Tata Steel ist ein stahlerzeugendes und stahlverarbeitendes indisches Unternehmen mit Sitz in Mumbai. Mit einer Kapazität von etwa 35 Millionen Tonnen und rund 75.000 Mitarbeitern auf fünf Kontinenten ist es eines der weltgrößten Stahlunternehmen.Top steel-producing companies 2024/2023, abgerufen am 24. Juli 2025
Organisation und Tätigkeiten Tata Steel Limited ist Teil der Tata-Gruppe, einem globalen Mischkonzern mit Hauptsitz in Indien. Es betreibt Stahlwerke in 26 Ländern, darunter in China, Indien, Singapur, Thailand, Großbritannien und den Niederlanden. Die größte Produktionsstätte liegt im indischen Jamshedpur. Es hat Vertriebsniederlassungen in mehr als 35 Ländern.At a glance www.tatasteeleurope.com Das Unternehmen ist an der nationalen Indischen Börse und der Börse in Bombay gelistet.
In Europa betreibt Tata Steel auch Stahlwalzwerke, Beschichtungsanlagen und Verarbeitungswerke. Die europäischen Geschäftseinheiten sind in London registriert.
Geschichte Nachdem Jamshedji Tata 1868 Tata in Mumbai gegründet hatte, gründete sein Sohn Dorabji Tata dort am 25. August 1907 die Stahl- und Eisensparte des Unternehmens unter dem Namen Tata Iron and Steel Company (TISCO). Vier Jahre später nahm TISCO in Sakchi den ersten Hochofen in Betrieb. Die dortige Planstadt, die man zur Beheimatung der Angestellten des Hauptstahlwerks errichtete, wurde später zu Ehren des Vaters in Jamshedpur umbenannt. Bis 1939 war die Produktion von Tata Steel auf 800.000 Tonnen Stahl pro Jahr angewachsen.
Die 1990er Jahre standen im Zeichen großflächiger Erneuerungen. Im Vordergrund standen technische Aufrüstungen sowie die Optimierung der IT-Systeme, ebenso wie eine strategische Neuausrichtung.Rudrangshu Mukherjee: A Century of Trust. The story behind TATA STEEL. Penguin Books India, New Delhi, 2008, ISBN 978-0-670-08156-1
2004 erwarb Tata Steel das Unternehmen NatSteel aus Singapur, das ein Stahlwerk in China besitzt. Ein Jahr später folgte die Übernahme des Stahlunternehmens Millennium Steel PCL aus Thailand. 2007 wurde der britisch-niederländische Stahlkonzern Corus der Tata-Steel-Gruppe angeschlossen. Mit einer Investition von 8,7 Milliarden Euro stellte sie bis dato die größte von einem indischen Konzern getätigte Übernahme eines ausländischen Unternehmens dar. Im Jahr 2010 firmierte Corus offiziell in Tata Steel um.
Im Jahr 2012 zog sich Ratan Tata als Vorsitzender der Tata-Gruppe zurück. Auf ihn folgte Cyrus Mistry, ein Vorstandsmitglied von Tata Sons, dessen Familie über Jahrzehnte eng mit der Tata-Gruppe verbunden war.Cyprus P. Mistry: Indiens wichtigster Industrieller Frankfurter Allgemeine Zeitung, www.faz.net, 27. November 2011, abgerufen am 30. Juni 2018 Im Oktober 2016 wurde Mistry abgesetzt, und Ratan Tata übernahm kommissarisch wieder die Leitung des Unternehmens. Am 21. Februar 2017 übernahm Natarajan Chandrasekaran, der bis dahin Geschäftsführer von Tata Consultancy Services war, den Vorsitz der Tata-Gruppe. Seit Oktober 2017 ist der Managing Director von Tata Steel Limited T. V. Narendran.
Am 20. September 2017 gab das Unternehmen die Absicht bekannt, die europäischen Stahlaktivitäten mit der europäischen Stahlsparte von ThyssenKrupp zusammenzuschließen.Thyssenkrupp will mit Tata neuen Stahlgiganten schaffen. www.welt.de Am 10. Mai 2019 wurde kommuniziert, dass die Fusion aufgrund der drohenden Untersagung durch die europäische Kommission nicht stattfindet. Am 11. Juni 2019 veröffentlichte die EU-Kommission ihre Entscheidung, die geplante Fusion wegen Wettbewerbsbedenken nicht zu genehmigen. 2021 durchlief das europäische Stahlgeschäft von Tata Steel einen Separationsprozess, in dem das niederländische und das britische Geschäft formell getrennt wurden.
In Europa Bis Oktober 2021 firmierte Tata Steel in Europa als Tata Steel Europe Limited. Mit Wirkung zum 1. Oktober 2021 gab das Unternehmen bekannt, dass Tata Steel Europe aufgespalten wird und Tata Steel Netherlands sowie Tata Steel UK als unabhängige Unternehmen innerhalb der Tata-Gruppe agieren. Die Geschäftsaktivitäten laufen unter der Marke Tata Steel. Das Produktportfolio konzentriert sich auf Bandstahlprodukte.News – Tata Steel UK completes sale of Long Products Europe business to Greybull Capital. www.tatasteeleurope.com Im April 2016 übernahm die Investmentfirma Greybull Capital die europäische Langstahl-Sparte von Tata Steel. Die größten europäischen Produktionsstandorte befinden sich in Port Talbot (Wales) und IJmuiden (Niederlande).Operations www.tatasteeleurope.com Der Standort in Port Talbot wird bis 2025 vom Hochofen-Betrieb auf Lichtbogenöfen umgerüstet. Zu Tata Steel Netherlands gehört auch der Geschäftsbereich Downstream, was auch die deutschen Standorte beinhaltet.
Als Vorstandsvorsitzender der Tata-Gruppe verantwortete Cyrus Mistry die Geschäftstätigkeiten von Tata Steel und war damit bis 10/2016 auch für den europäischen Markt zuständig.11 interesting facts about Tata Group chairman Cyrus Pallonji Mistry www.india.tv Vorstandsvorsitzender der europäischen Sparte war bis Februar 2016 Karl-Ulrich Köhler. Von ihm übernahm Hans Fischer, der zuvor Chief Technical Officer gewesen war, zum 1. März 2016 als CEO von Tata Steel Europe.Tata Steel says Europe CEO to leave to join German firm. www.reuters.comTata Steel Europe bekommt neuen Chef www.handelsblatt.com Mit Wirkung zum 1. Juli 2019 übernahm wiederum der bisherige Chief Commercial Officer Henrik Adam die Position des CEO von Hans Fischer. Im Zuge der Umstrukturierung im Jahr 2021 übernahm CEO Henrik Adam zusätzlich die Aufgaben des Chief Technical Officer und des Chief Commercial Officer. Zum Jahreswechsel 2022 trat er seine neue Rolle als Vice President für European Corporate Affairs bei Tata Steel Limited an.
Konflikte und Kritik 2006 protestierte die lokale Bevölkerung gegen den von Tata Steel geplanten Bau einer Stahlfabrik in Kalinganagar im indischen Bundesstaat Odisha. Die Gründe für die Proteste lagen in ungeklärten Besitzansprüchen. Bei einer Demonstration verloren 13 Protestierende und ein Polizist das Leben.
Die Tata-Gruppe geriet 2008 in die Kritik, da das von der Regierung im Bundesstaat Westbengalen zur Verfügung gestellte Land, auf dem eine Fabrik zur Herstellung des Autos Tata Nano errichtet werden sollte, zuvor unter zweifelhaften Umständen enteignet worden war. Es kam zu gewaltsamen Protesten und zu einer Blockade des fertiggestellten Werkes. In der Folge kam es innerhalb der lokalen Bevölkerung zu Konflikten zwischen den Fabrikbefürwortern, die auf einen Arbeitsplatz in der neuen Fabrik hofften, und den Gegnern des Fabrikbaus. Schließlich erhielt Ratan Tata von Narendra Modi, in der Zeit Ministerpräsident des Bundesstaates Gujarat, das Angebot, die Fabrik dort zu bauen.
Das Werk im niederländischen Beverwijk steht wegen der hohen Anzahl von Lungenkrebsfällen in der Region in der Kritik.Tobias Müller: Dorfbewohner neben Stahlwerk. Schlechte Nachbarschaft. Auf taz.de vom 3. Februar 2021, abgerufen am 13. Juli 2021 Zugleich sollen politische Funktionsträger verhindert haben, dass das Werk in einem entsprechenden Bericht als möglicher Auslöser aufgeführt wird.Gerrit Hoekman: Unter einer Decke. In junge Welt vom 12. Juli 2021, S. 9 (jungewelt.de, abgerufen am 13. Juli 2021) Anfang 2021 wurde deshalb von der Anwältin Bénédicte Ficq und rund 1200 Anwohnern eine Sammelklage eingereicht.
Weblinks
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Einzelnachweise
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