mini|Firmenschild in Ulm-Grimmelfingen (1964) mini|Firmenschild in Painten (2000) Die Giengener Orgelmanufaktur Gebr. Link ist eine Orgelbauwerkstatt in Giengen an der Brenz. Seit der Gründung 1851 wurden mehr als 1000 Instrumente vor allem für den Süden Deutschlands gebaut.
Geschichte mini|Paul und Johann Link Die Zwillingsbrüder Johann und Paul Link wurden 1821 in Aldingen geboren. Ihre Ausbildung zum Orgelbauer erhielten sie beim Orgelbauer Anton Braun in Spaichingen. Ab 1841 waren beide bei der Orgelbaufirma Eberhard Friedrich Walcker in Ludwigsburg beschäftigt und konnten sich somit Einblick in den damals modernsten Orgelbau verschaffen. Nach 10 Jahren fassten sie den Plan, sich selbstständig zu machen.Hermann Fischer, Theodor Wohnhaas: Lexikon süddeutscher Orgelbauer. Florian Noetzel Verlag, Wilhelmshaven 1994, S. 236.
Zunächst war eine Firmengründung in Schwäbisch Hall geplant. Der Reutlinger Musikdirektor Adam SeitzAdam Seitz auf der Seite www.schwaebische-orgelromantik.de konnte die beiden Brüder Link dazu überzeugen, in den Orgelbau der neuen großen Orgel für die Stadtkirche Giengen einzusteigen, der durch die Firma Gruol in Bissingen ausgeführt werden sollte. Diese war jedoch überfordert, so konnte die Firma unter der Leitung der Brüder Link den Auftrag ausführen. 1851 baute die Firma Link dann als opus 1 eine Orgel mit 37 Registern, darunter Prinzipal 16‘ im Manual und 32‘ im Pedal. Diese Orgel wurde weithin gelobt und die Möglichkeit, dieses Instrument heranreisenden Interessenten vorzuführen, veranlasste die beiden, ihr Geschäft 1851 in Giengen zu gründen.Christoph Naacke: 150 Jahre Orgelbau Link. Verlag Freiburger Musikforum, 2001, S. 24.
Der gute Ruf verschaffte der Firma schon in den ersten Jahren eine rasante Entwicklung.Helmut Völkl: Orgeln in Württemberg. Hänssler-Verlag. Stuttgart 1986. S. 27. Aufträge gingen aus Deutschland der Schweiz und Österreich ein. Die Werkstatträume im Hirschkeller reichten schon bald nicht mehr aus, sodass das Firmengelände am Memmingertorplatz gekauft wurde. Im ersten Jahrzehnt seit der Geschäftsgründungen waren bereits 25 Orgelneubauten verwirklicht worden, im zweiten Jahrzehnt über 30 Neubauten. 1871 verstarb Johann Link, sodass Paul Link die Geschäfte allein weiterführte. Ab 1885 wurden Orgeln auch nach Übersee, z. B. Japan und Indien geliefert.
1886 wurde der Betrieb von Paul Links ältestem Sohn, Wilhelm Eugen Link (1855–1940) und seinem Cousin Christian Heinrich Link (1854–1926, Sohn von Johann Link) übernommen und erfolgreich weitergeführt. Sogar in Frankreich, trotz des Kriegs 1870–1871, wurde der Linkorgelbau gewählt. 1891 verstarb Paul Link. Im Oktober 1891 wurde die neue Linkorgel in Mirepoix (im Departement Ariège, Südwest-Frankreich) inauguriert. Mit einer mechanischen Traktur zählt das Instrument circa 40 Register und hat keine Modifizierung erfahren.
Von 1897 bis 1912 gab es in Jambes (Belgien) eine Zweigniederlassung, die von dem Link-Schüler Franz Xaver Wetzel geleitet wurde und alle Orgelteile aus Giengen bezog.
Ab 1902 gab es Pläne, die Link-Orgel in der Stadtkirche Giengen von 1851 im Rahmen einer Kirchenrenovierung zu versetzen und umzubauen, doch gravierende Holzwurmschäden und der Wunsch nach einer zeitgemäßen Orgel führten zum vollständigen Neubau. Die Firma Link nutzte diese Gelegenheit, um ihr bis dahin größtes und technisch innovativstes Instrument zu schaffen. Mit 51 Registern, einem reich verzierten Prospektgehäuse im Stil des Rokoko und modernster pneumatischer Traktur im Abstromprinzip wurde die Orgel nicht nur zum musikalischen Zentrum der Stadtkirche, sondern auch zum firmeneigenen Vorzeige- und Demonstrationsinstrument. So verweisen z. B. die 51 Register und 51 Prospektpfeifen auf das Gründungsjahr (18)51 der Firma Link. Der Spieltisch verfügt über freie und feste Kombinationen, automatische Pedalumschaltung und eine Crescendowalze – für die damalige Zeit herausragende technische Merkmale. Außerordentlich viele Farbregister der 8’- und 4’- Lage ermöglichen eine große Klangvielfalt und ein nahezu bruchloses Crescendo.
Während der beiden Weltkriege kam der Betrieb nahezu vollständig zum Erliegen, da die Belegschaft zum Kriegsdienst einberufen wurde.
Nach 1945 führte die Zusammenarbeit mit dem Komponisten und Orgelsachverständigen Helmut Bornefeld zu einer zweiten Blütezeit des Unternehmens. In dieser Phase entstanden zahlreiche neue Orgeln, die der damals aktuellen Orgelbewegung verpflichtet waren und neue Maßstäbe in Klangkonzeption und Gestaltung setzten.
Seit den 1980er Jahren widmet sich die Firma auch verstärkt der Restaurierung historischer Orgeln des 18. bis frühen 20. Jahrhunderts und verbindet diese Tätigkeit mit dem weiterhin gepflegten klassischen Orgelneubau. Im Jahr 2003 erfolgte die Umfirmierung in „Giengener Orgelmanufaktur Gebrüder Link GmbH“.
Die Orgeln der Firma Link sind auf fast allen Kontinenten vertreten, mit Ausnahme Australiens. Besonders stark ist die Präsenz in Süddeutschland sowie in Frankreich, daneben auch in Ländern wie China, Japan, Korea, Chile, Argentinien, Brasilien und Indien.
Werke (Auswahl) Jahr Opus Ort Kirche Bild Manuale Register Bemerkungen 1851 1 Giengen an der Brenz Evangelische Stadtkirche II/P 37 1906 durch Neubau der Firma Link ersetzt (op. 450)18537GerstettenMichaelskirchezentriert|160x160pxII/P13umgebaut 1937, restauriert 1994, überholt 2021→ Orgel1853/5413Scharenstetten, Gemeinde DornstadtLaurentiuskirche160x160pxI/P9Unter Verwendung von fünf Registern der Vorgängerorgel, ist in der originalen Werkliste unter dem Jahr 1858 gelistet; wurde 1979 generalüberholt.→ Orgel185610BeimerstettenPetruskirche160x160pxII/P15Ursprünglich 12 Register. 1980 von Link um drei Register erweitert.Disposition und Klangbeispiel bei www.ulmer-orgeln.de1859Urspring, Gemeinde LonseeJohanneskirchezentriert|160x160pxI/P9 → Orgel186023WesterstettenSt. MartinII/P111934 wurde eine neue Orgel durch Orgelbau Späth errichtet, in die das komplette Pfeifenwerk der Link-Orgel von 1860 übernommen wurde.186429SchmaleggSt. Nikolaus160x160pxII/P10→ Orgel186541SöhnstettenMartinskirchezentriert|160x160pxII/P14leicht verändert erhalten → Orgel186643Wallhausen-SchainbachSt. Jakobuszentriert|160x160pxI/P7 → Orgel1868FeldkirchJohanniterkircheII/P15in den letzten Jahrzehnten sehr vernachlässigt, aber nahezu original erhalten, 2017/18 restauriert und in die Neue Pfarrkirche Tisis umgesetzthttps://www.kath-kirche-vorarlberg.at/pfarren/feldkirch-tisis/links-dateien/pfarrbrief-mai-bis-sept-2018187157Stetten ob Lontal, Gemeinde NiederstotzingenWallfahrtskirche Mariä HimmelfahrtII/P82008 von Orgelbau Dirk Banzhaf (Bergenweiler) restauriert -> Orgel188084HaßlochLutherkircheI/P81934 Umbau durch Weigle, 2005 Restaurierung und Erweiterung durch Link1881AlfdorfStephanuskirchezentriert|160x160pxII/P15von Link ursprünglich für die Württembergische Landes-Gewerbe-Ausstellung in Stuttgart 1881 gebaut, danach von der Kirchengemeinde Alfdorf aufgekauft. 1966 durch neues Instrument von Kurt Oesterle ersetzt. Prospekt erhalten.188291Sinabronn, Gemeinde LonseeJakobuskirchezentriert|160x160pxI/P51962 Umdisponierung → Orgel1883MähringenMaria-, Peter- und Paul-KircheI/P81964 durch Link auf die hintere Empore umgesetzt, das neogotische Gehäuse wurde dabei entfernt und die Orgel unter Ergänzung eines Pedalregisters klanglich aufgehellt. 2006 durch Link wieder in den romantischen Zustand restauriert → Orgel188389Dietingen, Gemeinde BlausteinSt. Martin160x160pxI/P81991 durch Link restauriertChristoph Naacke: 150 Jahre Orgelbau Link, Verlag Freiburger Musikforum, 2001Disposition und Klangbeispiel bei www.ulmer-orgeln.de1885118BallendorfSt. MartinI/P7restauriert 1982 → Orgel1886123Aalen / Krakau-RzaskaStadtkirche / St. Antonius von PaduaII/P, später III/P30, später 381947 und 1959 durch Link umgebaut nach Plänen von Helmut Bornefeld. 2009 durch neues Instrument von Orgelbau Rieger ersetzt, das alte Instrument wurde 2008 an die katholische Kirchengemeinde Antonius von Padua in Krakau-Rzaska verkauft und von Andrzej Buła in Zusammenarbeit mit Jan Jamrog umgesetzt, überholt und mit einem neuen Prospekt wieder aufgebaut. Dabei wurden einige Register ausgetauscht, Chöre von Aliquoten stillgelegt oder hochliegende Aliquoten umgestimmt. → Orgel1888135KönigsbronnEvangelische Kirche (Klosterkirche)160x160pxII/P12→ Orgel1889152Bad WaldseeEvangelische Kirchezentriert|160x160pxII/P81956 umgebaut und erweitert, heute 13 Register1891171Mirepoix (Ariège)Cathédrale Saint-Mauricezentriert|160x160pxIII/P40Die größte Orgel von Link in Frankreich1893198BopfingenStadtkirche St. BlasiusII/P191974 durch einen Neubau des Orgelbauers Konrad Koch ersetzt1893213ÖllingenUlrichskirchezentriert|160x160pxI/P10im Gehäuse von G. F. Schmahl; überholt 1976→ Orgel1894219ParisEvangelisch-Lutherische Gemeinde160x160px1897234CharleroiÉglise Saint-Joseph (Broucheterre)160x160pxII/P7→Bilder1897279SetzingenBartholomäuskirche160x160pxII/P9erhalten; 1977 um zwei Register erweitert1897PlüderhausenMargaretenkirchezentriert|160x160px1959 umgebaut und erweitert durch Link, 2012 ersetzt durch neue Orgel von Richard Rensch. Historisches Gehäuse erhalten. 1899308Mesvin (Belgien)Kirche Saint-VincentII/P241899319UlmChristuskirche160x160px|Link op. 319II/P181977 durch Link op. 956 ersetzt. Gehäuse teilweise erhalten.Disposition und Einzeldarstellung bei www.ulmer-orgeln.de1902363Langenau-AlbeckJakobuskirchezentriert|160x160pxI/P10→ Orgel1905308Verviers (Belgien)Kirche Saint-AntoineII/P301906450Giengen an der BrenzEvangelische Stadtkirche160x160pxIII/P51Eine der wenigen großen romantischen Orgeln in Württemberg→ Orgel1907463RudersbergJohanneskirchezentriert|160x160pxII/P162009 Restaurierung auf den Originalzustand durch Mühleisen Orgelbau (Leonberg)→ Orgel1907LangenauMartinskirchezentriert|160x160pxII/P32Neues Instrument hinter historischem Orgelprospekt von Georg Friedrich Schmahl 1964-66 von Helmut Bornefeld im Sinne der Orgelbewegung umgebaut und verändert 2013 durch Neubau von Lenter ersetzt, einzelne Register wurden in die neue Orgel übernommen