mini|Hotchkiss in Saint-Denis Anfang des 20. Jahrhunderts Die Société Anonyme des Anciens Etablissements Hotchkiss et Cie war ein französischer Rüstungs- und Automobilhersteller. Das vom US-amerikanischen Ingenieur Benjamin Berkeley Hotchkiss 1875 gegründete Unternehmen wurde 1956 Teil von Hotchkiss-Brandt, die in den 1960er Jahren mit der Thomson-Houston Electric Company zu Thomson-Brandt fusionierten.
mini|Hotchkiss 42-mm-Gebirgskanone mini|Leichter Panzer vom Typ Hotchkiss H-39 Herstellung von Waffen Weil Benjamin Hotchkiss in den USA niemanden von seinen Waffenerfindungen überzeugen konnte, zog er nach Frankreich und baute 1867 seine erste Fabrik in Viviez bei Rodez auf. 1885 starb der Unternehmensgründer.
links|mini|Hotchkiss Universal Hotchkiss et Cie produzierte Waffen, die von der französischen Armee während des Deutsch-Französischen Krieges eingesetzt wurden. 1875 wurde das Werk nach St-Denis bei Paris verlegt. Ab 1877 beschaffte die US-Regierung 56 Hotchkiss-Gebirgskanonen im Kaliber 42 mm bzw. 1,65 Zoll. Ein erster Einsatz erfolgte im Oktober desselben Jahres im Nez-Percé-Krieg, ab 1879 wurden sie im Krieg gegen die Sioux unter Häuptling Sitting Bull und 1890 beim Massaker von Wounded Knee eingesetzt. Ein Beispiel für die Leistungen des Unternehmens war die 1873 entwickelte Hotchkiss-Revolverkanone. Diese mit einer Handkurbel angetriebene Revolverkanone verfügte über fünf Läufe und war in der Lage, pro Minute 60 bis 80 Granaten zu verschießen. Die Reichweite betrug eine Meile, etwa 1,6 Kilometer. Sie wurde in vier Kalibern von 37 mm bis 57 mm angeboten; letztere für Schiffsgeschütze. Hotchkiss zählt zu den frühen Herstellern von automatischen Maschinengewehren. Sein MG wurde zuerst 1892 hergestellt, ab 1897 von der französischen Armee übernommen und in seiner verbesserten Form als Hotchkiss M1914-Maschinengewehr eingesetzt. Im Zusammenhang mit der Weltausstellung 1900 stellte Hotchkiss eine Reihe von Geschützen vor, wobei in einer Information von 400 Mitarbeitern und 600 maschinellen Werkzeugen in der Fabrik in St-Denis die Rede war. In den Folgejahren lieferte Hotchkiss etwa 10.000 Kanonen und 4 Millionen Patronen an die französische Marine.Ferdinand Hediger, Hans-Heinrich von Fersen, Michael Sedgwick: Klassische Wagen. Hallwag AG, Bern und Stuttgart 1988, ISBN 3-8228-8944-X, S. 201.
mini|Hotchkiss-Revolverkanone von 1874 In den 1930er Jahren beteiligte sich Hotchkiss zusammen mit Laffly an der Entwicklung eines Allradantriebs für Militärfahrzeuge. Aus dieser Zusammenarbeit entstand eine Reihe von Militärfahrzeugen, die in verschiedenen Versionen als Krankentransporter, Tankwagen, Aufklärungsfahrzeug und für eine Vielzahl weiterer Verwendungszwecke unter der Bezeichnung Laffly-Hotchkiss verkauft wurden. Namentlich handelt es sich um die Modelle Hotchkiss W 15 T, Hotchkiss W 15 R und Hotchkiss S 20 TL. 1933 entwickelte die Firma den Kampfpanzer Hotchkiss H-35, aus dem später der Hotchkiss H-39 entstand. Sie wurden bei den leichten gepanzerten Divisionen (Division légere mécanique) eingesetzt.
Automobilbau mini|links|Firmenlogo mit gekreuzten Kanonen mini|links|Hotchkiss beim Großen Preis von Frankreich 1906 mini|links|Hotchkiss Automitrailleuse, in der Türkei (1909). mini|links|Hotchkiss AG 12/16 HP um 1912 Infolge ausbleibender Gewinne zu Beginn des 20. Jahrhunderts begann das Unternehmen seinen Einstieg in den Automobilbau. Erste Aufträge zur Fertigung von Kurbelwellen für Panhard & Levassor, De Dion-Bouton und andere Automobilhersteller gingen ein. Durch die Händler Mann and Overton in London und Fournier in Paris ermutigt, entschied sich Hotchkiss, eigene Fahrzeuge zu bauen. Eine Mercedes-Simplex wurde als Vorlage gekauft und der zuvor bei Mors tätige Georges Terrasse wurde als Konstrukteur angeworben. Das Zeichen der Marke bestand aus einem Paar gekreuzter Kanonenrohre.
Das erste Auto von Hotchkiss war 1903 ein Vierzylindermodell mit 13 kW/17 PS Leistung. Es folgte das Modell C mit 40 PS, dessen Motor dem des Mercedes-Simplex stark ähnelte, allerdings wurden, wo immer es möglich war, Kugellager anstelle von Gleitlagern verwendet. Für das Rennen Paris–Madrid wurden zwei Wettbewerbsfahrzeuge gemeldet, die jedoch nicht rechtzeitig fertiggestellt wurden. Im Folgejahr traten drei Hotchkiss mit je 100 PS bei den französischen Ausscheidungsrennen für die Teilnahme am Gordon-Bennett-Cup an, wobei an dem von Amblard gesteuerten Fahrzeug bei voller Fahrt die Hinterachse brach und der Wagen im Graben landete. Beim Ardennenrennen von 1904 fuhr Hubert Le Blon einen Rundenschnitt von über 100 km/h und erreichte in dem sieben Stunden dauernden Wettbewerb einen fünften Platz hinter zwei Panhard & Levassor, einem Clément-Bayard und einem Gobron-Brillié, noch vor den Mercedes, Fiat und De Dietrich. 1906 erreichte der US-amerikanische Fahrer Elliott Shepard den vierten Platz am ersten Tag des Vanderbilt Cups auf Long Island, doch musste er wegen Radbruchs aufgeben. Obwohl diese Rennerfolge für Hotchkiss, wie für jede andere Marke dieser Zeit, wertvolle Werbung bedeuteten, beschloss man in St-Denis, nicht weiter an Rennen teilzunehmen, da sie zu viel Geld kosteten. Die Hotchkiss-Fahrzeuge zeichneten sich durch große Solidität und Qualität aus. Während die Rennwagen der Wettbewerber noch Kettenantrieb bevorzugten, besaßen Hotchkiss-Tourenwagen einen Kardanantrieb.
1907 folgten die Sechszylindermodelle L und O. Das Modell L verfügte über 30 PS Leistung. 1908 offerierte Hotchkiss das Modell V, das mit seinem T-Kopf-Motor aus einem Hubraum von fast 10 Litern 50 PS lieferte. Ein Exemplar kann heute im Museum in Compiègne besichtigt werden. Der 16/20 von 1911 hatte einen Motor vom Typ T verbaut. Der 12/16-CV-Vierzylindermotor von 1912 hatte 2412 cm³ Hubraum mit 80 mm Bohrung und 120 mm Hub. Bei der Vorstellung des 30-PS-Modells X von 1910 und des etwas kleineren 2212-cm³-Typen Z endete die Ära der Kugellager. Wie die meisten Marken der Vorkriegszeit lancierte Hotchkiss eine sehr große Vielfalt von Modellen.
Ein Fabrikbrand zerstörte zunächst alle Projekte. 1906 erschien ein Sechszylindermodell. 1909 stellte Hotchkiss ein gepanzertes Militärfahrzeug unter der Bezeichnung Automitrailleuse vor, das seine Bewaffnung am Heck trug. Während des Ersten Weltkrieges produzierte Hotchkiss Teile und Waffen der neuen Panzerwaffe. Da im Verlauf des Ersten Weltkrieges befürchtet wurde, Paris könnte von den deutschen Truppen eingenommen werden, wurde im englischen Coventry ein Werk errichtet. Nach dem Krieg unternahm man in der britischen Niederlassung 1920 Versuche, Morris-Chassis zum Hotchkiss umzurüsten, beließ es dann aber bei der Herstellung von Motoren für BSA, Gilchrist und Morris, bevor Morris diese Fabrik 1923 übernahm. Es entstand lediglich ein Prototyp. Der Geschäftsführer des Werks Coventry, Henry Mann Ainsworth, wurde Geschäftsführer des Haupthauses in St. Denis, A. H. Wilde Chefkonstrukteur der Autosparte von Hotchkiss.
Zwischen den Weltkriegen Modell Type Leistung Zylinder Bohrung Hub Hubraum AD20/30 HP4110 mm150 mm5.701 cm³ AD620/30 HP695 mm130 mm5.528 cm³ AF18/22 HP495 mm140 mm3.969 cm³ AG12/16 HP480 mm130 mm2.613 cm³ AHHPmmmmcm³ AKHPmmmmcm³ ALHPmmmmcm³ AMHPmmmmcm³
In Frankreich begann man nach dem Krieg 1919 zunächst mit der Produktion der Vorkriegsmodelle AD, AD6, AF und AG. Der AF20CV war ein 4-Liter-Vierzylindermodell, das über einen seitengesteuerten Monoblockmotor verfügte, etwa 37 kW/50 PS Leistung lieferte und bereits 1914 entwickelt worden war. Dies ließ sich zum Beispiel am festen Zylinderkopf mit Sackzylindern und der auf das Getriebe wirkenden Fußbremse erkennen. Die Kraft wurde über eine offene Kardanwelle auf das Differential übertragen, wobei Drehmoment und Schubkräfte nach dem Hotchkiss-System von den Blattfedern der Hinterachse aufgenommen wurden. Mit dem Typ AH führte Hotchkiss die Cantilever-Federung hinten und den Kardanantrieb im Schubrohr ein. Die sportlichere Version des AH erhielt die Bezeichnung AL und hatte einen OHV-Motor, der 44 kW/60 PS entwickelte und den 1800 kg schweren Tourenwagen auf ca. 85 km/h beschleunigte.Ferdinand Hediger, Hans-Heinrich von Fersen, Michael Sedgwick: Klassische Wagen. Hallwag AG, Bern und Stuttgart 1988, ISBN 3-8228-8944-X, S. 202. Als erste Neukonstruktion in der Nachkriegszeit entstand unter der Ägide des Chefkonstrukteurs Terrasse ein Luxusauto, das AK hieß und mit einem Motor von 6,6 Litern Hubraum versehen war. Die obenliegende Nockenwelle wurde durch eine Königswelle an der Stirnseite angetrieben und betätigte über Schlepphebel zwei Ventile pro Zylinder sowie die Doppelzündung mit Magnet und Spule. Der schwarz emaillierte Motor entfaltete bei 2200/min 79 kW/107 PS und bei 3000/min 96 kW/130 PS. Dabei setzte Hotchkiss erstmals eine kreuzförmige Verstrebung der Chassislängsträger ein. Vorne kamen Halbelliptik-, hinten Cantilever-Federn zum Einsatz. Die Bremsanlage mit großen gerippten Trommeln, die über einen Servomotor betätigt wurden, stammte von Perrot. Nachdem das Luxusgefährt auf dem Pariser Autosalon und in London vorgestellt wurde, erkannte Hotchkiss die Schwierigkeit, mit Hispano-Suiza und Rolls-Royce zu konkurrieren, und verzichtete auf den Bau.Ferdinand Hediger, Hans-Heinrich von Fersen, Michael Sedgwick: Klassische Wagen. Hallwag AG, Bern und Stuttgart 1988, ISBN 3-8228-8944-X, S. 202 f.
Zwischen 1923 und 1928 wurde ein überarbeiteter Typ AM als einziges Modell gefertigt. Es hatte einen 2,4-Liter-Vierzylinder-Reihenmotor und war das erfolgreichste Modell des Unternehmens. In der Ausführung von 1926 erhielt es einen Motor mit im Zylinderkopf hängenden, über Stoßstangen betätigten Ventilen. Im gleichen Jahr konnte Hotchkiss die neue Fabrik am Boulevard Ornano beziehen. Sein Nachfolger wurde 1928 das 3-Liter-Sechszylindermodell AM 80. Auch dessen Motor hatte stoßstangenbetätigte, hängende Ventile, eine siebenfach gelagerte Kurbelwelle mit Schwingungsdämpfer und war über Silentblöcke mit dem Chassis verbunden. Er lieferte 51 kW/70 PS. Mit einem AM 80 gelang es einem Amateurfahrerteam in 16 Tagen 33 neue Klassenrekorde in Montlhéry aufzustellen, woraus in der Werbung „in 16 Tagen um die Welt“ wurde.Ferdinand Hediger, Hans-Heinrich von Fersen, Michael Sedgwick: Klassische Wagen. Hallwag AG, Bern und Stuttgart 1988, ISBN 3-8228-8944-X, S. 203.
mini|Schützenpanzer kurz bei der Bundeswehr mini|Hotchkiss Typ Grand Sport 1937 mini|Hotchkiss AM 80S