Ämter und Harden in Schleswig waren landesherrliche Verwaltungs- und Gerichtsbezirke im Herzogtum Schleswig. Lemmata Amt u. Harde. In: Klaus-Joachim Lorenzen-Schmidt, Ortwin Pelc (Hrsg.): Schleswig-Holstein Lexikon. 2. Aufl., Wachholtz, Neumünster 2006.

Geschichte Die administrativen Strukturen lassen sich ursprünglich auf die übergeordnete zentrale Verwaltung der Landesherren sowie auf die traditionellen lokalen Gemeinschaften zurückführen.Gerret Liebing Schlaber: Hertugdømmet Slesvigs forvaltning. Administrative strukturer og retspleje mellem Ejderen og Kongeåen ca. 1460-1864, Flensburg 2007, S. 18 f. Die frühneuzeitliche Verwaltung des Herzogtums Schleswig gliederte sich in vier Stufen: Die Zentralverwaltung des dänischen Königs beaufsichtigte alle Territorien der Krone. Die königlichen Machtbefugnisse gegen angestammte Privilegien durchzusetzen, war ein langfristiger Prozess und musste auch Rückschritte hinnehmen. Die Befugnisse der Provinzialverwaltung erstreckten sich entweder auf das gesamte Herzogtum Schleswig oder auf beide Herzogtümer Schleswig und Holstein (und ab 1815 Lauenburg) oder nur auf Teile von Schleswig, sofern es in mehrere gleichberechtigte Fürstentümer aufgeteilt war. Die Regionalverwaltung war im Herzogtum Schleswig in ÄmterLiebing Schlaber, Hertugdømmet Slesvigs forvaltning, S. 143–179 eingeteilt, doch diese Gliederung war keineswegs flächendeckend: Adel und Geistlichkeit konnten ihre Besitztümer abseits der landesherrlichen Regionalverwaltung leiten. Ausgenommen blieben auch oktroyierte Köge und die sogenannten Landschaften. Auch Orte mit Stadtrecht standen außerhalb der Ämtergliederung. Ämter und Landschaften waren zusätzlich in Harden gegliedert; geistliche Gebiete bestanden aus Vogteien mit einem variierenden Maß an Selbständigkeit. Kirchspiele übernahmen viele Aufgaben, ihre Grenzen deckten sich jedoch häufig nicht mit den übergeordneten Einheiten. Die gewachsenen Dorfstrukturen bildeten als vierte lokale Ebene die Grundlage des gesamten Systems. Dabei blieben die Grenzen der lokalen Einheiten weitgehend unverändert. Im Extremfall fiel ein Dorf so in sieben unterschiedliche Jurisdiktionen, die die örtliche Zuständigkeit besaßen.Liebing Schlaber, Hertugdømmet Slesvigs forvaltning, S. 19

Ämter Die Konzeption des Amtes als ein landesherrlicher Verwaltungsbezirk hat sich im Heiligen Römischen Reich entwickelt. Zunächst wurden die Ämter in Holstein und dann im 15. und 16. Jahrhundert in Schleswig eingerichtet.Klaus-Joachim Lorenzen-Schmidt, Ortwin Pelc (Hrsg.): Das neue Schleswig-Holstein Lexikon. Wachholtz, Neumünster 2006, Lemma Amt. Im Königreich Dänemark kam es erst nach 1661/62 zur Einführung der Ämterstruktur (siehe auch Verwaltungsgliederung Dänemarks).Liebing Schlaber, Hertugdømmet Slesvigs forvaltning, S. 147 Vom 16. bis ins 19. Jahrhundert bildeten die Ämter die wichtigsten Größen der regionalen Verwaltung.

Ihre Vorläufer waren die Lehen, die um landesherrliche Burgen herum entstanden. In früherer Zeit existierten Syssel. Sie entwickelten sich jedoch nie zu festen administrativen und rechtlichen Einheiten und können nicht als Vorstufe der Lehen angesehen werden. Die Syssel entstanden vermutlich im 9. bis 10. Jahrhundert. Sie verschwanden schon im Mittelalter wieder.Liebing Schlaber, Hertugdømmet Slesvigs forvaltning, S. 143 Die Ursachen dafür sind nicht abschließend zu klären – die Lehen könnten die Syssel im 14. Jahrhundert verdrängt haben, weil deren militärische Funktion für den Landesherrn von großem Interesse war. Der Übergang zwischen Lehns- und Amtsstruktur erfolgte in Schleswig fließend. Bis 1850 machten die Ämter schließlich rund zwei Drittel des Herzogtums aus. Aber Kritiker wie Otto von Blome forderten bereits ihre Abschaffung und eine regionale Verwaltungsreform nach dem Vorbild der Landschaften. Otto von Blohme: Ueber Gemeindewesen. Mit besonderer Rücksicht auf die Herzogthümer Schleswig und Holstein. Perthes & Besser, Hamburg 1832

Harden Harden (dänisch herred) waren untere Verwaltungseinheiten und Gerichtsbezirke. Sie entstanden nach Ende der Wikingerzeit und umrissen ursprünglich nur ein Siedlungsgebiet.Lorenzen-Schmidt/Pelc, Schleswig-Holstein Lexikon Nach dem Waldemar-Erdbuch von 1231 war Nordfriesland in dreizehn Hundertschaften aufgeteilt, die den Namen Harde trugen. Jede Harde wurde mit 100 Bonden (Freie Bauern) gerechnet.Helmut Hess: Chronik von Uelvesbüll. Gemeinde Uelvesbüll, 1985, S. 13f.

Mehrere Harden waren einem Amt unterstellt. Sie verloren ihre Gerichtsbarkeit im Zuge der Entflechtung von Justiz und Verwaltung erst nach Bildung der preußischen Provinz Schleswig-Holstein im Jahr 1867. An ihre Stelle traten als „Polizeidistrikte“ die Hardesvogteibezirke, neben denen auch die (meist adeligen) Gutsbezirke nach wie vor die Polizeiverwaltung ausübten. Mit Einführung der neuen Kreisordnung von 1888 wurde auch die Polizeiverwaltung vom Grundeigentum getrennt und somit die Polizeiverwaltung ganz als allein staatliche Aufgabe erkannt. An die Stelle der ziemlich umfangreichen Hardesvogteibezirke traten nun deutlich kleinere Amtsbezirke, die durchschnittlich nur noch etwa 5 Landgemeinden umfassten. Die Bezeichnung Harde lebt bis heute in den nordfriesischen Landschaftbezeichnungen wie Wiedingharde, Karrharde und Goesharde fort.

Güterdistrikte Im Jahr 1853 fand eine Verwaltungsreform statt, die die noch verbliebenen Güterdistrikte abschaffte. Nach der Gründung der preußischen Provinz Schleswig-Holstein im Jahr 1867 endete diese Verwaltungsstruktur.

Auflistung mini|300px|rechts|Ämter und Harden im Herzogtum Schleswig (1836), vereinfachte Darstellung. Liste der deutschen und – kursiv – dänischen Namen entsprechend der Karte zum Stand 1836:

Amt Hadersleben Haderslev Amt 1a Tyrstrupharde Tyrstrup Herred 1b Haderslebener Harde Haderslev Herred 1c Grammharde Gram Herred 1d Hvidingharde Hviding Herred 1e Norderrangstrupharde Nørre Rangstrup Herred 1f Frösharde Frøs Herred 1g Kalslundharde Kalvslund Herred 1h Gramm und Nybel Güter Gram og Nybøl godser Stadt Hadersleben Købstaden Haderslev

Ämter Apenrade und Lügumkloster Aabenraa og Løgumkloster Amter 2a Süderrangstrupharde Sønder Rangstrup Herred 2b Riesharde Rise Herred 2c Warnitz Birk Varnæs Birk 2d Lügumkloster Birk Løgumkloster Birk mit Flecken Lügumkloster Løgumkloster Stadt Apenrade Købstaden Aabenraa

mini|Tondern 1659

Amt Tondern Tønder Amt 3a Tonderharde Tønder Herred 3b Hoyerharde Højer Herred mit Flecken Hoyer Højer 3c Schluxharde Slogs Herred 3d Karrharde Kær Herred 3e Lundtoftharde Lundtoft Herred 3f Wiedingharde Vidding Herred Wiringhiird 3g Bökingharde Bøking Herred Böökinghiird 3h Landschaft Sylt Landskabet Sild 3i Landschaft Osterland-Föhr Landskabet Østerland Før mit Flecken Wyk Vyk Stadt Tondern Købstaden Tønder

Ämter Norburg und Sonderburg Nordborg og Sønderborg Amter 4a Alsener Norderharde Als Nørre Herred mit Flecken Norburg Nordborg 4b Ærø Harde Ærø Herred mit Flecken Marstal 4c Alsener Süderharde Als Sønder Herred 4d Nübelharde Nybøl Herred 4e Augustenborger Güter Augustenborgske godser Städte Sonderburg und Ærøskøbing Købstæderne Sønderborg og Ærøskøbing

Amt Flensburg Flensborg Amt 5a Wiesharde Vis Herred 5b Uggelharde Ugle Herred 5c Husbyharde Husby Herred 5d Munkbrarupharde Munkbrarup Herred 5e Nieharde Ny Herred 5f Angelner Güterdistrikt Angler Godsdistrikt (nach 1853 Kappelner Harde Kappel Herred) Stadt Flensburg Købstaden Flensborg

Amt Gottorf Gottorp Amt 6a Struxdorfharde Strukstrup Herred 6b Satrupharde Satrup Herred 6c Mohrkirchharde Mårkær Herred 6d Schliesharde und Füsingharde Slis og Fysing Herred 6e Treiaharde Treja Herred 6f Arensharde Arns Herred 6g Kroppharde Krop Herred 6h Vogtei Bollingstedt Fogderiet Bollingsted 6i Schwansens Güterdistrikt Svansens adelige district auf der Halbinsel Schwansen (im Mittelalter Riesebyharde Risby Herred) 6j Johannis Klosterdistrikt Johannis Klosters Distrikt Angeliter Güterdistrikt Angler Godsdistrikt (nach 1853 Kappelner Harde Kappel Herred) Stadt Schleswig Købstaden Slesvig

Ämter Husum und Bredstedt Husum og Bredsted Amter 7a Norderharde Husum Nørre Herred (im Mittelalter Nordergoesharde Nørre Gøs Herred) 7b Süderharde Husum Sønder Herred (im Mittelalter Südergoesharde Sønder Gøs Herred) 7c Vogtei Schwabstedt und Rödemis Fogderiet Svavsted og Rødemis mit Flecken Schwabstedt 7d Landschaft Nordstrand Landskabet Nordstrand eller Øen Nordstrand 7e Landschaft Bredstedt Landskabet Bredsted mit Flecken Bredstedt (im Mittelalter Nordergoesharde Nørre Gøs Herred) 7f Landschaft Eiderstedt östlicher Teil Landskabet Ejdersted 7g Landschaft Eiderstedt westlicher Teil Landskabet Ejdersted 7h Landschaft Pellworm Landskabet Pelvorm Städte Husum, Tönning und Garding Købstæderne Husum, Tønning og Garding

Ämter Hütten und Stapelholm Hytten Amt og Landskabet Stapelholm 8a Hüttener Harde Hytten Herred 8b Hohner Harde (auch Sorgeharde oder Kampharde) Hohn Herred, Sorg Herred eller Kamp Herred 8c Landschaft Stapelholm Landskabet Stabelholm 8d 1. Güterdistrikt Dänischer Wohld Godsdistrikt Jernved 8e 2. Güterdistrikt Dänischer Wohld Godsdistrikt Jernved Städte Friedrichstadt und Eckernförde Købstæderne Frederiksstad og Egernførde

Amt Fehmarn Femern Amt 9a Landschaft Fehmarn mit Flecken Petersdorf Stadt Burg.

Siehe auch Flecken, Oktroy, Birk (Bezirk)

Literatur Gerret Liebing Schlaber: Hertugdømmet Slesvigs forvaltning. Administrative strukturer og retspleje mellem Ejderen og Kongeåen ca. 1460-1864, hrsg. von der Studienabteilung der Dänischen Zentralbibliothek für Südschleswig, Flensburg 2007. ISBN 978-87-89178-65-3 Otto von Blohme: Ueber Gemeindewesen. Mit besonderer Rücksicht auf die Herzogthümer Schleswig und Holstein. Perthes & Besser, Hamburg 1832

Einzelnachweise

Kategorie:Geschichte (Nordschleswig) Kategorie:Geschichte (Südschleswig) Kategorie:Herzogtum Schleswig