mini|hochkant|klasse=skin-invert-image|Unterschrift von Maradona Diego Armando Maradona (* 30. Oktober 1960 in Lanús; † 25. November 2020 in Tigre) war ein argentinischer Fußballspieler und ‑trainer.
Maradona gilt als eine der „Legenden des Weltfußballs“ und als einer der besten Fußballspieler der Geschichte.„The Best of The Best“. Ergebnisse verschiedener Journalisten- und Publikumswahlen der besten Fußballer der Geschichte auf der Seite der Rec.Sport.Soccer Statistics Foundation.England Player Honours – World Soccer Players of the Century. Er machte sich zu Beginn seiner Karriere bereits im Alter von 15 Jahren bei den Argentinos Juniors einen Namen, bevor er zu den Boca Juniors wechselte und 1981 argentinischer Meister wurde. Anschließend zog es den „Goldjungen“ (El Pibe de Oro) für eine Rekordablösesumme nach Europa zum FC Barcelona. Dort feierte er mit dem Pokalsieg 1983 nur einen wichtigen Titelgewinn. Von Krankheiten und Verletzungen geplagt, musste er den Verein nach nur zwei Jahren wegen zahlreicher Skandale wieder verlassen. Daraufhin schloss er sich der SSC Neapel an, erneut für eine Rekordablösesumme. Mit dem Underdog aus Kampanien, der vor seiner Ankunft dem Abstieg nahe war, feierte er zwischen 1984 und 1991 die größten Erfolge seiner Vereinskarriere, darunter die ersten Meistertitel des Vereins 1987 und 1990 sowie den Gewinn des UEFA-Cups 1989.
Der Juniorenweltmeister von 1979 führte die argentinische Nationalmannschaft 1986 in Mexiko als Mannschaftskapitän zum Gewinn ihrer zweiten Weltmeisterschaft nach 1978. Dabei erzielte der 25-Jährige beim 2:1-Sieg gegen England im Viertelfinale innerhalb von vier Minuten zwei der berühmtesten Tore der Fußballgeschichte, als er zunächst einen hohen Ball mit der Hand, der „Hand Gottes“, regelwidrig ins Tor beförderte und anschließend nach einem Dribbling über etwa 60 Meter das WM-Tor des Jahrhunderts erzielte. Insgesamt nahm Maradona an vier WM-Turnieren (1982, 1986, 1990, 1994) teil und erzielte in 91 Länderspielen 34 Tore.
In den 1990er Jahren geriet Maradona wegen Drogenproblemen und Doping in die Schlagzeilen und bekam vom Fußballweltverband FIFA zweimal eine 15-monatige Sperre auferlegt. Nach seiner aktiven Karriere war Maradona als Trainer tätig, hatte aber immer wieder gesundheitliche Schwierigkeiten.
Familie und Kindheit mini|Maradona im Jahr 1970 Diego Armando Maradona wurde am 30. Oktober 1960 in Lanús, einer Vorstadt im Ballungsraum Gran Buenos Aires, geboren. Sein Vater Diego Maradona Senior („Don Diego“ oder „Chitoro“; 1927–2015) war indigener Herkunft, die Mutter Dalma Salvadora Franco („Doña Tota“; 1930–2011) hatte italienische Vorfahren.Jimmy Burns: Maradona: The Hand of God. Bloomsbury Publishing, 2010, ISBN 978-1-4088-1062-0, S. 22. Die Eltern gehörten der armen, sozial benachteiligten Bevölkerungsschicht an, die man in Argentinien abfällig als „Cabecitas negras“ (Schwarzköpfchen) bezeichnete und stammten ursprünglich aus der ländlich geprägten Provinz Corrientes.Jimmy Burns: Maradona: The Hand of God. Bloomsbury Publishing, 2010, ISBN 978-1-4088-1062-0, S. 52. Nach vier Töchtern war „Diegito“ ihr erster Sohn. Mit ihren insgesamt acht Kindern bewohnte die Familie eine ärmliche Behausung ohne Strom oder fließendes Wasser in Villa Fiorito,Jimmy Burns: Maradona: The Hand of God. Bloomsbury Publishing, 2010, ISBN 978-1-4088-1062-0, S. 39.Daniel Arcucci, Ernesto Cherquis Bialo: El Diego – Diego Armando Maradona. Yellow Jersey Press, 2005, ISBN 978-0-224-07190-1, S. 11 einer Elendssiedlung am südlichen Rand der Millionenmetropole. Die Lebensbedingungen in dieser Villa Miseria waren durch Kriminalität und eine unzureichende Infrastruktur gekennzeichnet. Während „Don Diego“ einer schlecht bezahlten Arbeit in einer Tiermehlfabrik nachging, kümmerte sich die dominante und streng katholische Mutter um den Haushalt und die Kindererziehung.Jimmy Burns: Maradona: The Hand of God. Bloomsbury Publishing, 2010, ISBN 978-1-4088-1062-0, S. 45.
Wie die meisten Kinder in Argentinien begann Maradona schon früh mit dem Straßenfußball und spielte auf den staubigen Bolzplätzen seines Viertels für die informelle Jugendmannschaft Estrella Roja. Mit einem Freund nahm er 1969 an einem Auswahltraining des Profiklubs Argentinos Juniors teil und wurde umgehend in deren Nachwuchsabteilung aufgenommen. Fortan lief Maradona (Spitzname „El Pelusita“ – Das Lockenköpfchen)Daniel Arcucci, Ernesto Cherquis Bialo: El Diego – Diego Armando Maradona. Yellow Jersey Press, 2005, ISBN 978-0-224-07190-1, S. 18 für die von Francisco Cornejo zusammengestellte und trainierte Kindermannschaft „Los Cebollitas“ (Die Zwiebelchen) auf. In der Hoffnung, er werde die Familie aus der Armut führen, förderte „Don Diego“ seinen Sohn und brachte ihn jeden Tag nach der Arbeit zum Training in den zentral gelegenen Stadtteil La Paternal. Aufgrund seiner außergewöhnlichen Fähigkeiten spielte Maradona regelmäßig für ältere Jahrgänge und durfte mit zwölf Jahren als Balljunge in den Halbzeitpausen der Profispiele zur Unterhaltung des Publikums den Ball jonglieren. Ein Artikel in der Sportzeitung Clarín sowie ein Auftritt in der Fernsehsendung Sábados Circulares festigten seinen Ruf als Ausnahmetalent. Im Umfeld der Argentinos freundete sich Maradona mit dem drei Jahre älteren Jorge Cyterszpiler an. Um dem Talent die beschwerliche Anreise aus Villa Fiorito zu den Trainingseinheiten zu ersparen, ließ Cyterszpiler ihn gelegentlich bei sich übernachten.Daniel Arcucci, Ernesto Cherquis Bialo: El Diego – Diego Armando Maradona. Yellow Jersey Press, 2005, ISBN 978-0-224-07190-1, S. 14
Die Cebollitas, die zeitweise 136 Spiele in Folge ungeschlagen blieben,Daniel Arcucci, Ernesto Cherquis Bialo: El Diego – Diego Armando Maradona. Yellow Jersey Press, 2005, ISBN 978-0-224-07190-1, S. 9 entwickelten sich zu einer der erfolgreichsten Jugendmannschaften des Landes. 1974 gewannen sie die nationale Jugendmeisterschaft und nahmen an Turnieren in Uruguay und Chile teil.Jimmy Burns: Maradona: The Hand of God. Bloomsbury Publishing, 2010, ISBN 978-1-4088-1062-0, S. 60. Schon zu dieser Zeit galt der blutjunge Maradona als fußballerische Ausnahmeerscheinung, die ihm den Spitznamen „El Pibe de Oro“ (Der Goldjunge) eingebracht hatte. Da sich frühzeitig eine Karriere als Fußballprofi abzeichnete, verließ Maradona die Schule ohne Abschluss.Jimmy Burns: Maradona: The Hand of God. Bloomsbury Publishing, 2010, ISBN 978-1-4088-1062-0, S. 65. Um ihr größtes Nachwuchstalent an den Verein zu binden, mieteten die Klubverantwortlichen der Familie 1975 ein Appartement in Villa del Parque, einem bürgerlichen Stadtteil in unmittelbarer Nähe des Vereinsgeländes.Daniel Arcucci, Ernesto Cherquis Bialo: El Diego – Diego Armando Maradona. Yellow Jersey Press, 2005, ISBN 978-0-224-07190-1, S. 19 Damit verwirklichten sich die Hoffnungen der Eltern auf einen sozialen Aufstieg, die auf ihrem ältesten Sohn geruht hatten.Jimmy Burns: Maradona: The Hand of God. Bloomsbury Publishing, 2010, ISBN 978-1-4088-1062-0, S. 17–18.
Maradonas jüngere Brüder Raúl (* 1966) und Hugo (1969–2021) wurden ebenfalls Profifußballer.
Vereinskarriere Argentinos Juniors (1976 bis 1981) mini|Maradona bei seinem Profi-Debüt (20. Oktober 1976) mini|Maradona (rechts) als Argentinos-Spieler (1980) Dem Cheftrainer der Profimannschaft, Juan Carlos Montes, blieb das Wunderkind aus der eigenen Nachwuchsabteilung nicht verborgen und er berief Maradona in den Profikader. Am 20. Oktober 1976, zehn Tage vor seinem 16. Geburtstag, debütierte Maradona in der Primera División für die Argentinos Juniors,Jimmy Burns: Maradona: The Hand of God. Bloomsbury Publishing, 2010, ISBN 978-1-4088-1062-0, S. 76. als er im Heimspiel gegen Club Atlético Talleres (0:1) zur zweiten Halbzeit eingewechselt wurde. Damit war er zu diesem Zeitpunkt der jüngste Spieler in Argentiniens erster Liga. Der mutige Auftritt überzeugte Montes, ihn trotz seines jugendlichen Alters dauerhaft in der Profimannschaft einzusetzen. Seine ersten beiden Tore gelangen Maradona am 14. November 1976 gegen San Lorenzo Mar del Plata,Daniel Arcucci, Ernesto Cherquis Bialo: El Diego – Diego Armando Maradona. Yellow Jersey Press, 2005, ISBN 978-0-224-07190-1, S. 24 als er zum 4:2 und 5:2 traf. Im Verlauf der Metropolitano 1977 entwickelte sich „El Pibe“ zum entscheidenden Spieler der Argentinos und nur vier Monate nach seinem Debüt folgte die Nominierung für die A-Nationalmannschaft. Innerhalb kürzester Zeit war Maradona zum gefeierten Publikumsliebling avanciert und der rasante Aufstieg zum besten Spieler des Landes nahm seinen Anfang. Die argentinische Öffentlichkeit stürzte sich auf den Lockenkopf mit der Rückennummer 10 und stellte Vergleiche mit dem brasilianischen Ausnahmefußballer Pelé an.Daniel Arcucci, Ernesto Cherquis Bialo: El Diego – Diego Armando Maradona. Yellow Jersey Press, 2005, ISBN 978-0-224-07190-1, S. 26
Maradona spielte insgesamt viereinhalb Jahre für die Argentinos, in denen er 116 Ligatore erzielte und fünfmal in Folge Torschützenkönig wurde (Metropolitano 1978: 22 Tore; Metropolitano 1979: 18 Tore; Nacional 1979: 12 Tore; Metropolitano 1980: 25 Tore und Nacional 1980: 17 Tore). Der nur 1,65 Meter große Dribbelkünstler tauchte auf dem gesamten Spielfeld auf, war Spielmacher und Torjäger zugleich. Sein kompakter Körperbau, seine Finten und überraschenden Tempowechsel stellten die Gegenspieler vor scheinbar unlösbare Probleme.Jimmy Burns: Maradona: The Hand of God. Bloomsbury Publishing, 2010, ISBN 978-1-4088-1062-0, S. 80 Schon als junger Spieler besaß Maradona die Fähigkeit, durch seine Dynamik und trickreiche Spielweise, ein Spiel alleine zu entscheiden. Die Argentinos Juniors zählten zu den kleineren Vereinen aus Buenos Aires, hatten sich jedoch dank der individuellen Klasse Maradonas zu einer Mannschaft entwickeln können, die um Platzierungen im oberen Tabellendrittel mitspielte.Jimmy Burns: Maradona: The Hand of God. Bloomsbury Publishing, 2010, ISBN 978-1-4088-1062-0, S. 83. Nach dem fünften Platz 1978 wurden die Argentinos unter Trainer Miguel Ángel López in der Metropolitano 1980 zwar Vizemeister, jedoch reichten die Möglichkeiten des Klubs nicht aus, um Titel zu gewinnen. Obwohl die Argentinos einen Werbevertrag mit der Fluggesellschaft Austral abgeschlossen hatten, die damit erster Trikotsponsor des argentinischen Vereinsfußballs wurde,Jimmy Burns: Maradona: The Hand of God. Bloomsbury Publishing, 2010, ISBN 978-1-4088-1062-0, S. 98. erlaubte es Maradonas enormes Gehalt nicht, den Kader durch Spielerkäufe weiter zu verbessern und langfristige finanzielle Stabilität zu garantieren.Jimmy Burns: Maradona: The Hand of God. Bloomsbury Publishing, 2010, ISBN 978-1-4088-1062-0, S. 93. Auch aus sportlicher Sicht war Maradona, der 1979 und 1980 jeweils die Auszeichnungen als Argentiniens und Südamerikas Fußballer des Jahres erhalten hatte, seinem Klub enteilt, was den Verkauf des Starspielers schließlich unausweichlich machte.
Maradona war inzwischen Dollar-Millionär, der sich durch seinen Jugendfreund Jorge Cyterszpiler vertreten ließ, den er 1977 zu seinem Manager gemacht hatte. Cyterszpiler nutzte die stetig wachsende Popularität seines Klienten und schloss lukrative Sponsorendeals mit Puma, Coca-Cola und Agfa ab.Jimmy Burns: Maradona: The Hand of God. Bloomsbury Publishing, 2010, ISBN 978-1-4088-1062-0, S. 70. Zur besseren Vermarktung gründete er das Unternehmen „Diego Armando Maradona Producciones S.A.“, das er 1979 in das Unternehmensregister Liechtensteins eintragen ließ.„Du glaubst, gegen eine Zementwand zu laufen“ In: Der Spiegel, Ausgabe 21/1982. Mit seiner Familie hatte Maradona mittlerweile ein Anwesen im Prominentenviertel Villa Devoto bezogenDaniel Arcucci, Ernesto Cherquis Bialo: El Diego – Diego Armando Maradona. Yellow Jersey Press, 2005, ISBN 978-0-224-07190-1, S. 45 und erwarb in Moreno ein Landhaus mit angeschlossenem Trainingsgelände.Jimmy Burns: Maradona: The Hand of God. Bloomsbury Publishing, 2010, ISBN 978-1-4088-1062-0, S. 109.