mini|Blick auf das Capitolium von Cosa Cosa war eine römische Kolonie an der Küste Etruriens, in der heutigen südlichen Toskana, bei Ansedonia, einem Stadtteil von Orbetello. Die Reste der Stadt liegen 113 Meter über dem Meeresspiegel und ungefähr 139 km von Rom entfernt. Cosa wurde nach einem orthogonalen Plan auf einer Anhöhe errichtet. Die Stadt hatte ein Forum, ein Capitolium, eine Kurie und Stadtmauern. Die um 150 v. Chr. errichtete Basilika gehört zu den frühesten bekannten römischen Bauten dieses Typs.. Von besonderer Wichtigkeit für die Forschung sind die zahlreichen Wohnbauten. Die Stadt erlebte vor allem in der republikanischen Zeit um 200 bis 70 v. Chr. ihre Blüte und wurde dann zerstört. Der Ort wurde mehrmals neu besiedelt, aber immer wieder verlassen und konnte nie wieder an die alte Bedeutung anknüpfen. Große Teile der Stadt blieben für immer unbesiedelt. Cosa wurde deshalb auch als sporadische Stadt bezeichnet.Im Englischen intermittent, siehe den Titel der Grabungspublikation: E. Fentress: Cosa V: An Intermittent Town. Diese besondere Situation bewahrte der Forschung die gut erhaltenen Reste einer republikanischen Kolonie. Cosa gehört deshalb zu den wichtigsten archäologischen Stätten Italiens.
Geschichte mini|400px|Plan des antiken Cosa mini|Münzprägung von Cosa, auf der Rückseite ist ein Pferd über einem Delfin zu sehen
Aus dem 6. Jahrhundert v. Chr. stammt ein bemaltes, etruskisches Kammergrab, das 1870 bei Cosa gefunden wurde. Das Grab ist heute nicht mehr erhalten und alte Aufzeichnungen dazu sind verloren. Bisher ist das Grab der einzige Beleg von Etruskern in der Umgebung der Stadt.Stephan Steingräber (Hrsg.): Etruskische Wandmalerei. Belser, Stuttgart 1985, ISBN 3-7630-1728-3, S. 284, Nr. 28. Cosa wird von VergilVergil, Aeneis 10, 167. erwähnt und soll Aeneas mit Truppen gegen den etruskischen König Mezentius ausgeholfen haben. Archäologisch gibt es jedoch, von dem Grab abgesehen, keine Zeugnisse aus dieser frühen Zeit. Im Jahr 280 v. Chr. wurde die etruskische Stadt Vulci von den Römern erobert. Sieben Jahre später, 273 v. Chr., wurde Cosa als KolonieTitus Livius, Ab urbe condita, periochae zu Buch 14; Velleius Paterculus, Historia Romana 1, 14, 7. latinischen Rechts auf dem Territorium der etruskischen Stadt gegründet, sicherlich um die römische Herrschaft in dem neu eroberten Gebiet zu festigen. Eine etruskische Vorgängersiedlung, deren Name übernommen wurde, lag vermutlich in der Nähe des heutigen Orbetello. Die Stadt lag auf einem Hügel dicht am Meer mit einem nicht weit entfernten Hafen. Im Stadtgebiet kamen bei Ausgrabungen nur sehr wenige ältere Bebauungen zum Vorschein, die auf keine Vorgängersiedlung schließen lassen.
Die Stadt prägte zu Beginn eigene Münzen, die Mars oder Minerva auf der einen Seite und einen Pferdekopf auf der anderen zeigen. Auf den Münzen des Mars ist unter dem Pferd ein Delfin abgebildet. Das Pferd und der Delfin werden in der Mythologie mit dem Meeresgott Neptun in Verbindung gebracht, was die Bedeutung des Hafens bei der Stadtgründung unterstreicht.Anna Marguerite McCann: Lamps and the Dating of Roman Ports and Ships. In: Morma Wynick Goldman (Hrsg.): New Light from Ancient Cosa. New York 2001, ISBN 0-8204-5141-X, S. 14–15. Vermutlich wurden zu dieser Zeit die monumentale Stadtmauer und um 240 v. Chr. die Kurie errichtet. Im eigentlichen Stadtgebiet gibt es jedoch bisher kaum Reste aus dem dritten Jahrhundert v. Chr. 196 v. Chr. wurde Cosa auf Anfrage der Stadt mit weiteren 1000 Kolonisten verstärkt.Titus Livius, Ab urbe condita 33, 24, 8–9. Anhand der Stadtgröße kann jedoch vermutet werden, dass nicht alle Neuankömmlinge innerhalb der Stadtmauern angesiedelt wurden, viele von ihnen sind vermutlich in das zur Kolonie gehörende Umland gezogen. Wahrscheinlich wurde zu dieser Zeit der rechtwinklige Stadtplan angelegt. Die Wohnbebauung in der Stadt setzt nämlich erst ab etwa dieser Zeit ein und kann mit der Ankunft der neuen Siedler verbunden werden. Es bleibt unsicher, wo die Bevölkerung im dritten vorchristlichen Jahrhunderts lebte. Die Stadt wird sporadisch bei antiken Schriftstellern erwähnt, jedoch selten als Ort wichtiger Ereignisse, sondern eher wegen Ereignisse in der Nähe. So berichtet Titus Livius, dass im Jahr 217 v. Chr. während des Zweiten Punischen Kriegs nahe der Stadt ein Versorgungsschiff auf dem Weg von Ostia nach Spanien von den Puniern gekapert wurde.Titus Livius, Ab urbe condita 22, 11, 6. Rom wurde, im Gegensatz zu einigen anderen Kolonien, in diesem Krieg von Cosa unterstützt.Titus Livius, Ab urbe condita 27, 10, 8–9. Strabon erwähnt die Stadt in seiner Beschreibung Italiens.Strabon, Geographika 5, 2, 8. Nach Plinius gehörte Cosa, das er ausdrücklich als römische Gründung bezeichnet, zur etruskischen Stadt Vulci.Plinius, Naturalis historia 3, 8.
Im zweiten vorchristlichen Jahrhundert erlebte die Stadt ihre bescheidene Blüte. Verschiedene öffentliche Bauten, wie die Basilika und weitere Tempel, wurden jetzt errichtet. Die Familie der Sestii hatte ihren Sitz in Cosa. Die Sestii handelten mit Wein. Das Familienunternehmen wurde im dritten Jahrhundert v. Chr. gegründet und florierte vor allem am Ende des zweiten Jahrhunderts v. Chr. Publius Sestius war im ersten Jahrhundert v. Chr. Politiker und wurde Volkstribun. Die Familie mag in der Villa di Settefinestre, die drei Kilometer von der Stadt entfernt liegt, ihren Landsitz gehabt haben.L. Richardson, jr: Sestius Noster. In: Morma Wynick Goldman (Hrsg.): New Light from Ancient Cosa. New York 2001, ISBN 0-8204-5141-X, S. 49–55.
Um 70 v. Chr. wurde die Stadt vermutlich zerstört und schließlich verlassen. Ausgrabungen im Stadtgebiet zeigen, dass Cosa in der Mitte des ersten Jahrhunderts v. Chr. unbewohnt war. Die Ursachen dafür sind unsicher. Der Ausgräber Frank E. Brown vermutete zunächst, dass dies Folgen der Bürgerkriege waren.Brown: Cosa I, History and Topography. S. 19. Später nahm er an, dass die Stadt Opfer einer Plünderung durch Piraten war.Brown, Richardson, Richardson jr: Cosa III, The Buildings of the Forum. S. 237. Im Jahr 67 v. Chr. besiegte Lucius Gellius Publicola, der Admiral des Gnaeus Pompeius Magnus, Seeräuber, von denen bekannt ist, dass sie die italienische Küste permanent mit Raubzügen überzogen hatten.Brown: Cosa. The Making of a Roman Town. S. 74–75. Das ungefähre Datum der Stadtplünderung ist durch einen Münzhortfund im Haus des Schatzes gegeben, der um 71/70 v. Chr. vergraben wurde. Eine Zerstörung der Stadt ist jedoch nicht wirklich gesichert und es ist auch möglich, dass Cosa im ersten vorchristlichen Jahrhundert einfach an Bedeutung verlor. Zur gleichen Zeit wurden in der Umgebung verschiedene große Villen errichtet, während kleinere Bauernhöfe aufgegeben wurden. Der Hafen von Cosa war weiterhin in Betrieb. Von diesem Ereignis konnte sich Cosa jedoch nie wieder richtig erholen.
Unter Augustus wurde Cosa teilweise wieder aufgebaut. Teile des Forums wurden renoviert und neue Häuser auf den Resten der alten errichtet. Große Teile der Stadt waren aber nicht mehr bewohnt. Nicht wieder bebaute Grundstücke, selbst im Inneren der Stadt, wurden möglicherweise als Gärten genutzt. Die Häuser waren nun zum Teil auch größer, sodass von einer deutlich niedrigeren Bevölkerungszahl ausgegangen werden muss. In der ersten Hälfte des ersten Jahrhunderts n. Chr. gab es ein Erdbeben, bei dem vor allem die Basilika einstürzte. Zwei Inschriften aus der Regierungszeit der Kaiser Claudius und Nero bezeugen ein gewisses kaiserliches Interesse; wahrscheinlich fungierte die Stadt weiterhin als Markt und Verwaltungszentrum für die Villen in der Umgebung.
Auch im zweiten nachchristlichen Jahrhundert bestand der Ort in bescheidenem Umfang fort, verlor aber im dritten Jahrhundert stark an Bedeutung. Unter Kaiser Caracalla kam es zu einigen Umbauten am Forum. Vielleicht sollte der Ort als örtliches Verwaltungszentrum belebt werden. Etwa zu dieser Zeit entstanden ein Heiligtum des Liber Pater und ein Mithräum. Beide Heiligtümer sind architektonisch eher bescheiden und in ältere Bauten hineingebaut. Im vierten Jahrhundert wurde über den Resten der Basilika eine bescheidene christliche Kirche errichtet. Im Jahr 416 beschreibt Rutilius die Stadt als verlassen.Rutilius, Carmen de reditu suo 1, 285–286. Im sechsten Jahrhundert und im Mittelalter befanden sich auf dem Gebiet der Stadt einzelne Gehöfte. Ab dem 9. Jahrhundert trug sie den Namen Ansedonia.
Erforschung mini|Plan der zum Teil ausgegrabenen Insulae Der Ort gilt als eine der wichtigsten archäologischen Stätten Italiens. Die antike Stadt ist nicht modern überbaut. Diese besondere Situation bewahrte für die Forschung die Reste einer römischen Stadt aus republikanischer Zeit. Die Ruinen waren schon lange bekannt; vor allem die Mauern der Stadt sind bis heute gut erhalten und wurden oft gezeichnet und kommentiert. Die Reste eines Tores am Forum wurden schon 1793 von Giorgio Santi gezeichnet. Jedoch erst im Mai 1948 fand eine Begehung der Überreste unter Frank E. Brown statt, bei der alle noch sichtbaren Ruinen vermessen und gezeichnet wurden. Systematische Ausgrabungen gab es von 1948 bis 1954 und von 1965 bis 1972 von der Amerikanischen Akademie in Rom, wiederum unter der Leitung von Frank E. Brown, weitere Grabungen wurden wiederum von der Amerikanischen Akademie in Rom von 1991 bis 1997 durchgeführt. In dieser Zeit wurde das Haus der Diana ausgegraben. Es gab auch diverse kleinere Grabungen über das gesamte Stadtgebiet verteilt, die vor allem den Zweck hatten, die Besiedlungsdauer in verschiedenen Stadtteilen zu erhellen. Auch die Umgebung der Stadt (ager Cosanus) mit ihren Villen, darunter die große Villa di Settefinestre, wurde im Zuge dieses Forschungsprojektes untersucht. Neuere amerikanische Grabungen legten das Bad der Stadt frei, während italienische Grabungen das Haus mit dem Kryptoportikus ausgruben.
Lage Die Stadt befindet sich auf einem Hügel, der sich etwa 100 Meter über den Meeresspiegel erhebt. Dieser Hügel liegt dicht am Meer, östlich der Halbinsel Monte Argentario. Direkt am Fuß des Stadthügels, etwa 600 Meter südöstlich der eigentlichen Stadt, liegt ihr Hafen, der in der Antike Portus Cosanus hieß. Dort gibt es eine Süßwasserquelle, die dem Hafen seine besondere Bedeutung gab, da die meisten in der Region liegenden Häfen über kein Süßwasser verfügten.
Der Stadtplan Cosa wurde nach einem orthogonalen Plan auf einer Anhöhe errichtet, die aber nicht eben war. Ganz im Osten steht ein Hügel (etwa 108 Meter über dem Meeresspiegel), dessen Spitze noch von der Stadtmauer eingeschlossen wird. Ganz im Süden steht mit etwa 113 Meter über dem Meeresspiegel das Kapitol der Stadt. Nach Norden hin fiel das Gelände ab. Politisches Zentrum der Stadt war das Forum, im Osten gelegen. Von dort führte eine Straße zum Nordtor, eine weitere zum Kapitol. Trotz des unregelmäßigen Geländes wurde der Stadtplan streng eingehalten. Die Straßen waren sechs Meter breit. Die Straße, die das Forum mit dem Kapitol verband, besaß jedoch eine größere Breite von 9 Metern. Am Forum und an der breiten Straße standen die größten Häuser der Stadt. Bei der Stadtgründung gab es eine strenge Parzellierung, 24 Grundstücke waren für große Häuser und 224 für kleinere Wohnhäuser reserviert.Fentress: Cosa V: An Intermittent Town, Excavations 1991–1997. S. 23–25. Die Größe der Insulae variierte jedoch. Sie sind im Ostteil der Stadt breiter als im Westteil und 280 römische Fuß lang und 110 bis 115 Fuß breit (etwa 82 × 43 Meter). Insulae im Zentrum der Stadt waren nur 180 Fuß lang.V. J. Bruno, R. T. Scott: Cosa IV, The Houses. S. 3. Die Insulae sind in 10 Einheiten für die Wohnhäuser unterteilt. Diese waren 56 bis 58 römische Fuß lang und 28 bis 30 Fuß breit. In den großen Insulae standen an der Frontseite die Häuser, während die rückwärtigen Grundstücke als Garten, Küchen und Werkstätten benutzt wurden.V. J. Bruno, R. T. Scott: Cosa IV, The Houses. S. 13–14.
Portus Cosanus