Teorema – Geometrie der Liebe ist ein Spielfilm des italienischen Regisseurs Pier Paolo Pasolini aus dem Jahr 1968.
Handlung Die erste Szene des Films zeigt eine Gruppe Männer in Mailand, die gefilmt werden und darüber diskutieren, was die Schenkung eines Industriebetriebs an seine Arbeiter für Konsequenzen für den Kapitalismus hat. Ein Postbote gibt ein Telegramm an der Tür der Villa einer großbürgerlichen Industriellenfamilie ab, in dem für den nächsten Tag die Ankunft eines Gastes angekündigt wird. Der Gast ist ein gutaussehender und zurückhaltender junger Mann, liest Arthur Rimbaud und bewegt sich ungezwungen im ganzen Haus. Nacheinander erliegen alle Familienmitglieder seiner Faszination: Die Haushälterin Emilia, der Sohn Pietro, die Mutter Lucia, die Tochter Odetta sowie letztendlich der Vater. Mit allen hat der Gast sexuellen Verkehr und leitet eine Wende in ihrem Leben ein. Nach seiner plötzlichen Abreise hinterlässt er Leere und seelisches Chaos, das Mutter, Vater, Tochter und Sohn auf unterschiedlichste und teils absurde Weise zu kompensieren versuchen. Emilia kehrt zu ihrer Familie aufs Land zurück, wo sie zur zwar zurückgezogenen, aber trotzdem vielbesuchten Heiligen und Wunderheilerin wird. Die junge Odetta wird wahnsinnig und endet im Irrenhaus. Pietro beginnt mit abstrakter Malerei und entwickelt konzeptuelle Gedanken über Malerei und künstlerische Technik. Die bislang stets moralische Gattin nimmt sexuelle Kontakte mit fremden jungen Männern auf und der Vater überlässt den Arbeitern seine Fabrik, entkleidet sich am Hauptbahnhof von Mailand und begibt sich einsam und nackt in die Wüste.
Hintergrund Das Theorem, das im Filmtitel vorkommt, ist dasjenige, welches behauptet, man müsse auf die Probleme der Welt und die eigenen existenziellen Bedürfnisse mit einer formalistischen Geometrie antworten, genauer gesagt mit spießbürgerlichen Verhaltensweisen. Eine solche Gesellschaft kann laut Pasolini nicht echt sein. Ein Ereignis außerhalb der Norm, wie der Besuch des unbekannten Gasts, genügt, um die Leere zu offenbaren. Die Bewohner des Hauses beginnen sich mit sich selbst auseinanderzusetzen und geraten selbst aus der Norm. Im Film wird also das Theorem zerlegt.
Kritiken
Preise Coppa Volpi an Laura Betti für die beste weibliche Darstellerin und Premio OCIC bei den XXIX. Internationalen Filmfestspielen von Venedig.
Adaptionen Der italienische Komponist Giorgio Battistelli schrieb 1992 im Auftrag von Hans Werner Henze für die Münchener Biennale die Oper Teorema nach Motiven aus Pasolinis Film. Das Musikdrama für sechs Schauspieler, kleines Orchester, Synthesizer und die orientalischen Trommeln Daf und Zarb verzichtet komplett auf Gesang und wird nur gelegentlich, ähnlich wie im Film, von einem Sprecher kommentiert.Giorgio Battistelli: Teorema. Musikalische Parabel. Archiv der Münchener Biennale 1992.Max Nyffeler: Giorgio Battistellis Polyphonie der Wirklichkeiten. Künstlerportrait bei Beckmesser.de, 2006, abgerufen am 28. Juni 2015.
Der belgische Regisseur Ivo van Hove inszenierte Teorema auf der Ruhrtriennale 2009 als Theaterstück.Teorema. Archiv der Ruhrtriennale 2009.
Weblinks
Marcus Stiglegger: Die Wiederkehr von „Teorema“. Essay zum Film auf getidan, 17. Januar 2013.
Einzelnachweise
Kategorie:Filmtitel 1968 Kategorie:Italienischer Film Kategorie:Independent-Film Kategorie:Homosexualität im Film Kategorie:Literaturverfilmung Kategorie:Pier Paolo Pasolini