mini|Geschleppter Log boom am Fraser River, nahe der Mündung bei Vancouver, Kanada (2006) mini|Ludovico Wolfgang Hart: Vorbereitung einer Schwallung (Trift) auf der Wolf im Schwarzwald (1864)

Flößerei und Trift (von „treiben“ im Sinne von „treiben lassen“) bedeuten Transport von schwimmenden Baumstämmen, Scheitholz oder Schnittholz auf Wasserstraßen, wie er in Deutschland bis etwa zum Beginn des 20. Jahrhunderts üblich war und regional noch bis Ende der 1950er Jahre. Wenn das Holz zusammengebunden ist, heißt es Flößen, ansonsten Triften. Das Flößen wird auch als Schwemmen oder Holzschwemmen bezeichnet.

Hochgelegene Schwemmteiche speicherten Wasser, das abgelassen wurde, um die Trift an kleinen Wasserläufen zu ermöglichen. In der Nähe von Verarbeitungsbetrieben bestanden teilweise Schwemmteiche, die der Nasslagerung von Stämmen dienten, so etwa der Holzschwemmteich Wiederitzsch in Leipzig.

Die Flößer banden Baumstämme zu sogenannten Gestören und transportierten auf diese Weise große Holzmengen. Dabei wurden Salze aus dem Holz gewaschen, so dass es sich bei der späteren Trocknung weniger verwarf. Die Fahrt durch Wehre war allerdings gefährlich, die Höhenunterschiede zwischen einzelnen Holzstämmen betrugen manchmal über einen Meter, und der Flößer geriet tief ins Wasser. Hinter dem Wehr befanden sich oft Strudel und Untiefen. Auch Helfer standen dort bereit, um im Notfall Hilfe zu leisten.

Im Dezember 2022 erklärte die UNESCO die Flößerei zum immateriellen Kulturerbe der Menschheit.

Geschichte mini|Darstellung der Flößerei am Oberrhein, um 1600. Bortfloß mit Brettern als OblastScheifele: Die Murgschifferschaft. 1988, S. 177. mini|Finnland (1930er Jahre) mini|Wappen von Elvershausen

Altertum, Mittelmeerraum mini|Traunsee (1906)

Das Alte Testament erwähnt, dass Hiram, der König von Tyros, Zedern- und Tannenholz in Form von Flößen übers Mittelmeer an den König Salomo lieferte, der sein Großreich Israel von ca. 965 v. Chr. bis ca. 926 v. Chr. regiert haben soll. Theophrastus (Hist. Plant. 5.8.2) berichtete, dass die Römer mit einem Floß mit fünfzig Segeln von der Insel Korsika Bauholz heranbrachten.Casson, Lionel (1995): „Ships and Seamanship in the Ancient World“, Johns Hopkins University Press, ISBN 978-0-8018-5130-8, S. 4, Fn. 2

Altertum und Mittelalter, Deutschland Julius Cäsar schrieb, die Helvetier hätten den Rhein mit Flößen überquert. Andere Schriften berichten, dass die Magyaren bei ihren Einfällen im Jahre 926 im Schwarzwald Holz für Flöße und Fähren schlugen.

Ein Dokument aus der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts (ca. 1173/1174) im Bayerischen Hauptstaatsarchiv gibt Auskunft über die Höhe der Abgaben, die Mittenwalder Flößer dem Kloster Schäftlarn zu leisten hatten. Eine andere Urkunde in lateinischer Sprache aus dem Jahr 1258 erwähnt die Flößerei auf der Saale und im Archiv der Stadt Heilbronn erwähnt eine Urkunde vom 17. Februar 1342 die Flößerei. Die älteste erhaltene Floßordnung stammt aus dem Jahr 1310. Der Münchner Rat hatte sie für die Isar erlassen und regelte darin den gesamten Handel mit Holz, das über den Fluss in die Stadt gelangte.

Neuzeit, Deutschland Steigende Bevölkerungszahlen zum Ende des Mittelalters und der aufkommende Schiffbau führten zu einer Holznot. Im 18. Jahrhundert wurde neben Bauholz noch viel mehr Brennholz von weit her transportiert, d. h. auch krumme und verwachsene Stämme. Die Flößerei erhielt einen starken Aufschwung bis zur zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, als die Industrialisierung in vollem Gange, das Wegenetz jedoch noch nicht in heutigem Umfang ausgebaut war. Das änderte sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als Eisenbahn und Lastkraftwagen einen schonenderen und schnelleren Holztransport auch an Orte ermöglichten, die nicht am Fluss lagen (siehe auch Geschichte der Eisenbahn, Geschichte der Eisenbahn in Deutschland). Die Flößerei verschwand von den Flüssen, nur die Langholzflößerei hielt sich etwas länger als die Trift. Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Flößerei nur noch von regionaler Bedeutung, so z. B. auf dem Finowkanal, verschwand aber bis Ende der 1960er Jahre fast vollständig. Es gab nur noch eine kurze Renaissance in der DDR in den 1980er Jahren, als es in der Planwirtschaft zu Lieferengpässen kam. Bis zum Ende der DDR wurde das Sägewerk Werbellinsee ausschließlich durch geflößtes Holz beschickt, das Langholz wurde direkt neben dem Sägewerk oder an der Holzablage Michen, heute eine Badestelle, ins Wasser gelassen. Die Förderanlage der Sägegatter zog das geflößte Langholz direkt aus dem See.

Im Dezember 2014 wurde die Flößerei als Kulturform in das Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes in Deutschland aufgenommen. Kultusministerkonferenz

Trift mini|Triftwehr auf der Wieslauter in der Pfalz mini|Trift in der Kaiserklamm

Die Trift ist die Vorform der Flößerei mit ungebundenen Baumstämmen. Man warf das Holz in den Fluss, ließ es im Wasser abwärts treiben und brachte es wieder an Land. Meistens wurde Brennholz so behandelt, Wertholz dagegen wurde unter Aufsicht geflößt. Getriftet wurde vor allem bei Hochwasser im Frühjahr und im Herbst. 2 bis 3 % der Holzmenge versank dabei oder ging auf andere Weise verloren. Für die Nutzung eines Gewässers zur Trift konnten detaillierte behördliche Regelwerke bestehen, um Gebäude und Brücken am Triftgewässer zu schützen.

Zur Trift wurden auch eigens Gräben angelegt. Der Elsterfloßgraben ist 93 km lang und versorgte u. a. Merseburg und Leipzig mit Brennholz.

Im Unterschied zu größeren Flüssen, die ohne zusätzliche Anlagen zur Flößerei geeignet sind, hatten die Triftbäche im Mittel- und Hochgebirge oft zu enge Kurven und zu wenig Wasser. Dann wurden Wasserspeicher, Teiche und Stauseen angelegt. Diese wurden – je nach Landschaft – als Klausen, Wooge, Wasser-/Schwellstuben, Schwellweiher, Schwallungen, Floßteiche, Schleusen oder Treibseen bezeichnet. Darin oder etwas talabwärts am Ufer wurde das Holz vorgesammelt und erst beim Einsetzen des Hochwassers, zum Beispiel bei der Schneeschmelze, in einem Wasserschwall auf den Weg gebracht.

Um sie vor Schäden während der Trift zu bewahren, wurden die am Lauf gelegenen Mühlen, Säge- und Hammerwerke abgesperrt und deren Betreiber von den Forstunternehmern für den Ausfall entschädigt.

Die Trift verschwand gleichzeitig mit der Flößerei in der Mitte des 20. Jahrhunderts von den deutschen Wasserläufen.Stephan Bammer und Claus Eder: Holzwirtschaft entlang der Isar. Lenggries 2004, ISBN 3-9805665-8-7, S. 58.

Verbreitung

Im Donauraum waren Holzschwemmanlagen und Flößerei stark verbreitet, so beispielsweise:

aus Böhmen über den Schwarzenbergschen Schwemmkanal aus dem Mühlviertel in Oberösterreich, mit Holzschwemme (Scheiterschwemme) auf der Aist (1799Siegfried Haider: Geschichte Oberösterreichs. Oldenbourg, München 1987, S. 270. bis 1947), siehe dazu auch Au und Rosenhofer Teiche der Maltsch (vor 1685 bis 1842) der Naarn (1756 bis 1938) dem Sarmingbach (1765) aus dem Waldviertel in Niederösterreich im mittleren Kamptal oberhalb von Rosenburg im Reichraminger Hintergebirge in Oberösterreich, heute NP Kalkalpen mit Waldbahn (bis 1971), Trift (bis 1936), Flöße auf der Enns Seeklause in Steeg, in Bad Goisern am Ausfluss des Hallstättersees, der Traun aus dem Wienerwald mit anschließendem Schiffstransport über den Wiener Neustädter Kanal

Die Floßlendstraße nahe dem rechten Ufer der Mur in Graz zeugt vom Flößen. Wandbilder am Haus Floßlendstraße 44 und Wienerstraße 80 zeigen jeweils ein Floß.

Vom Frankenwald aus wurde die Flößerei ebenfalls intensiv betrieben und führte über Rodach, Main und Rhein bis nach Holland.

Auch im Stromgebiet der Weser (neben der Weser unter anderem Werra, Fulda, Aller, Leine, Harzgebiet) fand eine erwähnenswerte Flößerei statt. Insbesondere die Stadt Hann. Münden profitierte durch diese Art der Holzbeförderung (Stapelrecht).

Im sächsischen Raum wurde auf der Elbe, der Mulde, der Weißen Elster und ihren Nebenflüssen und Bächen, die aus dem Elbsandsteingebirge und dem Erzgebirge (beide waldreich) kommen, Flößerei betrieben. Abnehmer waren neben größeren Siedlungen Erzverhüttungsbetriebe. Erwähnenswert ist der ehemals bedeutende Holzumschlagplatz Pirna.

Die Ausleitung eines Mühlgangs zur Gewinnung von Wasserkraft erfordert ein Wehr quer bis diagonal über einen Fluss. Bei geeigneter Gestaltung des Wehrs, insbesondere mit einer unterwasserseitig abfallenden Rampe, oft aus Holz, und ausreichend Wasserführung oder mit einem kurzzeitig erzeugten Wasserschwall ist ein Wehr für Flöße abwärts passierbar. Auch Ausleitungskraftwerke erhalten graduell die Flößbarkeit eines Flusses.

Mit dem Bau von optimierten Wasserkraftwerken im Fluss selbst wurde jedoch durch extreme Verlangsamung der Strömung im Staubereich und das Stauwerk selbst die Befahrbarkeit mit Flößen unterbrochen.

Mitunter haben Kraftwerke oder Mühlen einen mit mehr oder weniger Wasser beschickbaren Bypass mit abfallender Sohle, der auch als Rutsche für robuste Sportboote, Treibgut oder eben Flöße dienen kann.

Regional

Rhein, Neckar und Nebenflüsse

mini|Lasinsky Koblenz-Ehrenbreitstein, 1828 mini|Wasserstube Nonnenwag in der Nagold, 19. Jh.

Die Flößerei ist im Schwarzwald seit dem frühen Mittelalter überliefert und war dort ein weitverbreiteter Beruf. Mit Wieden zusammengebundene Baumstämme wurden über die Flüsse zum Bestimmungsort bewegt. Die notwendigen Wassermassen wurden in sogenannten Floßstuben oder Schwallungen angestaut und dann zusammen zur Trift mit dem Floß freigegeben. Im Laufe der Jahrhunderte wurden diese Wasserwege über Murg, Nagold, Enz, Kinzig, Neckar und Rhein bis nach Holland erweitert. Die kleinen Seitenbäche wurden zum Teil ebenfalls floßbar gemacht. Für Städte wie Gernsbach, Schiltach und Wolfach wurde die Flößerei zum Haupterwerbszweig und in sogenannten Schifferschaften organisiert. Bis heute existiert die im 15. Jahrhundert gegründete älteste Forstgenossenschaft, die Murgschifferschaft. Im 18. Jahrhundert führte der niederländische Holzbedarf zur Blüte des Holzhandels, aber auch zum Kahlschlag weiter Regionen des Nordschwarzwaldes. Die langen und geradegewachsenen Tannen waren ideal geeignet als Baumaterial für Schiffe und als Rammpfähle, die in den sumpfigen Böden der Niederlande als Fundament für Städte wie Amsterdam und Rotterdam dienten. Besonders große und wertvolle, bis zu 200 Jahre alte Tannen, wurden „Holländer“ genannt.

Während dieser Blütezeit des Holländerholzhandels schwammen kapitale Rheinflöße von Koblenz stromabwärts. Diese gehörten mit 200 bis 400 Metern Länge, 40 bis 80 Metern Breite zu den größten jemals gebauten Flößen. Der Grund konnte so z. B. aus etwa 1700 Stämmen und die Oberlast aus etwa 2000 Stämmen bestehen. Zu ihrer Steuerung wurden 400 bis 500 Mann benötigt, für die riesige Mengen Lebensmittel mitgeführt und Unterkünfte, Küchen, eine Wäscherei, eine Bäckerei, ein Schlachthaus und Viehställe auf dem Floß errichtet wurden.Beschreibung eines großen Rheinfloßes.

Wegen des Ausbaus des Schienen- und Straßennetzes wurde die Flößerei gegen Ende des 19. Jahrhunderts weitgehend eingestellt. Die Flößerei auf dem Rhein endete 1967.Ulrich Neumann: Planet Wissen; abgerufen am 30. Juli 2010.

In den Städten Wolfach, Schiltach und Gengenbach wird die Tradition der Flößer und die Herstellung von Flößen praktisch in Vereinen und auch in Museen wachgehalten. Über die Zeit der Flößerei im Nordschwarzwald berichten auch Sagen und Erzählungen. Eine Erzählung um den Holländer-Michl ist Das kalte Herz von Wilhelm Hauff.

mini|Tübingen