mini|hochkant=2|Faustball-Länderspiel Deutschland – Schweiz (World Games 2005)

Faustball ist ein Rückschlagspiel für zwei Mannschaften mit fünf Spielern und bis zu fünf Ersatzspielern.

Allgemeiner Spielablauf Spielidee Faustball ist ein Rückschlagspiel, bei dem sich zwei Mannschaften auf zwei Halbfeldern gegenüberstehen, ähnlich wie beim Volleyball. Sie sind durch eine Mittellinie und ein netzartiges Band getrennt, das zwischen zwei Pfosten in – je nach Altersklasse – bis zu zwei Metern Höhe gespannt ist. Band und Pfosten dürfen weder von einem Spieler noch vom Ball berührt werden; dies gilt als Fehler.

Jede Mannschaft besteht aus fünf Spielern, die versuchen, einen Ball mit dem Arm oder mit der Faust für den Gegner unerreichbar in das andere Halbfeld zu spielen. In den Altersklassen U8 und U10 wird mit drei und in der Altersklasse U12 mit fünf Spielern gespielt.Deutsche Faustballliga, IFA-Regelwerk ab 1. April 2017 (PDF; 409 kB)

Ballberührung mini|hochkant=1.2|Faustball-Abwehr

Der Ball darf vor jeder Berührung durch einen Spieler einmal auf dem Boden aufspringen, jedoch nur innerhalb des Spielfeldes. Pro Spielzug darf er von drei unterschiedlichen Spielern berührt werden, muss dann aber spätestens durch den dritten Spieler über das Band zum Gegner zurückgespielt werden.

Der Ball wird bei der Abwehr und beim Zuspiel mit der Innenseite des ausgestreckten Unterarms gespielt, beim Angriff oder bei der Angabe mit der Faust geschlagen. Berührt er die offene Handfläche, andere Körperteile als den Arm oder beide Arme gleichzeitig, wird es als Fehler gewertet.

Zählweise Gespielt wird nach Punkten und Sätzen. Wenn eine Mannschaft einen Fehler macht, bekommt die andere einen Punkt, auch wenn sie keinen Aufschlag hatte. Die Mannschaft, die den letzten Fehler begangen hat, macht den nächsten Aufschlag. Ein Satz endet, sobald eines der Teams elf Punkte erzielt hat und mit mindestens zwei Punkten in Führung liegt (also mindestens 11:9). Beim Stand von 10:10 wird der Satz automatisch verlängert, bis eines der Teams mit zwei Punkten in Führung geht oder zuerst den 15. Punkt erzielt (Sätze können demnach mit 15:14 enden). Die Anzahl der Gewinnsätze variiert je nach Spielklasse. In der deutschen 1. Bundesliga der Herren wird nach dem Prinzip Best of Nine gespielt, also auf fünf Gewinnsätze. In der zweiten Bundesliga der Herren und in den Damen-Bundesligen wird auf drei Gewinnsätze gespielt (Best of Five).

Bis ins Jahr 2006 wurden in den höheren Ligen Sätze bis 20 gespielt. Die Anzahl der Gewinnsätze war dafür dementsprechend geringer. Vor der Einführung der sogenannten 11er-Sätze war in den unteren Ligen das Spiel auf Zeit weit verbreitet, so dass zwei Halbzeiten von 15 bzw. 10 Minuten mit zwischenzeitlichem Seitenwechsel durchgeführt wurden. Da diese Spielform die Organisation von größeren Veranstaltungen deutlich vereinfacht, ist sie vor allem bei Turnieren nach wie vor üblich.

Fehler Als wichtigste Fehler (und damit Punkt für die gegnerische Mannschaft) werden gewertet: Der Ball oder ein Spieler berührt das Band oder die Pfosten. Der Ball berührt außerhalb des Spielfelds den Boden. Der Ball berührt zweimal hintereinander den Boden, ohne dass eine regelgerechte Berührung durch einen Spieler dazwischen war. Der Ball wird seitlich an den Pfosten vorbei oder unterhalb des Bandes ins gegnerische Feld gespielt. Er darf nur oberhalb des Bandes und zwischen den gedanklich nach oben verlängerten Pfosten ins gegnerische Halbfeld gespielt werden. Mehr als drei Spieler einer Mannschaft berühren den Ball während eines Spielzuges (spätestens der dritte Spieler muss den Ball ins gegnerische Halbfeld befördern, diese Regel gilt ab der Altersklasse U14). Ein Spieler berührt zum zweiten Mal innerhalb eines Spielzuges den Ball. Wenn mehrere Ballberührungen stattfinden, müssen es jeweils unterschiedliche Spieler sein. Der aufschlagende Spieler berührt oder übertritt beim Aufschlag die 3-m-Linie (Aufschlaglinie). Der Ball berührt einen anderen Körperteil als den Ober-, Unterarm oder die Faust. Ebenso wenig darf ein Spieler den Ball mit der offenen Handfläche oder mit beiden Armen gleichzeitig berühren. Der Ball berührt beim Überspielen zum Gegner die Hallendecke.

Feld- und Hallensaison Faustball ist kein saisonbedingter Sport. Im Sommer (Feldsaison) spielt man es im Freien auf dem Sportplatz (Feldgröße 50 m × 20 m). Im Winter (Hallensaison) wird in der Halle gespielt, wobei dann das eingezeichnete Handballfeld als Spielfläche benutzt wird (Feldgröße 40 m × 20 m). In der Halle springt der Ball kontrollierter als auf Rasen, was sich auf die Spieltaktik auswirkt. Außerdem ist in der Halle jede Wandberührung durch den Ball ein Fehler. Die Decke darf berührt werden, außer beim Überspielen des Bandes ins gegnerische Feld (Fehler).

Spielfeld mini|hochkant=1.5|Faustball-Spielfeld|lang=de

Beim Feldfaustball ist die Spielfeldgröße auf 50 m × 20 m festgelegt (25 m × 20 m pro Halbfeld). Beim Hallenfaustball sieht die Regel ein kürzeres Feld von 40 m × 20 m vor (20 m × 20 m pro Halbfeld). Da dies der regulären Größe eines Handballfeldes entspricht, werden für gewöhnlich die dafür vorhandenen Außenlinien genutzt. Die Aufschlaglinie ist jeweils 3 m von der Mittellinie entfernt. Sie darf beim Aufschlag nicht berührt werden. Die Linien gehören zum Feld, d. h. wenn der Ball die Linie berührt, ist dies kein Fehler und es wird weitergespielt.

Das Spielfeld wird durch ein 5 cm breites netzartiges rot-weißes Band halbiert. In der Vergangenheit wurde hierfür eine Leine verwendet, die jedoch der besseren Sichtbarkeit wegen in den letzten Jahren weitgehend durch das Band abgelöst wurde. Es ist an der Mittellinie zwischen zwei Pfosten gespannt, seine Oberkante befindet sich in 2 m Höhe (Männer) bzw. 1,90 m (Frauen). Für die D-Jugend (bis 12 Jahre) beträgt die Höhe 1,60 m, bei der C-Jugend (bis 14 Jahre) 1,80 m. Zum Spielfeld gehört auch eine Auslaufzone, die im Freien eingezeichnet ist (8 m nach hinten, 6 m an den Seiten), in der Halle jedoch durch die Wand oder Tribünen begrenzt wird (Minimum: 1 m nach hinten und 0,5 m an den Seiten).

Die angegebenen Feldabmessungen gelten für den Erwachsenenbereich, für den Jugendbereich sind sie geringer.

Ball Der Faustball ist hohl, luftgefüllt und besteht aus Leder. Er muss gleichmäßig rund und straff aufgepumpt sein. Für das Spiel in der Halle und für verschiedene Witterungen im Freifeld bietet der Handel vom Verband freigegebene Bälle mit unterschiedlichen Oberflächen an (z. B. Naturleder, Kunststoffüberzug, gummierte Oberfläche).

Sein Gewicht kann variieren zwischen 320 und 340 g (Frauen) sowie zwischen 350 und 370 g (Männer). Sein Umfang muss 65–68 cm betragen, sein Luftdruck zwischen 0,55 und 0,70 bar liegen. Er ist damit in etwa so hart wie ein Fußball (0,6–0,7 bar) und härter als ein Volleyball (0,29–0,32 bar). Auch sein Umfang ist ähnlich dem eines Fußballs oder Volleyballs.

Der Ball kann bei einem satten Angriffsschlag 100–120 km/h erreichen. Die Pflege und Präparation der Bälle kann beim Faustball von entscheidender Bedeutung sein. Je nach Spieltaktik versucht ein Team, seine Bälle besonders schnell oder langsam beziehungsweise härter oder weicher im Rahmen der regeltechnischen Grenzen vorzubereiten. Jede Mannschaft hat das Recht, eigene (regelkonforme) Bälle für ein Spiel zu stellen. Das Recht, den Spielball auszuwählen, wird per Losentscheid vor dem Spiel ermittelt und wechselt nach jedem Satz.

Auf internationalen Meisterschaften werden heutzutage immer öfter einheitliche Bälle vom Veranstalter gestellt, um die Chancengleichheit für alle Teams zu gewährleisten.

Im Jugendbereich kommen andere Balldimensionen (vor allem geringere Gewichte) zum Einsatz, siehe dazu die Regelwerke.

Spieler Aufstellung

Im Gegensatz zum Volleyball, wo die Spieler rotieren und nach jedem Aufschlagwechsel eine andere Position einnehmen, hat im Faustball jeder Spieler seine feste Position. Sie darf zwar im Spiel beliebig vertauscht werden, doch dies ist eher unüblich, da meist jeder Spieler ein Spezialist auf seiner Position ist. Ein weiterer Unterschied zum Volleyball ist der, dass das Faustball-Spielfeld viel größer ist, eine Faustballmannschaft jedoch einen Spieler weniger hat als eine Volleyballmannschaft, wodurch jeder einzelne Spieler viel mehr Raum abdecken muss, um Bälle zu erlaufen. Allerdings darf der Ball vor jeder Berührung eines Spielers einmal auf dem Boden aufspringen.

Abhängig vom Untergrund (Halle oder Rasen, langsamer oder schneller Boden, z. B. bei Nässe) ändert sich die Aufstellung. In der Abbildung sind zwei unterschiedliche Aufstellungen zu erkennen:

Mannschaft A zeigt die typische Aufstellung in der Feldsaison (W-Form). Der Zuspieler deckt das vordere Mittelfeld ab, um kurz gespielte Bälle direkt hinter das Band erlaufen zu können. Allerdings muss er dabei in Kauf nehmen, dass er bei geradlinigen, harten Angriffsschlägen durch die Mitte nur eine kurze Reaktionszeit zur Abwehr hat.

Mannschaft B zeigt die typische Hallenaufstellung (U-Form). Da der Ball in der Halle eher berechenbar ist und somit kurze Angriffsbälle nicht so effektiv sind, zieht sich der Zuspieler an die hintere Auslinie zur Abwehr zurück. Allerdings hat er dabei das größte Laufpensum zu leisten, da er immer wieder zum Zuspiel nach vorne laufen muss.

Auf internationalem Niveau wird auch im Feld meist in der U-Form gespielt, da sie gegen harte Angriffsbälle bessere Abwehrmöglichkeiten bietet, die Spieler jedoch genügend Grundschnelligkeit besitzen, um kurz in die Mitte geschlagene Bälle noch erlaufen zu können.

Eine seltene und eher im Spitzenbereich vorkommende Aufstellungsvariante ist die V-Form, die vor allem bei nassem Rasen angewendet wird. Hierbei steht der Zuspieler (Mittelmann) hinter der Grundlinie und die beiden Abwehrspieler rücken schräg zu einem V nach vorne. Da scharf geschlagene Angriffsbälle auf nassem Rasen unkontrolliert flach wegrutschen, hat man in der V-Form die Möglichkeit, solche Bälle direkt aus der Luft abzuwehren.

Eingewechselt werden darf beliebig auf jede Spielposition, aber nur bei eigenem Aufschlag, bei einer Auszeit, wobei jede Mannschaft pro Satz eine Auszeit von 30 Sekunden in Anspruch nehmen kann, oder bei jeder Unterbrechung durch den Schiedsrichter.

Angabe (Aufschlag) mini|hochkant=2|Flugbahn einer Angabe auf den Abwehrspieler

Schlagkraft, Treffsicherheit und ein optimaler Bewegungsablauf sind notwendig, um die Angabe (auch Aufschlag oder Anschlag genannt) zur vollen Wirkung kommen zu lassen. Der Aufschläger versucht, einen direkten Punkt damit zu erzielen, oder wenigstens den Spielaufbau beim Gegner zu erschweren. Getroffen wird der Ball meist mit der Innenfläche der Faust. Die volle Wucht erreicht der Ball jedoch, wenn man ihn mit der zur Faust geballten Handkante trifft. Das Risiko zum Fehlschlag ist dabei größer, weil die Aufschlagfläche kleiner ist als bei der Innenfläche der Faust.

Eine Variante, die nur wenige beherrschen, ist der sogenannte Rundschlag. Der gestreckte Arm beschreibt eine runde Bewegung von hinten nach vorne, Treffpunkte sind der Innen-Unterarm oder die Faust-Oberseite. Die Flugbahn des Balles ist für den Gegner kaum vorherzusehen, und der Rundschlag erlaubt auch steil geschlagene Bälle auf die gegnerischen Angreifer.

Bei der Angabe muss der Schlagmann hinter der Aufschlaglinie (3-m-Linie) stehen. Nimmt er Anlauf, so muss die erste Bodenberührung unmittelbar nach der Ballberührung (bzw. bei einer gesprungenen Angabe die Landung) ebenfalls hinter der Linie erfolgen, sonst wird es als Fehlangabe gewertet. Außerdem muss der Ball bei der Angabe die Hand sichtbar verlassen (geworfen werden), er darf nicht aus der haltenden Hand weggeschoben werden, um beispielsweise den Gegner mit einem kurz über das Band „geworfenen“ Ball zu überraschen. Dies zählt ebenfalls als Fehler.

mini|links|Aufschlag

Es gibt verschiedene Aufschlagvarianten: