Lauffen am Neckar () ist eine Stadt im Landkreis Heilbronn, Baden-Württemberg. Bekannt ist Lauffen als Geburtsstadt des Dichters Friedrich Hölderlin, dem sie die seit 2022 offiziell geführte Zusatzbezeichnung Hölderlinstadt verdankt,Zusatzbezeichnungen für 23 Städte und Gemeinden. Pressemitteilung des Ministeriums des Inneren, für Digitalisierung und Kommunen Baden-Württemberg, 9. Dezember 2021 und als zweitgrößte Weinbaugemeinde Württembergs.

Geographie Geographische Lage Lauffen liegt im südlichen Teil des Landkreises Heilbronn, rund 9 km südlich der Kreisstadt Heilbronn und rund 30 km nördlich der Landeshauptstadt Stuttgart, am Neckar, in den hier die Zaber einmündet. Der in nördliche Richtung fließende Neckar wurde hier einst durch einen Felsrücken gezwungen, eine große, beinahe ringförmige Schleife in Richtung Westen zu bilden. Durch die Erosionskräfte des Wassers wurde der Felsen im Zeitraum 400 bis 100 v. Chr. durchbrochen.Historischer Stadtführer (s. Literatur), S. 39. Der Neckar floss über viele Stromschnellen und Strudel mit hoher Geschwindigkeit durch die geschaffene Lücke. Auf diesen Lauffen im Fluss Neckar (im 20. Jahrhundert durch Kanalisierung eingedämmt) geht der Stadtname zurück. Das ehemalige Flussbett in der Westschleife liegt nun trocken. Im nördlichen Teil fließt die Zaber auf wenigen Kilometern bis zu ihrer Mündung in den Neckar in der ehemaligen Neckarschlinge. Das alte Flussbett wird von einem ringförmigen Hügel begrenzt, dessen Hang teils vom Kaywald bedeckt ist, teils für den Weinbau genutzt wird.

Im Zentrum der alten Neckarschlinge, westlich des heutigen Flusslaufs, befindet sich ein Hügel, der durch den Neckardurchbruch von seinem Pendant am heutigen östlichen Flussufer abgetrennt wurde. Auf dem Ausläufer dieses Hügels direkt am Neckar (heute Standort der Regiswindiskirche) wurde Lauffen gegründet, der später so genannte Stadtteil Lauffen-Dorf liegt größtenteils auf diesem Hügel. Am Neckardurchbruch liegt eine Insel, auf der sich die frühere Grafenburg mit dem heutigen Rathaus befindet; der Rest der Insel steht unter Naturschutz. Auf einem Hügel östlich des Neckars, dem Pendant zum Hügel im Westen, befindet sich der zu einem späteren Zeitpunkt gegründete Stadtteil Lauffen-Stadt. Beide Stadtteile sind durch die Neckarbrücke miteinander verbunden, von Lauffen-Stadt führt eine weitere Brücke zur Rathausinsel. Westlich des Neckars und nördlich von Dorf und Zaber gab es einst ein Dominikanerinnenkloster, aus dem sich ein weiterer, auch „Dörfle“ genannter Siedlungskern entwickelte.

Eine Lauffener Exklave, der etwa 153 Hektar große Stadtwald Etzlenswenden (bei Farnersberg), befindet sich 13 bis 15,5 Kilometer weiter östlich in den Südwestlichen Löwensteiner Bergen. Das Waldstück wurde der Stadt Lauffen vermutlich schon von ihren Gründern um das Jahr 1200 zugewiesen, da die Stadt anders als das Dorf auf ihrer Gemarkung kaum über Wald verfügte, aber Bau- und Brennholz benötigte.

In diesem Waldstück liegt auch der mit höchste Punkt des Stadtgebiets. Der höchste Punkt außerhalb dieser Exklave liegt mit im Gewann Renngrund im Osten, der tiefste Punkt mit im Norden des Stadtgebiets am Neckar.Quellen: Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band II. Kohlhammer, Stuttgart 1975, ISBN 3-17-002349-7, S. 126 Dass. Band IV. Kohlhammer, Stuttgart 1980, ISBN 3-17-005708-1, S. 99ff. Topographische Karte 1:50 000, Nr. L 6920 Heilbronn, 8. Auflage 2002 Topographische Karte 1:25 000, Nr. 6921 Großbottwar, 5. Auflage 2005 Topographische Karte 1:25 000, Nr. 6922 Wüstenrot, 8. Auflage 2001 Historischer Stadtführer (s. Literatur), S. 5 und 16 Zum Lauffener Stadtwald Etzlenswenden: Jürgen Hagel: Der Lauffener Stadtwald. Eine Exklave in den Löwensteiner Bergen. In: Lauffener Heimatblätter. Heft 14. Heimatverein Gesellschaft Alt-Lauffen e. V., Lauffen a. N. 1997, S. 1–16 Lauffen liegt im Unterraum Besigheim-Lauffener Neckarschlingen des Naturraums Neckarbecken. Die unbewohnte Exklave bei Etzlenswenden wird dem Unterraum Südwestliche Löwensteiner Berge der Löwensteiner Berge im Naturraum der Schwäbisch-Fränkischen Waldberge zugerechnet.

Nachbargemeinden Nachbarstädte und -gemeinden Lauffens sind (im Uhrzeigersinn, beginnend im Westen): Brackenheim, Nordheim, Heilbronn (Stadtkreis), Talheim, Ilsfeld, Neckarwestheim und Kirchheim am Neckar (Landkreis Ludwigsburg). Die Exklave Stadtwald Etzlenswenden liegt zwischen (von Westen) Abstatt, Untergruppenbach, Löwenstein und Beilstein. Bis auf Heilbronn und Kirchheim gehören alle Nachbarorte zum Landkreis Heilbronn. Mit Neckarwestheim und Nordheim ist Lauffen eine Vereinbarte Verwaltungsgemeinschaft eingegangen.

Stadtgliederung Die Stadt Lauffen am Neckar bestand bis zum 1. April 1914 aus den beiden Teilgemeinden Lauffen-Dorf (links des Neckars) und Lauffen-Stadt (rechts des Neckars), die zu diesem Datum aufgehoben wurden. Zu Lauffen gehören noch die Höfe Landturm (die auf den Lauffener Landturm am Württembergischen Landgraben zurückgehen), Bortental, Renngrund, Rieder, Rotenberg, Siegersgrund und Wannenberg.Ortsdatenbank der Top25 Baden-Württemberg, Stand 2009. Abgegangene, also nicht mehr bestehenden Orte auf der Markung Lauffens sind Auen, Hofstatt, Hohfeld, Jungesheim, Konsten (bzw. Konstheim), Osterhofen und Raitern. Die früheren Orte „zu Brücken“ und Talhofen gingen in Lauffen-Dorf auf.Zusätzliche Quelle für den Abschnitt Stadtgliederung:

Flächenaufteilung

Nach Daten des Statistischen Landesamtes, Stand 2014.Statistisches Landesamt, Fläche seit 1988 nach tatsächlicher Nutzung für Lauffen am Neckar.

Geschichte Vor- und Frühgeschichte Mit über 100 vor- und frühgeschichtlichen Fundstellen gehört Lauffen zu den fundreichsten Orten Nordwürttembergs.Jörg Biel: (PDF; 11,5 MB) Die ältesten auf Lauffener Gemarkung gefundenen Siedlungsspuren datieren aus der älteren Jungsteinzeit (etwa 5000–3500 v. Chr.): Scherben aus der jüngeren Bandkeramik entstammen einer Besiedlung der lössbedeckten Hochfläche nördlich des Dorfs. Auch aus der Rössener und der Michelsberger Kultur sowie aus der Bronze- und der Urnenfelderzeit datieren zahlreiche Funde.

mini|Villa rustica in Lauffen Die Kelten siedelten in der Hallstatt- und in der frühen Latènezeit an verschiedenen Stellen auf Lauffener Markung. Wie auch andernorts im mittleren Neckarraum scheint die Siedlungsdichte im Bereich um Lauffen mit der Keltischen Abwanderung nach Süden in der mittleren und späten Latènezeit zurückgegangen zu sein. Um 85 n. Chr. kam das Gebiet um Lauffen in den römischen Einflussbereich. Wahrscheinlich verlief die Grenzstraße des Neckar-Odenwald-Limes zwischen den Kastellen Walheim und Heilbronn-Böckingen über Lauffener Gebiet, ihre Lage ist jedoch nicht geklärt. Spätestens mit der Erweiterung des römischen Machtbereichs durch den Obergermanisch-Raetischen Limes in der Mitte des 2. Jahrhunderts setzte um Lauffen wie im gesamten mittleren Neckarraum eine dichte römische Besiedlung ein. Aus dieser Zeit datiert ein römischer Gutshof im Gewann Brunnenäcker, der 1978 bei einer Flurbereinigung entdeckt, vollständig erforscht und konserviert wurde. Insgesamt lassen Funde auf mindestens zwölf Villae rusticae auf Lauffener Gemarkung schließen. Spätestens mit der Aufgabe des Obergermanisch-Raetischen Limes um 259/260 verließen die Römer ihre Siedlungen um Lauffen.

Auf eine frühalemannische Besiedlung der Gegend im 4. bis 5. Jahrhundert gibt es zahlreiche archäologische Hinweise. Herausragend sind dabei die in der Nähe des römischen Gutshofs entdeckten Gräber eines Mädchens aus der Mitte des 4. Jahrhunderts und einer Frau aus der zweiten Hälfte des gleichen Jahrhunderts. Der reichhaltige Grabschmuck weist sie als Mitglieder einer höher gestellten Schicht aus. Aus der Zeit ab dem 6. Jahrhundert datieren insgesamt sechs aufgefundene alemannische oder fränkische Reihengräber, wovon sich vier kreisförmig um Lauffen-Dorf konzentrieren. Sie liefern die frühesten Hinweise auf die Gründung des Ortes Lauffen.

9. bis 11. Jahrhundert, Namensherkunft Die Franken errichteten in Lauffen ein Königsgut mit Martinskirche, dessen Besitzverhältnisse zwischen Fürsten und Kirche mehrfach wechselten. Eine Urkunde aus dem Jahr 823 erwähnt diese „Kirche im Neckargau, welche in der Villa Hlauppa zur Ehre des Hl. Martin erbaut ist“.Text und Übertragung der Urkunde Kaiser Ludwigs des Frommen von 822

Der dabei erstmals erwähnte Name Hlauppa (später: Lauffa, Laufen, Lauffen) ist typisch für Orte an Stromschnellen oder Wasserfällen. Die zeitweilige Neckarstromschnelle bei Lauffen entstand, als der Fluss ca. 400 – 100 v. Chr. den Mäanderhals der großen Flussschlinge durchbrach und seine Laufstrecke so abkürzte.

mini|hochkant|Kaiser Ludwig belehnt 832 Markgraf Ernst mit Lauffen – Gemälde in der Regiswindiskirche Nach der Regiswindislegende gab Kaiser Ludwig der Fromme den noch unbefestigten Ort 832 an seinen Schwiegersohn Ernst, den Markgrafen des oberpfälzischen Nordgaus zu Lehen, mit der Auflage, den unwirtlichen Ort würdig auszugestalten, da der Kaiser dort zu jagen gedachte. Auf Ernst ginge somit die früheste Kultivierung der Neckarhänge und die älteste Anlage einer Burg zurück. Die Tochter des Grafen, Regiswindis, wurde jedoch im Kindesalter von ihrer Amme getötet und der Leichnam in den Neckar geworfen, worauf sich Markgraf Ernst wieder in seinen Stammgau in der Oberpfalz zurückzog, so dass Lauffen noch vor Ablauf der Lehensdauer und vor dem Tod des Grafen ab 861 wieder direkt dem Kaiser unterstand. In den Jahren 889, 923 und 993 übertrugen verschiedene deutsche Kaiser dem Bistum Würzburg die Herrschaft über den Ort. 1003 sprach sich König Heinrich II. für die Gründung eines Klosters in dem inzwischen befestigten Ort aus.

Hochmittelalter Ab dem 11. Jahrhundert erschienen die fränkischen Grafen von Lauffen, die dem Bistum Worms verbunden waren. Dieses Grafengeschlecht erbauten wohl Anfang des 11. Jahrhunderts die Wasserburg und schlugen dafür den östlichen Felsen vom Ufer ab. Außerdem schufen sie wahrscheinlich zu Anfang des 13. Jahrhunderts die Grundlage für die Stadt Lauffen rechts des Neckars. Mit dem Tod von Boppo (V.) 1216–1219 starb das Grafengeschlecht derer von Lauffen aus, und die Stadt fiel reichsunmittelbar in den Besitz des Stauferkönigs Friedrich II.

Aus einer im Jahre 1234 von Kaiser Friedrich II. in Apricena ausgestellten Urkunde lässt sich ableiten, dass Loufen vor 1220 an Markgraf Hermann V. von Baden als Pfandgut übergeben wurde und zu diesem Zeitpunkt bereits zur Stadt (civitas) erhoben war.RI V,1,1 n. 2060, in: Regesta Imperii Online. Abgerufen am 16. Januar 2017. Die Markgrafen von Baden setzten Vögte als Verwalter der Stadt ein. 1227 erfolgte der Bau einer Kirche, die der inzwischen heiliggesprochenen Regiswindis geweiht war und eine bereits dort bestehende Kapelle ersetzte. Durch die verstrickten Verwandtschafts- und Pfandschuldverhältnisse der damaligen Adelsgeschlechter wechselte das Vogtrecht über den Ort mehrfach und ging unter anderem auch auf die Herren von Teck über. 1327 wurde Lauffen an Württemberg verpfändet. 1346 erwarb Ritter Albrecht (genannt Hofwarth) von Lauffen die Stadt und die Burg von den badischen Markgrafen für 3000 Pfund Heller. Er verkaufte seinen Besitz jedoch 1361 für die doppelte Summe bereits wieder an Graf Eberhard von Württemberg und dessen Bruder Ulrich. Die württembergischen Herren forderten angesichts der nahen Reichsstadt Heilbronn im Jahr 1383 eine Selbstverpflichtung der Einwohner zur Treue zu Württemberg.

Spätmittelalter und Bauernkrieg mini|Ehemalige Burg, heutiges Rathaus