Die deutsche Rugby-Union-Nationalmannschaft ist die Nationalmannschaft Deutschlands in der Sportart Rugby Union und repräsentiert das Land bei allen Länderspielen (Test Matches) der Männer. Die Mannschaft trägt den Spitznamen „Schwarze Adler“, nach dem Wappentier des Landes, dem Bundesadler. Die organisatorische Verantwortung trägt der im Jahr 1900 gegründete Deutsche Rugby-Verband (DRV). Vom Weltverband World Rugby wird Deutschland in die dritte Stärkeklasse () eingeteilt. Sie spielt in der Rugby Europe Championship, der ersten Division der Rugby-Union-Europameisterschaft des Kontinentalverbandes Rugby Europe.

Deutschland wurde beim Rugbyturnier der Olympischen Spiele 1900 durch den Verein SC Frankfurt 1880 vertreten, der gemeinsam mit der britischen Auswahl die Silbermedaille gewann. Das erste Test Match fand 1927 gegen Frankreich statt. 1934 gehörte der deutsche Verband zu den Gründungsmitgliedern der Fédération internationale de rugby amateur (FIRA; heute Rugby Europe, RE), die damals als Konkurrentin zum angelsächsisch dominierten International Rugby Football Board (IRFB; heute World Rugby) auftrat. Die meisten Spiele Deutschlands finden im Rahmen der Europameisterschaften statt. Der größte Erfolg der Nationalmannschaft sind zwei dritte Plätze bei den Europameisterschaften 1952 und 2018. Für eine Weltmeisterschaft konnte sich die Mannschaft bislang nicht qualifizieren.

Von 1951 bis 1990 bestand parallel dazu die Rugby-Union-Nationalmannschaft der DDR; die beiden Mannschaften haben jedoch nie gegeneinander gespielt.

Organisation

Verantwortlich für die Organisation von Rugby Union in Deutschland ist der Deutsche Rugby-Verband (DRV) mit Sitz in Hannover. Er wurde am 4. November 1900 gegründet und 1988 Vollmitglied des International Rugby Football Board (IRFB; heute World Rugby). Der DRV war außerdem im Jahr 1934 Gründungsmitglied des Kontinentalverbandes Fédération internationale de rugby amateur (FIRA; heute Rugby Europe, RE).

Die höchste Rugby-Union-Liga in Deutschland ist die seit 1971 bestehende Rugby-Bundesliga mit 16 Mannschaften, in der um die Deutsche Rugby-Meisterschaft gespielt wird. Sie steht über der Zweiten Bundesliga mit 18 Mannschaften in drei regionalen Gruppen und den Ligen der 13 Teilverbände. Ein Großteil der für die Nationalmannschaft antretenden Spieler spielen in der Bundesliga, weitere sind vor allem in Frankreich tätig.

Neben der eigentlichen Nationalmannschaft ruft der DRV weitere Auswahlmannschaften zusammen. Wie andere Rugbynationen verfügt Deutschland über eine U-20-Nationalmannschaft, die an der entsprechenden Europameisterschaft teilnimmt. Hinzu kommt die Siebener-Rugby-Nationalmannschaft. An den Rugbysport herangeführt werden Kinder und Jugendliche im Wesentlichen über Vereine, Schulsportorganisationen und Landesverbände, die in der Deutschen Rugby-Jugend zusammengefasst sind.

Geschichte Einführung und Verbreitung von Rugby Nach Deutschland gelangte Rugby durch den Nachwuchs wohlhabender Briten. Einige der jungen Männer besuchten im Deutschen Bund renommierte Privatgymnasien oder studierten in Heidelberg, andere versahen in der Residenzstadt Hannover ihren Militärdienst und spielten in ihrer Freizeit eine frühe Variante von Rugby. Die Universität Heidelberg beansprucht für sich, Rugby erstmals um das Jahr 1850 ihren Studenten angeboten zu haben. Im lokalen badischen Dialekt bezeichneten die Jugendlichen der Stadt das Spiel als „Durchtragerles“. William Cail gilt als derjenige, der 1865 in Bad Cannstatt Rugby einführte.Philipp Heineken: Erinnerungen an den Cannstatter Fußball-Club. Verlag Hermann Meister, Heidelberg 1930. S. 10. Unabhängig davon, wann und wo Rugby erstmals gespielt wurde, erschien der erste deutschsprachige Text zu diesem Sport im Jahr 1875. Auf frühe Versuche, die „Regeln des an der Rugby School gespielten Fußballs“ () zu erklären, folgten Journale und Sachbücher, in denen der Sport Erwähnung fand.

Rugby-Anhänger engagierten sich in bereits bestehenden Sportvereinen, die mehrere Sportarten anboten, und etablierten eigene Abteilungen. Hinzu kamen auch Vereine, die mehrere Ballsportarten miteinander anboten. Das früheste bekannte Beispiel hierfür ist der 1878 vom damals knapp 15-Jährigen Schüler Ferdinand Wilhelm Fricke und 24 Gleichaltrigen gegründete Deutsche Sportverein Hannover 78. 1891 gründeten Heidelberger Studenten unter Anleitung ihres Lehrers Edward Hill Ullrich eine Rugbyabteilung beim Heidelberger Ruderklub.Bath: Complete Book of Rugby. S. 67. Seither gelten diese beiden Städte, neben dem Rhein-Main-Gebiet, als die Rugbyhochburgen Deutschlands.

Der früheste Versuch zur Gründung eines nationalen Rugbyverbandes erfolgte 1886 durch mehrere norddeutsche Vereine mit dem Deutschen Rugby-Fußball-Bund. Nachdem dieses Vorhaben jedoch gescheitert war, trat der DSV Hannover 78 dem Deutschen Fußball- und Cricket Bund bei, während Vereine im Süden sich dem Süddeutschen Fußball-Verband anschlossen. Im Rahmen eines „Rugbytages“ in Heidelberg am 13. Februar 1898 warb Ullrich für engere Beziehungen zwischen süd- und norddeutschen Vereinen und die Gründung eines nationalen Verbandes, wofür er jedoch wenig Unterstützung erfuhr. Nachdem jedoch weiter über den Vorschlag diskutiert worden war, kamen am „Rugbytag“ des 11. März 1900 in Hannover 19 Vereine überein, in Zukunft gemeinsam aufzutreten, die Rugby-Regeln ins Deutsche zu übersetzen, das erste Nord-Süd-Spiel zu organisieren und dem wenige Wochen zuvor gegründeten Deutschen Fußball-Bund (DFB) beizutreten.

Erste internationale Auftritte mini|Frankreich (weiß) gegen Deutschland (dunkel gestreift) bei den Olympischen Spielen 1900 Bereits an den II. Olympischen Spielen, die im Jahr 1900 zusammen mit der Weltausstellung in Paris stattfanden, nahm eine deutsche Mannschaft teil und belegte nach einem 17:27 gegen den Gastgeber Frankreich gemeinsam mit Großbritannien den zweiten Platz. Anstelle einer Nationalmannschaft, die es mangels eines eigenen Verbandes noch nicht gab, nahm der SC Frankfurt 1880 teil. Am 4. November 1900 erfolgte die Gründung des Deutschen Rugby-Fußball-Bundes als eigenständige Abteilung innerhalb des DFB, mit Fricke vom DSV Hannover 78 als erstem Vorsitzenden. Genau ein Jahr später beendete die Rugbyabteilung ihre Beziehungen zum DFB und gründete sich als Deutscher Rugby-Verband (DRV) neu. 1909 folgte die erste Austragung der Deutschen Rugby-Meisterschaft. Obwohl sich der Rugbysport in Frankreich zunächst langsamer entwickelte, fand er mit Baron Pierre de Coubertin, dem Begründer der modernen Olympischen Spiele, einen einflussreichen Förderer, der sich für die rasche Ausbreitung einsetzte. In Deutschland hingegen fehlte ein derart prominenter Unterstützer, sodass die Entwicklung lange Zeit stagnierte und rasch hinter jene von Fußball zurückfiel.

Von der Verbandsgründung bis zum ersten offiziellen Test Match verstrichen mehr als zweieinhalb Jahrzehnte. Es fand am 17. April 1927 im Stade Olympique im Pariser Vorort Colombes gegen die französische Nationalmannschaft statt und ging mit 5:30 verloren. Vier Wochen später setzten sich jedoch die Deutschen am 15. Mai in Frankfurt mit 17:16 gegen die Franzosen durch. Am 18. März 1928 waren in Hannover über 14.000 Zuschauer bei der dritten Begegnung der beiden Mannschaften anwesend, was bis heute der größten Zuschauerzahl für ein Rugbyspiel in Deutschland entspricht. Hinter Frankreich etablierte sich Deutschland als zweitbeste Nationalmannschaft auf dem europäischen Festland. In den jährlich ausgetragenen Begegnungen zwischen den beiden Mannschaften fielen die Ergebnisse zunächst deutlich zugunsten der Franzosen aus, wurden mit der Zeit aber immer knapper. 1929 spielten die Deutschen erstmals gegen Spanien, 1931 gegen die Tschechoslowakei und 1933 gegen die Niederlande.

Nationalsozialismus und Nachkriegszeit Als Folge der Machtergreifung der NSDAP im Januar 1933 und der anschließenden Gleichschaltung wurde der DRV wie alle anderen deutschen Sportverbände in die Sportdachorganisation des NS-Staates zwangseingegliedert. Innerhalb des Nationalsozialistischen Reichsbunds für Leibesübungen war er dem Fachamt 2 untergeordnet, das auch für Fußball und Cricket zuständig war. Der damalige DRV-Vorsitzende Hermann Meister versuchte als überzeugter Verfechter eines vereinten Europas und als Freund Frankreichs vergeblich, seinen Idealen gerecht zu werden, doch Rugby leistete der ideologischen Instrumentalisierung im Großen und Ganzen nicht mehr Widerstand als jede andere Sportart. Ähnlich wie in England war Rugby bisher überwiegend ein Sport des oberen Mittelstands gewesen. Unter den Nationalsozialisten und insbesondere in den Reihen der SA gab es verschiedene Kräfte, die eine stärkere Förderung und Verbreitung anstrebten. Ihnen zufolge war Rugby das „mannhafteste Großkampfspiel“, dessen „Einführung in Schulen und Jugendbund […] wärmstens zu empfehlen“ sei. Der prominenteste Unterstützer war Albert Speer, der das Spiel während seiner Schulzeit in Heidelberg kennengelernt hatte. Dennoch galt Rugby als „zu englisch“ und stand im Schatten von Fußball und des besonders geförderten Feldhandballs.

Nach dem vorübergehenden Ausschluss Frankreichs aus den Five Nations entstand auf Initiative des französischen Verbandes der Weltverband Fédération internationale de rugby amateur (FIRA; heute Rugby Europe, RE), der als Konkurrent zum angelsächsisch dominierten International Rugby Football Board (IRFB; heute World Rugby) auftrat. Der DRV gehörte am 2. Januar 1934 zu seinen Gründungsmitgliedern. Zwei Jahre später, beim ersten FIRA-Turnier in Berlin (dem Vorläufer der Europameisterschaft), erreichten die Deutschen mit einem Halbfinalsieg über Italien das Endspiel, das mit 19:14 zugunsten Frankreichs endete. Ebenfalls 1936 spielten die Deutschen erstmals gegen Rumänien, 1937 erstmals gegen Belgien. Beim FIRA-Turnier 1937 in Paris schieden sie im Halbfinale gegen Italien aus und beim FIRA-Turnier 1938 in Bukarest belegten sie hinter Frankreich den zweiten Platz. Am 27. März 1938 gelang bei einem Freundschaftsspiel in Frankfurt der zweite und bis heute letzte Sieg über Frankreich. Das letzte Test Match der NS-Zeit fand im Mai 1940 auswärts gegen Italien statt.

Der Zweite Weltkrieg hatte für den deutschen Rugbysport verheerende Folgen, denn nicht weniger als 16 Nationalspieler verloren ihr Leben. Von diesem Verlust sollte sich die deutsche Nationalmannschaft nicht mehr erholen. Die gesellschaftlichen Umwälzungen der Nachkriegszeit machten die vor dem Krieg erzielten Fortschritte weitestgehend ungeschehen. Rugby verlor sämtliche finanzielle Unterstützung und büßte den Großteil seiner Beliebtheit ein, den es zuvor erfahren hatte. Von den Hochburgen blieb nur Heidelberg, das spätere Hauptquartier der US-Streitkräfte in Westdeutschland, von den Bombardierungen verschont. Das erste internationale Rugbyspiel nach Kriegsende fand am 13. März 1946 ohne deutsche Beteiligung statt, als im Rahmen der Victory Internationals die Teams der Britischen Rheinarmee und der New Zealand Expeditionary Force in Wuppertal aufeinandertrafen. Es dauerte mehrere Jahre, bis der DRV und die Landesverbände sich neu aufgestellt hatten. In der Saison 1947/48 wurde die deutsche Rugbymeisterschaft wiederaufgenommen. Infolge der Teilung Deutschlands entstand 1950 in der Deutschen Demokratischen Republik der Fachausschuss Rugby im Deutschen Fußball-Verband, der ein Jahr später eine eigene Nationalmannschaft aufstellte und sich 1958 zum Deutschen Rugby-Sportverband (DRSV) wandelte.

Zeit der deutschen Teilung mini|Test Match zwischen den Niederlanden und Westdeutschland 1958 mini|Test Match zwischen Italien und Westdeutschland in Venedig, 1968 mini|Test Match gegen die Niederlande in Hilversum (1980)