mini|Collegium Fridericianum bzw. Friedrichs-Kollegium
Das Königliche Collegium Fridericianum (später auch Friedrichs-Kollegium und Friedrichskolleg genannt) war eine höhere Schule und ein Gymnasium in Königsberg i. Pr. Benannt wurde sie nach Friedrich I. (Preußen).
Geschichte mini|Couleurkarte (1966 gelaufen)
Die Schule wurde am 11. August 1698 von Theodor GehrLudwig Adolf Wiese: Das höhere Schulwesen in Preußen. Historisch-statistische Darstellung. Berlin 1864, S. 53 und dem Lehrer und Geistlichen Georg Christian Adler der Ältere, als pietistische Privatschule in seinem Haus auf dem Sackheim gegründet. Das Vorbild war das Franckesche Waisenhaus in Halle (Saale) mit nach Bildungszielen verschiedenen Klassen. Noch vor dem frühen Tode ihres Gründers (1707) erhielt die neue Anstalt im 35-jährigen Heinrich Lysius aus Flensburg einen tatkräftigen und wissenschaftlich tüchtigen Leiter, der allen Widerständen und finanziellen Schwierigkeiten zum Trotz das Collegium Fridericianum, wie es seit 1703 hieß, erfolgreich führte. 1701 erhielt das Collegium Fridericianum vom preußischen König Friedrich I. aus Anlass seiner Krönung das Privileg „königlich“. Schnell wurde das Institut zu einer der bedeutendsten Schulen Ostdeutschlands und zum Zentrum des Pietismus in der Auseinandersetzung mit den strenggläubigen Lutheranern in der Stadt und Universität. Die von den preußischen Königen geförderten Rektoren wurden zu prägenden Gestaltern des geistigen Lebens. Auch wurden öffentliche Prüfungen eingeführt. Das Collegium wurde die zum Studium hinführende Schule in Königsberg, auch wenn nach dem Rektor Franz Albert Schultz ein zeitweiliger Niedergang einsetzte. Oberinspektor der Anstalt war von 1790 bis 1806 der Theologe und Philologe Samuel Gottlieb Wald.
Im Oktober 1810 wurde die Schule feierlich als erstes Königliches Gymnasium Preußens neu eröffnet, das nach den neuhumanistischen Reformideen Wilhelm von Humboldts organisiert wurde. Sein Königsberger Schulplan gehört zu den zentralen Quellen der deutschen Pädagogik: „Der Zweck des Schulunterrichts ist die Übung der Fähigkeiten und die Erwerbung der Kenntnisse, ohne welche wissenschaftliche Einsicht und Kunstfertigkeit unmöglich ist. Beide sollen durch ihn vorbereitet, der junge Mensch soll in Stand gesetzt werden, den Stoff, an welchen sich alles eigene Schaffen immer anschließen muss, teils schon jetzt wirklich zu sammeln, teils künftig nach Gefallen sammeln zu können und die intellektuell-mechanischen Kräfte auszubilden. Er ist auf doppelte Weise, einmal mit dem Lernen selbst, dann mit dem Lernen des Lernens beschäftigt. Aber alle seine Funktionen sind nur relativ, immer einem Höheren untergeordnet, nur Sammeln, Vergleichen, Ordnen, Prüfen u.s.f. Das Absolute wird nur angeregt.“ Der Masure und spätere Lehrer Wilhelm Herrmann schrieb im Schmiedeberg-Album: „Das Fridericianum war das Fegefeuer zum Himmel Albertinas.“
Das neue Gebäude wurde am 17. Oktober 1855 eingeweiht.Zur öffentlichen Prüfung der Schüler des Königl. Friedrich-Collegiums m Montag den 29. und Dienstag den 30. September d .J. ladet ergebenst Dr. J. Horkel, Königl. Professor und Director. Schultzsche Hofbuchdruckerei., Königsberg in Pr. 1856., Königl. Friedrich-Collegiums. S. 32, abgerufen am 9. Juni 2014
In der Nacht vom 29./30. August 1944 zerstörten die britischen Luftangriffe auf Königsberg das Schulgebäude. Der Schulbetrieb ging noch bis zum 24. Januar 1945 weiter. Dem letzten Schulleiter Bruno Schumacher gelang es, bei der Flucht aus dem brennenden Königsberg eine Abschrift der Schüler-Matrikel von 1750 bis 1944 mitzunehmen und einen Ehemaligenverein zu gründen.
In Königsberg bestanden seit 1304 das Kneiphöfische Gymnasium und seit 1525 das Altstädtische Gymnasium.
Patenschaft Am 28. Mai 1955 wurde vom Landfermann-Gymnasium in Duisburg die Patenschaft für das ehemalige Collegium Fridericianum übernommen. Diese wird bis heute intensiv gepflegt, z. B. durch die alljährlichen Wettbewerbe der Professor-Schumacher-Stiftung.Collegium Fridericianum Professor-Schumacher-Stiftung
Direktoren mini|hochkant|Bruno Schumacher, letzter Direktor
In zeitlicher Reihenfolge: 1702–1731: Heinrich Lysius, Theologe 1731–1733: Georg Friedrich Rogall, Theologe 1733–1763: Franz Albert Schultz, Theologe 1763–1766: Daniel Heinrich Arnoldt, Theologe 1766–1796: Gotthilf Christian Reccard, Theologe 1806–1810 unbesetzt 1810–1852: Friedrich August Gotthold, Philologe, Förderer des Musikunterrichts 1852–1860: Johannes Horkel 1861–1863: Theodor Adler 1863–1878: Gustav Heinrich Wagner 1878–1891: Ludwig Moritz Albert Lehnerdt 1891–1908: Georg Ellendt 1914–? Alfred Christian Theodor Rausch 1934–1945: Bruno Schumacher, Historiker Preußens
Lehrer Friedrich Wilhelm Barthold, Historiker (1826–1831) Johann Gottlieb Bujack, Naturwissenschaftler (1810–1840) Johann Wilhelm Ebel, Prediger (1810–1816) Johann Gottfried Herder, Dichter, Übersetzer, Theologe und Philosoph (1763) Heinrich Otto Hoffmann, Mathematiklehrer (1854–1876) Johann Friedrich Jacob (1818–1825)Johannes Classen: Friedrich Jacob, Director des Catharineums in Lübeck, in seinem Leben und Wirken. Nebst Mittheilungen aus seinem ungedruckten poetischen und prosaischen Nachlaß und seinem Bildniß in Kupferstich. Jena 1855, S. 21 Friedrich Karl Köpke, Germanist (1810–1817) Karl Lachmann (1816–1818) Karl Lehrs (1825–1845) Eduard Hermann Marotzki, Theologe und PhilosophFranz Kößler: Personenlexikon von Lehrern des 19. Jahrhunderts (PDF; 7,4 MiB) Adolf Karl August Matern Karl Friedrich Merleker, Geograph und Historiker (bis 1869) Carl Friedrich Wilhelm Müller, klassischer Philologe und Professor an der Universität Breslau Karl Heinrich Pudor (1802–1804) Carl Heinrich Saemann (1790–1860) Christian Schiffert, stellvertretender Rektor ab 1733
Schüler Paul Adloff, Zahnmediziner und Anthropologe Heinrich Bernhard Austin, Kriegs- und Domänenrat Adolf von Batocki, bester Absolvent nach Einführung des Abiturs, Oberpräsident in Ostpreußen Theodor Joseph Blell, Politiker der Deutschen Zentrumspartei und Mitglied des Reichstages Hermann Bobrik, Historiker und Geograph Hans-Georg Bock, Richter Carl Böttcher, Philologe Franz Brandstäter, Philologe Georg Bujack, Philologe und Prähistoriker Gustav Calame (1830–1905), Reichsgerichtsrat Friedrich Reinhold Dietz, Philologe und Arzt Friedrich Dewischeit, Dichter Masurens Kurt Dieckert, Chronist von Königsbergs Untergang Hans Doering, Chirurg, Hochschullehrer in Göttingen Johann Wilhelm Ebel (1784–1861), Theologe Heinrich Eberts, Forst- und Ministerialbeamter, Hochschullehrer Botho Heinrich zu Eulenburg, Verwaltungsjurist und Gutsherr im Königreich Preußen Traugott Fedtke, Organist und Komponist in Königsberg und Berlin Fritz Gause, Geschichte der Stadt Königsberg Klaus von der Groeben, Verwaltungsjurist Hanswerner Heincke, Philologe Karl Haffner, Dramatiker August Heinrici, Superintendent, MdHdA Theophil Herbst, Romanist an der Albertus-Universität David Hilbert, Mathematiker Leopold von Hoverbeck, liberaler Reichstagsabgeordneter Johann Jacoby, Arzt und Demokrat Hans G. Joachim (1917–1989), Jurist, Richter und Präsident des Hessischen Landesarbeitsgerichtes Hans Kallmeyer, Maler Immanuel Kant, Philosoph Friedrich Julius Kieschke, Oberbürgermeister von Königsberg, Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses Carl Julius von Klinggraeff, Botaniker Hans Koch (1861–1945), Altphilologe, Gymnasiallehrer in Ostpreußen und Berlin (bis Unterprima) Samuel Kokosky (1838–1899), Rechtsanwalt, Sozialdemokrat Gustav Kordgien, Germanist und Romanist Hans Kramer, Oberförster im Elchwald Horst Kramer, Forstwissenschaftler in Göttingen Alexander Küntzel (1804–1873), preußischer Jurist und Gutsbesitzer, Mitglied der Frankfurter Nationalversammlung Georg David Kypke, Orientalist Johann Friedrich Lauson Carl Laudien (1799–1856), preußischer Jurist und Regierungsrat, Mitglied der Frankfurter Nationalversammlung. Hugo Linck, Pfarrer in Königsberg bis 1948 Fritz Albert Lipmann, Biochemiker, Nobelpreisträger für Medizin (1953) Johann Heinrich Daniel Moldenhawer, Theologe, Bibliothekar und Bibelübersetzer Bernhard Mrowka, Physiker Johann August Muttray (1808–1872), Mediziner und Mitglied der Frankfurter Nationalversammlung Otto Nicolai, Komponist und Dirigent (Wiener Philharmoniker) Matthias Balthasar Nicolovius (1717–1778), deutscher Verwaltungsbeamter und preußischer Hofrat und Obersekretär Reinhold Rehs, SPD- und CDU-Politiker David Ruhnken, Altphilologe und Bibliothekar Ludwig Passarge, Jurist, Reiseschriftsteller und Herausgeber Siegfried Passarge, Geograph und Geologe August Eduard Preuß, Schulmann und Lehrbuch-Autor Albert Reusch, Philologe Johann Georg Rosenhain, Mathematiker Otto Saro, Oberstaatsanwalt, Mitglied des Reichstages Dietrich von Saucken, General der Panzertruppe Alexander Schmidt, Shakespeareforscher Friedrich Ludwig Schröder, Theaterdirektor, Dramatiker und Freimaurer Eduard von Simson, Präsident des Reichsgerichts und des Reichstages Gustav Sommerfeldt, Historiker Heinrich Spiero, Germanist, Literaturhistoriker, Publizist Georg Steenke, Wasserbauingenieur Max Toeppen, Gymnasiallehrer, Landeshistoriker Preußens und Masurens Siegfried Thomaschki, General der Artillerie Siegfried von der Trenck, Dichterjurist Horst Uffhausen, Bundesrichter Alfred Voigt, Rechtswissenschaftler
Literatur Geschichte des Königl. Friedrichs-Collegiums zu Königsberg in Pr. Preußische Provinzial-Blätter, Band 14, Königsberg 1835, S. 361–381. Heiner F. Klemme: Die Schule Immanuel Kants. Mit dem Text von Christian Schiffert über das Königsberger Collegium Fridericianum. Meiner, Hamburg 1994, ISBN 3-7873-1185-8 (Kant-Forschungen 6), . Christian Schiffert: Zuverlässige Nachricht von den jetzigen Anstalten des Collegii Fridericiani zu Königsberg in Preußen. Königsberg 1742, . Gustav Zippel: Geschichte des Königlichen Friedrichs-Kollegiums zu Königsberg Pr. 1698–1898. Hartung, Königsberg 1898, . Ludwig Adolf Wiese (Hrsg.): Das höhere Schulwesen in Preußen. Historisch-statistische Darstellung. Berlin 1864, S. 52–56.
Weblinks
Homepage der Friderizianer Patenschaft des Landfermann-Gymnasiums
Einzelnachweise
Kategorie:Architektur (Königsberg, Preußen) Kategorie:Gymnasium in Königsberg (Preußen) Kategorie:Pietismus Kategorie:Immanuel Kant Kategorie:Friedrich I. (Preußen) als Namensgeber Kategorie:Bildungseinrichtungsgründung 1698 Kategorie:Aufgelöst 1945 Kategorie:Zerstört im Zweiten Weltkrieg Kategorie:Zerstört in den 1940er Jahren