Indische KinospielfilmproduktionBis 1985: Ashish Rajadhyaksha, Paul Willemen: Encyclopaedia of Indian Cinema. revised edition. Oxford University Press, New Delhi 1999, S. 30–32. Ab 1995: (PDF) Screen Digest, Juni 2006, S. 205–207, abgerufen am 3. Oktober 2015. Jahr Anzahl 1935 233 1945 99 1955 288 1965 323 1975 471 1985 905 1995 795 2002 1.200 2003 877 2004 934 2005 1.04120061.09120071.14620081.32520091.28820101.27420111.25520121.60220131.72420141.86820151.907 Als Indischer Film werden die Filmproduktionen auf dem Gebiet des heutigen Staates Indien bezeichnet. Im weiteren, entstehungshistorischen Sinn können aber auch die Produktionen des gesamten Subkontinents darunter verstanden werden. Noch vor dem US-amerikanischen Film ist der indische Film in der Anzahl seiner Jahresproduktionen weltweit führend.

Während für den US-amerikanischen Film die weltweite Dominanz der dortigen Filmindustrie die Ursache ist, liegen die hohen Produktionszahlen des indischen Films an dessen sprachlicher Diversität, die eher der europäischen vergleichbar ist, und an der großen Anzahl regelmäßiger Kinobesucher allein in Indien selbst bei dort günstigen Eintrittspreisen.

Die Produktionskosten sind gemessen am Weltmaßstab niedrig, doch sie steigen ebenso stetig. Eine am westlichen Vorbild orientierte Vermarktung von Stars und Filmen sorgt jedoch für hohe Besucherzahlen und guten Umsatz und Profit bei noch attraktiven Eintrittspreisen.

Geschichte Die Anfänge 1896–1918 Die Geschichte des Films in Indien begann am 7. Juli 1896 mit der ersten Cinematograph-Aufführung von Filmen der Brüder Lumière in Watson’s Hotel in Bombay. Ab 1898 drehte der Bengale Hiralal Sen Theateraufführungen ab, doch erst im Dezember 1901 wurde die erste indische Dokumentaraufnahme eines aktuellpolitischen Ereignisses durch Harishchandra Sakharam Bhatavdekar gemacht. Neben kurzen Dokumentarfilmen entstanden in den ersten Jahren auch Theaterfilme. Es wurden Teile von Theaterstücken aus einer fixen Kameraposition abgefilmt, die dann als Pausenfüller oder im Anschluss an Vorstellungen als zusätzliche Attraktion in Theatern gezeigt wurden. Eines der ersten seiner Art, das sich auch auf Filmproduktion und Aufführung spezialisierte, war die von Jamshedji Framji Madan in Calcutta gegründete Madan Theatre Company mit dem ersten festen Kino 1907. Diese Institution entwickelt sich bis gegen Ende der Stummfilmzeit zur führende Kinokette und Filmproduktion des gesamten indischen Subkontinents von Ceylon bis Birma.

Das traditionelle indische Theater war eine Mischung aus Schauspiel, Tanz und Gesang. Dass diese dem Publikum vertrauten Komponenten später fließend in die Struktur auch der indischen Filme eingegangen sind, war deshalb nur natürlich.

Als Beginn des indischen Spielfilms gilt der 1912 gedrehte und am 3. Mai 1913 öffentlich uraufgeführte, mythologische Film Raja Harishchandra von Dhundiraj Govind Phalke. Er war im Gegensatz zu den anderen Streifen nicht bloß die Abfilmung einer Theateraufführung, sondern ein originäres Werk. Der Film war ein Erfolg, da das Publikum in Film erstmals eine Geschichte zu sehen bekam, die ihnen vertraut war. Der mythologische Film dominierte die Frühzeit des indischen Kinos. Frauen traten, wie auch beim Theater, nur selten als Darsteller in Erscheinung, da der Schauspielerberuf bei Frauen in der indischen Gesellschaft noch als anrüchig angesehen wurde.

Hochzeit des Stummfilms 1918–1931 Gegen 1918 gehörte Phalke zu den führenden Filmregisseuren und -produzenten, doch seine mythologischen Streifen wurden zunehmend von action-orientierten Filmen und Melodramen verdrängt. Die Filmproduktion stieg beträchtlich und das Starsystem begann sich durchzusetzen. 1918 wurde der Indian Cinematograph Act von der britischen Kolonialregierung erlassen und 1919 die Zensur eingeführt, die insbesondere Gewaltszenen herauskürzen ließ, um dem indischen Nationalismus Einhalt zu gebieten.

Es wurden handlungsbedingt vor allem in Melodramen mehr und mehr Frauen im Film benötigt und dieser Bedarf wurde zumeist durch Anglo-Inderinnen gedeckt. Der Kontrast ihrer dunklen Augen und vergleichsweise hellen Haut war für das Schwarzweißkino dieser Zeit ebenfalls vorteilhaft. Sie entsprachen dem indischen Schönheitsideal des „fair teint“, was zur Etablierung von Stars führte. Dies machte sich die indische Filmindustrie zunutze und verkaufte ihre Filme fortan unter dem Label ihrer Hauptdarsteller.

1925 begann eine fruchtbare deutsch-indische Zusammenarbeit zwischen Franz Osten, einem Regisseur der Münchner Filmproduktionsgesellschaft Emelka, und dem Rechtsanwalt und Hobbyschauspieler Himansu Rai. Osten als Regisseur und Rai als Produzent schufen gemeinsam die drei Stummfilme Die Leuchte Asiens (1925), Das Grabmal einer großen Liebe (1928) und Schicksalswürfel (1929), die heute zu den 10 bis 12, meist nur noch fragmentarisch erhaltenen, indischen Stummfilmen aus einer Gesamtproduktion von mehr als 1268 Stummfilmen (Gesamtzahl: seit 1918 nach Zensurkarten beim National Film Archive of India) gehören. Sie hatten das historische Glück, in ausländischen Filmarchiven zu überleben, da sie für einen außerindischen Markt produziert wurden und weltweite Verbreitung fanden.

Schauspieler: Patience Cooper, Durgadas Bannerjee, Sulochana, Seeta Devi, Fatma Begum, Zubeida, Dhiren Ganguly, Dinshaw Bilimoria

Regisseure: Dhundiraj Govind Phalke, Baburao Painter, Dhiren Ganguly, Chandulal Shah, V. Shantaram

Früher Tonfilm der 1930er und 1940er Jahre – Etablierung des Studiosystems Nach der Veröffentlichung des ersten Tonfilms in Indien, Alam Ara, am 14. März 1931 gab es einen Produktionsschub. Das Studiosystem gelangte zu seiner Blüte, das System von Produktion plus Vertrieb in der Hand jeweils einer einzigen Gesellschaft setzte sich als zukunftsfähig durch.

Die führenden Firmen waren:siehe hierzu auch: Brian Shoesmith: In T. O’Regan, B. Shoesmith (Hrsg.): History on/and/in Film. History & Film Association of Australia, Perth 1987, S. 68–75. Bombay Talkies (gegründet 1934 in Bombay von Himansu Rai) New Theatres (gegründet 1930 in Calcutta von B. N. Sircar) Prabhat Film Company (gegründet 1929 in Kolhapur von V. Shantaram, Vishnupant Damle, Sheikh Fattelal, Keshavrao Dhaiber und Sitarampant Kulkarni) und Ranjit Movietone (gegründet 1929 in Bombay von Chandulal Shah und Gohar Mamajiwala).

Schauspieler: Devika Rani, Ashok Kumar, Durga Khote, Prithviraj Kapoor, K. L. Saigal, Kanan Devi

Regisseure: P. C. Barua, Nitin Bose, Mehboob Khan, Sohrab Modi

Der erste auf einem internationalen Filmfestival aufgeführte indische Film war Sant Tukaram (1936) von Vishnupant Govind Damle und Sheikh Fattelal, der auf dem Filmfestival in Venedig 1937 gezeigt wurde.

Regionale Kinoproduktionen miniatur|links|Ungefähre Verteilung der Filmproduktionen der 1990er Jahre auf die jeweiligen Sprachen Der „indische Film“ ist ein Sammelbegriff für die einzelnen regionalsprachlichen Filmindustrien. Diese unterscheiden sich sowohl in den vorherrschenden Sujets als auch ihren Stars voneinander. Ein Austausch untereinander hat aber immer stattgefunden. Schauspieler und Regisseure haben von Beginn an manchmal auch in Filmen anderer Sprachen mitgewirkt, oder sind gänzlich in die anderen Produktionsstrukturen gewechselt.

Hindi-Film Hindi-FilmproduktionenAshish Rajadhyaksha, Paul Willemen: Encyclopaedia of Indian Cinema. revised edition. Oxford University Press, New Delhi 1999, S. 30–32 Jahr Anzahl 1935 154 1945 73 1955 125 1965 98 1975 119 1985 185 1995 157 Die Hindi-Filmindustrie hat ihr Produktionszentrum in Mumbai und ist unter dem Namen Bollywood bekannt.

Schauspieler: Ashok Kumar, Raj Kapoor, Dilip Kumar, Dev Anand, Sunil Dutt, Dharmendra, Nargis, Nutan, Waheeda Rehman, Meena Kumari, Rajesh Khanna, Amitabh Bachchan, Anupam Kher, Sanjay Dutt, Sridevi, Rekha, Shahrukh Khan, Salman Khan, Saif Ali Khan, John Abraham, Rani Mukherjee, Preity Zinta, Aamir Khan, Aishwarya Rai, Madhuri Dixit, Kajol, Kriti Sanon, Janhvi Kapoor

Regisseure: Guru Dutt, Bimal Roy, Raj Kapoor, Baldev Raj Chopra, Yash Chopra, Mani Ratnam, Ram Gopal Varma, Karan Johar, Hrishikesh Mukherjee, Om Raut, Sanjay Leela Bhansali

Tamilischer Film Tamil-Filmproduktionen Jahr Anzahl 1935 38 1945 11 1955 46 1965 56 1975 70 1985 190 1995 165 Die tamilische Filmindustrie sitzt in Kodambakkam in Chennai. Sie wird auch Kollywood genannt.

Schauspieler: M. G. Ramachandran, Sivaji Ganesan, Gemini Ganesan, Sridevi, Kamal Haasan Rajinikanth, Madhavan, Vijay

Regisseure: Mani Ratnam

Telugu-Film Telugu-Filmproduktionen Jahr Anzahl 1935 7 1945 5 1955 24 1965 50 1975 88 1985 198 1995 168 Die Telugu-Filmindustrie hat ihr Zentrum in Hyderabad.

Schauspieler: A. Nageswara Rao, N. T. Rama Rao, Anushka Shetty, Prabhas, Ramya Krishnan

Regisseure: K. Viswanath, T. Prakash Rao, S. S. Rajamouli

Malayalam-Film Der Malayalam-Film kommt aus Thiruvananthapuram.

Schauspieler: Mammootty, Gopi, Mohanlal

Regisseure: Ramu Kariat, Adoor Gopalakrishnan, M. T. Vasudevan Nair

Kannada-Film Die Produktionen des Kannada-Films entstehen im Bundesstaat Karnataka in Bengaluru.

Schauspieler: Rajkumar, Pandharibai

Regisseure: Girish Karnad

Bengalischer Film miniatur|Szene aus Dena Paona (1931), dem ersten bengalischen Tonfilm Der bengalische Film wird im Stadtteil Tollygunge in Kalkutta produziert.

Schauspieler: Uttam Kumar, Suchitra Sen, Utpal Dutt, Soumitra Chattopadhyay

Regisseure: Tapan Sinha, Ajoy Kar, Aparna Sen, Rituparno Ghosh, Gautam Ghosh

Marathischer Film Das Zentrum der marathischen Filmindustrie war in den 1920er und 1930er Jahren in den Städten Kolhapur und Pune. Wichtige Filmpersönlichkeiten gingen aus der Maharashtra Film Company und der Prahat Film Company hervor, darunter V. Shantaram. Heute entstehen die Produktionen größtenteils in Mumbai.

Oriya-Film Zu den bekanntesten Vertretern des Oriya-Films gehören der Regisseur Nitai Palit, der Regisseur und Schauspieler Prashanta Nanda und die Schauspielerin Jharana Das.

Indische Filme von Auslandsindern und westlichen Regisseuren Die Filme von Auslandsindern sind überwiegend im Ausland produziert und meist in englischer Sprache. Sie behandeln häufig Themen von Auslandsindern oder Nicht-Indern indischer Herkunft, aber auch politisch und soziokulturell Brisantes auf dem Subkontinent. Damit sind sie zwar keine indischen Filme im eigentlichen Sinne, doch als Randerscheinung mit Inspirationen aus dem indischen Film artverwandt. Während diese Filme in Europa und in den USA in der Rezeption durchaus wahrgenommen werden, spielen sie in Indien selbst kaum eine bis keine Rolle. Zu den bekanntesten indischstämmigen Regisseuren dieser Filme gehören Mira Nair, Gurinder Chadha, Shekhar Kapur und Deepa Mehta sowie der Produzent Ismail Merchant.

Daneben ist Indien mit seiner Geschichte und hinduistisch dominierten Kultur – wie schon bei den deutsch-indischen Produktionen der 1920er Jahre – auch eine attraktive Themenquelle für westliche Filmemacher. Gemeinsam mit Ismail Merchant drehte James Ivory seit den 1960er Jahren mehrere indienbezogene Filme. 1972 entstand in den USA die Hermann-Hesse-Verfilmung Siddhartha mit Shashi Kapoor in der Hauptrolle. In Indien, ausschließlich mit indischen Darstellern und in bengalischer Sprache wurde 2004 auch Florian Gallenbergers deutsche Produktion Schatten der Zeit gedreht.

Die in beiden Arten von Filmen mit Auslandsbezug auftretenden indischen Schauspieler gehören in auffälliger Weise nicht zu den Stars des einfachen Massenunterhaltungskinos, bekannte Darsteller wie Shabana Azmi, Kulbhushan Kharbanda oder Anupam Kher sind dennoch häufig zu sehen.

Unterhaltungsfilm Die in den 1970er und -80er Jahren aufgekommenen und als Masala bezeichneten Unterhaltungsfilme haben, gleich aus welcher Region sie kommen, viele Gemeinsamkeiten. Als tragend gilt die für gewöhnlich lange Laufzeit von zwei bis drei Stunden, unterbrochen durch eine obligatorische Pause („Intermission“).