Kurtinig an der Weinstraße ([]; italienisch Cortina sulla Strada del Vino) ist eine italienische Gemeinde mit Einwohnern (Stand ) und ein Dorf in Südtirol. Kurtinig zählt zu den an der Südtiroler Weinstraße gelegenen Dörfern im Unterland.
Geographie mini|links|Kurtinig in der Talmitte von Südosten aus gesehen, im Hintergrund Margreid Kurtinig ist eine Gemeinde im Unterland, einem Abschnitt des Etschtals im Süden Südtirols, und befindet sich etwa in der Mitte zwischen Bozen und Trient knapp nördlich der Salurner Klause. Unter den Südtiroler Gemeinden weist sie mehrere Besonderheiten auf. Für Südtirol ungewöhnlich ist, dass die Gemeinde Kurtinig nur aus einer einzigen Siedlung besteht und mit einer Gesamtfläche von 1,99 km² eine relativ geringe geographische Ausdehnung hat (allein Kuens ist noch kleiner). Für Südtirol einzigartig ist, dass sich das Gemeindegebiet auf den intensiv landwirtschaftlich genutzten Talboden beschränkt, wodurch der Höhenunterschied zwischen dem höchsten und dem niedrigsten Punkt Kurtinigs lediglich 4 m beträgt und die Gemeinde weder Anteil an felsigem noch bewaldetem Gelände hat.
Das Ortszentrum liegt auf einer Höhe von und befindet sich auf der orografisch rechten (westlichen) Seite der Etsch etwas versetzt gegenüber von Laag. Das Gemeindegebiet, das zu kleinen Teilen auch auf das linke Etschufer übergreift, ist von den Gemeinden Neumarkt, Margreid und Salurn umschlossen.
Geschichte Das Dorf wird 1276 als Cortinegum (von lateinisch: curtis = Gehöft) erwähnt, zwanzig Jahre später wird dessen Zugehörigkeit zum Gericht Salurn bezeugt. Das Gebiet war schon zur Stein- und Römerzeit ein ertragreiches Jagd- und Fischereigebiet. Mit dem benachbarten Salurn liegt Kurtinig an der deutsch-italienischen Sprachgrenze und damit unmittelbar an der Schnittstelle zweier europäischer Kulturräume. mini|Das Rathaus von Kurtinig
Im Salurner Gerichtsweistum von 1403 wurden die Curtyniger zu landesfürstlichen Weinfuhrdiensten nach Bozen verpflichtet.Hannes Obermair: Soziale Produktion von Recht? Das Weistum des Gerichts Salurn in Südtirol von 1403. In: Concilium Medii Aevi 4, 2001, S. 179–208, Bezug S. 196 (online, PDF-Datei; 274 kB). Kurtinig gehörte bis zum Ende des Ersten Weltkriegs zur Grafschaft Tirol und damit zu Österreich-Ungarn. Innerhalb Tirols war Kurtinig bis 1913 dem Gerichtsbezirk Kaltern zugeordnet, anschließend dem Gerichtsbezirks Neumarkt; beide waren wiederum Teil des Bezirks Bozen. Mit dem Vertrag von Saint-Germain kam Kurtinig 1920 zusammen mit dem Großteil Tirols südlich des Alpenhauptkamms zu Italien. Als 1927 auf diesen ehemals österreichischen Gebieten die beiden Provinzen Bozen und Trient entstanden, wurde Kurtinig wie auch einige andere umliegende Gemeinden der mehrheitlich italienischsprachigen Provinz Trient zugeschlagen, wo es ein Jahr später der Gemeinde Margreid zugeordnet wurde. Erst 1948 wurde Kurtinig in die Provinz Bozen bzw. Südtirol eingegliedert. Seit 1952 ist Kurtinig, das damals noch auf Italienisch den Namenszusatz all’Adige („an der Etsch“) trug,Regionalgesetz vom 30. August 1971, Nr. 31 (PDF; 0,2 MB) wieder eine eigenständige Gemeinde.
Seit 1971 trägt die Gemeinde den werblichen Zusatz „an der Weinstraße“ im amtlichen Namen.
Demographie Einwohnerentwicklung Jahr Einwohnerzahl 1890 256 1900 275 1910 356 1921 349 1931 426 1951 428 1961 483 1971 522 1981 477 1991 552 2001 594 2011 656
Sprachgruppen Kurtinig ist gemäß den seit 1981 erhobenen Sprachgruppenzugehörigkeitserklärungen bzw. Sprachgruppenzuordnungserklärungen eine mehrheitlich deutschsprachige Gemeinde, wobei als Berechnungsgrundlage dieser Prozentwerte allein die gültigen Erklärungen von Personen mit italienischer Staatsbürgerschaft herangezogen wurden. Verteilung nach Sprachgruppen Sprache 1890Oskar Peterlini: Autonomie und Minderheitenschutz in Trentino-Südtirol. Wien 1997, S. 66. 1900 1910 1971 1981 1991 2001 2011 2024 Deutsch 90,63 % 84,62 % 89,61 % 62,64 % 69,84 % 69,33 % 68,92 % 68,67 % 72,00 % Italienisch 9,38 % 15,38 % 10,39 % 37,16 % 29,49 % 30,67 % 30,55 % 31,15 % 27,67 % Ladinisch 0,19 % 0,67 % 0,00 % 0,53 % 0,17 % 0,33 %
Bildung In Kurtinig befindet sich eine Grundschule, die dem deutschen Schulsprengel der Nachbargemeinde Neumarkt angeschlossen ist.
Verkehr Für den Kraftverkehr ist Kurtinig in erster Linie durch die Weinstraße erschlossen, die durch das Dorfzentrum führt. Parallel zur Etsch durchqueren die A22, die Brennerbahn und die Radroute 1 „Brenner–Salurn“ das Gemeindegebiet. Die Brennerbahn bietet etwas nördlich – im Gemeindegebiet von Margreid gelegen – am Bahnhof Margreid-Kurtatsch eine Zugangsstelle.
Politik Bürgermeister seit 1953: Franz Stimpfl: 1953–1957 Richard Teutsch: 1957–1961 Franz Stimpfl: 1961–1965 Peter Zemmer: 1965–1968 Hermann Giacomozzi: 1968–1969 Armando Endrizzi: 1969–1974 Helmut Cucco Zemmer: 1974–1980 Franz Stimpfl: 1980–1985 Walter Giacomozzi: 1985–2010 Manfred Mayr: seit 2010
Persönlichkeiten Hermann Teutsch (1924–1945), NS-Widerständler
Sehenswürdigkeiten
Literatur Gemeinde Kurtinig (Hrsg.): Kurtinig – Ein Dorf an der Sprachgrenze in Vergangenheit und Gegenwart. Athesia, Bozen 1998, ISBN 88-7014-983-8 (online)
Weblinks
Offizielle Website der Gemeinde Kurtinig an der Weinstraße
Einzelnachweise
Kategorie:Ort in Südtirol Kategorie:Gemeinde in Südtirol
Kategorie:Ort an der Etsch Kategorie:Ersterwähnung 1276 Kategorie:Deutscher Ortsname lateinischer Herkunft