaffen vor. Die Feuergeschwindigkeit war gering und lag meist bei 10 bis 20 Schuss in der Minute, außerdem waren die langen Waffen relativ unhandlich. Die Besatzung der noch unbewaffneten Flugzeuge war zum Teil mit Pistolen, Gewehren und Flinten provisorisch bewaffnet.W.H.B. Smith, Small Arms of the World – a basic manual of small arms, The Stackpole Company, Harrisburg, Pa., USA, S. 149, SBN8117-1566-3 Maschinengewehre waren in kleiner Zahl in eigenen Einheiten zusammengefasst und wegen ihrer Wasserkühlung und schweren Lafetten nur bedingt beweglich. Damit konnten sie den Angriffen der Infanterie häufig nicht folgen, so dass ihr Feuerschutz oft bereits in geringen Angriffstiefen nicht mehr gewährleistet war. Im Nahbereich unter 300 m Kampfentfernung, der sich als das hauptsächliche Einsatzfeld der Infanterie im modernen Krieg entwickelte, konnten sie damit nur noch bedingt Unterstützung leisten.
Erste Versuche, die Feuerkraft der Infanterie innerhalb der Nahdistanz zu steigern, umfassten die vermehrte Zuteilung von Pistolen, z. T. auch mit vergrößerten Magazinen und Schulterstützen wie etwa die Mauser C96 oder die Pistole 08, sowie die Verwendung größerer Magazine in den Mehrladegewehren. Die Maschinengewehre erhielten zunächst leichtere Behelfslafetten mit größerem seitlichen Schwenkbereich; zunehmend wurden spezielle leichte Maschinengewehre in großen Mengen eingeführt. Trotzdem blieben diese Waffen zu unhandlich für den Nahkampf in den Stellungen des Grabenkrieges. Die zunächst als Provisorium verstandene Lösung dieses Problems bestand darin, eine automatische Waffe zur Verfügung zu stellen, die einen etwas längeren Lauf und eine längere Visierlinie als Pistolen hatte, allerdings die schwache Pistolenmunition verschoss.
Die erste vollautomatische Waffe für Pistolenmunition entwickelte Bethel Abiel Revelli. Die zweiläufige Waffe sah einem Maschinengewehr ähnlich und war für den Einsatz in Flugzeugen konstruiert. Sie wurde mit einem Spatengriff gerichtet und abgefeuert, und jedem der beiden Läufe wurde die Munition von oben aus einem Stangenmagazin mit 25 oder 50 Schuss Kapazität zugeführt. Die Munition wurde über einen verzögerten Masseverschluss in die feststehenden Läufe eingeführt. Dabei wurde die Verzögerung durch eine Drehbewegung des Verschlusses erreicht. Mit der italienischen Patrone 9 mm Glisenti, die etwas schwächer als die heute zum Standard gewordene 9 mm Parabellum ist, erreichte die Waffe eine theoretische Feuergeschwindigkeit von 1500 Schuss/min. Es stellte sich jedoch schnell heraus, dass die Waffe für einen Luftkampf nicht leistungsstark genug war, und die Einführung des britischen Lewis-MGs mit seiner leistungsstarken Gewehrmunition setzte der Maschinenpistole im Luftkrieg ein schnelles Ende.
Die Patente vom 8. April 1914 verkaufte Revelli an die Firma Villar-Perosa, unter deren Namen die Waffe bekannt wurde. Einige Zeit später wurde sie auch bei Fiat als Fiat Modell 15 gebaut und von der italienischen Infanterie eingesetzt. Mit Zweibeinstativ und einer Tragevorrichtung konnte die Waffe sowohl im Liegen als auch im Knien und Stehen geschossen werden, und es gab ebenfalls eine Montagevorrichtung für die Befestigung auf Fahrrädern. Obwohl die Waffe durch das geringe Gewicht und die hohe Feuergeschwindigkeit außergewöhnliche Vorteile bot, wurde sie schon nach kurzer Zeit ausgemustert. Das Zielen und Schießen war zu kompliziert, die Abnutzung zu groß und die Wartung zu komplex für den Militärdienst.W.H.B. Smith, Small Arms of the World – a basic manual of small arms, The Stackpole Company, Harrisburg, Pa., USA, S. 149–150, SBN8117-1566-3
Im Jahr 1917 suchten die deutschen Streitkräfte nach einer leichten und schnell schießenden Waffe. Zunächst wurden Pistolen von Luger und Mauser mit verlängerten Läufen, größeren Magazinen und ansetzbaren Schulterstützen getestet. Im Oktober 1917 erbeuteten die österreichischen Truppen in der Schlacht von Caporetto eine Anzahl Villar-Perosa-Maschinenpistolen und schickten diese zur Untersuchung nach Deutschland. Hierdurch angestoßen entwickelte Theodor Bergmann (1850–1931) in Suhl die Maschinenpistole MP18. Zwar wünschte sich die Militärführung eine leistungsstarke Munition für die Waffe; da aber die Industrie nicht in der Lage war, eine passende und stärkere Munition anzubieten, wurde auf die 9 mm Parabellum zurückgegriffen. Dies hatte den Vorteil, dass ein einfacher Masseverschluss und die Schneckenmagazine der Pistole 08 verwendet werden konnten. Das Militär plante, jeder Infanteriekompanie eine Gruppe aus sechs Maschinenpistolenschützen zuzuteilen. Die Einsatzvorstellungen ähnelten noch sehr denen der leichten Maschinengewehre: Jedem Maschinenpistolenschützen war ein Helfer mit weiterer Munition (insgesamt 2384 Patronen) und Ersatzteilen zugeteilt. Insbesondere sollten sie den Gegner während des Sturmlaufes auf den gegnerischen Graben durch Feuer aus der Bewegung in Deckung zwingen, wozu die übergewichtigen MG 08/15 nicht zu gebrauchen waren. Diese auch Grabenfeger genannte Waffe erlangte in ihrer kurzen Einsatzzeit einen solchen Ruf, dass Deutschland nach Kriegsende im Versailler Vertrag verboten wurde, Maschinenpistolen bei der Reichswehr einzuführen. Lediglich die Polizei durfte auf je 20 Mann eine Maschinenpistole besitzen.W. H. B. Smith: Small Arms of the World – a basic manual of small arms. The Stackpole Company, Harrisburg, S. 150–151, SBN8117-1566-3.Jaroslav Lugs: Handfeuerwaffen. Systematischer Überblick über die Handfeuerwaffen und ihre Geschichte, Band 1, Berlin o. J., S. 375 f.
Zwischen den Weltkriegen Nach Ende des Ersten Weltkrieges hatte sich die Maschinenpistole gegen die Ansichten konservativer Militärs durchzusetzen, die in ihr wegen ihrer leistungsschwachen Munition eine Schwächung der infanteristischen Feuerkraft sahen und die Maschinenpistole als 'Polizeiwaffe' ablehnten. Teilweise war dafür eine verfehlte Einsatzkonzeption verantwortlich, die in der Maschinenpistole eine Unterstützungswaffe ähnlich den leichten Maschinengewehren sah. Teilweise bestand die Hoffnung, die Niederhaltung des Gegners im Sturmangriff durch Einführung von halbautomatischen Gewehren zu erreichen. In Deutschland griff das Militär in den 1930er-Jahren den Gedanken eines vollautomatischen Gewehrs mit Kurzpatrone auf. Die technischen Schwierigkeiten bei der Konstruktion solcher Waffen, vor allem wegen der starken Patronen, verhinderten jedoch eine Umbewaffnung der meisten Heere bis in den Zweiten Weltkrieg. Wegweisend für die Einführung von Maschinenpistolen wurden die Heere kleinerer Staaten. Eine Wende brachten erst die Erfahrungen des Chacokrieges (1932–1935) und des Spanischen Bürgerkrieges. 1935 konstatierte der Kriegsteilnehmer Wim Brandt im Militär-Wochenblatt: „Für die Fechtweise des Fußvolks hat das erstmalige Massenauftreten der Maschinenpistole außerordentliche Bedeutung gewonnen. Im Verein mit den MG und angesichts der geringen Wirkung der leichten Artillerie und Minenwerfer wird die Feuerkraft in Stellung befindlicher Schützen praktisch unüberwindlich. Im ganzen Kriege ist so gut wie kein einziger frontaler Angriff gelungen.“Wim Brandt, Die wichtigsten Lehren des Chacokrieges, in: Militär-Wochenblatt 119 (1934/35), Hft. 35 (18. März 1935), Sp. 1379–82.
Allerdings kam aus dem Kreis der Großmächte nur in Deutschland vor Kriegsausbruch noch eine Maschinenpistole in größerem Umfang zur Einführung. Für die Westalliierten wurden erst die Erfahrungen des Westfeldzuges von 1940 ausschlaggebend. Frankreich kam nicht mehr zur Einführung einer Maschinenpistole und die Rote Armee verstärkte ihre Anstrengungen zur Einführung von Maschinenpistolen erst nach den Erfahrungen des Winterkrieges gegen Finnland.
Die technische Weiterentwicklung der Maschinenpistole stand in der Zwischenkriegszeit im Zeichen widersprüchlicher Anforderungen der militärischen und polizeilichen Nutzer. Im Rückblick kann festgestellt werden, dass mit dem unverriegelten Masseverschluss der Bergmann-Maschinenpistole bereits 1918 ein bei Störungssicherheit und Fertigungsaufwand optimales Konstruktionsprinzip für den militärischen Gebrauch gefunden worden war. mini|Thompson Model von 1921 hier mit 100-Schuss-Trommelmagazin