Der Erzgebirgskreis ist seit dem 1. August 2008 ein Landkreis im sächsischen Erzgebirge. Die Kreisstadt des Erzgebirgskreises ist Annaberg-Buchholz. Er ist der einwohnerreichste Landkreis Ostdeutschlands.
Geografie mini|hochkant=1.1|Mittelpunkt des Erzgebirgskreises in Tannenberg
Geografische Lage Der Landkreis umfasst nahezu das gesamte sächsische West- und Mittelerzgebirge, von der Kammregion an der deutsch-tschechischen Staatsgrenze bis an den Übergang zum Erzgebirgsbecken zwischen den Städten Chemnitz und Zwickau.
Topografie, Gewässer Höchster Punkt des Erzgebirgskreises und zugleich Sachsens ist mit der Fichtelberg.
An seinen Hängen entspringen zudem zwei größere Flüsse des Westerzgebirges, die Zschopau und das Schwarzwasser.
Weitere wichtige durch den Landkreis verlaufende Flüsse sind die Zwickauer Mulde, als größtes Fließgewässer, und die Flöha, welche im Osten die geomorphologische Grenze zum Osterzgebirge bildet.
Größtes stehendes Gewässer ist die Talsperre Eibenstock.
Geografischer Mittelpunkt Den geografischen Mittelpunkt des Kreises ließ die Chemnitzer Freie Presse bestimmen und veröffentlichte als Ergebnis die Koordinaten , auf dem Gebiet der Gemeinde Tannenberg.Freie Presse. 21. Januar 2009, S. 12.
Nachbarkreise Im dichter besiedelten Westen und Norden grenzt der Erzgebirgskreis im Uhrzeigersinn an den Vogtlandkreis, den Landkreis Zwickau und die kreisfreie Stadt Chemnitz, im weniger bevölkerten Osten und Süden an den Landkreis Mittelsachsen sowie die Region Ústí und die Region Karlsbad in Tschechien.
Geschichte Im Rahmen der Verwaltungsreform der Landesbehörden erfolgte zum 1. August 2008 eine Sächsische Kreisreform, bei der die Landkreise Aue-Schwarzenberg, Annaberg, Stollberg und Mittlerer Erzgebirgskreis mit ihren zu diesem Zeitpunkt insgesamt 28 Städten sowie 43 Gemeinden zu einem Erzgebirgskreis zusammengelegt wurden.
Als Kreissitz wurde Annaberg-Buchholz am 23. Januar 2008 bestätigt. Daneben meldete auch die Stadt Aue Anspruch auf den Kreissitz an und wandte sich mit einem Antrag auf kommunale Normenkontrolle an den Verfassungsgerichtshof des Freistaates Sachsen, um gegen die Bestimmung von Annaberg-Buchholz als Sitz des Landratsamtes vorzugehen. Am 27. Juni 2008 verwarf der Verfassungsgerichtshof den Antrag der Stadt Aue.Verfassungsgerichtshof des Freistaates Sachsen:
Um den ehemaligen Kreisstädten einen Ausgleich für den Verlust des Kreissitzes zu bieten, wurde es ihnen, wie auch anderen Städten bei früheren sächsischen Kreisgebietsreformen, ermöglicht, sich ohne die eigentlich nötige Mindesteinwohnerzahl zur Großen Kreisstadt ernennen zu lassen. Zudem wurden auch nach der Reform Standorte verschiedener Referate und Abteilungen des neu gebildeten Landkreises sowohl in Aue als auch in Marienberg und Stollberg belassen, ihre Funktion als Verwaltungszentren mit entsprechenden Arbeitsplätzen und Kaufkraft gesichert sowie kurze Wege für die Bürger erhalten.
Bevölkerung Jahr Einwohner 2008 377.245 2010 368.167 2015 347.665 2020 331.917 2022 328.850
Stand: 31. Dezember des jeweiligen Jahres
Der Ausländeranteil lag mit Stand Dezember 2015 bei 2,2 %. Den Ergebnissen des Zensus 2011 zufolge haben 1,8 % der Bevölkerung einen Migrationshintergrund; bei den restlichen 98,2 % handelt es sich um Deutsche ohne Migrationshintergrund.
38,1 % der Einwohner sind evangelische Christen, weitere 1,7 % gehören der römisch-katholischen Kirche an. Die restlichen 60,2 % gehören anderen Konfessionen an, sind bekenntnislos oder machten bei der Befragung keine Angaben.
Politik Kreistag Der Kreistag des Erzgebirgskreises wurde zuletzt am 9. Juni 2024 gewählt. Die 98 Sitze im Kreistag verteilen sich folgendermaßen auf die einzelnen Parteien:
mini|hochkant|Annaberg-Buchholz ist Kreissitz des Erzgebirgskreises
Parteien und Wählergemeinschaften202420192014in %Sitze in % Sitze in % Sitze AfD Alternative für Deutschland29,429 21,5 21 7,6 7 CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands29,329 31,9 32 43,2 44 FWE Freie Wähler Erzgebirge18,118 17,9 18 11,4 11BSWBündnis Sahra Wagenknecht6,06––––FSFreie Sachsen4,64–––– SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands4,54 5,8 5 8,4 8 LINKE Die Linke4,44 11,0 11 15,7 16 GRÜNE Bündnis 90/Die Grünen2,02 5,1 5 3,4 3 FDP Freie Demokratische Partei1,82 4,7 4 5,1 5 NPD Nationaldemokratische Partei Deutschlands–– 2,2 2 4,7 4 DSU Deutsche Soziale Union–– – – 0,3 0 FWG Freie Wählergemeinschaft Wir für unsere Stadt / Alternative Liste Sport–– – – 0,3 0Gesamt10098 100 98 100 98Wahlbeteiligung69,9 Prozent 64,0 Prozent 51,7 Prozent
Im Kreistag haben sich folgende Fraktionen gebildet: CDU/FDP (31 Mitglieder), AfD (29 Mitglieder), FWE (18 Mitglieder), SPD/Grüne (6 Mitglieder). Die Linke und die Freien Sachsen sind fraktionslos.
Landrat Die Landratswahl des Erzgebirgskreises fand am 8. Juni 2008 statt. Im ersten Wahlgang verfehlte jeder Bewerber die erforderliche absolute Mehrheit, so dass eine Stichwahl am 22. Juni 2008 durchgeführt werden musste. Im zweiten Wahlgang setzte sich Frank Vogel (CDU) mit 55,8 Prozent der gültigen Stimmen gegen seine vier Mitbewerber durch. Er trat sein Amt am 1. August 2008 an. Am 7. Juni 2015 wurde Vogel mit 58,7 Prozent der gültigen Stimmen wiedergewählt. 2022 war eine Wiederwahl Vogels aus Altersgründen ausgeschlossen. Nachfolger wurde Rico Anton, der im zweiten Wahlgang trotz Unterstützung durch SPD und FDP lediglich 40,1 % erreichte, nachdem die drei Parteien im ersten Wahlgang noch 46,6 % der Stimmen erhielten. +Historische LandratswahlergebnisseBewerber fett: AmtsinhaberVorschlagStimmenAnteil in %gewähltStimmenAnteil in %gewählterster Wahlgangzweiter Wahlgang [Anm. 1]12. Juni 2022 Wahlbeteiligung: 49,4 %3. Juli 2022"Freie Presse" vom 18. Juni 2022. Autor: von unseren Redaktionen. S. 1. Titel: "Landratswahl: Die Kandidaten stehen fest" Wahlbeteiligung: 38,1 %Rico AntonCDU35.16726,3keiner: 2. Wahlgang nötig41.51740,1×Torsten GahlerAfD23.76017,816.93816,3Volker WeberFW26.75820,035.01933,8Holger ZimmerDie Linke7.3775,5nicht angetretenSimone LangSPD17.38013,0nicht angetreten, unterstützt CDUTino GüntherFDP9.8187,3nicht angetreten, unterstützt CDUStefan HartungFreie Sachsen13.36710,010.1529,87. Juni 2015 Wahlbeteiligung: 43,0 %Frank Heinz VogelCDU72.53258,7×Antje FeiksDie Linke23.48919,0Ronny KienertSPD12.68810,3Rico GeorgeNPD9.0887,3Michael WeichertGrüne5.8524,78. Juni 2008 Wahlbeteiligung: 48,4 %22. Juni 2008: Wahlbeteiligung: 26,6 %Frank Heinz VogelCDU64.96542,9keiner: 2. Wahlgang nötig47.48955,8×Klaus Jürgen TischendorfDie Linke32.39721,423.08126,9Johannes GerlachSPD12.1458,0nicht angetretenMarcel SchmidtFW17.23111,47.7719,1Mario LöfflerNPD9.6386,43.6464,3Tino GüntherFDP12.9658,6nicht angetretenMartin KohlmannDSU2.1251,4nicht angetretenKurt Udo HertwichHertwichnicht angetreten [Anm.2.]3.3753,9 [Anm. 1] Ein zweiter Wahlgang wird nur nötig, wenn kein Kandidat aus dem ersten Wahlgang die absolute Mehrheit erzielt hat und damit direkt gewählt ist. Im zweiten Wahlgang ist die relative Mehrheit für die Wahl zum Landrat ausreichend. Bewerber, die im ersten Wahlgang antreten, können vor dem zweiten Wahlgang ihre Kandidaturen zurückziehen. Ein zweiter Wahlgang wurde bisher 2008 und 2022 nötig.
[Anm. 2] siehe dazu: sächsisches Kommunalwahlgesetz
Wappen Blasonierung:
Am 27. November 2008 stimmte der Kreistag für einen Entwurf des Weimarer Heraldikers Michael Zapfe. Als Wappen verwendet werden kann dieser Entwurf, nach heraldischer Prüfung durch das Hauptstaatsarchiv Dresden und Bestätigung durch die Landesdirektion Chemnitz, seit dem 18. Dezember 2008.Freie Presse, 28. November 2008, Seite 2. Ein ähnlicher Entwurf mit schwarzem Hintergrund im unteren Bereich war zuvor vom Kreistag abgelehnt worden.
Der schwarze Löwe auf goldenem Grund soll die Markgrafschaft Meißen symbolisieren, zu deren Herrschaftsbereich das Gebiet des Erzgebirgskreises gehörte. Allerdings handelt es sich im Wappen des Erzgebirgskreises nicht um einen Meißner Löwen, da dieser liegend und nicht aufrecht entworfen wurde. Im unteren Bereich stehen Schlägel und Eisen für den Bergbau, der dem Erzgebirge seinen Namen und seine Bedeutung gab. Der sanft gewölbte, grüne Hintergrund symbolisiert das dicht bewaldete Gebirge.
Partnerlandkreise Der Erzgebirgskreis hat sechs Partnerschaften: Landkreis Nürnberger Land, Deutschland Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim, Deutschland Landkreis Ansbach, Deutschland Landkreis Emmendingen, Deutschland Kalisz Pomorski, Polen Kaohsiung, Republik China (Taiwan)
Wirtschaft und Infrastruktur Wirtschaft Infolge des über Jahrhunderte betriebenen Bergbaus entwickelte sich im Erzgebirgskreis eine, im Vergleich mit Gesamtsachsen, überproportional hohe Industriedichte. Etwa 30 Prozent aller Beschäftigten sind so in der Industrie mit den Schwerpunkten Werkzeugbau, Maschinenbau und Elektrotechnik tätig. Weiteres Kennzeichen der vor allem von kleinen und mittleren Unternehmen geprägten Wirtschaftsstruktur ist eine breite Branchenvielfalt. So bilden auch Wirtschaftszweige wie Handwerk und Dienstleistung starke Standbeine. Eine wichtige Rolle spielt im Erzgebirgskreis zudem der Tourismus und in der Außenwahrnehmung auch die Herstellung von Holzkunst, welche allerdings nur reichlich 1 Prozent aller Erwerbstätigen beschäftigt.
Die größten Arbeitgeber im Landkreis sind unter anderem Scherdel Marienberg GmbH, KOKI TECHNIK Transmission Systems GmbH, FSG Automotive, Hoppe AG, KSG GmbH, AWEBA Werkzeugbau GmbH, Nickelhütte Aue, Eisenwerk Erla GmbH. Im Juli 2020 waren im Kreisgebiet 8.358 Menschen ohne Arbeit, was einer Arbeitslosenquote von 4,9 Prozent entspricht.Bundesagentur für Arbeit, Statistik nach Regionen
Im Zukunftsatlas 2016 belegte der Erzgebirgskreis Platz 368 von 402 Landkreisen und kreisfreien Städten in Deutschland und zählt damit zu den Regionen mit „hohen Zukunftsrisiken“. Im Zukunftsatlas 2019 erhielt der Erzgebirgskreis mit Rang 359 eine leicht verbesserte Position.
Gesundheitswirtschaft miniatur|Erzgebirgsklinikum Annaberg miniatur|Denkmalgeschützter Bau der Kliniken Erlabrunn miniatur|Knappschaftsklinik Warmbad
Krankenhäuser Helios Klinikum Aue (Schwerpunktversorgung) mit Medizinischem Versorgungszentrum Schwarzenberg EKA Erzgebirgsklinikum Annaberg gGmbH Kliniken Erlabrunn GmbH, der erste Krankenhausneubau der DDR Klinikum Mittleres Erzgebirge gGmbH, Häuser Zschopau und Olbernhau Bergarbeiter-Krankenhaus Schneeberg gGmbH, das Klinikum Chemnitz ist Mehrheitsgesellschafter Kreiskrankenhaus Stollberg gGmbH
Die EKH Erzgebirgische Krankenhaus- und Hospitalgesellschaft mbH hat das Onkologische Fachkrankenhaus Marienstift Schwarzenberg betrieben, jetzt gibt es in Schwarzenberg nur noch das Gesundheits- und Pflegezentrum Marienstift.
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