__NOTOC__ mini|hochkant=1.5|Friedrich II. inspiziert auf einer seiner Inspektionsreisen die Kartoffelernte („Der König überall“, Gemälde von Robert Warthmüller).

Kartoffelbefehl, auch Kartoffelerlass, ist eine Bezeichnung für Anordnungen, Rundschreiben und Verordnungen Friedrichs II. von Preußen an die Beamten seiner Provinzen, in denen er sich bemühte, den Anbau der Kartoffel in den preußischen Provinzen durchzusetzen. Es sind 15 solcher „Kartoffelbefehle“ bekannt; der erste wurde 1746 anlässlich einer Hungersnot in Pommern erlassen.Antonia Humm: Friedrich II. und der Kartoffelanbau in Brandenburg-Preußen. In: Frank Göse (Hrsg.): Friedrich der Große und die Mark Brandenburg. Herrschaftspraxis in der Provinz. Lukas Verlag, Berlin 2012, ISBN 978-3-86732-138-9, S. 186f. (mit detaillierten Fundstellennachweisen zu den Archivalien) (Eingeschränkte Vorschau bei Google Books) Darüber hinaus ließ er die Verbreitung der Kartoffeln durch die Pastoren befördern, die als „Knollenprediger“ neue Erkenntnisse weitergaben und zum Anbau rieten. Zur Kontrolle der Umsetzung forderte er von seiner Verwaltung Tabellen ein, die über Erfolg und Misserfolg Auskunft gaben. – Friedrich der Große und die preußischen „Tartuffoli“. Begleittext und Flyer der Ausstellung des Hauses der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte vom 20. Juli 2012 bis 28. Oktober 2012.

Für Schlesien lautete das erste Schreiben vom 24. März 1756 wie folgt:

In einem zweiten für Schlesien bestimmten Schreiben vom 5. April 1757 wird vermerkt, dass es an „Kenntnis fehle, wie diese Tartoffeln anzupflanzen“, und wozu sie zu verwenden sind. Deswegen wird eine lange Anleitung gegeben über geeigneten Boden, Bodenbearbeitung, Auspflanzen der Kartoffeln und Verwendung für die menschliche Ernährung sowie als Viehfutter. Beschrieben werden Mischbrot aus Kartoffelmehl und Roggen, Kartoffelpüree (noch ohne Milch), Kartoffeln als Beilage zu Fleisch, Gewinnung von Kartoffelstärke (für „Puder“ und die „besten Kuchen“) und für „arme Leute“ Pellkartoffeln mit Salz. Weiter heißt es:

mini|Grabstein Friedrichs des Großen mit darauf und darum gelegten Kartoffeln

Friedrich sah in den Kartoffeln folgende Vorteile: keine hohen Ansprüche an den Boden, nahrhafte Speise für Mensch und Vieh und sie vertragen Nässe besser als Getreide.Pergande, Frank: Die 50 wichtigsten Fragen – Friedrich der Große – Weshalb gleicht Friedrichs Grab oftmals einem Kartoffelacker?, Bucher Verlag, München, 2011, S. 130

Eine Legende besagt, Bauern hätten mangels Unterweisung die Samen oder die Pflanzen anstatt der Knollen gekocht und sich daraufhin geweigert, diese anzubauen. Der König habe daraufhin auf seinen Gütern Kartoffeln anbauen und diese von Soldaten bewachen lassen. Das wiederum habe die Bauern der Gegend neugierig gemacht. Auf Nachfragen hätten sie die Auskunft bekommen, dass auf dem jeweiligen Acker der König Knollenfrüchte für die königliche Tafel anbauen lasse. Die Soldaten seien zum Schutz der wertvollen Erdknollen abgestellt und hätten die Aufgabe jeden Diebstahl zu unterbinden. Angeblich schlichen die Bauern in den Nächten zu den Äckern und stahlen die Kartoffelsaat, um sie auf den eigenen Äckern anzupflanzen, und die Wachsoldaten hätten dies auftragsgemäß übersehen. In Erinnerung an den Kartoffelbefehl legen Besucher heute auf dem Grab Friedrichs des Großen in Sanssouci oft Kartoffeln nieder.

Weitere ähnliche Befehle

Im Jahr 2015 ordnete die Regierung der VR China an, mehr Kartoffeln anzubauen. Die chinesische Regierung will damit eine ausgewogenere und gesündere Ernährung bewirken. Grund war offenbar auch, dass der Wasserverbrauch für den Anbau von Weizen und Reis zu groß geworden war. Die Kartoffel ist in China durchaus als Nutzpflanze und essbare Pflanze bekannt, wurde aber bis 2015 eher als Gemüse gegessen und nicht als Sättigungsbeilage.

Weblinks

Literatur Antonia Humm: Friedrich II. und der Kartoffelanbau in Brandenburg-Preußen. In: Frank Göse (Hrsg.): Friedrich der Große und die Mark Brandenburg. Herrschaftspraxis in der Provinz. Lukas Verlag, Berlin 2012, ISBN 978-3-86732-138-9, S. 183–215. Kurt Winkler (Hrsg.), Antonia Humm, Marina Heilmeyer: König & Kartoffel. Friedrich der Große und die preußischen „Tartuffoli“. Verlag für Berlin-Brandenburg, 2012, ISBN 978-3-942476-30-0.

Einzelnachweise

Befehl Kategorie:Politik (Preußen) Kategorie:Agrargeschichte (Feldwirtschaft) Kategorie:Friedrich II. (Preußen) Kategorie:Agrarrechtsgeschichte (Deutschland) Kategorie:Landwirtschaft (Preußen) Kategorie:1756 Kategorie:Edikt (Deutschland) Kategorie:Rechtsquelle (18. Jahrhundert)