Die 9K33 Osa (NATO-Codename: SA-8 Gecko) ist ein Flugabwehrraketen-System der ehem. Sowjetunion und Russlands, das in den 1960er Jahren entwickelt und 1975 in Dienst gestellt wurde. Es dient zur Bekämpfung von Hubschraubern und Kampfflugzeugen in niedriger bis mittlerer Flughöhe und ist heute noch bei vielen Armeen im Einsatz. Der GRAU-Index lautet 9K33 Osa ( – Wespe). Als Nachfolger gilt das System 9K330 Tor.

Entwicklung Das Flugabwehrraketen-System 9K33 Osa wurde Anfang der 1960er-Jahre entwickelt. Die Federführung lag beim Forschungsinstitut NII-20. Grundlage der Entwicklung war ein Beschluss des Ministerrates der Sowjetunion vom 27. Oktober 1960. Ziel war die Herstellung eines Flugabwehrraketensystems, das autonom agieren konnte und alle wichtigen Bestandteile eines Flugabwehrsystems wie Suchradar, Feuerleitradar und Flugkörper in einem Fahrzeug vereinte. Die Zusammenfassung dieser Elemente in einem Gefechtsfahrzeug versprach eine höhere Autonomie und eine bessere taktische Beweglichkeit. Gleichzeitig konnte die Anzahl der Zielkanäle je Batterie erhöht werden, was der Flugabwehrraketenbatterie die gleichzeitige Bekämpfung mehrerer Luftziele ermöglichte. Gegenüber der nahezu zeitgleich entwickelten 2K12 Kub bedeutete das eine deutliche Erhöhung des Gefechtswertes. Zugunsten dieser Vorteile verzichtete man auf die automatisierte Übertragung von Zieldaten und die Möglichkeit der automatisierten zentralen Führung der Batterien. Dadurch war die Aufklärungsreichweite insgesamt eingeschränkt.

Am Anfang der Entwicklung wurde von einer vergleichsweise leichten Rakete mit einer Masse von etwa 50 bis 60 kg ausgegangen. Die Arbeiten am Projekt beschränkten sich im Endeffekt auf konzeptionelle Arbeiten und Machbarkeitsstudien. Die Entwicklung wurde in dieser Phase wesentlich vom amerikanischen Projekt XMIM-46A Mauler inspiriert. Ursprünglich war die Verwendung einer halbaktiven Rakete vorgesehen. Der Lenkflugkörper entsprach einer verkleinerten Ausführung der Rakete 3M9 des Systems 2K12. Durch die kleineren Abmessungen ergaben sich jedoch Probleme bei der Konstruktion des Zielsuchlenkkopfes, insbesondere bei der Unterbringung der Antenne. Die Annahmen über die Fortschritte bei der Entwicklung von Feststoffraketentriebwerken waren zu optimistisch. Letztlich erwies sich auch das ursprünglich ausgewählte Fahrgestell auf Basis des MT-LB als ungeeignet.Air Power Australia, Air Research: Self Propelled Air Defence System / SA-8 Gecko

Im Jahr 1965 wurden nach einer Umgliederung der Projektorganisation und dem Auswechseln der für die Entwicklung verantwortlichen Konstrukteure die Anforderungen an das Waffensystem neu definiert. Ausgangspunkt war nun eine Rakete mit etwa 110 kg Masse. Die Erprobungen ab 1967 zeigten noch vielfältige Probleme sowohl einzelner Komponenten als auch des gesamten Waffensystems auf, die zu größeren konstruktiven Änderungen führten.

Die Werkserprobung des Waffensystems begann 1970, die Übernahme in die Bewaffnung der Sowjetarmee erfolgte im darauffolgenden Jahr. Gleichzeitig begann die Entwicklung der verbesserten Variante 9K33AK, die sich durch eine höhere Vernichtungswahrscheinlichkeit, eine größere Vernichtungszone und die Erhöhung der Anzahl der Lenkflugkörper von vier auf sechs je Startfahrzeug von der Ursprungsvariante unterschied. Die Raketen waren nun wartungsfrei in Transport- und Startcontainern gelagert. Im Jahr 1974 wurde die 9K33AK erprobt, 1975 in Dienst gestellt und im gleichen Jahr erstmals öffentlich gezeigt.Spadeadam’s Equipment: SA8 auf /www.raf.mod.uk (englisch)

Konstruktion Aufbau des Waffensystems mini|P-40 der NVA der DDR mini|Start- und Leitstation 9A33BM2, Antenne des Suchradars in Marschlage abgeklappt Das Waffensystem wurde normalerweise geschlossen im Bestand eines Flugabwehrraketenregimentes eingesetzt. Das Regiment setzt sich aus fünf FlugabwehrraketenbatterienNVA: fünf; für andere Einsatzstaaten und Zeiträume können Struktur und Mengengerüste abweichen, einer Führungsbatterie, einer Technischen Batterie und einer Instandsetzungsbatterie zusammen.

Die Führungsbatterie besteht ausAngaben für NVA, Gliederung und Bestände können in anderen Armeen abweichen: einer Automatisierten Führungstelle PU-12M auf Basis des SPW-60 einer Rundblickstation RBS-40 (P-40, russisch П-40) einer Rundblickstation RBS-19 (P-19, russisch П-19) einer Rundblickstation RBS-18 (P-18, russisch П-18) einem Höhenfinder PRW-16 (russisch ПРВ-16) Alternativ zur RBS-19 kann auch eine Rundblickstation RBS-15 (P-15) zum Einsatz kommen.Air Power Australia, Air Research, Self Propelled Air Defence System / SA-8 Gecko

Zu einer Fla-Raketenbatterie des Waffensystems gehörenAngaben für NVA, Gliederung und Bestände können in anderen Armeen abweichen: eine Automatisierte Führungstelle PU-12M auf Basis des SPW-60 vier Start- und Leitstationen 9A33 zwei Transport- und Ladefahrzeuge 9T217 eine Prüf- und Abstimmbasis MTO 9W210 auf Lkw ZIL-131 ein Werkzeug- und Ersatzteilsatz, verlastet auf Lkw ZIL-131 48 Lenkflugkörper 9M33M

Grundsätzliches Zusammenwirken der Elemente des Waffensystems In der Führungsbatterie wird in der Automatisierten Führungstelle ein gemeinsames Luftlagebild erstellt. Dazu werden die Signale der verschiedenen Radarstationen auf einem Sichtgerät zusammengeführt. Die Nutzung mehrerer in verschiedenen Frequenzbändern arbeitender Radarstationen erlaubte die Abdeckung eines räumlich großen Gebietes und führte zu einem höheren Schutz gegen passive und aktive Radarstörungen. Bei wechselseitigem Einsatz der verschiedenen Radarstationen wird auch die Aufklärung und Bekämpfung durch den Gegner erschwert. Die Zieldaten werden über Funk oder drahtgebunden mittels Datenlink an die Automatisierten Führungstellen der einzelnen Fla-Raketenbatterien übertragen. Dort erfolgt auf einem Sichtschirm die Darstellung des Luftlagebildes für die jeweilige Batterie. Innerhalb der Fla-Raketenbatterie war eine automatisierte Zielzuweisung nicht möglich. Die Zieldaten wurden von der Automatisierten Führungstelle an die Start- und Leitstationen per Sprechfunk übermittelt. Dabei wurden Entfernung sowie Seiten- und Höhenwinkel des Luftzieles übermittelt.

Die Start- und Leitstationen verfügt über die Möglichkeit der eigenständigen Luftraumaufklärung, allerdings mit im Vergleich zur zentralen Führung eingeschränkter Aufklärungsreichweite. Dabei besteht jedoch die Gefahr der ungewollten Mehrfach- bzw. Nichtbekämpfung von Luftzielen. Durch die langandauernde Abstrahlung des Radargerätes erhöht sich außerdem die Gefahr der Entdeckung durch den Gegner.

Lenkverfahren mini|Rumänische „Osa“ beim Start eines Lenkflugkörpers Als Lenkverfahren wird die passive Funkkommandolenkung genutzt. Dabei werden durch zwei getrennte Radarstationen die Lage des Luftzieles und die Lage der Flugabwehrrakete bestimmt. Durch ein Rechengerät werden die Lenkkommandos für die Flugabwehrrakete errechnet und an diese über Funk übertragen. Bei diesem Verfahren befinden sich die Radar- und Rechengeräte am Boden in der Start- und Leitstationen; die Rakete selbst kann folglich im Vergleich zu aktiven und halbaktiven Lenkverfahren kleiner und leichter gebaut werden, was im Endeffekt bei der Konstruktion höhere Lastvielfache erlaubt und die Bekämpfung stark manövrierender Luftziele ermöglicht. Da die Antennen der Radargeräte nicht den Größenbeschränkungen der Rakete unterliegen, kann auf die bei der 2K12 verwendete Selektion der Luftziele anhand der Dopplergeschwindigkeit verzichtet werden. Dies erleichtert den Kampf gegen langsamfliegende Luftziele und Hubschrauber in der Standschwebe.

Als Lenkmethode kommt die Dreipunktlenkung zum Einsatz. Dabei werden Luftziel, Flugabwehrrakete und Start- und Leitstationen ständig auf einer gedachten Linie gehalten. Weicht der Lenkflugkörper von dieser Linie ab, wird ein Fehlersignal erzeugt und die entsprechenden Lenkkommandos berechnet. Vorteilhaft bei Nutzung dieser Methode ist, dass die Entfernung zum Ziel für die Berechnung der Lenkkommandos nicht benötigt wird, nachteilig ist die stark gekrümmte Flugbahn der Rakete mit entsprechend hohen g-Kräften bei der Bekämpfung schnellfliegender Ziele.

PU-12 Die Automatisierte Führungstelle PU-12M besteht im Wesentlichen aus dem Basisfahrzeug SPW-60PU dem Gerät zur automatisierten Führung ASPD bzw. ASPD-U der Stromversorgungsanlage mit einem fahrzeuggetriebenen Generator und einem Elektroaggregat fünf Funkgeräten der Navigationsanlage KP-4 Mit dem Gerät zur automatisierten Führung ASPD werden Luftlageinformationen automatisch übertragen, empfangen, gespeichert und auf einem PPI-Scope dargestellt. Weiterhin erfolgt die kodierte Übertragung von Zielzuweisungen sowie von Kommandos und Meldungen. Mit der auf Basis der Trägheitsnavigation arbeitenden Navigationsanlage KP-4 wird der eigene Standort bestimmt. Die Fehler beträgt dabei maximal 1 % der gefahrenen Strecke. Wird die Zielzuweisung auf Grundlage der Werte der Navigationsanlage durchgeführt, beträgt der maximale Fehler des Seitenwinkels 5°, der der Entfernung 3000 m.

Start- und Leitstationen 9A33 mini|OSA-AKM, Heckansicht. Rechts Austrittsklappe der Gasturbine, darunter beidseitig Austrittsöffnungen des Wasserstrahlantriebes mini|Aufbau Antennenanlage 9K33, Ansicht von vorn, ohne Maßstab. 1: Reflektor Suchradar,2: Dipol Kennungsgerät, 3: Hornstrahler Suchradar, 4: Funkmessgerät Rakete,5: Funkmessgerät Ziel,6: Sender Funkkommandolenkung Die Start- und Leitstationen 9A33 dient der Aufklärung des Luftraumes, der Zielerfassung und -begleitung, der Erfassung und Begleitung der Flugabwehrrakete, der Berechnung der Lenkkommandos und ihrer Übertragung.

Die Station besteht aus dem Basisfahrzeug BAZ-5937 der Stromversorgungsanlage 9I210 der Aufklärungsstation mit Kennungsgerät dem Funkmessgerät Ziel den beiden Funkmessgeräten Rakete den beiden Funkkommandosendern dem Rechner 9S456M3 der Antennen- und Starteinrichtung mit Startsystem 9P35M1 der Kernwaffenschutzanlage der Vermessungseinrichtung TNA-3 Die Besatzung bestand aus insgesamt vier Soldaten.

Die Aufklärungsstation dient zur Aufklärung des Luftraumes, der Zielerfassung und -begleitung, der Kennungsabfrage (Freund-Feind-Erkennung) und der Zielzuweisung an das Funkmessgerät Ziel. Das Radargerät der Aufklärungsstation arbeitet im H-Band. Die Antenne der Aufklärungsstation ist um 360° drehbar, die Drehzahl beträgt 33/min. Die maximale Radarreichweite beträgt 40 km, dabei kann ein Sektor von 360° Seitenwinkel und einem Höhenwinkel von 30° aufgeklärt werden. Bei einer Impulsfolgefrequenz von 2,8 kHz werden 0,45 Mikrosekunden lange Impulse ausgestrahlt. Die Impulsleistung beträgt 270 kW. Die Empfindlichkeit des Empfängers liegt bei 10−13 W.

Das Freund-Feind-Erkennungssystem ist Bestandteil des Komplexes Kremnij-2. Das Funktionsprinzip beruht auf dem Senden und Empfangen einer kodierte Impulsfolge. Dabei stehen insgesamt zwölf manuell wechselbare Codefilter zur Verfügung. Es wird die Antenne der Aufklärungsstation genutzt, die Einspeisung erfolgt über ein Dipol links neben der Einspeisung der Aufklärungsstation. Ab Ende der 1980er-Jahre begann die Umrüstung auf das modernere Kennungsgerät Parol; in der NVA fand die Umrüstung jedoch nicht mehr statt.

Das Radargerät Ziel bzw. Rakete arbeiten im J-Band mit einer Reichweite von 20 km bis 25 km. Für die Flugkörpersteuerung stehen zwei auf unterschiedlichen Frequenzen arbeitende Sendekanäle zur Verfügung.

Rakete 9M33 mini|Aufbau der Rakete 9M33, Skizze. 1: Sender-Funkmesszünder, 2: Steuerflächen, 3: Stromversorgung, 4: Druckluftbehälter (Stromversorgung), 5: Empfänger Funkmesszünder, 6: Empfänger für Funkkommandolenkung, 7: Autopilot, 8: Gefechtskopf, 9: Feststofftriebwerk, 10: Schubdüse, 11: Steuerflächen