Aston Villa (offiziell: Aston Villa Football Club) – auch bekannt als (The) Villa und The Villans – ist ein englischer Profifußballverein aus dem Birminghamer Vorort Aston, der nach 3 Jahren in der EFL Championship seit 2019/20 wieder in der Premier League spielt. Gegründet im Jahr 1874, spielt der Verein seit 1897 im Villa Park. Aston Villa war Gründungsmitglied sowohl der 1888 ins Leben gerufenen Football League als auch der 1992 gegründeten Premier League. Seit dem Ende der 1960er Jahre wurde der Klub lange durch seinen Vorsitzenden, den Millionär Doug Ellis, geprägt, bevor die Übernahme durch den US-amerikanischen Unternehmer Randy Lerner 2006 eine neue Ära einleitete. Nach dem Abstieg aus der Premier League in der Saison 2015/16 verkaufte Lerner den Verein an den chinesischen Geschäftsmann Xia Jiantong. Im Juli 2018 verkaufte dieser 55 % der Anteile wiederum an das ägyptische Unternehmen NSWE, das den Milliardären Nassef Sawiris und Wes Edens gehört. 2019 wurde bekannt, dass diese anschließend auch die restlichen Minoritätsanteile von Xia Jiantong am Klub übernommen haben.
Als einer der ältesten englischen Fußballvereine überhaupt wurde Aston Villa siebenmal englischer Meister und gewann siebenmal den FA Cup. Zudem wurde Villa in der Saison 1981/82 zu einem von bisher sechs englischen Fußballklubs, die den Europapokal der Landesmeister gewannen und siegte 2025/26 in der UEFA Europa League. Gemessen an der Summe der Titel in den einheimischen Wettbewerben ist Aston Villa mit 20 Trophäen der vierterfolgreichste Verein der englischen Fußballgeschichte, wobei die Mehrzahl der Triumphe aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg stammt und der letzte Titel von 1996 datiert.
Mit dem Stadtkonkurrenten Birmingham City verbindet Aston Villa eine traditionsreiche Rivalität. Diese ist deutlich größer als zu West Bromwich Albion, das geografisch näher an Aston gelegen ist. Die Derbys zwischen Aston Villa und Birmingham City sind als „Birmingham Derby“ oder als „Second City Derby“ bekannt und gehen bis in das Jahr 1879 zurück. (Football Derbies)
Die traditionellen Farben von Aston Villa bestehen aus weinroten Trikots mit himmelblauen Ärmeln, weißen Hosen und himmelblauen Stutzen.
Geschichte Von 1874 bis 1879: Gründung des Vereins von „Villa-Cross“-Cricketspielern mini|250x250px|Die erfolgreiche Mannschaft von Aston Villa gegen Ende des 19. Jahrhunderts.
Der Aston Villa Football Club wurde im März 1874 von Mitgliedern der methodistischen „Villa-Cross-Wesleyan“-Kirche im jetzigen Birminghamer Vorort Handsworth gegründet. Dabei lag die Gründung des Fußballvereins darin motiviert, dass die Cricketspieler von „Villa Cross“ nach neuen Möglichkeiten suchten, sich in den Wintermonaten fit zu halten und aus diesem Grund den damals noch sehr jungen Fußballsport auserwählten. Als die vier Gründungsväter von Aston Villa gelten Jack Hughes, Frederick Matthews, Walter H. Price und William Scattergood, wobei Price als erster Mannschaftskapitän in die Vereinschronik einging. Die Suche nach einem geeigneten Gegner gestaltete sich jedoch schwierig, da Birmingham als Rugby-Hochburg galt und die Teams aus Wolverhampton als zu leistungsstark eingestuft wurden. So trat Aston Villa in der ersten Partie zunächst gegen das heimische Rugbyteam Brook St. Mary’s an. Die beiden Mannschaften agierten dabei in der ersten Halbzeit nach Rugbyregeln, bevor sie in der zweiten Spielhälfte auf die „Sheffield-Regeln“ des Fußballs umstellten. Nachdem die erste Hälfte noch in einem punkt- und torlosen Gleichstand geendet hatte, schoss Jack Hughes den historisch gesehen ersten Treffer des Vereins, der zugleich das Spiel entschied.
Zu weiteren Begegnungen mit anderen Mannschaften kam es vorerst nicht; erst im nächsten Jahr folgten neue Spiele. „Aston Unity“ und „St. George’s Excelsior“ wurden zu regelmäßigen Gegnern in dieser Zeit und mit Unity duellierte sich Villa im Cricket sogar noch jährlich bis in die 1960er Jahre hinein. Die Heimspiele fanden hauptsächlich im Aston Park statt und nur wenige in den nahe gelegenen Aston Lower Grounds, wo sich heute der Villa Park befindet. Der Fußball besaß in dieser Gegend noch keinen erhöhten Stellenwert und so wurde das Gelände mit anderen Sportlern und Sportarten geteilt. Beispielsweise absolvierte der berühmte englische Cricketspieler W. G. Grace mit der englischen Auswahl ein Länderspiel gegen Australien, das sich zu diesem Zeitpunkt auf einer Tournee befand und England in weniger als vier Stunden besiegte.
Im Aston Park erschien um 1876 mit dem 21-jährigen George Ramsay ein Schotte, der fortan zum ersten Starspieler des Vereins aufstieg. Nachdem er bei einem Probespiel die jungen Villa-Spieler mit seinen Dribbling-Fähigkeiten überzeugt hatte, nahm der Klub ihn auf und übergab ihm die Rolle des Mannschaftskapitäns. Auch außerhalb des Spielfelds engagierte sich Ramsay fortan für den Klub und suchte eigenständig nach Verstärkungen für die Mannschaft. Dazu zählte mit Archie Hunter im Jahr 1878 ein weiterer Schotte, dessen hohes Renommee sich noch über ein Jahrhundert später in der Berufung in die „Football League 100 Legends“ niederschlug. Im Jahre 1880 schlug Aston Villa angeführt von George Ramsay im Endspiel vor 6.000 Zuschauern in den Aston Lower Grounds das Saltley College mit 3:2 und gewann dadurch mit dem Birmingham Challenge Cup den ersten Titel.
In der Perry-Barr-Spielstätte, die der Verein seit 1876 regelmäßig benutzte, zeigte sich nun eine deutlich verbesserte und professionell agierende Fußballmannschaft, die sich in dieser Zeit einen großen Vorteil gegenüber der regionalen Konkurrenz erarbeitete. Das eingegrenzte Gelände in Perry Barr ermöglichte zudem Zuschauereinnahmen in einer Höhe, die die finanziellen Voraussetzungen für den nationalen Aufstieg des Vereins in den 1880er Jahren bildeten.
Von 1879 bis 1890: Aufstieg zu einer bedeutenden Größe mini|George Ramsays Trophäenausbeute von sechs Meisterschaften und sechs FA Cups machte Aston Villa zum erfolgreichsten Verein Englands. Er wurde als der erste bezahlte Fußballmanager der Welt bezeichnet. In der Saison 1879/80 trat der Klub erstmals im FA Cup an und sollte nach einem 3:1-Erfolg gegen Stafford Road Works bei der damals erfolgreichen Auswahl der Universität Oxford antreten. Vermutlich um Reisekosten zu sparen und da der eigenen Mannschaft nur geringe Siegchancen zugetraut wurden, entschied die Vereinsführung, zu dieser Partie nicht anzutreten. Zu Beginn des neuen Jahrzehnts bestritt der Verein einige Freundschaftsspiele gegen starke Gegner. Dabei stand nach einem 4:1-Sieg gegen das schottische Heart of Midlothian im Jahr 1881 in der darauf folgenden Spielzeit ein Besuch in Glasgow beim FC Queen’s Park auf dem Programm. Der damalige „Primus“ des schottischen Fußballs siegte mit 4:1 und hinterließ mit seinem innovativen Passspiel einen derartig großen Eindruck, dass dieses „Passing game“ künftig die Spielweise von Aston Villa maßgeblich prägte. Die zunehmende Bedeutung des Klubs im englischen Fußball wurde zudem mit der Nominierung von Howard Vaughton und Arthur Alfred Brown deutlich, die beim 13:0-Sieg der Auswahl Englands am 18. Februar 1882 gegen Irland als erste Villa-Akteure zu Länderspielen kamen und gemeinsam neun Tore beisteuerten.
Spätestens ab 1883 drängten immer mehr professionelle Spieler in den englischen Fußball. Zuvorderst unterstützte Preston North End diese Entwicklung und lockte zahlreiche hochkarätige zumeist schottische Fußballer in den Verein. Diese Entwicklung vom reinen Amateursport hinweg sollte sich für Aston Villa als günstig herausstellen, da in der Industriestadt Birmingham ein beachtliches Potential für eine zahlreiche Anhängerschaft vorhanden war. Mit vergleichsweise hohen Einnahmen aus den Eintrittsgeldern war der Verein so in der Lage, die neuen Profispieler angemessen zu bezahlen. Im FA Cup blieben die großen Erfolge aber noch weitgehend aus und der Verein verabschiedete sich in der vierten Runde mit einer deutlichen 1:6-Niederlage gegen den FC Queen’s Park – die Teilnahme von schottischen Teams im „englischen“ FA Cup war zu dieser Zeit üblich.
Nachdem der englische Fußball ab 1885 endgültig Profistrukturen entwickelt hatte, gewann der Klub 1887 erstmals den FA Cup, wobei die Mannschaft beim 2:0-Finalsieg gegen West Bromwich Albion im Stadion The Oval von Archie Hunter als Kapitän auf das Spielfeld geführt wurde. Dabei hatte der Klub auf dem Weg ins Finale zunächst Wednesbury Old Athletic mit 13:0 besiegt und damit den bis heute höchsten Pflichtspielsieg eingefahren. Nach einem 6:1-Erfolg gegen Derby Midland benötigte Villa vier Spiele – also drei Wiederholungspartien – bis zum 2:0-Sieg über die Wolverhampton Wanderers. Einem Freilos und zwei weiteren Siegen mit 5:0 gegen den FC Horncastle und 3:2 gegen den FC Darwen folgte das Halbfinal-Duell gegen die Glasgow Rangers. Obwohl sich die Rangers mit Leihspielern des FC Queen’s Park und von Hibernian Edinburgh verstärkt hatten, gewann Villa die in Crewe ausgetragene Partie mit 3:1.The Times, Nr. 32013, 7. März 1887, S. 7. Im Endspiel war Villa gegen Albion in der Außenseiterrolle. Dennoch schoss Flügelspieler Dennis Hodgetts nach einer torlosen ersten Halbzeit die Villans zur 1:0-Führung, wobei der gegnerische Torhüter Bob Roberts wegen einer vermeintlichen Abseitsstellung keine Reaktion beim Torschuss selbst zeigte. Der zweite Treffer zum 2:0-Endstand resultierte aus einem absichtlichen Foulspiel von Archie Hunter an Roberts. Derartige Angriffe gegen den Torwart waren nach dem Regelwerk nicht verboten und so war der Torschuss des am Boden liegenden Hunter regelkonform.The Times, Nr. 32037, 4. April 1887, S. 6. Am folgenden Samstag besiegte Villa in Birmingham den schottischen Pokalsieger Hibernian Edinburgh mit 3:0 und nahm dadurch inoffiziell den Titel als weltweit beste Mannschaft für sich in Anspruch.The Times, Nr. 32043, 11. April 1887, S. 8.
Pokal-Siegermannschaft 1887 Aston Villa – West Bromwich Albion 2:0 (0:0)Austragungsort The Oval, 2. April 1887, 15.500 Zuschauer AufstellungJimmy Warner, Frank Coulton, Joseph Simmonds, John Burton, Frederick Dawson, Harry Yates, Richmond Davis, Albert Brown, Archie Hunter, Howard Vaughton, Dennis Hodgetts Trainer George RamsayTore 1:0 Dennis Hodgetts (60.), 2:0 Archie Hunter (89.)
Die anschließende Spielzeit 1887/88 war weniger erfolgreich und der Titelverteidiger scheiterte daheim mit 1:3 in der fünften Runde des FA Cups vor der damaligen Rekordkulisse von 27.000 Zuschauern an Preston North End.Die Birmingham Daily Post bezeichnete das Duell in ihrer Ausgabe vom 9. Januar 1888 als eine Partie mit einer bis dato noch nicht erreichten Zuschauermenge und Spannung („before a crowd and amidst an excitement unparalleled in the history of the game“) Vor diesem Spiel der damals mutmaßlich besten beiden Mannschaften Englands hatte Aston Villa mit einem 4:0-Sieg in der zweiten Runde gegen „Small Heath“ erstmals das Derby gegen den später als Birmingham City bekannten Lokalrivalen gewonnen.
Saisondaten 1888–1890 Aston Villa in der Football League Saison„England – Football Statistics Archive – League Records“ (The Rec.Sport.Soccer Statistics Foundation) Liga Platz Punkte TorquotientFür jeden Sieg wurden zu diesem Zeitpunkt zwei Punkte und für jedes Remis ein Punkt vergeben. Der Torquotient errechnete sich durch den Quotienten aus selbst geschossenen Toren (Zähler) und den erhaltenen Gegentreffern (Nenner). 1888/89 1 2/12 29 1,419 1889/90 1 8/12 19 0,843