Rawicz bezeichnet ein polnisches Wappen, welches von verschiedenen Familien des polnischen Landadels (Szlachta) in der Zeit der polnisch-litauischen Union verwendet wurde.

Das Wappen Rawicz ist der Legende nach eines der ältesten Wappen der Szlachta, möglicherweise sogar das Älteste. Erstmals taucht es als Siegel im 13. Jahrhundert auf. Bis zur Union von Horodło wurde es bei ca. 220 polnischen Adelsfamilien verwendet, meist in der Gegend um Krakau, Lublin und Sandomierz.

Geschichte Die Rawitsche waren ein masowischer Ritterstamm, der mit Sicherheit auf das mächtige tschechische Geschlecht der Wrchowez zurückgeht, welches um 1108 vom böhmischen Herzog Svetopluk ausgerottet wurde (siehe: Schweinhausburg). Ein Mitglied des Geschlechts namens Goworek floh nach Polen, wo er von Bolesław III. Schiefmund Güter im Lande Sandomir und in Masowien verliehen bekam. Der ursprüngliche Sitz der Rawitsche in Polen war die Stadt Rawa Mazowiecka, die ihren Namen, wie Rawitsch, vom Stammwappen bekam. Goworeks Enkel, der ebenfalls Goworek hieß, war Kastellan von Krakau und Erzieher des Herzogs Leszek I. des Weißen. Im 13. Jahrhundert teilte sich das Geschlecht in zwei Linien: der Warschowitze, die von Warsz, Kastellan von Krakau und mutmaßlichem Gründer von Warschau abstammten, und der Grotowitze, die ebenfalls hohe Staatsämter innehatten. Beide Linien waren Anhänger des Königs Władysław I. Ellenlang in seinem Kampfe mit Wenzel II. von Böhmen. Zur größten Macht kamen die Rawitsche in der 2. Hälfte des 14. und im 15. Jahrhundert: viele von ihnen waren Kastellane, einer wurde Bischof von Krakau. Im 15. Jahrhundert erscheinen die Rawitsche auch in Großpolen und Kujawien.

Persönlichkeiten Ewelina Borychowska Julian Ursyn Niemcewicz Stanisław Przyjemski Tomasz Adam Ostrowski Władysław Ostrowski Szymon Okolski

Literatur in der Reihenfolge des Abfassens bzw. des Erscheinens Cosmas von Prag: Chronica Boemorum. Thietmar von Merseburg: Thietmari Merseburgensis episcopi Chronicon. Jan Długosz: Annales seu cronici incliti regni Poloniae. Bartosz Paprocki: Herby rycerstwa polskiego, Krakau 1584; 2. Aufl. Krakau 1858. Simon Okolski: Orbis Polonus. Krakau 1642, Bd. 2, S. 581–602. Kasper Niesiecki: Herbarz polski, Bd. VIII, S. 97–99. Josef Teige: Blätter aus der altböhmischen Genealogie. Slavnikiden – Die Vrsovcen – Die Herren von Lichtenburg. Wien 1887 (Nachdruck: Damböck, Ardagger 2005, ISBN 3-900589-45-3).

Anmerkungen

links|mini|Die Anfangsseite des Rawicz-Kapitels im Wappenbuch Orbis Poloni von Simon Okolski (1642)

Kategorie:Wappengemeinschaft