Der Flughafen Ankara-Esenboğa (auch Flughafen Esenboğa oder Flughafen Ankara; , oder , ) ist ein türkischer Großflughafen, der im Jahre 1955 eröffnet wurde. Der Flughafen befindet sich in der gleichnamigen Vorstadt Esenboğa. Das Stadtzentrum von Ankara ist 28 Kilometer entfernt und kann mit dem Flughafenbus und Taxis erreicht werden. Die Fahrtzeit liegt bei etwa 30 bis 60 Minuten.

Der Flughafen wurde im ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts erheblich ausgebaut und erneuert. 2018 wurden am Flughafen Ankara-Esenboğa 16.732.651 Passagiere abgefertigt, wovon knapp 87 %, also 14.483.453, auf den in Ankara vergleichsweise starken Inlandsverkehr entfielen. Im Jahr 2019 kam es zu einem deutlichen Rückgang der inländischen Passagierzahlen, weshalb sich das jährliche Passagieraufkommen insgesamt um fast 20 % zum Vorjahr verringerte (13.692.954).

Geschichte Vorgeschichte und Anfänge Der Flughafen Ankara-Esenboğa wurde in den 1950er Jahren gebaut, um den kompletten Zivilflugverkehr des bis dahin gemischt militärisch und zivil genutzten Flughafens Ankara-Güvercinlik zu übernehmen. Der Güvercinlik-Flughafen lässt sich bis auf das Jahr 1912 zurückverfolgen., zuletzt abgerufen am 16. Mai 2011

Der Flughafen Ankara-Güvercinlik diente der Vorgängergesellschaft der Turkish Airlines, der 1933 gegründeten State Airlines Administration, in den Anfangsjahren sowohl als technische wie auch als betriebliche Basis. Sie bediente in den ersten Jahren ihres Bestehens ausschließlich die Strecken von Ankara nach Istanbul und Eskisehir, nach 1947 auch eine Route nach Athen via Istanbul. Die Gesellschaft siedelte mit der Zeit an den größeren Flughafen Istanbul um. Dennoch blieb der Bau eines zivilen Flughafens nicht aus. Der alte Flughafen Güvercinlik sollte der Militärluftfahrt zur Verfügung stehen, der neue ausschließlich Zivilflughafen sein., abgerufen am 16. Mai 2011 , abgerufen am 16. Mai 2011

Für den Bau des Flughafens schloss die türkische Regierung 1947 mit der J.C White Westinghouse Electric International Corporation einen Vertrag zum Bau beziehungsweise Ausbau von zwei Zivilflughäfen im Land, dem heute als Flughafen Istanbul-Atatürk bekannten, damals Yesilköy-Flughafen genannten Flughafen, und dem Flughafen Ankara-Esenboğa. Im Vertrag wurde festgelegt, dass die Westinghouse für die Anlagenausstattung zuständig sein sollte. Die Bauarbeiten wurden 1951 in Angriff genommen und so konnte der Flughafen Ankara-Esenboğa 1955 als zweiter internationaler Flughafen der Türkei eröffnet werden. Der Umbau des Istanbuler Flughafens war bereits früher abgeschlossen worden. Der neue Flughafen nahm ab diesem Datum sämtliche Verkehrsflüge auf, während der alte ausschließlich der türkischen Luftwaffe diente. Noch heute ist der Güvercinlik-Flughafen eine wichtige Basis der Luftwaffe.

Der Flughafen wurde in der Nähe des Ortes Esenboğa errichtet, was zum von Anfang an bestehenden Namen Esenboğa Havalimani oder Ankara Esenboğa Havalimani führte. Der Ortsname Esenboğa bedeutet übersetzt so viel wie gesunder Stier. , abgerufen am 16. Mai 2011 Zu seiner Einweihung bestand der Flughafen Ankara-Esenboğa aus einer Start- und Landebahn, die um ungefähr 1000 Meter verlängert noch heute als Runway 03R/21L fungiert, sowie einem Fluggastgebäude. Der bereits 1954 fertiggestellte Wartungshangar befindet sich weiterhin in Betrieb., abgerufen am 30. Mai 2011

Weitere Entwicklung Ab den 1950er Jahren erlebten die Passagierzahlen in der Türkei und auch in Ankara einen kleinen Boom, doch waren Flüge immer noch einer sehr kleinen Bevölkerungsschicht vorbehalten.

In den Jahrzehnten nach der Eröffnung wurden Bauarbeiten und Erweiterungen hauptsächlich an den Wartungshangars und Maintenance-Anlagen vorgenommen. So errichtete man 1964 einen kleinen Hangar und eine weitere, größere Wartungshalle wurde im Folgejahr fertiggestellt. Auch erhielt der Flughafen 1968 ein Gebäude, in dem eine Lounge sowie eine Erste-Hilfe-Station untergebracht war.

Die Passagierzahlen stiegen in den 1970er und 1980er Jahren sehr stark an, sodass die bestehenden Einrichtungen allmählich ihre Kapazitätsgrenze erreicht hatten. Deshalb erweiterte man in den 1980er Jahren die bestehenden Passagieranlagen erheblich, indem man direkt neben dem bestehenden Terminal einen Anbau errichtete, der für Inlandsflüge genutzt wurde, während internationale Flüge im alten Gebäudeteil untergebracht wurden. Diese Baumaßnahme konnte 1984 abgeschlossen werden. Im gleichen Jahr folgte die Inbetriebnahme der Parallelbahn 03L/21R, welche die Runwaykapazität erweiterte. Diese Ausbauten lagen auf der Linie der Wirtschaftspolitik, die sich seit 1980 begonnen hatte zu ändern. Sie zielte weniger auf eine Ausdehnung und Intensivierung des Binnenmarktes und eine Verbindung der Zentren untereinander als zunehmend auf eine Anbindung an die internationalen Märkte. Baute man zunächst Straßen- und nationale Flugverbindungen aus, so waren es nun verstärkt die internationalen Verbindungen.Z. Sevgen Perker: Reflection of habitat on architecture: Ankara from the Republic proclamation to our days. In: Scientific Research and Essays. 5,19 (2010), S. 2858–2866, hier: S. 2865f.

Im Jahr 1990 wurden ein neuer Kontrollturm sowie ein weiteres Werkstattgebäude errichtet.

Planungen der 1990er Jahre Während die Runwaykapazität mehr als ausreichend war, wurden in den 1990er Jahren die Mängel an dem alten Fluggastgebäude immer deutlicher. Neben dem Faktor, dass sowohl der internationale als auch der nationale Gebäudeabschnitt nach und nach hoffnungslos überlastet waren, stach nach rund 50 Jahren immer stärker der veraltete Bau negativ hervor. Das Gebäude war den Anforderungen der Zeit nicht mehr gewachsen, da es eng und dunkel gebaut war. 1998 beschloss man deshalb den Neubau eines Terminals, der durch ein Build-Operate-Transfer-Projekt finanziert werden sollte. Man führte deshalb noch im selben Jahr erste Ausschreibungen durch.

miniatur|Das neue Fluggastgebäude, landseitig gesehen Im Jahr 1997 wurde am Flughafen zudem der Grundstein für ein neues Simulationszentrum für die Pilotenausbildung gelegt, dessen Einweihung 2002 erfolgte. Auf einer Fläche von 17.000 Quadratmetern finden sich zahlreiche Flugzeugsimulatoren.

Im Januar 2026 wurde eine dritte Start- und Landebahn eröffnet. Die neue Piste ist 3.750 Meter lang. Des Weiteren erfolgte zugleich die Fertigstellung eines neuen 77 Meter hohen Kontrollturms.

Betrieb und Besitzverhältnisse Konzessionsvertrag Der Flughafen Ankara-Esenboğa befindet sich im Besitz des staatlichen Flughafenbetreibers Devlet Hava Meydanlari Isletmesi (DHMI), der im Jahr 2011 alle 32 Verkehrsflughäfen der Türkei besaß., abgerufen am 16. Mai 2011 An den meisten Flughäfen zeichnet Devlet Hava Meydanlari Isletmesi auch direkt für den Betrieb verantwortlich, an einigen der großen Flughäfen des Landes, darunter auch am Flughafen Ankara-Esenboğa, funktioniert der Betrieb jedoch über ein Betreibermodell (auch BOT oder Build-Operate-Transfer-Verfahren genannt). Dabei baut oder erweitert eine private Gesellschaft ein Terminal oder die Anlagen an einem bestehenden Flughafen und darf sie eine bestimmte Zeit lang betreiben. Nach einem vereinbarten Zeitraum wird das Terminal mit den Anlagen an den Staat, respektive dessen Flughafenbetreiber DHMI übergeben.

miniatur|Das neue Terminal, das 2006 eröffnet wurde Auch am Esenboğa-Flughafen wird der Betrieb durch ein BOT-Verfahren gestaltet. Das neuerrichtete, verbundene internationale und nationale Terminal, das sämtlichen Passagierluftverkehr aufnimmt, wurde durch ein solches Verfahren mit dem Unternehmen TAV Airports Holding gebaut und betrieben.

Handling und Abfertigung Das Handling, die Bodendienste und die Abfertigung am neuen Terminal werden durch die drei Dienstleistungsfirmen TGS, Havaalanlari Yer Hizmetleri A.S. (HAVAS) , abgerufen am 19. Mai 2011 und Çelebi Ground Handling erbracht, die mit TAV Airports einen Vertrag unterzeichnet haben. Nachdem der Enkelsohn Bekir Çelebi auf eigenen Wunsch das Unternehmen verlassen hat und somit auf die Stelle als CEO verzichtet, hat das Unternehmen 13,48 % im Index verloren. Die Familie berichtet, dass das Portfolio am Flughafen Frankfurt/Main und München ausgebaut wird., abgerufen am 16. Mai 2011

Terminals Altes Terminal mini|Vorfeld des alten Terminals im Jahr 2005 Das alte Terminal des Flughafens, inzwischen im Passagierdienst nicht mehr genutzt, war über fünf Jahrzehnte das einzige Passagierterminal am Flughafen, bis es im Herbst 2006 durch den Neubau ersetzt wurde. Das Gebäude, das bislang nicht abgerissen wurde, liegt nordöstlich des neuen Terminals. Der Bau wurde seit seiner Eröffnung gebäudeseitig mit Ausnahme des Anbaus in den 1980er Jahren kaum ausgebaut, lediglich die Vorfelder waren in alle Richtungen erweitert worden. Das Einsteigen in die Flugzeuge erfolgte mangels Fluggastbrücken immer über Treppen.

Wegen seines Alters und weil es kaum modernisiert worden war, war es bei den Passagieren schon Jahre vor der Schließung äußerst unbeliebt. Sie bemängelten vor allem seine Enge und das wenige Tageslicht, das in den Bau eindrang sowie die veralteten Räume. Die Kapazität lag bei rund 2 Millionen Passagieren im Jahr, jedoch überstiegen die erreichten Zahlen in den letzten Betriebsjahren mitunter die Grenze von über vier Millionen Passagieren im Jahr, was ein Doppeltes der Kapazität war. Das Terminal war dadurch überfüllt und überlastet.

Nach dem Wegfall des Passagierverkehrs werden das alte Terminal und sein Vorfeld jedoch für gelegentliche Sonderaufgaben und andere Serviceleistungen, wie eine medizinische Station, vorgehalten (Stand: 2011)., abgerufen am 19. Mai 2011

Neues Terminal mini|rechts|Neues Terminal von der Startbahn aus gesehen. Im September 2004 unterzeichnete TAV Airports mit der staatlichen DHMI einen Vertrag zum Neubau eines Terminals nach dem Build-Operate-Transfer-Konzept. Das heißt, dass TAV auf dem staatlichen Flughafen Ankara ein neues Terminal bauen konnte, um dieses anschließend zu betreiben, bis die vereinbarte Frist abgelaufen ist, ab der das neue Terminal und der Flughafen wieder durch DHMI betrieben wird. Man vereinbarte eine Bauzeit von drei Jahren sowie einen anschließenden Betrieb durch TAV Airports von 15 Jahren und acht Monaten.

Die Bauarbeiten wurden im selben Monat wie Vertragsunterzeichnung aufgenommen, September, und zwar am 24. September 2004. Neben dem Terminal wurde im Vertrag auch noch der Bau eines neuen Parkhauses direkt vor dem neuen Fluggastgebäude.

Der Bau des neuen Terminals und des Parkhauses, an dem zahlreiche namhafte Baufirmen beteiligt waren, ging schneller vonstatten als geplant und benötigte statt der 36 veranschlagten Monate lediglich 24 Monate. TAV Airports konnte jedoch vereinbaren, die Eröffnung vorzuziehen und gleichzeitig die beim Bau nicht benötigte Zeit als zusätzliche Betriebszeit vor dem Transfer an DHMI zu nutzen. , zuletzt abgerufen am 19. Mai 2011 Die Baukosten beliefen sich auf umgerechnet 189 Millionen Euro.Emre Basaran: Experience of Turkey in Public Private Partnerships for Infrastructure Development. Ankara o. J., S. 11.

Der Vertrag sah vor, dass das Gebäude 16 Jahre und sieben Monate lang durch TAV Airports betrieben wird, bis es im Mai 2023 an DHMI fällt., abgerufen am 16. Mai 2011DHMI: Im Dezember 2022 wurde der Nutzungsvertrag jedoch bis 2050 verlängert. Um den Energieverbrauch zu verringern, wurde die Einrichtung einer in die Fassade integrierten Solaranlage vorgesehen.Ayþe Neþen Sürmeli, Melis Gürbüzbalaban, Ugur Gürsat Yalçiner: Passive Solar Control - A methodology for the Promotion of environmental conscious design of Ankara Airport. In: Built environment and information technologies. Ankara 2006, S. 543–553.