Die Litauische Armee ( Lietuvos kariuomenė) sind die Streitkräfte der Republik Litauen. Die Geschichte der Streitkräfte ist eng mit der Geschichte des Landes verknüpft, das erst in den 1990er Jahren seine Unabhängigkeit zurückerlangte. In den vier Teilstreitkräften und deren Unterstützungsverbänden dienen rund 17.000 Soldaten; Verteidigungsminister ist Robertas Kaunas (LSDP).

Litauen ist Mitglied der NATO. Aufgrund der begrenzten finanziellen Möglichkeiten des Landes werden bestimmte Verteidigungsaufgaben zusammen mit den baltischen Nachbarstaaten und/oder anderen Partnerstaaten durchgeführt. Im Rahmen von Internationalen Bündniseinsätzen (EU, NATO u. a.) ist oder war die Litauische Armee in Somalia, Mali, Afghanistan (bis Mitte 2021). Libyen, Irak, ZAR, im Kosovo und der Ukraine aktiv (Stand 2021).

Geschichte Vorgeschichte Das Großfürstentum Litauen war im 14. Jahrhundert der einzige Staat in Osteuropa, der die Goldene Horde militärisch effektiv bekämpfen konnte. Aufgrund des stetigen militärischen Drucks von außen führte die Union von Krewo zu einem Bündnis zwischen Polen und Litauen, das 1569 schließlich in der Lubliner Union zu einer Realunion (siehe Polen-Litauen) umgewandelt wurde, die bis 1795 bestand.Mathias Niendorf: Das Großfürstentum Litauen. Studien zur Nationsbildung in der Frühen Neuzeit (1569–1795) – Veröffentlichungen des Nordost-Instituts 3. Harrassowitz Verlag, Wiesbaden 2006, ISBN 3-447-05369-0 (Zugleich: Kiel, Univ., Habil.-Schr., 2003).

Bereits in den Jahren 1333 und 1339 schlug das Großfürstentum mongolische Kräfte bei deren Versuch, Smolensk der litauischen Einflusssphäre zu entreißen. Bis 1355 eroberten litauische Truppen Territorium der Goldenen Horde bis hin zum Dnepr. Im Bündnis mit Toktamisch fiel Litauen 1398, in einem Kreuzzug gegen die Horde, im Norden der Krim ein und errang einen deutlichen Sieg. In der Schlacht an der Worskla wurde Litauen 1399 jedoch besiegt und verlor die östlichen Steppengebiete und seinen Zugang zum Schwarzen Meer wieder.

Im Westen musste man sich ab 1303 in den Litauerkriegen mehr als hundert Jahre gegen die Bedrohung durch den Deutschen Orden zu erwehren. Erst nach dem Bündnis mit Polen und der Schlacht von Tannenberg 1410 konnte diese beendet werden.

Zwischen den Weltkriegen Noch vom Deutschen Kaiserreich besetzt, hatte Litauen 1918 seine Unabhängigkeit vom Russischen Kaiserreich erklärt und mit dem Aufbau eigener Streitkräfte begonnen. Die Unabhängigkeit des Landes nach der Oktoberrevolution war nur militärisch, in Kämpfen gegen Rote Armee und Truppen der Zweiten Polnischen Republik, durchzusetzen gewesen. Danach hielten die Spannungen mit den Nachbarstaaten allerdings an. Aus litauischer Sicht hielt Polen das Wilnaer Gebiet weiterhin besetzt und im Jahr 1923 annektierte Litauen seinerseits das, im Friedensvertrag von Versailles seit 1920 von Deutschland abgetrennte, Memelland. Die Mittel, die dem Militär vom Staat zur Verfügung gestellt wurden, waren daher für das kleine Land erheblich. Die Armee verfügte über 17 Generäle, 1800 Offiziere sowie 30.078 Unteroffiziere und Soldaten.1918 m. lapkričio 23 d. atkurta LR kariuomenė – Kurzer geschichtlicher Abriss auf der Internetseite der litauischen Streitkräfte, abgerufen am 22. Dezember 2015 (litauisch).

Aufbau der Armee Die militärischen Spitzenposten waren von 1930 bis 1940 wie folgt besetzt: + Aufbau der Armee Dienstposten Posteninhaber Beginn der Dienstzeit Ende der Dienstzeit Verteidigungsminister Brigadegeneral Stasys RaštikisBrigadegeneral Kazys MusteikisGeneralmajor Vincas Vitkauskas 24. März 19385. Dezember 193817. Juni 1940 5. Dezember 193815. Juni 194027. August 1940 Stellvertretender Verteidigungsminister Brigadegeneral Albinas Čepas-Čepaukas Juni 1940 August 1940 Oberbefehlshaber der Streitkräfte Oberst Stasys RaštikisGeneralmajor Vincas Vitkauskas 1. Januar 193522. April 1940 22. April 194012. Juli 1940 Chef des Generalstabes Oberst Stasys RaštikisOberst Jonas ČerniusGeneralmajor Stasys Pundzevičius 21. September 19341. Januar 19354. April 1939 31. Dezember 1934März 193915. Juni 1940 Stellvertretender Chef des Generalstabes Brigadegeneral Vladas Karvelis 1940 1940 Chef der Armeeversorgung Oberst Jonas SutkusGeneralmajor Zenonas Gerulaitis 1929November 1937 1937Oktober 1938 Inspekteur des Heeres Oberst Vincas Vitkauskas 1934 1940 Inspekteur der Infanterie Brigadegeneral Viktoras Giedrys 1939 1940 Inspekteur der Artillerie Oberst Vincas Žilys 20. Juli 1935 2. August 1940 Generalquartiermeister Oberst Jonas SutkusBrigadegeneral Kazimieras Navakas 19261940 194029. Juli 1940 Chef der Militärischen Quartiersabteilung Oberst Juozas Barzda-Bradauskas 1930 1940 Chef der technischen AbteilungLeiter des Militäringenieuramtes Brigadegeneral Antanas GustaitisOberst Klemensas Popeliučka 19281. August 1935 September 19341940 Stabschef Militärtechnik Oberst Klemensas Popeliučka 17. April 1929 August 1933 Kommandant der Militärschule Brigadegeneral Kazys MusteikisBrigadegeneral Jonas JuodišiusBrigadegeneral Kazys Skučas 193419391940 193919401940 Kommandant der Offiziersschule „Vytautas der Große“ Generalmajor Stasys Raštikis 1938 1940 Kommandant der Militärhochschule „Vytautas der Große“ Oberst Vladas Karvelis 1938 1940 1. Division Brigadegeneral Stasys PundzevičiusBrigadegeneral Vincas VitkauskasBrigadegeneral Jonas ČerniusBrigadegeneral Vladas Karvelis 19351939Dezember 1939Juli 1940 19391939Juli 1940August 1940 2. Division Oberst Kazys SkučasOberst Stasys PundzevičiusBrigadegeneral Edvardas Adamkavičius 192819346. Februar 1935 193525. Juni 1940 3. Division Oberst Edvardas AdamkavičiusBrigadegeneral Mikas RėklaitisGeneralmajor Zenonas Gerulaitis 19301935Oktober 1938 1935März 19391940 Kommandeur der Kavallerie Oberst Kazys Tallat-Kelpša 1934 1940 Oberbefehlshaber der LuftwaffeKommandierender General der Militärluftfahrt Oberst Stasys PundzevičiusBrigadegeneral Antanas Gustaitis 27. Januar 19379. Mai 1934 9. Mai 193419401940

Trotzdem geriet das Land schnell wieder unter Druck seiner Nachbarn. Im Vorfeld des Zweiten Weltkrieges musste Litauen im März 1939 das Memelland an das Deutsche Reich zurückgeben. Nach der Wiedererlangung der Region Vilnius im selben Jahr stieg die Zahl der Soldaten auf 33.000. Zudem fand angesichts der angespannten internationalen Situation, nach dem deutschen Überfall auf Polen, eine Teilmobilisierung statt. So wuchs die Armee im September 1939 auf 87.000 Soldaten und für die Verteidigung wurde jährlich bis zu einem Viertel des Staatshaushalts aufgewendet. Schließlich dienten bis zu 500.000 Männer im Militärdienst. Das Militär war ziemlich gut ausgerüstet und hatte beträchtliche Autorität im Staat.Ką savo didžiausiu ir pavojingiausiu priešu laikė Lietuvą okupavę sovietai? (Tageszeitung Panevėžio balsas und Portal Alfa.lt)

Nach der Niederlage der Schutzmacht Frankreich im Westfeldzug hatte Litauen seinen übermächtigen Nachbarn trotzdem nicht viel entgegenzusetzen. So wurde nach dem Einmarsch sowjetischer Truppen im Sommer 1940 eine prosowjetische Regierung ins Amt gebracht, die den Beitritt zur Sowjetunion erklärte. Im Juni/Juli 1941 eroberten Truppen der deutschen Wehrmacht das litauische Staatsgebiet. Im Sommer 1944 besetzte die Rote Armee wieder große Teile Litauens und etablierte die Litauische Sozialistische Sowjetrepublik (LSSR) erneut. Der militärische Widerstand der „Waldbrüder“ gegen die sowjetische Besatzung stand ohne ausländische Unterstützung auf verlorenem Posten, war ab 1948 auf einige wenige Partisanenverbände geschrumpft und wurde schließlich ganz eingestellt.

Die Zeit seit 1991 mini|Litauische Panzerhaubitze 2000

Im Jahr 1991 gewann Litauen seine staatliche Unabhängigkeit zurück und führte ein Jahr später die allgemeine Wehrpflicht ein. Die russische Armee zog 1993 aus Litauen ab. In der Folgezeit orientierten sich die litauischen Streitkräfte in Richtung Westen (NATO-Beitritt 2004) und beteiligten sich an verschiedenen internationalen Missionen und Manövern. Zudem modernisierte man, entsprechend der finanziellen Möglichkeiten des Landes, nach und nach die Ausrüstung der Truppe.

Ende Februar 2015 wurde bekannt, dass Litauen die Wehrpflicht aufgrund der Annexion der Krim durch Russland und des russischen Kriegs gegen die Ukraine (zunächst vorübergehend für eine Dauer von fünf Jahren) wieder einführen will, nachdem man diese 2008 abgeschafft hatte. Ein entsprechender Gesetzesentwurf wurde im März 2015 im Parlament eingebracht und mit 112 zu drei Stimmen bei fünf Enthaltungen angenommen. Die Dienstzeit beträgt neun Monate, rund 3500 Staatsbürger sollen jährlich eingezogen werden.Litauen führt Wehrpflicht wieder ein Onlinemeldung auf faz.net, abgerufen am 20. März 2015.

Zudem erhöhte Litauen vor diesem Hintergrund wieder seine Ausgaben für Verteidigung. Zeitweise hatte man jährlich weniger als ein Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) dafür ausgegeben. Das Verteidigungsbudget betrug 2023 1,77 Milliarden Euro (2,52 Prozent des litauischen BIP). Für das Jahr 2024 sind dafür (Stand Januar 2024) rund 2,06 Milliarden Euro (2,71 Prozent des BIP) vorgesehen. Litauen hat sich das Ziel gesetzt, bis spätestens 2027 die Drei-Prozent-Marke für Verteidigung zu erreichen.Neue Verteidigungsstrategien für Litauen, Lettland und Estland Am 21. Juni 2024 beschloss das Parlament, die Steuern für Unternehmen sowie Steuern auf Alkohol, Zigaretten und Treibstoff zu erhöhen. Zudem verlängerte das Parlament eine Sondersteuer für den Bankensektor bis 2025.tagesschau.de: Litauen erhöht Verteidigungsausgaben

Organisation

Gliederung 700px|mini|Organisation der Litauischen Streitkräfte, 2025 Die Armee Litauens bestehen aus dem Oberkommando und Verteidigungsstab: 25px|class=noviewer Oberkommando () 28x28px|class=noviewer Verteidigungsstab (Gynybos štabas) den vier Teilstreitkräften: 25px|class=noviewer Landstreitkräfte (Sausumos pajėgos) 25px|class=noviewer Freiwilligenstreitkräfte (Savanorių pajėgos) 25px|class=noviewer Seestreitkräfte (Karinės jūrų pajėgos) 25px|class=noviewer Luftstreitkräfte (Karinės oro pajėgos) 25px|class=noviewer Spezialoperationskräfte (Specialiųjų operacijų pajėgos) sowie Unterstützungsbereichen, wie z. B.: 28x28px|class=noviewer Logistikkommando (Logistikos valdyba) 28x28px|class=noviewer Trainings- und Ausbildungskommando (Mokymo ir doktrinų valdyba) 28x28px|class=noviewer Militärpolizei (Karo policija) Litauisches Cyberkommando (LTCYBERCOM), aufgestellt 2025Lithuanian Armed Forces opens cyber command. Janes, 7. Januar 2025 Die Grenztruppen (Valstybės sienos apsaugos tarnyba prie Lietuvos Respublikos vidaus reikalų ministerijos) gehören nicht zur Armee. Sie sind, wie früher der Bundesgrenzschutz in der Bundesrepublik, dem Innenministerium unterstellt.

Mannschaftszahlen Landstreitkräfte: 12.500 (davon 5.000 in den Freiwilligenverbänden) Seestreitkräfte: 600 Luftstreitkräfte: 1.000 Logistikkommando: 1.200 Trainings- und Ausbildungskommando: 670White Paper on Lithuanian defence policy , abgerufen am 18. September 2017 (englisch).

Oberkommando Die Streitkräfte sind direkt dem litauischen Verteidigungsministerium unterstellt. Gemäß Verfassung ist im Verteidigungsfall der Präsident der oberste Befehlshaber.

Derzeitiger militärischer Befehlshaber der Streitkräfte ist General Raimundas Vaikšnoras. Befehlshaber der Landstreitkräfte ist Brigadegeneral Nerijus Stankevičius, Befehlshaber der Marine Kapitän zur See Tadas Jablonskis und Befehlshaber der Luftstreitkräfte Oberst Antanas Matutis.

Militärische Befehlshaber der Streitkräfte waren seit ihrer Gründung: mini|Landesschutzministerium (Litauen)