200px|mini|Logo „Schifffahrt und Inselbahn Wangerooge“

Die Wangerooger Inselbahn ist ein Netz von drei eingleisigen, meterspurigen, Bahnstrecken auf Wangerooge. Zuständiges Verkehrsunternehmen ist die zu DB Fernverkehr gehörende Organisationseinheit SIW Schifffahrt und Inselbahn Wangerooge. Sie ist die letzte von der Deutschen Bahn (DB) betriebene Schmalspurbahn und das wichtigste Verkehrsmittel auf der autofreien Insel.

Geschichte 1897–1920 Bereits vor Eröffnung der Inselbahn gab es auf Wangerooge verschiedene Materialbahnen, die vom Militär oder dem Bauunternehmen Amann & Geisler betrieben wurden. Alle Gleise verschwanden jedoch nach Beendigung der jeweiligen Bauarbeiten wieder. Für den zivilen Verkehr hatten sie geringen bis gar keinen Nutzen. Auf Anregung des „Verschönerungsvereins Nordseebad Wangerooge“, der in einer Denkschrift an die Oldenburger Regierung 1896 auf die dringende Notwendigkeit besserer Landungsmöglichkeiten hingewiesen hatte, ordnete am 20. März 1897 die Regierung des Großherzogtums Oldenburg den Bau der Inselbahn an, die die Großherzoglich Oldenburgische Eisenbahn in nur drei Monaten 1897 erbaute. Sie errichtete einen Pfahlanleger und eine 3½ Kilometer lange Schmalspurstrecke mitten ins Dorf. Das Gleis bog südlich des Leuchtturms in die Zedeliusstraße Richtung Norden ein. Dort war zunächst eine Wartehalle mit einem Wellblechschuppen zum Verwiegen des Gepäcks errichtet worden. Die Wagen fanden in einem Holzschuppen Unterstand.

Die Inselbahn wurde am 3. Juli 1897 von den Großherzoglich Oldenburgischen Staatseisenbahnen (GOE) eröffnet. Der Betrieb wurde von Beginn an mit Dampflokomotiven durchgeführt, nicht als Pferdebahn, wie auf einigen benachbarten Inseln. Die Strecke führte vom neu erbauten Anleger im Südwesten der Insel in das Zentrum des Inseldorfs in der Inselmitte. Für die 3½ Kilometer lange Strecke brauchte ein Zug etwa 20 Minuten bei einer Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h. Diese Zeiten sind auch heute noch gültig, obwohl sich die Trasse mehrfach geändert hat. 1901 wurde von der Marine eine 1,9 Kilometer lange Stichstrecke ab dem auf halber Strecke liegenden Haltepunkt Saline (benannt nach einem nördlich davon gelegenen Lokal Saline) in den Westen der Insel gebaut, um dort militärische Stützpunkte anzuschließen. An der Abzweigstelle entstand nach Bau des Militäranlegers 1914 ein Gleisdreieck.

1904 wurde als zweiter Anleger der Ostanleger errichtet und durch eine 5,4 Kilometer lange Schienenverbindung mit dem Bahnhof im Inseldorf verbunden. Diese Oststrecke verlief zum Teil durch Wattgebiet, weshalb die Gleise auf einem Pfahlgerüst verlegt werden mussten, das erst später durch eine Steinschüttung ersetzt wurde. Um dem wachsenden Verkehr gerecht zu werden, wurde 1905 ein neuer, groß dimensionierter Bahnhof am damaligen Südrand des Dorfes erbaut und 1906 in Betrieb genommen. Zwei Gleise wurden von einer Bahnhofshalle überspannt, die über Tore verfügte und gleichzeitig als Remise diente. Dieser Bahnhof besteht im Wesentlichen noch heute. Da die alte Bahnhofsanlage von 1897 durch den Neubau überflüssig geworden war, wurde sie bis auf einen Gleisrest, der zur Kohlenversorgung des Leuchtturms diente und bis etwa 1930 bestand, wenig später abgebaut.

1912 war ein neuer Westanleger, der etwas östlich des alten Westanlegers lag, in Betrieb gegangen. Er wurde durch eine neue, etwa parallel zur bisherigen Strecke verlaufende Trasse mit dem Abzweig Saline verbunden. Der andere Anleger im Südwesten ging außer Betrieb und die zugehörige Strecke wurde anschließend abgebaut. Der Zweck dieser Maßnahme war ein Ausbau Wangerooges als Festung mit einem leistungsfähigen Bahnnetz. Im Verlauf des Ersten Weltkrieges wurden dazu zahlreiche Anschlussgleise zu militärischen Einrichtungen gelegt. Es existierten bis zu vier Abschnitte der Inselbahn mit maximal 24 Anschlussgleisen.

1920–1945 1920 kam die Inselbahn im Zuge der Zusammenfassung der Länderbahnen zur Deutschen Reichsbahn.

Dort wurden die zuvor als Nr. 3 bis 5 bezeichneten Dampflokomotiven als Baureihe 99.02 geführt, eine Sammelbezeichnung für Schmalspurdampflokomotiven. Mitte der 1920er Jahre wurde an der Saline ein Gleisdreieck eingerichtet, das vor allem militärische Zwecke hatte, beispielsweise den schnelleren Transport von Geschützen. Dieses Gleisdreieck wurde mehrfach umtrassiert und schließlich 1969 abgebaut. Ebenfalls Mitte der 1920er Jahre wurden die ersten vierachsigen Personenwagen angeschafft, und zweimal pro Woche fuhr ein Kaffeezug vom Dorfbahnhof zum Bahnhof Westen und zurück.

Die Zahl der Kurgäste – und damit Fahrgäste – stagnierte um 1930 auf niedrigem Niveau, stieg aber bis 1939 mit 65.500 Fahrgästen auf das Sechsfache, von denen zwei Drittel über den Ostanleger anreisten.

Von 1939 bis 1952 fuhr eine Kastendampflok 99 081 auf Wangerooge, die wegen der Hitzeentwicklung im Führerstand vom Personal „Treibhaus“ genannt wurde.

Während des Zweiten Weltkrieges war Wangerooge erneut von hoher strategischer Bedeutung, da die Insel im Mündungsbereich der Weser und in der Nähe der damals kriegswichtigen Stadt Wilhelmshaven liegt (siehe: Militärische Geschichte Wangerooges). Am 25. April 1945 kam es zu einem schweren Luftangriff auf Wangerooge mit erheblichen Bombardierungen. Dabei wurden auch die Strecke zwischen Saline und Dorf, die Bahnhofshalle sowie zahlreiche Personen- und Güterwagen zerstört.

Von 1934 bis 1947 hatte der Westturm eine Anbindung durch die kurze Verlängerung des Streckenstückes Saline (Gleisdreieck) – Westen.

Seit 1945 mini|hochkant|Lokomotive 329 502 im Jahr 1983 am Anleger Wangerooge

Die zerstörte Strecke wurde nach Kriegsende wieder aufgebaut. 1952 begann die nunmehr federführende Deutsche Bundesbahn mit der Einführung von Diesellokomotiven. Erste Maschine war eine Gmeinder-Lokomotive. 1957 war der Traktionswechsel abgeschlossen. 1955 wurde auch eine kleinbusartige Draisine beschafft.

Die Zahl der Passagiere, die am Ostanleger ankamen und die östliche Inselbahnstrecke befuhren, war nach dem Zweiten Weltkrieg sehr hoch, da die früher beliebte Ausflugsinsel Helgoland noch britisch besetzt war. Nach 1952 wurde Helgoland für Deutsche wieder zugänglich, so dass der Verkehr über den Ostanleger stark zurückging. 1958 wurde er und damit auch der östliche Abschnitt der Inselbahn abgebaut. Im Dorf lagen die Gleise bis Anfang der 2020er Jahre noch etwa 200 Meter, heute ein Gleis nur noch gut 100 Meter in Richtung Osten und dient als Auszieh- und Anschlussgleis.

Aus einem Umbauprogramm wurden 1959 vierachsige Personenwagen für die Inselbahn erworben, die den damals häufigen Umbauwagen der Normalspur glichen. Sie waren ursprünglich dunkelgrün lackiert, erhielten aber ab 1972 Werbelackierungen bzw. zweifarbige Anstriche, die sich etwas an der experimentellen Pop-Lackierung der Deutschen Bundesbahn orientierten.

Im Jahr 1969 entfiel das Gleisdreieck, das bis dahin Direktfahrten zwischen Hafen und Westen ermöglicht hatte.

Zwischen 1952 und 1971 wurden insgesamt vier Diesellokomotiven der DB-Baureihe 329 beschafft. 1977 wurde die Draisine durch ein neueres Modell ersetzt. 1981 kamen ein Triebwagen der Baureihe 699 sowie einige Wagen hinzu, die bis zur Stilllegung der Spiekerooger Inselbahn auf der Nachbarinsel Spiekeroog im Einsatz waren.

1990 wurden weitere zwei Diesellokomotiven vom früheren Mansfeld-Kombinat in Sachsen-Anhalt erworben. In den folgenden Jahren kamen 14 neue Personenwagen aus dem Reichsbahnausbesserungswerk (Raw) Wittenberge hinzu, die in Fernblau/Lichtgrau, entsprechend den sogenannten Produktfarben der Interregio-Züge, lackiert waren und die bisherigen Personenwagen ersetzten.

Zum 1. Januar 1992 wurden die Lokomotiven der Baureihe 329 in Baureihe 399.1 umgezeichnet. 1995/96 wurden die Gleise erneuert.

Von 1997 an gab es für einige Jahre jeweils im Sommer einen Museumsbetrieb mit Dampflokomotiven. Dafür kam die Lokomotive FRANZBURG des Deutscher Eisenbahn-Vereins (DEV) zum Einsatz.

Im Jahr 1999 erwarb die DB Autozug zwei neue Diesellokomotiven des Herstellers Schöma (399 107 und 399 108), die seitdem vor allem vor den Reisezügen eingesetzt werden. Daraufhin konnten die vier ältesten Diesellokomotiven (399 101–104) abgestellt und die Einsätze der reparaturanfälligen rumänischen Lokomotiven (399 105 und 106) reduziert werden.

Im Jahr 2022 wurden die Bahnhöfe Wangerooge und Wangerooge Westen modernisiert. Dabei wurde vor allem der Bahnsteig um 90 cm angehoben, sodass ein barrierefreier Einstieg möglich ist.

Aktueller Betrieb mini|Luftbild (2012) der Inselbahn vom Westanleger in Richtung Saline

Die Wangerooger Inselbahn wird von der Schifffahrt und Inselbahn Wangerooge (SIW) betrieben. Diese gehörte ab 2002 zum Geschäftsbereich DB AutoZug, nach dessen Auflösung Ende September 2013 zu DB Fernverkehr, wo Nahverkehrs-Fahrtausweise nicht gültig sind (die Freifahrt mit Schwerbehindertenausweis ist dennoch auf Fähre und Inselbahn gegeben).Inselbahn Wangerooge auf oepnv-info.de, abgerufen am 25. November 2022. Die SIW betreibt mit den beiden von der Reederei Warrings gecharterten Fährschiffen Wangerooge und Harlingerland auch den Fährverkehr von Harlesiel nach Wangerooge.

Der Fahrpreis wird im Regelfall für eine Fahrt mit Fähre und Bahn erhoben, es sind aber auch Fahrkarten nur für die Bahn oder nur für die Fähre erhältlich. Einen nennenswerten Binnenverkehr auf der Insel gibt es im Regelpersonenverkehr jedoch kaum. Größeres Reisegepäck muss aufgegeben werden. Insgesamt wird die Bahn von rund 200.000 Fahrgästen jährlich genutzt, an Spitzentagen sind es bis zu 1.500 Reisende in jeder Richtung.

Die Gleise verlaufen seit einer zwischen 1995 und 2005 an der Stammstrecke durchgeführten Sanierung auf einem Schotterbett, während auf den Nebengleisen noch Sand- und Kiesbettung zu finden ist. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 20 km/h. Ein großer Teil der Strecke zwischen Westanleger und Saline führt heute auf einem steinernen Damm durch die Salzwiesen, die bei höheren Wasserständen überschwemmt werden. Außerdem ist dies ein Brutgebiet für zahlreiche Meeresvögel.

Da die ebenfalls zur DB Fernverkehr gehörenden Fährschiffe ab Harlesiel durch flaches Wattgebiet fahren müssen, ist der Fahrplan von der Tide abhängig. Er liegt aber für die gesamte Fahrplanperiode vorausberechnet vor; nach bestimmten Wetterlagen wie durch länger andauernden starken Ostwind müssen dann Fahrten jedoch fallweise angepasst werden.

mini|Bahnhof Westen, vor der Renovierung mini|Anschlussgleis zum Bauhof des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes

Vom Westturm, der Jugendherberge, gibt es einen guten Blick auf die gesamte Strecke. In der Hochsaison lässt sich reger Betrieb beobachten. So sind oft zwei Züge gleichzeitig unterwegs. Gekreuzt wird direkt vor dem Anleger im Hafenbahnhof.