Die Monacensia, eigentlich Monacensia im Hildebrandhaus, vereint das Literaturarchiv der Stadt München, ein Museum sowie eine Forschungsbibliothek zur Geschichte und zum kulturellen Leben Münchens. Der lateinische Name Monacensia bedeutet „Münchnerisches“. Die Einrichtung bezeichnet sich als „das literarische Gedächtnis der Stadt München“. Seit 1977 ist sie in der ehemaligen Künstlervilla des Bildhauers Adolf von Hildebrand (1847–1921) beheimatet. Die Institution ist an die Münchner Stadtbibliothek angebunden.
Lage Die Monacensia befindet sich im Hildebrandhaus, der ehemaligen Villa des Bildhauers Adolf von Hildebrand im Stadtteil Bogenhausen am Isarhochufer, nahe dem Friedensengel. Gabriel von Seidl erbaute die Villa, eine der bedeutenden Künstlervillen der Prinzregentenzeit,Münchner Stadtbibliothek (Hg.): Das Hildebrandhaus. Biografie einer Künstlervilla. Auswahlverzeichnis, München 2016 (Flyer). 1898 auf der Grundlage von Plänen Hildebrands. Sie wurde ein Treffpunkt der Münchner Gesellschaft im frühen 20. Jahrhundert und erlebte bis zum Einzug der Monacensia 1977 eine wechselvolle Geschichte.
Geschichte Hans Ludwig Held veranlasste 1921 die städtischen Stellen, ihre Bestände an Büchern zum Thema München auszulagern. So kamen 5000 Bände aus unterschiedlichen Einrichtungen, wie etwa dem Baureferat oder dem Stadtmuseum, zusammen und wurden zunächst in einem Zimmer im Rathaus der Stadt untergebracht. 1924 gründete er eine Handschriftensammlung. Den Zweiten Weltkrieg überstanden Handschriftenabteilung und Bibliothek weitgehend unbeschädigt. Nach einigen Umzügen befindet sich die Monacensia seit 1977 am jetzigen Standort. Ab 2013Hannes Hintermeier: Thomas Mann als Spinne im Netz. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 9. Dezember 2016, S. 11. war die Monacensia für eine Generalsanierung geschlossen. Sie wurde im Dezember 2016 wieder eröffnet. Während des Umbaus war das Literaturarchiv ausgelagert und nur eingeschränkt zugänglich.
Bestände und Benutzung
Literaturarchiv Die Sammlung umfasst derzeit rund 300 literarische Nachlässe, Vorlässe und Konvolute renommierter Schriftsteller, die in enger Verbindung zu München standen oder stehen. Dazu gehören unter anderem Oskar Maria Graf, Annette Kolb, Liesl Karlstadt, Frank Wedekind, Fanny Gräfin zu Reventlow, Gustav Meyrink, Ludwig Thoma, Ludwig Ganghofer, Felix Noeggerath, Marga Noeggerath-Bauer oder Jörg Hube. Im Dezember 2022 kam das Archiv von Rachel Salamander mit zahlreichen Dokumenten jüdischen Geisteslebens aus vierzig Jahren hinzu, das 2026 bereits vollständig digitalisiert worden war. Zu den Schwerpunkten des Literaturarchivs zählen die Sammlungsbereiche Exil, Schwabinger Bohème um 1900, Gegenwartsautoren und Volkskünstler.
Zunehmend nimmt die Monacensia auch die literarischen Orte der Stadt in den Blick, die bislang nicht zum tradierten Sammlungsprofil gehörten. So erwarb sie 2023 das Archiv von Lillemors Frauenbuchladen, dem ältesten Frauenbuchladen Deutschlands, außerdem das Archiv der Lesereihe „Geschichten aus der großen Stadt“, die von 2001 bin 2007 in der Kneipe Kilombo stattfand und die die literarische Szene Münchens im ersten Jahrzehnt nach der Jahrtausendwende entscheidend mitgeprägt hat. Unter dem Namen „Rachel Salamanders Archiv“ kam 2022 durch eine Schenkung von Rachel Salamander noch eine bedeutende Dokumentation von über 1000 Veranstaltungen hinzu. Die 1982 von Salamander in der Münchner Fürstenstraße gegründete Literaturhandlung strahlte weit über München hinaus. Sie hat das lebendige jüdische Geistesleben nach dem Holocaust in ganz Deutschland wieder sichtbar gemacht. Dies war auch der Anlass für die Ausstellung Literatur & Haltung. Rachel Salamanders Archiv, die am 19. Mai 2026 eröffnet wurdeNils Minkmar: Lässige Frau, dabei spektakulär. Jahrzehntelang dokumentierte Rachel Salamander die Auftritte ihrer berühmten Gäste in der jüdischen Literaturhandlung. Eine Ausstellung in München zeigt nun dieses erstaunliche Archiv. in: Süddeutsche Zeitung vom 19. Mai 2026, S. 11.
Die von Hans Ludwig Held 1924 gegründete Handschriftenabteilung, die Originalmanuskripte und Autographen aller bedeutender Schriftsteller des Münchner und oberbayerischen Raums umfasste, wuchs zum breitgefächerten Bestand an Nachlässen und wertvollen Einzeldokumenten der Monacensia heran. Einen Begriff vom Umfang der gegenwärtigen Sammlungen des Literaturarchivs gewinnt man durch Recherche im alphabetischen Verzeichnis des Literaturarchivs. Bei den einzelnen Autoren findet man die Materialien ihres Nachlasses, Teilnachlasses oder Vorlasses wie Manuskripte, Korrespondenzen, biografische Dokumente, Fotos, evtl. vorhandene bildnerische Objekte oder Tondokumente oder persönliche Gegenstände aufgelistet. Detaillierte Informationen zu den Briefbeständen und Autographen lassen sich in der Datenbank Kalliope und im Archivportal-D recherchieren. Zur Nutzung des Literaturarchivs bedarf es keines Bibliotheksausweises, da die Dokumente nur vor Ort eingesehen werden können. Da viele Materialien in Außendepots untergebracht sind, ist es ratsam, diese schon mehrere Tage vorher zu bestellen.
Durch die Förderung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) ist es der Monacensia möglich geworden, die Tagebücher von Klaus Mann, den gesamten Archivbestand von Monika Mann und sämtliche Briefe, Manuskripte und biografische Dokumente von Erika und Klaus Mann in digitaler Form der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
Monacensia-Bibliothek
Die Forschungsbibliothek der Monacensia umfasst rund 150.000 Bücher und Medien zum Thema München. Sammlungsschwerpunkt ist München als Literatur- und Kulturstadt. Die Bestände reichen von Münchner Drucken des 16. Jahrhunderts bis zu Neuerscheinungen. Sowohl für Forschungszwecke als auch zur Lektüre stehen verschiedene Freihandbibliotheken sowie eine umfangreiche Magazinbibliothek zur Verfügung. Bücher und audiovisuelle Medien ab dem Erscheinungsjahr 1960 können ausgeliehen werden.
Den Bibliotheksräumen im 1. Obergeschoss des Hauses sind unterschiedliche Themen zugeordnet: Die Bibliothek im Damenatelier (ehemalige Atelierräume der Töchter Adolf von Hildebrands) bietet Bücher zur Geschichte und zur Sozial- und Wirtschaftspolitik der Stadt München sowie zu Literatur, Kunst und Architektur. Weitere Themen sind Naturwissenschaften, Medizin und Technik bis zu Haus und Garten, Sport und Freizeit, jeweils mit Bezug zu München. In der Bibliothek Familie Mann sind Werkausgaben, Briefbände, Tagebücher, Biografien und Bildbände versammelt. Hier findet man auch Sekundärliteratur und Jahrbücher sowie Studien- und Schriftenreihen zur Familie Mann. Die Bibliothek Münchner Autorinnen und Autoren zeigt eine Auswahl von Werken, die ständig aktualisiert wird, sowie die Themenschwerpunkte Bohème um 1900, die 1920er Jahre in München und Literatur der Schriftsteller im Exil.
Angebote und Veranstaltungen mini|Schreibtisch von Oskar Maria Graf in der Dauerausstellung
Erdgeschoss und Hochparterre sind als „offenes Haus“Petra Hallmayer: Eine Villa für München. In: Münchner Feuilleton, Juni 2019, S. 29. während der Öffnungszeiten zugänglich. Im Erdgeschoss dient das Forum Atelier als Saal für Veranstaltungen. Es schließen sich Räume mit den Dauerausstellungen „Literarisches München zur Zeit von Thomas Mann“ und „Geschichte des Hildebrandhauses“ an. Weitere Räume bieten Wechselausstellungen Platz.Broschüre das literarische gedächtnis der stadt münchen. Hrsg. Münchner Stadtbibliothek/Monacensia. München 2016 Die seit 1995 existierenden Ausstellungen (unter anderem zu Lena Christ) sind auf der Website der Münchener Stadtbibliothek aufgeführt. Die 2019 eröffnete Ausstellung „Erika Mann. Kabarettistin – Kriegsreporterin – Politische Rednerin“ ist die erste, in der Erika Mann nicht – wie bislang – vor allem in ihrer Rolle als Tochter von Thomas Mann gesehen, sondern es geht ausschließlich um ihre eigene Persönlichkeit und Verdienste. Im Obergeschoss finden sich Bibliothek und Literaturarchiv. Der Garten der Villa ist für die Öffentlichkeit da, daneben gibt es die Cafébar Mona.
Neben den Ausstellungen und den Freihandbibliotheken gibt es Angebote zur Literaturvermittlung. In Zusammenarbeit mit dem Museumspädagogischen Zentrum gibt es spezielle Führungen für Schulklassen. Es bestehen Kooperationen mit der Ludwig-Maximilians-Universität München und dem NS-Dokumentationszentrum München. Ergebnisse aus der Forschung werden in der Edition Monacensia veröffentlicht.
Die Veranstaltungen spiegeln die Sammlungsschwerpunkte der Forschungsbibliothek und des Literaturarchivs wider: Bayerische Autorinnen und Autoren des 20. Jahrhunderts, Schriftsteller der Schwabinger Bohème um 1900, Exilliteratur zwischen 1933 und 1945, Münchner Gegenwartsliteratur seit 1945 sowie das Thema Münchner Volkssänger, Vortragskünstler und Kabarettisten. Für diese Themen gibt es die folgenden Veranstaltungsreihen: Im „atelier monaco – Literarische Stimmen aus München“ geht es um die aktuellsten literarischen Texte der Stadt und um die Vielfalt literarischen Schreibens – Prosa, Lyrik, Theatertexte, Drehbücher und Songtexte oder Textarbeiten aus der bildenden Kunst. Bei „Mon liest“ stellen Autoren in Lesung und Gespräch ihre aktuellen Romane vor. In der Reihe „Aus den Beständen“ präsentieren Autoren und Wissenschaftler ihre Arbeiten, die auf Basis der Monacensia-Sammlung entstanden sind. Sonderausstellungen der Monacensia werden von einem umfangreichen Veranstaltungsprogramm begleitet, das sich auch mit aktuellen Debatten und Fragestellungen beschäftigt. Seit Mai 2022 besteht in der Monacensia eine Schreib-Residency, kurz SchreibResi. Gefördert wird das Projekt durch die C.H. Beck Stiftung. Als erste Autorin gestaltete Dana von Suffrin 2022 dies als Schreibwerkstatt und sozialen Begegnungsraum. 2023 hatte das Turtle-Kollektiv die Schreibresidenz inne, 2024 die Münchner Schriftstellerin Annegret Liepold. Die vierte Schreibresidenz im Jahr 2025 wurde Elvira Steppacher übertragen, die sich dabei schwerpunktmäßig mit Literatur als „Mustererkennung“ befasst.
Aktuelle Schwerpunkte