St. Moritz (hochdeutsch ,Deutschschweizer sprechen den Ortsnamen mit Betonung auf dem «i» aus, entsprechend der Betonung des ursprünglichen romanischen Namens. Deutsche hingegen verwenden mehrheitlich die Aussprache , mit Betonung auf dem «o», das zudem gelängt wird. bündnerdeutsch , , , ) ist eine politische Gemeinde im Schweizer Kanton Graubünden. Sie liegt im Oberengadin und gehört zur Region Maloja. Der Ort ist nach dem heiligen Mauritius benannt, der im Wappen abgebildet ist. Lokaler Übername der Bewohner ist .

Die Gemeinde ist einer der berühmtesten Kurorte und Wintersportplätze der Welt. 1928 und 1948 wurden hier Olympische Winterspiele abgehalten.

Geographie Die Gemeinde St. Moritz besteht aus den zusammengefassten Ortsteilen St. Moritz-Dorf, St. Moritz-Bad, Suvretta und der einen Hälfte des zwei Kilometer entfernten Champfèr – die andere Hälfte von Champfèr gehört zu Silvaplana.

St. Moritz-Dorf () liegt am steilen Nordufer des St. Moritzersees, das vom Inn durchflossene St. Moritz-Bad () und Champfèr () auf je einer Ebene südwestlich des St. Moritzersees.

In südwestlicher Richtung zwischen St. Moritz und Maloja liegt die Engadiner Seenplatte, die aus dem St. Moritzer-, Champfèrer-, Silvaplaner-, Hahnensee und Silsersee besteht. Die Höhendifferenz vom St. Moritzersee bis zum 15 Kilometer entfernten Malojapass beträgt nur knapp 50 Meter. Östlich von St. Moritz liegen der Stazerwald und die Charnadüra-Schlucht, durch die man auf die 50 Meter tiefer gelegene nächste grosse Ebene gelangt, die bis ins 20 Kilometer entfernte S-chanf nur 60 Höhenmeter Gefälle aufweist.

Der Hausberg, auf dem auch das 23 Anlagen umfassende Winterskigebiet mit der grossen Station Corviglia () liegt, ist der Piz Nair () und liegt im Nordwesten des Dorfes. Der Piz Güglia/Julier (), weniger bekannt und weiter westlich gelegen, zeichnet sich durch seine Höhe und markante Form aus.

mini|ohne|Historisches Luftbild von Werner Friedli (1954)

Klima Für die Normalperiode 1991 bis 2020 beträgt die Jahresmitteltemperatur 2,3 Grad Celsius, wobei im Februar mit −8,4 Grad Celsius die kältesten und im Juli mit 12,3 Grad Celsius die wärmsten Monatsmitteltemperaturen gemessen werden. Die MeteoSchweiz-Wetterstation befindet sich fünf Kilometer Luftlinie entfernt in der Gemeinde Samedan und liegt auf einer Höhe von

In St. Moritz können Kaltluftseen gebildet werden, und folglich können vor allem im Winter Nächte sehr kalt sein. An 227 Tagen des Jahres sinkt die Temperatur unter 0 Grad Celsius. Selbst im Juli gibt es durchschnittlich bis zu zwei Frosttage. Sommertage wurden in der Normperiode 1991 bis 2020 durchschnittlich nur 3,1 pro Jahr verzeichnet. Laut Köppens Klimaklassifikation gehört Samedan zum subarktischen Bereich (Dfc).

Geschichte und Tourismus mini|St. Moritz mit Kulm-Hotel um 1870, Radierung von Heinrich Müller mini|St. Moritz-Bad, um 1900

Die Datierung des Lärchenholzes der prähistorischen St. Mauritius-Quellfassung zeigte, dass die Heilquellen, die den Ruf des Ortes als Heilbad begründeten, bereits in der Bronzezeit vor über 3400 Jahren bekannt waren. Die Anwesenheit der Römer in der Antike ist durch Funde belegt.

Mit der Eröffnung des ersten Hotels, des Kulm-Hotels, im Jahre 1856 begann die Entwicklung des Tourismus und des Wintersports im Ort.

Dank innovativen Einheimischen und Gästen konnte St. Moritz mehrfach als erste Gemeinde in der Schweiz technische Neuigkeiten präsentieren, so zum Beispiel das erste elektrische Licht (Weihnachten 1878), den ersten Motorflug in der Schweiz (1910) und den ersten Skilift (1935). Der später exilierte Prinz Nikolaus aus dem Königreich Rumänien erwarb die vom Architekten Karl Koller entworfene Villa Marguns. Der Prinz war 1919 erstmals angereist.

St. Moritz liess um 1930 als erster Ort ein Symbol («Die Sonne von St. Moritz» des Zürcher Grafikers Walter Herdeg)Felix Graf: Die Sonne von St. Moritz Im Blog des Schweizerischen Nationalmuseums vom 2. August 2018 juristisch schützen, und seit 1986 ist der Schriftzug mit Signet («St. Moritz, TOP OF THE WORLD») markenrechtlich geschützt. Letzteres war eine Initiative von Hans Peter Danuser, dem langjährigen Kur- und Verkehrsdirektor (von 1978 bis 2008).

Seit 1. Januar 2019 ist der Sänger und Entertainer Christian Jott Jenny (parteilos), der 2008 das Festival da Jazz in St. Moritz gegründet hat, Gemeindepräsident. 2027 wird er durch Adriano Iseppi abgelöst.

Wappen

Bevölkerung + Bevölkerungsentwicklung Jahr 1803 1850 1870 1880 1900 1910 1920 1930 1941 Einwohner 183 228 400 394 1603 3197 2614 3968 2418 Jahr 1950 1960 1970 1980 1990 2000 2005 2010 2020 Einwohner 2558 3751 5699 5900 5426 5589 5121 5202 4945

Obwohl sich die Bevölkerung zwischen 1803 und 1870 von 183 auf 400 Personen mehr als verdoppelt hatte, war St. Moritz bis 1880 ein kleines Dorf. Innerhalb dreier Jahrzehnte folgte ein Bevölkerungswachstum von 394 (1880) auf 3'197 Einwohner (1910; +711 %). Infolge eines Rückgangs des Fremdenverkehrs sank die Bevölkerung in den 1910er-Jahren bedeutend und wuchs daraufhin bis 1930 auf einen neuen Höchststand von 3'968 Personen an. 1941, mitten im Zweiten Weltkrieg, wurden 2'418 Einwohner gezählt. Zwischen 1950 und 1980 folgte ein weiterer starker Bevölkerungsschub von 2'558 auf 5'900 Personen (+131 %). Seit diesem Höchststand sinkt die Einwohnerzahl erneut (1980 bis 2005: −13 %).

Herkunft und Nationalität + Bevölkerung nach Staatsangehörigkeit (Volkszählung) Staatsangehörigkeit Anzahl ohne Anzahl mit Doppelbürger Schweiz 3'079 3'527 Italien 897 1'162 Portugal 435 445 Deutschland 202 232 Serbien und Montenegro 106 108 Österreich 74 104 Frankreich 56 73 Kroatien 62 63 Spanien 33 41 Vereinigtes Königreich 20 32 Niederlande 17 29 Bosnien und Herzegowina 27 28

Von den Ende 2005 5'121 Bewohnern waren 3'382 (= 66 %) Schweizer Staatsangehörige. Die letzte Volkszählung (2000) zeigte den internationalen Charakter der Einwohnerschaft und ergab folgendes Bild: Insgesamt wurden zum Zeitpunkt der Volkszählung nebst den 3'527 Schweizern 2'062 Ausländer (= 37 %) gezählt.

Religionen und Konfessionen St. Moritz nahm erst 1577 die Reformation an, später als die meisten anderen Engadiner Gemeinden. Heute ist die Gemeinde infolge starker Zuwanderung aus Südeuropa (vor allem Italien und Portugal) konfessionell gemischt. Bei der letzten Volkszählung im Jahr 2000 wurden 3'137 Katholiken (56 %), 1'736 Protestanten (31 %), 351 Konfessionslose (6 %) und 124 Orthodoxe (2 %) erfasst; weiters wurden 43 Muslime und 16 Juden verzeichnet sowie 65 Einwohner, die keine Angabe zu ihrem Glaubensbekenntnis machten.

Sprachen Die ursprüngliche Sprache Puter, ein Idiom des Bündnerromanischen, wurde schon 1880 nur noch von 50,2 % der Einwohnerschaft gesprochen. Verdrängt wurde es nicht nur vom Deutschen, sondern auch vom Italienischen. 1900 hatte Italienisch eine relative Mehrheit (mit 31 %), ebenso 1910. Mittlerweile dominiert Deutsch deutlich, gefolgt von Italienisch. Das Romanische verlor hingegen kontinuierlich an Boden: 1941 gaben noch 20 % und 1970 8 % der Einwohner Romanisch als Muttersprache an. Nur 13 % der Bevölkerung konnten sich im Jahr 2000 auf Romanisch verständigen – der mit Abstand tiefste Wert aller Oberengadiner Gemeinden. Die Tabelle zeigt die Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte.

Nach Deutsch und Italienisch ist Portugiesisch mit 7 % Bevölkerungsanteil die dritthäufigste Sprache. Seit dem Einstellen der romanischen Zeitung Fögl Ladin erscheint die Engadiner Post zweisprachig als Engadiner Post / Posta Ladina.

+ Verteilung der Sprachen in St. Moritz Sprachen Volkszählung 1980 Volkszählung 1990 Volkszählung 2000 Anzahl Anteil in % Anzahl Anteil in % Anzahl Anteil in % Deutsch 3092 52,41 3186 58,72 3286 58,79 Italienisch 1608 27,25 1157 21,32 1220 21,83 Rätoromanisch 569 9,64 338 6,23 264 4,72 Einwohner gesamt 5900 100,00 5426 100,00 5589 100,00

Politik

Legislative Der Gemeinderat bildet zusammen mit der Gemeindeversammlung die Legislative der Gemeinde St. Moritz. Er besteht aus 17 Mitgliedern und wird alle vier Jahre vom Volk im Majorzverfahren neu gewählt. Ab dem Jahr 2027 wird der Gemeinderat auf 11 Mitglieder reduziert. In der Legislaturperiode 2023 bis 2026 sind folgende Parteien im Gemeindeparlament vertreten:

Next Generation: 7 Sitze FDP: 4 Sitze Die Mitte: 4 Sitze SVP: 2 Sitze

Exekutive Der Gemeindevorstand bildet die Exekutive von St. Moritz. Es handelt sich um eine fünfköpfige Kollegialbehörde, die alle vier Jahre vom Volk im Majorzverfahren neu gewählt wird. Sie besteht aus dem Gemeindepräsidenten und vier Departementsvorstehern.

Mitglieder für die Amtszeit 2023 bis 2026 sind: Christian Jott Jenny, Gemeindepräsident (Präsidialdepartement), parteilos Reto Matossi, Gemeindevizepräsident (Baudepartement), Gruppe der Unabhängigen Prisca Anand (Sozialdepartement), parteilos Christoph Schlatter (Tourismusdepartement), parteilos Gian Marco Tomaschett (Sicherheitsdepartement), SVP

Sehenswürdigkeiten

mini|hochkant|Schiefer Turm der abgebrochenen Mauritiuskirche Wahrzeichen von St. Moritz-Dorf ist der Schiefe Turm, ein Rest der im 19. Jahrhundert abgebrochenen Mauritiuskirche aus der Zeit um 1500.

Das Segantini Museum beherbergt eine grosse Sammlung von Werken des Künstlers Giovanni Segantini. Eine mehrtägige Wanderung namens Senda Segantini verbindet Stationen aus dem Leben des Malers.

Im Engadiner Museum sind kulturhistorische und volkskundliche Sammlungen ausgestellt. Es ist in einem von Nicolaus Hartmann im Engadiner Stil entworfenen Gebäude untergebracht.

Mitten im Zentrum von St. Moritz-Dorf steht die reformierte Dorfkirche.

Darüber hinaus sind folgende Einrichtungen bemerkenswert: Altes Schulhaus (1886, 1909) Bylandt-Brunnen Eisbahn- und Golfpavillon Chesa Futura (2003, Architekt: Norman Robert Foster) Konditorei-Café Hanselmann Mauritiusbrunnen Mili-Weber-Haus Forum Paracelsus (ehemalige Trinkhalle in St. Moritz-Bad) Saalanbau am Hotel Reine Victoria 1968: Hallenbad, Architekt: Robert Obrist und Alfred Theus (abgebrochen)

mini|Grand Hotel am St. Moritzersee mit Blick auf St. Moritz-Bad, Foto: Bruno Wehrli (1906)

Hotels Hotel Carlton Grand Hotel des Bains Kempinski St. Moritz Hotel Kulm Hotel Grace La Margna Badrutt’s Palace Hotel Schweizerhof Suvretta House

St. Moritz-Bad umfasst die Kurzone der Ortschaft und liegt am Südrand des Sees. An der Via dal Bagn liegt die Evangelische Kirche St. Moritz Bad, an der Plazza Paracelsus die Französische Kirche.

Verkehr Bahnverkehr mini|Touristisches St. Moritz im Dezember 1930 Im Jahr 1904 erhielt St. Moritz mit der von Thusis im Norden kommenden Albulabahn eine Anbindung an das Netz der Rhätischen Bahn (RhB). 1909 folgte die Inbetriebnahme der Berninabahn, die St. Moritz mit Tirano in Italien verbindet. Von Bever an der Albulabahn aus gibt es mit der Engadinerlinie seit 1913 eine Verbindung nach Scuol.

Der Bahnhof St. Moritz liegt an der Strecke des Bernina-Express und ist Ausgangspunkt des Glacier Express und des Palm-Express.

Busverkehr Das Postauto bedient ab St. Moritz die Strecken über den Julierpass nach Chur und über den Malojapass nach Chiavenna (einmal täglich auch weiter nach Lugano).

Für den lokalen Verkehr im Engadin haben sich die Rhätische Bahn, PostAuto Schweiz, Engadin Bus und der Ortsbus St. Moritz zum Verbund engadin mobil zusammengeschlossen.

Flughafen Für den Individualverkehr steht neben den gut ausgebauten Alpenpässen der Flugplatz Samedan (Engadin Airport) im fünf Kilometer entfernten Samedan zur Verfügung. Die nächstgelegenen Flughäfen mit regulären Linienflügen sind der Flughafen Bergamo in Italien (circa 150 Kilometer Fahrdistanz), der Flughafen Mailand-Malpensa (circa 180 Kilometer) und der Flughafen Innsbruck in Österreich (circa 185 Kilometer).

Standseilbahnen