Eine Trainerlizenz (auch Trainerschein genannt) ist ein Qualifikationsnachweis für Trainer, Betreuer oder Leiter einer spezifischen Sportgruppe.
Erwerb Trainerlizenzen setzen im Allgemeinen praktisches und theoretisches Wissen über eine Sportart voraus. Eine Trainerlizenz dient in erster Linie dazu, einheitliche Qualitätsstandards für Betreuer in den jeweiligen Sportarten zu gewährleisten. Die Lizenz wird in der Regel durch die Sportfachverbände nach einer Ausbildung für eine befristete Zeit vergeben. Während der Ausbildung werden festgelegte Inhalte vermittelt, die sich in der Regel in allgemeine Grundlagen und sportartspezifische Kenntnisse unterteilen. In der Regel gibt es ein abgestuftes System mit unterschiedlichen Anforderungen.
In vielen Vereinen und Verbänden ist eine – je nach Liga unterschiedliche – Trainerlizenz Voraussetzung dafür, eine Mannschaft in der entsprechenden Spielklasse trainieren zu dürfen.
Durch die Vereinheitlichung von Qualifikationen innerhalb der Europäischen Union werden auch ausländische Lizenzen anerkannt bzw. umgeschrieben. Da in der Bundesrepublik nur eine Verbandsausbildung stattfindet (bis Stufe 4) (Sonderstellung Trainerakademie Köln), in vielen europäischen Staaten jedoch auf Universitätsebene (BA = Stufe 6 und MA = Stufe 7), sind längerfristige Anpassungsprozesse in Deutschland wahrscheinlich. Arnd Krüger: Coach Education and Training. In: Roland Naul, Ken Hardman (Hrsg.): Sport and Physical Education in Germany. Routledge, London 2002, S. 113–131 Von 1976 bis 1989 war in der DDR die Ausbildung zum Diplom-Trainer mit Universitätsdiplom die Voraussetzung für eine hauptberufliche Tätigkeit im Leistungssport. Mit der deutschen Einheit reichte dann wieder ein voruniversitäres Zertifikat.
Nationale Trainerlizenzen in Deutschland Bei den Mitgliedsorganisationen des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB) besteht die Möglichkeit, Lizenzen als Übungsleiter, Trainer, Vereinsmanager oder Jugendleiter zu erwerben. Mit seinen Mitgliedsorganisationen (Spitzenverbände, Landessportbünde und Sportverbände mit besonderen Aufgaben) legt der DOSB die Qualitätskriterien für die Ausbildung fest. Grundlage dieser Kriterien sind die sogenannten „Rahmenrichtlinien (RRL) für Qualifizierung.“
Ausgebildet wird von den jeweiligen Verbänden vornehmlich in vier Bereichen: Trainer, Übungsleiter, Jugendleiter und Vereinsmanager.
Die Trainerausbildung in den Sportfachverbänden ist an die jeweiligen Bedürfnisse der Sportart angepasst. Neben einem sportartübergreifenden allgemeinen Teil werden auch sportfachliche Kenntnisse in der jeweiligen Sportart vermittelt. Bei den Landessportbünden wird dagegen vornehmlich sportartübergreifend und im Bereich Vereinsmanagement ausgebildet. Diese Vielfalt und die spezifischen Anforderungen für die jeweiligen Sportarten, Themen und Zielgruppen schlagen sich in den vielseitigen Ausbildungsprofilen nieder.
Lizenzsystem des DOSB In über 600 unterschiedlichen Ausbildungsbereichen, Sportarten und Disziplinen können sich engagierte Menschen für ihre Arbeit in den Vereinen qualifizieren.
Folgende Ausbildungsgänge werden angeboten: Trainer für den sportartspezifischen Breitensport Trainer für den sportartspezifischen Leistungssport Übungsleiter „sportartübergreifender Breitensport“ Übungsleiter „Sport in der Prävention bzw. Rehabilitation“ für den Gesundheitssport Jugendleiter Vereinsmanager DOSB-Sportphysiotherapie
Die Ausbildung zum Trainer qualifiziert für den sportartspezifischen Breiten- oder Leistungssport. Im Gegensatz zu den Übungsleitern sind Trainer nur in einer bestimmten Sportart tätig z. B. als Handballtrainer oder als Trainer im Rettungsschwimmen.
Übungsleiter werden im Gegensatz zu Trainern sportartübergreifend ausgebildet. Das bedeutet, dass sie sich nicht in einer bestimmten Sportart qualifizieren, sondern übergreifende Sportangebote für bestimmte Zielgruppen, wie z. B. Kinderturnen oder Seniorengymnastik, anbieten. Einzige Ausnahmen bilden dabei die beiden Ausbildungsgänge Übungsleiter für Prävention oder Rehabilitation im Gesundheitssport. Hier können sich Übungsleiter auch in einer bestimmten Sportart für den Gesundheitssport qualifizieren.
Jugendleiter ist ein Ausbildungsgang, den der DOSB gemeinsam mit seiner Jugendorganisation Deutsche Sportjugend (dsj) konzipiert hat. Jugendleiter betreuen Kinder und Jugendliche innerhalb und außerhalb des Sportangebots und managen die Vereinsjugendarbeit. Da die Basis eines Sportvereins häufig die Kinder- und Jugendarbeit ist, benötigt man hierfür spezifische Qualifikationen.
Vereinsmanager werden in diesem Ausbildungsgang für ihre leitenden und verwaltenden Aufgabenfelder in Vereinen und Verbänden wie z. B. Führung, Finanzierung, Recht, Marketing und Organisation fit gemacht.
Die DOSB-Sportphysiotherapie schließt an eine berufliche Ausbildung an und qualifiziert für die Durchführung trainings- und wettkampfbegleitender, physikalisch-therapeutischer Maßnahmen, insbesondere im Bereich des Hochleistungssports.
Abgeschlossen werden alle Ausbildungsgänge nach einer festgelegten Anzahl von Lerneinheiten (LE) mit einer DOSB-Lizenz. Dabei gibt es vier Lizenzebenen, die sich stufenweise aufbauen:
Lizenzstufe: C-Lizenz (Einstiegsebene) Lizenzstufe: B-Lizenz (Aufbauende Ebene) Lizenzstufe: A-Lizenz (Obere Ebene) Lizenzstufe: Diplomebene
Die 3. und 4. Lizenzstufe wird nur im Trainerbereich angeboten.
Voraussetzungen Um für eine Ausbildung zugelassen zu werden, muss man Mitglied in einem Sportverein und mindestens 16 Jahre alt sein, je nach Ausbildungsgang auch älter. Außerdem ist der Nachweis eines 9-stündigen „Erste-Hilfe-Kurses“ notwendig, der zum Zeitpunkt der Lizenzierung nicht älter als zwei Jahre sein darf (außer bei der Ausbildung Vereinsmanager).
DOSB-Ausbildungen ohne Lizenzen Wer bis 17 Jahre alt ist oder erst einmal Grundkenntnisse erwerben möchte, hat die Möglichkeit, eine so genannte Vorstufenqualifikation in den jeweiligen Ausbildungsgängen zu erwerben. Die Vorstufenqualifikation schließt nicht mit einer DOSB-Lizenz ab, allerdings kann man sie sich häufig bei einem späteren Lizenzerwerb anrechnen lassen. Viele Sportverbände bieten eine solche Ausbildung als Einstieg in ihr Ausbildungssystem an.
Ausbildungsgänge zur Vorstufenqualifikation sind beispielsweise: Trainerassistent für den sportartspezifischen Breitensport/Leistungssport; Gruppenhelfer Übungsleiterassistent für den sportartübergreifenden Breitensport; Gruppenhelfer Jugendleiterassistent; Gruppenhelfer Sporthelfer (in Zusammenarbeit zwischen Vereinen und Schulen) Wer eine Gruppenleiterausbildung o. ä. absolviert hat, kann eine Jugendleitercard erhalten.
Einzelne Ausbildungsgänge Trainer für den sportartspezifischen Breiten- und Leistungssport Trainer können sich im Leistungs- oder Breitensport in den Lizenzstufen C, B und A qualifizieren. Im Leistungssport haben sie zudem die Möglichkeit, einen Abschluss als Diplomtrainer auf der vierten Lizenzstufe (Diplomebene) an der Trainerakademie des Deutschen Olympischen Sportbundes in Köln zu machen. Im Gegensatz zu den sportartübergreifend eingesetzten Übungsleitern sind Trainer immer in einer bestimmten Sportart tätig, z. B. als Fußball- oder als Trainer im Sportklettern.
Trainer im Leistungssport 1. Lizenzstufe C (Einstiegsebene): Trainer-C Leistungssport
Die Lizenzstufen sind in der Europäischen Union vereinheitlicht, auch wenn die erforderlichen Stunden (Module) teilweise etwas variieren. Durch die Vereinheitlichung ist es möglich, in Deutschland auch mit den äquivalenten europäischen Lizenzen Training anzuleiten.
Normalerweise beginnt die Trainerkarriere in der Kinder- und Jugendarbeit im eigenen Verein. Um den vielen Herausforderungen des Trainings gerecht zu werden und die eigenen Kenntnisse und Kompetenzen zu erweitern, steigen die meisten Trainer in die Ausbildung „Trainer C-Leistungssport“ in ihrer Sportart ein. Dafür melden sie sich zu einem Lehrgang bei dem Landesverband ihres Fachverbandes an, der die Ausbildung auf der 1. Lizenzstufe (C) in der Regel durchführt. Die Lehrgänge werden in unterschiedlichen Modulen – oft verteilt auf 8–10 Wochenenden oder als Wochenblöcke – angeboten und dauern insgesamt meist ca. ein halbes Jahr.
Nach 120 Lerneinheiten und Lernerfolgskontrollen sind die Grundlagen für die Trainertätigkeit im Anfänger- und Fortgeschrittenenbereich gelegt und die Trainer erhalten die „C-Lizenz Leistungssport“ vom Landesfachverband ausgestellt. Den meisten Trainern reichen diese Qualifizierung auf erster Lizenzstufe und die regelmäßigen Fortbildungen für ihre Arbeit im Verein aus.
2. Lizenzstufe B (Mittlere Ebene): Trainer-B Leistungssport
Etwa ein Viertel der C-Trainer im Leistungssport entscheiden sich für eine Qualifizierung auf der nächsten Lizenzstufe B. In dieser Ausbildung von weiteren 60 Lerneinheiten erweitern sie ihre Kenntnisse und Kompetenzen für das Aufbau- und Anschlusstraining der Sporttreibenden.
3. Lizenzstufe A (Obere Ebene): Trainer-A Leistungssport
Ein Drittel der Trainer B im Leistungssport entscheidet sich, noch einen Schritt weiterzugehen und eine Ausbildung auf der 3. Lizenzstufe (A) zu absolvieren. Diese Trainer arbeiten im Hochleistungsbereich der Vereine und sind häufig als Kader-Trainer im Verband tätig. Zu einem solchen Ausbildungsgang wird man nur zugelassen, wenn man vom zuständigen Landesfachverband dafür empfohlen wurde.
4. Lizenzstufe (Diplomebene): Diplom-Trainer
Um den besonderen Herausforderungen im Hochleistungssport gerecht zu werden, bietet sich für qualifizierte Trainer mit einer A-Lizenz die Möglichkeit, an der Trainerakademie Köln des Deutschen Olympischen Sportbundes DOSB ein Diplom-Studium anzuschließen. In mindestens 1300 Lerneinheiten bietet die Trainerakademie differenzierte Lehrgänge, die für die Gestaltung eines systematischen, leistungssportlichen Trainings auf höchstem Niveau qualifizieren.
Trainer im Breitensport 2006 wurde der ehemalige Ausbildungsgang „Fachübungsleiter“ umbenannt in „Trainer Breitensport“. Die neue Bezeichnung beschreibt den Ausbildungsgang treffender. Denn diese Trainer setzen im Verein breitensportliche Bewegungsangebote in einer bestimmten Sportart um. Der Ausbildungsgang ist also nicht – wie bei Übungsleiter – sportartübergreifend ausgerichtet. Zur Tätigkeit solcher Trainer gehört u. a., dass sie die Bedürfnisse von Mitgliedern analysieren und daraus ein adäquates Vereinsangebot entwickeln. Dadurch tragen Trainer im Breitensport auch zur Mitgliedergewinnung und -bindung bei.
Wie beim Ausbildungsgang Trainer Leistungssport kann man auch im Breitensport die verschiedenen Ausbildungs- und Lizenzstufen C, B und A durchlaufen. Allerdings gibt es in der breitensportlichen Ausrichtung keine 4. Lizenzstufe (Diplom-Trainer).
1. Lizenzstufe C (Einstiegsebene): Trainer-C Breitensport
Nach 120 Lerneinheiten sind Trainer auf dieser Lizenzstufe qualifiziert, Trainingsangebote in der jeweiligen Sportart für Anfänger und Fortgeschrittene zu organisieren. Dabei haben sie auch immer die Vereinsentwicklung im Blick. Denn durch ein zugeschnittenes, breitensportliches Angebot sprechen sie den großen Bereich an Vereinsmitgliedern an, der sportlich aktiv sein möchte, ohne dabei Leistungssport zu treiben.
2. Lizenzstufe B (Mittlere Ebene): Trainer-B Breitensport
Auf zweiter Lizenzstufe erweitern die Trainer ihre Kenntnisse und Kompetenzen in ihrer Sportart. Auch hier liegen die Schwerpunkte auf breitensportlich orientierten Trainingsangeboten, wie Amateur-, Wettkampfsport und außerschulischem Sportunterricht. 60 Lerneinheiten umfasst diese Ausbildung, in der die Trainer lernen, wie sie Menschen zum lebenslangen Sporttreiben motivieren können und sich außerdem mit sozialen und gesundheitlichen Aspekten des Sporttreibens befassen.
3. Lizenzstufe A (Obere Ebene): Trainer-A Breitensport