mini|hochkant|Walter Groß, Leiter, Aufnahme von 1933 miniatur|hochkant|Porträt zweier junger blonder Sportler von 1933 aus der Sammlung des Rassenpolitischen Amts der NSDAP Das Rassenpolitische Amt (RPA) war ein Amt der NSDAP, das die rassistische Ideologie der Partei durchsetzen sollte.

Geschichte Als Vorläuferorganisation gründete der Nationalsozialistische Deutsche Ärztebund 1933 das „Aufklärungsamt für Bevölkerungspolitik und Rassenpflege“. Am 15. Mai 1934 wurde das „Aufklärungsamt“ dem „Stellvertreter des Führers“, Rudolf Heß, unterstellt und in Rassenpolitisches Amt der NSDAP umbenannt. Der Stellvertreter des Führers an alle Herren Reichsleiter und Gauleiter, vom 15. Mai 1934, (Bundesarchiv, Ns 6/216). In: Manfred Görtemaker: Rudolf Heß. Der Stellvertreter. C.H. Beck Verlag, München 2023, S. 305. Leiter wurde der Mediziner Walter Groß; unter ihm arbeiteten etwa 25 Mitarbeiter.

Im Erlass zur Einrichtung des Rassenpolitischen Amtes hieß es:

Dementsprechend war die Schulung von Rednern eine der Hauptaufgaben des Rassenpolitischen Amtes, mit der eine einheitliche Sprachregelung auf dem Gebiet der Rassenhygiene erreicht werden sollte. Hierzu wurde in Potsdam-Babelsberg, Griebnitzseestraße 4 (damals Landhaus Hahn Nr. 2A) eine Rednerschule gegründet, an der bis 1936 1.400 Redner ausgebildet worden sein sollen. Die Leitung der Rednerschule wurde Egon Leuschner übertragen.Manfred Görtemaker: Rudolf Heß. Der Stellvertreter. C.H. Beck Verlag, München 2023, S. 306 Zu den Absolventen gehörten unter anderem Konrad Lorenz und der spätere Geschäftsführer des Lebensborn, Gregor Ebner. Daneben gab das Rassenpolitische Amt die Zeitung Neues Volk und einen gleichnamigen, in hoher Auflage erscheinenden Kalender heraus.Werbeplakat für Neues Volk beim Deutschen Historischen Museum. In Zusammenarbeit mit der Reichspropagandaleitung entstanden zudem mehrere Filme.

Das Rassenpolitische Amt sah sich selbst als eine „Umschlagstelle für Anregungen“ und konnte dadurch „der Parteiführung eingehendere Vorschläge für die durchzuführenden Maßnahmen“ aufzeigen.Neues Volk. Heft 2, 1944, S. 1 f. Zitiert nach: Uhle: Neues Volk und reine Rasse. 1999, S. 50. Hierunter ist insbesondere die Mitarbeit an gesetzgeberischen Maßnahmen zu verstehen.

Die größte Bedeutung erlangte das Rassenpolitische Amt in den ersten Jahren des NS-Staates. Hier gelang es Walter Groß und seinen Mitarbeitern, eine einheitliche Sprachregelung in der sogenannten Rassenfrage durchzusetzen und Einfluss auf die entsprechende Gesetzgebung zu gewinnen. Über Dienststellen des Staates und der Partei, die Rednerschulungen in Babelsberg, aber auch Gau- und Kreisleiter ergaben sich eine Vielzahl personeller Verbindungen. Später verlor das Amt nach und nach sein Gewicht, SS und Sicherheitsdienst gewannen hingegen an Bedeutung in der NS-Rassenpolitik. 1944 wurde die Tätigkeit des Rassenpolitischen Amtes kriegsbedingt eingeschränkt, schon im Jahr zuvor soll die Vernichtung der Akten begonnen haben.

Mit dem Kontrollratsgesetz Nr. 2 vom 10. Oktober 1945 wurde das Rassenpolitische Amt der NSDAP durch den Alliierten Kontrollrat verboten und dessen Eigentum beschlagnahmt.Kontrollratsgesetz Nr. 2 vom 10. Oktober 1945. In: Amtsblatt des Kontrollrats in Deutschland, Nummer 1 vom 29. Oktober 1945, S. 19 ff. .

Struktur Das Amt untergliederte sich 1936 in folgende Arbeitsbereiche: Propaganda Ausland Wissenschaft: Werner Hüttig (von 1933 bis 1936) Presse Schulung Der Reichsbund der Kinderreichen wurde durch das Amt betreut.

Dem Amt unterstellt waren auf zweiter Ebene die Gauleitungen mit einer ähnlichen Struktur der Arbeitsbereiche (1936: Schulung und nur bei Notwendigkeit Propaganda und Presse). Auf der dritte Ebene befanden sich die Kreisleitungen (angelehnt an die NSDAP-Struktur). Roger Uhle: Neues Volk und reine Rasse. Walter Gross und das Rassenpolitische Amt der NSDAP (RPA). 1934–1945. Dissertation, Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen, 1999, S. 47 ff.

1938 existierte im Amt folgende Struktur der sogenannten Hauptstellen: Geschäftsführung Propaganda Ausland Wissenschaft Presse Schulung Beratungsstelle: 1939 Erhard Wetzel Frauen- und Mädelarbeit: Marta Hess, zugleich Abteilungsleiterin für rassenpolitische Erziehung in der NS-Frauenschaft Praktische Bevölkerungspolitik

Auf der regionaler Ebene wurde das Rassenpolitische Amt durch ehrenamtliche Beauftragte vertreten. Die Gaubeauftragten waren hierbei häufig Professoren der Universitäten vor Ort. Ein Beispiel hierfür ist der Gau Mainfranken: Ludwig Schmidt-Kehl, seit 1934 Gaubeauftragter des Rassenpolitischen Amtes, leitete ab 1937 in Personalunion auch das aus dem Rassenpolitischen Amt der Gauleitung Mainfranken hervorgegangene, am 1. April 1937 gegründeteLudwig Schmidt-Kehl: Das Institut für Vererbungswissenschaft und Rasseforschung der Universität Würzburg. In: Zeitschrift für Rassenkunde und die gesamte Forschung am Menschen. Band 9, 1939, S. 281. „Institut für Vererbungswissenschaft und Rasseforschung“Ute Felbor: Das Institut für Vererbungswissenschaft und Rasseforschung der Universität Würzburg 1937–1945. In: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen. Band 11, 1993, S. 155–173. der Universität Würzburg. Rassenpolitisches Amt (bis Oktober 1938 in der Ludwigstraße 8) und Universitätsinstitut waren hierbei im selben Haus (Klinikstraße 6, im nach Robert Ritter von Welz auch „Welzhaus“ genannten und auch Wohnzwecken dienende Gebäude, worin im November 1938 das Institut seine Räumlichkeiten erhielt und am 10. Mai 1939 eingeweiht wurde)Ute Felbor: Rassenbiologie und Vererbungswissenschaft in der Medizinischen Fakultät der Universität Würzburg 1937–1945. Würzburg 1995, S. 13–27 und 51.Das neue Institut für Rassenkunde und Vererbungswissenschaft. In: Mainfränkische Zeitung, 9. Mai 1939. Institut für Vererbungswissenschaft und Rassenforschung eröffnet. In: Mainfränkische Zeitung, 11. Mai 1939. untergebracht. Schmidt-Kehl leitete dabei erbbiologische Untersuchungen im Rahmen des sogenannten Dr.-Hellmuth-Plans.

Publikationen Egon Leuschner: Nationalsozialistische Fremdvolkpolitik, 1942.

Propagandafilme Das Rassenpolitische Amt der NSDAP produzierte mehrere Propagandafilme, um das Euthanasieprogramm des nationalsozialistischen Staats zu propagieren:Uwe Kaminsky: „Gnadentod“ und Ökonomismus. Zu ethischen Rechtfertigungsmustern der NS-„Euthanasie“. In: Wolfgang Bialas, Lothar Fritze (Hrsg.): Ideologie und Moral im Nationalsozialismus. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen u. a. 2014, ISBN 978-3-525-36961-6, S. 235–266, hier S. 245. Die Sünden der Väter (1935) Abseits vom Wege (1935) Erbkrank (1936) Was Du ererbet… (1936) Opfer der Vergangenheit (1937) Ich klage an (1941)

Literatur Roger Uhle: Neues Volk und reine Rasse. Walter Gross und das Rassenpolitische Amt der NSDAP (RPA). 1934–1945. Aachen 1999, (Aachen, Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule, Dissertation 1999; Digitalisat). Ute Felbor: Rassenbiologie und Vererbungswissenschaft in der Medizinischen Fakultät der Universität Würzburg 1937–1945 (= Würzburger medizinhistorische Forschungen. Beiheft 3). Königshausen & Neumann, Würzburg 1995, ISBN 3-88479-932-0 (Zugleich: Würzburg, Universität, Dissertation, 1995). Gerhard Koch: Die Gesellschaft für Konstitutionsforschung. Anfang und Ende 1942–1965. Die Institute für Anthropologie, Rassenbiologie, Humangenetik an den deutschen Hochschulen. Die Rassenpolitischen Ämter der Jahre 1933–1945. Palm und Enke, Erlangen 1985, ISBN 3-7896-0229-9.

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Nebenorganisation der NSDAP Kategorie:NS-Rassenforschung Kategorie:NS-Propaganda Kategorie:Organisation (Deutsches Reich, 1933–1945) Kategorie:Gründung einer politischen Organisation 1934 Kategorie:Aufgelöst 1945