Der Flugplatz Fürstenfeldbruck ist ein ehemaliger Flugplatz im Landkreis Fürstenfeldbruck. Bis heute betreibt die deutsche Luftwaffe auf dem Gelände den Fliegerhorst Fürstenfeldbruck, der aber seit 2015 nicht mehr für den Flugbetrieb genutzt werden kann, sondern nur noch einige Dienststellen der Bundeswehr beherbergt.
Zuvor nutzten nacheinander die Luftwaffe der Wehrmacht, die US Army Air Forces bzw. später US Air Force und die Luftwaffe der Bundeswehr den 1936 eröffneten Militärflugplatz als Standort. Der ständige militärische Flugbetrieb endete mit Weisung des BMVg vom August 2003 mit Wirkung zum 1. Oktober 2003. Eine seit 1979 laufende Mitbenutzung eines Teils des Rollwegs Alpha durch die zivile Flugsportgruppe konnte nur bis 2015 genutzt werden, womit der zivile Luftverkehr endgültig endete.
Heute wird das Gelände für verschiedene Zwecke genutzt: Der nördliche Bereich inklusive der zweiten, kleineren Start- und Landebahn und die anschließenden Betriebspisten wurden zurückgebaut und teilweise für den Bau einer Umgehungsstraße für Maisach verwendet. Der südöstliche Teil sowie die ehemalige Hauptlandebahn dienen derzeit als Fahrsicherheitszentrum. Ebenso befindet sich auf dem Gelände eine Erstaufnahmeeinrichtung für Asylsuchende.
Mit Ausnahme der Umgehungsstraße ist aber bei diesen Verwendungen jeweils ein nahendes Ende abzusehen. Daher und wegen des bevorstehenden Abzugs der Bundeswehr wurde geplant das riesige Areal in ein neues Stadtquartier umzuwandeln.https://www.baublatt.ch/bauprojekte/ehemaliger-militaerflugplatz-bei-muenchen-umnutzung-im-grossformat-36800
Im Oktober 2025 wurde vom Bundesverteidigungsministerium im Zusammenhang mit der Aufrüstung als Folge des Ukraine-Kriegs angekündigt, die Umwandlung von ehemaligen Liegenschaften der Bundeswehr auszusetzen und als strategische Liegenschaftsreserve vorzuhalten. Der Flugplatz Fürstenfeldbruck ist von dieser Entscheidung direkt betroffen.
Im Mai 2026 gab die Bundeswehr bekannt, dass der Fliegerhorst Fürstenfeldbruck wieder als Ausbildungsstandort genutzt werden soll. Zum 1. Oktober 2026 wird dort das Luftwaffenausbildungsbataillon 2 aufgestellt. Bis spätestens 2030 sollen dem Verband sieben Ausbildungskompanien mit insgesamt bis zu 600 Soldatinnen und Soldaten unterstellt werden. Zur Unterbringung wird unter anderem der denkmalgeschützte „Kilometerbau“ modernisiert.
Geschichte
Errichtung des Fliegerhorstes, Zweiter Weltkrieg 1936 begannen im Zuge der vom NS-Regime betriebenen Aufrüstung der Wehrmacht die Bauarbeiten für die Luftkriegsschule (LKS) 4 der Luftwaffe. Die LKS gehörte zu den militärischen Prestigeobjekten in Bayern. Mit einem Aufwand von 40 Millionen Reichsmark sollte auf dem Fliegerhorst die größte Fliegerschule im Deutschen Reich errichtet werden. Den Repräsentationsbauten lagen Pläne von Ernst Sagebiel zu Grunde, die Unterrichts- und Unterkunftsgebäude wurden von Robert RoskothenRobert Roskothen, Baudirektor im RLM., In: Webseite "Beamte nationalsozialistischer Reichsministerien", abgerufen am 28. Februar 2023. entworfen. Auch bei den Luftwaffenbauten der LKS 4 setzte sich der Stil der Bayerischen Postbauschule, die von Robert Vorhoelzer geprägt wurde, fort, da viele Architekten aus der Bauabteilung der Oberpostdirektion ab 1935 in die Bauämter der Luftwaffe überwechselten. Architektonische Besonderheiten auf dem Fliegerhorst bilden der 820 m lange sogenannte „Kilometerbau“ und der Turmbau am Schulungsgebäude.
Im Fahnensaal befinden sich noch heute Wandmalereien von Albert Burkart mit Motiven aus dem Nibelungenlied. Der LKS angeschlossen war der Flugplatz mit vier Flugzeughallen, Werfthalle und Waffenmeisterei. 1937 übernahm die Luftwaffe den neuen Fliegerhorst. 1943 wurde eine Betonbahn angelegt, die 1945 für den Einsatz der Me-262-Strahlflugzeuge hergerichtet wurde. Am 9. April 1945 wurde die Startbahn bei einem Bombenangriff der US-Luftwaffe zerstört.
Die folgende Tabelle zeigt die vollständige Auflistung aller fliegenden aktiven Einheiten (ohne Schul- und Ergänzungsverbände) der Luftwaffe der Wehrmacht, die hier zwischen 1939 und 1945 stationiert waren. VonBisEinheitHenry L. deZeng IV: Luftwaffe Airfields 1935–45 Germany (1937 Borders), S. 197–198, abgerufen am 28. August 2014.August 1939Oktober 1939JG 71 (Jagdgeschwader 71)Oktober 1939Oktober 1939II./JG 51 (II. Gruppe des Jagdgeschwaders 51)Oktober 1939Februar 1940III./KG 27 (III. Gruppe des Kampfgeschwaders 27)März 1940April 1940I./KG 55November 1944April 1945Erprobungskdo. KolbMärz 1945April 1945II./KG(J) 54April 1945April 1945III./JG 5316. April 194528. April 1945Sonderkommando “Bienenstock”
Amerikanische Nutzung des Flugplatzes mini|hochkant=0.8|Operations Building and Control Tower - Quonset Point Naval Air Station, Rhode Island, USA (1941). Architekt: Albert Kahn mini|Eine Boeing C - 97 G des US - Strategic Air Command mit dem Tower im Hintergrund Nachdem im April 1945 rund 138 amerikanische B-17 „Flying Fortress“-Bomber der 1st Air Division (8th Air Force) ca. 335 Tonnen Bomben über dem Fliegerhorst abgeworfen hatten, welche die Startbahn, den Hangar und die Reparaturwerkstätten sowie weitere Einrichtungen vernichtete, besetzten Soldaten der 7. US-Armee den Fliegerhorst. Von der amerikanischen Besatzungsmacht wurde er zunächst als Advanced Landing Ground ALG R-72 bezeichnet.The Air Force Engineer. Army Air Forces Engineer Command, MTO (Prov). Multiple editions. 1943–1945 (Pamphlet from USAFHRA) (englisch) Die USAAF (seit 1947: USAF) übernahm das Gelände und nutzte es als Militärflugplatz. Während der Berlinkrise verlegte im Sommer 1948 kurzzeitig die mit Langstreckenbombern vom Typ Boeing B-29 ausgerüstete 301st Bombardment Group nach Fürstenfeldbruck. Das mit Lockheed P-80 ausgerüstete 36th Fighter Wing der USAF war hier seit 1948 stationiert. 1950 wurde auf Republic F-84 umgerüstet und die Einheit zur 36th Fighter Bomber Wing, die bis 1952 blieb. In den Jahren 1952/53 diente Fürstenfeldbruck als Ausweichplatz für Lockheed RF-80, deren Heimatbasis bei Toul sich noch im Ausbau befand. Ab dem 5. April 1954 übernahm die 7330th Training Group unter Commander Col. Mark H. Vinzant, Jr. die nach internen Umgruppierungen ab Oktober 1954 zur Ausbildungsstaffel (squadron) unter der Bezeichnung 7330th Flying Training Wing wurde. Die ersten Auszubildenden des "Major Defense Acquisition Programs" (MDAP-students) begannen mit dem Trainingsprogramm bereits im Frühjahr 1954. Mehr als 500 Schüler aus Spanien, der Türkei, aus Holland, Belgien, Dänemark, Griechenland, Italien, Norwegen, Pakistan, Portugal, Großbritannien und dem Iran haben die Kurse absolviert. Das Schulprogramm bestand aus: "instrument training", "jet transition training", einem "jet instructor"- Kurs, und einem "senior staff officer" - Kurs. Alle Auszubildenden waren bereits lizenzierte Piloten in ihren Heimatländern.
Bis 1957 baute die US-Luftwaffe den in Kurzform „Fursty“ genannten Flugplatz aus, indem die militärische Bau- und Infrastruktur weiterentwickelt, bzw. die vorhandene ergänzt und umgebaut wurde. Als Sinnbild steht dafür der Tower, der in ähnlicher Form auf amerikanischen Flughäfen zu finden war. Außerdem entstanden eine Kapelle, ein Krankenhaus, das Einkaufszentrum PX (Post Exchange), die lokale Radiostation "Mars Radio Station", eine Schule, ein Kindergarten, zahlreichen Freizeiteinrichtungen und die "Sternbauten". Im Jahr 1950 wurde die Startbahn um 600 m auf 2743 m (9000 Fuß) verlängert. Der Fliegerhorst wurde so eine wichtige Basis für die US Air Force, und ein wesentlicher Katalysator der Umwandlung der Stadt Fürstenfeldbruck und seiner Einwohner innerhalb der amerikanischen Besatzungszone, die durch den Deutschlandvertrag im Jahr 1955 aufgelöst wurde.
Nutzung durch die Bundeswehr mini|Lageplan und Gebäudestruktur vom Fliegerhorst Fürstenfeldbruck (1955) mini|Wappen der Flugzeugführerschule B (FFSB) links, und das der Waffenschule der Luftwaffe 50 (WaSLw 50), rechts mini|T-33 beim Anfangssteigflug, vorne rechts die „Trailer“ der Radaranflugkontrolle mini|Alpha Jet des JaboG 49 mini|Starfighter des Aufklärungsgeschwaders 52 aus Leck in Fursty
Ab 1956 erfolgte der Aufbau der Luftwaffe der Bundeswehr, Fürstenfeldbruck wurde unter anderem durch Aufstellung der Flugzeugführerschule „B“ zur „Wiege der Luftwaffe“. Am 24. September 1956 erhielten dort die ersten zehn deutschen Flugzeugführer ihr Flugzeugführerabzeichen. Am 13. November 1956 wurden die ersten 20 Einsatzflugzeuge vom Typ Republic F-84 F in „Fursty“ der Luftwaffe übergeben. Am 14. Dezember 1957 übernahm die Luftwaffe den Fliegerhorst, mitsamt den Flugbetriebsdienststellen Tower, Base Operations („Flight OPS“)Fursty Tower 1956., Photo by Bob Ginn, 10 Feb 1956 und die neben dem Rollfeld befindliche mobile Radaranflugkontrolle (GCA = Ground Controlled Approach)Fursty GCA 3, Fluglotse im GCA -Trailer. Obwohl der „Trailer“ jeweils nach Wind- bzw. Anflugrichtung die Position wechseln musste, blieb die Einrichtung bis Ende der 60er Jahre in BetriebFursty GCA -Unit und wurde Anfang der 70er Jahre mit neuzeitlichen Radargeräten in den IFR-Raum im Tower verlegt.IFR-Raum Fursty Tower Unverändert blieben die normalen Anflugverfahren mit Hilfe des Ungerichteten Funkfeuers westlich von Mammendorf.Karte für das Anflugverfahren für Fürstenfeldbruck
Im Juli 1958 nutzte die US Air Force im Zusammenhang mit der Libanonkrise 1958 den Flugplatz zur Verlegung von Truppen (US Army Task Force 210) zum Luftwaffenstützpunkt Adana in der Türkei und von dort aus nach Beirut. 1961 befanden sich 19 selbstständige Dienststellen auf dem Fliegerhorstgelände.
1962 wurde außerhalb des militärischen Bereichs nach einem Entwurf des Architekten Ernst Zinsser in Zusammenarbeit mit dem Bildhauer Kurt Lehmann das Ehrenmal der Luftwaffe für die Toten der Luftstreitkräfte und der Luftfahrt errichtet.
1964 wurde die Waffenschule der Luftwaffe 50 (WaSLw 50) vom Fliegerhorst Erding nach Fürstenfeldbruck verlegt. Da Flugzeuge, besonders Lockheed F-104 Starfighter, der Bundeswehr im Landeanflug auf den Fliegerhorst Fürstenfeldbruck häufig recht tief über das östlich gelegene Pasing flogen, kam es zu Beschwerden aus dem Münchner Stadtteil. Wegen der Nähe zu München-Riem bestand zwar ein Abstimmungsverfahren zwischen der Radarkontrolle „Fursty GCA“Bereichskontrolle Fursty GCA und dem Münchner TowerMilitärisches Flugsicherungspersonal 1966 im Tower München Riem, die Beschwerden blieben jedoch und gipfelten 1967 im sogenannten Pasinger Knödelkrieg, der international für Aufsehen sorgte. In der Folge wurden die Anflugverfahren geändert.
Eine wichtige Funktion des Fliegerhorsts „Fursty“ im Kalten Krieg bestand in der Bereitstellung als Zwischenlandeplatz wie z. B. bei der Militärübung „Eastern Express“ 1965, die mit Starliftern der US Air Force durchgeführt wurde. Aufnahme aus dem Fursty-Tower., Webseite des Vereins „IG-FURSTY“, abgerufen am 15. März 2023. Eine weitere Operation war ein Formationsflug Ende der 80er Jahre mit 6 Starliftern des Typs C-141B im „Speechless Verfahren“, das mit dem Anlassen der Triebwerke auf der McChord Air Force Base im Bundesstaat Washington begann. Dabei wurden Fallschirmjäger nach einem Flug über Kanada, England und die Niederlande in Bayern im Raum Schongau abgesetzt.
Anlässlich der Olympischen Sommerspiele 1972 in München erfolgten Baumaßnahmen durch die Bundeswehrverwaltung zur Entlastung des Riemer Flughafens für den mit den Spielen verbundenen Charterverkehr. Während der Olympischen Sommerspiele scheiterte auf dem FlugplatzLuftaufnahme vom Schauplatz des Attentats., Aus: Polizeiarchiv München, abgerufen am 9. März 2023 die Befreiung der von palästinensischen Terroristen als Geiseln genommenen israelischen AthletenDirk Walter: Olympia '72: Das ist die Chronik des Versagens. In: Münchner Merkur vom 5. September 2012, abgerufen am 9. März 2023.Der 5. September 1972: Das Olympia-Attentat - Chronik des Terrors., BR, 27. Juni 2022, abgerufen am 9. März 2023.