Die Schlacht von Gallipoli wurde während des Ersten Weltkriegs vor und auf der türkischen Halbinsel Gallipoli (türkisch: Gelibolu Yarımadası) auf der europäischen Seite der Dardanellen (türkisch: Çanakkale Boğazı), aber auch auf der asiatischen Seite der Meerenge, zwischen der Ägäis und dem Marmarameer ausgetragen. Die Entente-Mächte wollten später in einer gemeinsamen Operation die Halbinsel besetzen und sie als Ausgangsbasis für die Eroberung der osmanischen Hauptstadt Konstantinopel nutzen, scheiterten jedoch an den Verteidigern. Die Schlacht forderte 100.000 Tote und 250.000 Verwundete, was fast der Hälfte der zum Einsatz gekommenen Soldaten entsprach. In der Türkei nennt man die Operation nach der an der Meerenge gelegenen Stadt Çanakkale Çanakkale Savaşı („Krieg von Çanakkale“). Im englischen Sprachraum ist sie als Dardanelles Campaign oder Gallipoli Campaign („Dardanellenfeldzug“ bzw. „Gallipolifeldzug“) bekannt. Die Franzosen sprechen von der Bataille des Dardanelles. Der 25. April als Jahrestag der Landung auf Gallipoli wird noch heute in Australien, Neuseeland und Tonga als nationaler Gedenktag (ANZAC Day) begangen.

Die über 100.000 Gefallenen liegen auf mehreren Soldatenfriedhöfen. – The War Graves Photographic Project.

Vorgeschichte Bereits im 19. Jahrhundert wurde das geschwächte Osmanische Reich, aus dem später die Türkei hervorgehen sollte, als „Der kranke Mann am Bosporus“ von vielen Medien der damaligen Zeit persifliert. Im Frühjahr 1915 war die militärische und politische Lage in vielerlei Hinsicht heikel für die jungtürkische Regierung. Die osmanischen Feldzüge in den von Russland beherrschten Kaukasus und in den Nordiran waren gescheitert, und dadurch war die lange Front im Osten an mehreren Stellen eingebrochen. In der osmanischen Provinz Van erhoben sich aufständische armenische Bürgermilizen gegen die Übergriffe des Militärgouverneurs der Provinz. Im Februar 1915 begann die Entwaffnung der armenischen Soldaten der osmanischen Armeen. Ein Teil dieser Soldaten wurde anschließend ermordet und die übrigen wurden in Arbeitsbataillonen zusammengefasst. Wenig später folgte die Hinrichtung der Angehörigen mehrerer dieser Bataillone.Yves Ternon: Bericht über den Völkermord an den Armeniern im Osmanischen Reich. In: Tessa Hofmann (Hrsg.): Das Verbrechen des Schweigens. Göttingen/Wien 2000, S. 57. Anders als oft dargestellt, waren die Jungtürken im Frühjahr 1915 keineswegs in Passivität verfallen, sondern wollten die aus ihrer Sicht günstige Stunde nutzen. Nachdem das Osmanische Reich in den Balkankriegen 1912/13 fast alle Gebiete auf dem Balkan verloren hatte, strebte es dort im Ersten Weltkrieg große Gebietsgewinne an.

Der vernachlässigte und desorganisierte Zustand der osmanischen Armee und Marine nach den Balkankriegen hatte 1913 die Berufung einer deutschen Militärmission mit weitreichenden Befugnissen unter Liman von Sanders zur Folge, welche aber eine erhöhte Wachsamkeit und Bereitschaft zum Eingreifen der Triple Entente bewirkte. Das Osmanische Reich wahrte bis in den Hochsommer 1914 noch seine Neutralität, geriet aber immer enger in Bindung zu den Mittelmächten. Zu Kriegsbeginn hatte Großbritannien am 1. August 1914 zwei vom Osmanischen Reich in England in Auftrag gegebene und bereits bezahlte osmanische Schlachtschiffe – die Reşadiye und die bereits vor Indienststellung aus Sicht der Royal Navy technisch veraltete Sultan Osman I. – beschlagnahmt. Die durch Marineminister Winston Churchill angeordnete Beschlagnahmung löste allgemeine Entrüstung im Osmanischen Reich aus, auch weil die Schiffe teilweise mit öffentlichen Spenden bezahlt worden waren.Richard Hough: The Great Dreadnought: The Strange Story of H.M.S. Agincourt: The Mightiest Battleship of World War I. New York: Harper & Row. 2023. google.de S. 74 S. 239 Am 2. August hatten Großwesir Said Halim und Kriegsminister Enver einen Geheimvertrag mit dem Deutschen Reich abgeschlossen, am 10. August waren der deutsche Schlachtkreuzer Goeben und der Kleine Kreuzer des deutschen Mittelmeergeschwaders Breslau unter Konteradmiral Wilhelm Souchon nach scharfer Verfolgungsjagd durch die britische Royal Navy in den Dardanellen eingetroffen. Am 12. August wurden sie nominell Sultan Mehmed V. übergeben und in Yavuz Sultan Selim und Midilli umbenannt; drei Tage später beendete die osmanische Regierung die britische Marinemission unter Admiral Arthur Limpus und wies am 15. September alle britischen Offiziere aus. Mit deutscher Hilfe sollten nun die Dardanellen befestigt und der Bosporus durch die Yavuz Sultan Selim gegen Russland gesichert werden. Am 27. September 1914 wurden die Meerengen für die internationale Schifffahrt gesperrt. Offiziell begründet wurde die Sperrung einer der wichtigsten Schifffahrtsstraßen der Welt durch einen Zwischenfall, bei dem ein türkisches Torpedoboot durch britische Kriegsschiffe daran gehindert wurde, in die Ägäis einzufahren.Doris Götting: Die türkisch-deutsche Waffenbrüderschaft im Ersten Weltkrieg Bundeszentrale für politische Bildung (Hrsg.) veröffentlicht am 1. September 2014 Da die kaiserlich-deutsche Marine die Ostsee blockierte, waren damit die Seeverbindungen Russlands zu den westlichen Alliierten weitgehend unterbrochen. Die Meerengen Bosporus und Dardanellen – der einzige Weg zum Schwarzen Meer – wurden nun wirksam vom Osmanischen Reich kontrolliert, so dass Waffenlieferungen der Westalliierten an Russland auf diesem Seeweg nicht mehr durchführbar waren.

Am 29. Oktober 1914 griff die unter osmanischer Flagge fahrende Flotte unter Admiral Souchon im Schwarzen Meer russische Hafenstädte an. Fast zeitgleich beschoss die Royal Navy aus dem Hafen von Izmir auslaufende osmanische Handelsschiffe. Daraufhin erklärte am 12. November 1914 die osmanische Regierung der Triple Entente den Krieg. mini|Karte der Dardanellen mini|Osmanische Forts und Minenfelder an den Dardanellen, Februar–März 1915

Gegen Ende des Jahres 1914 war die Westfront im Stellungskrieg erstarrt. Die Kontrahenten überlegten deshalb, anderswo die Entscheidung zu suchen. Die Triple Entente hoffte, dass ein direkter Angriff auf das Osmanische Reich die Griechen und Bulgaren zu einem Kriegseintritt auf Seiten der Alliierten bewegen könnte. Einige Zeitgenossen glaubten sogar, das Osmanische Reich würde im Falle eines Sieges als Verbündeter der Mittelmächte aus dem Krieg ausscheiden.

Im April 1854 waren schon einmal französische und britische Truppen im Rahmen des Krimkrieges bei Gallipoli gelandet. Damals geschah dies unter umgekehrten Vorzeichen, um einen möglichen russischen Vorstoß nach Konstantinopel zu verhindern, und mit ausdrücklicher Zustimmung des Osmanischen Reichs, mit dem zuvor am 12. März 1854 ein Kriegshilfevertrag geschlossen worden war. Wenig später erfolgte die gemeinsame Kriegserklärung an Russland. Beide Länder entsandten ihre Mittelmeerflotten im Juni 1853 in die Einfahrt zu den Dardanellen und später ins Schwarze Meer.John Sweetman: The crimean war (= Osprey essential histories. Band 2). Osprey, Oxford 2001, ISBN 1-84176-186-9.

Ein im November 1914 von einem französischen Minister vorgeschlagener Angriff fand noch keine hinreichende Unterstützung. Wenig später legte der Erste Lord der Admiralität, Winston Churchill, seine Pläne für einen Seeangriff auf die Dardanellen vor. Am 16. Februar 1915 beschloss die britische Regierung erstmals, ein großes Landungsunternehmen durchzuführen. Kriegsminister Lord Kitchener ernannte General Sir Ian Hamilton zum Oberbefehlshaber der Mediterranean Expeditionary Force, die dieses ausführen sollte.

Nach Kriegseintritt wurden die osmanischen Verteidigungsanlagen der Meeresenge erheblich verstärkt. Die Anzahl der Unterwasserminen wurde mehr als verdoppelt, zusätzliche Kanonen und Batterien wurden aufgestellt und stärkere Befestigungen errichtet.A. L. Macfie: The Straits Question 1908–1936. Thessaloniki 1993. S. 59 f. In: Middle Eastern Studies, Vol. 19, No. 1 (Jan., 1983) Churchill konnte die Alliierten nach wochenlangen Unterredungen zu einem Großangriff auf die Dardanellen bewegen und gilt dadurch allgemein als Hauptverantwortlicher für die Operation. Für den groß angelegten Frontalangriff gegen die befestigten osmanischen Stellungen auf der Gallipoli-Halbinsel war das Zusammenziehen zahlreicher Kriegsschiffe notwendig.A. L. Macfie: The Straits Question 1908–1936. Thessaloniki 1993. S. 60. In: Middle Eastern Studies Churchill glaubte fälschlich, die Geschütze der britischen Schlachtschiffe überträfen die feindlichen Geschütze an Reichweite und könnten deshalb ungefährdet die Forts und Festungen zerstören. Er war aber so überzeugt von einem reinen Marineangriff, dass er diesen noch Ende Februar (als er erkannte, dass zusätzlich Landstreitkräfte für die Eroberung der Halbinsel dringend nötig waren) weiterführen wollte.

Seeangriffe

mini|Die Irresistible sinkt

Im November 1914 wurde der Admiral des östlichen britischen Mittelmeergeschwaders Sackville Carden von der Britischen Admiralität aufgefordert, eine Strategie zur Öffnung der Dardanellen für den Januar des nachfolgenden Jahres zu entwickeln. Cardens Plan forderte eine systematische Zerstörung der Osmanischen Befestigungen entlang der Dardanellen in Kombination mit Minenräumaktionen. Carden, Sir Sackville Hamilton. Oxford Dictionary of National Biography, Oxford University Press. Dafür hielt er 15 Großkampfschiffe für erforderlich und unterließ ansonsten jegliche Einschränkung.Berthold Seewald: Eine „Bande von Amateuren“ ruinierte die Royal Navy In: Die Welt, Veröffentlicht am 1. Juni 2015 Liman von Sanders urteilte: „Ein durchschlagender Erfolg konnte daher vom Feinde nur erzielt werden, wenn eine große Truppenlandung an den Dardanellen zeitlich mit dem Durchbruch der Flotte zusammenfiel oder diesem vorausging. Eine dem Durchbruch erst folgende Truppenlandung hätte auf die artilleristische Unterstützung der bereits durchgebrochenen Flotte, der andere Aufgaben entgegentraten, verzichten müssen.“Sanders, Fünf Jahre Türkei, S. 65

Am 19. Februar 1915 griff schließlich ein Verband britischer und französischer Schiffe einige osmanische Artilleriestellungen entlang der Küste der Dardanellen an. An dieser ersten Attacke war auch das britische Schlachtschiff Queen Elizabeth beteiligt. Es wurden Versuche unternommen, die türkischen Minensperren in der Meerenge zu räumen, um direkt nach Konstantinopel durchbrechen zu können. Ziel der Alliierten war es dabei, das Osmanische Reich durch Bedrohung seiner Hauptstadt aus dem Krieg zu drängen und die von der Strecke her günstige Nachschubroute nach Russland über das Schwarze Meer nutzbar zu machen.

Der alliierte Vorstoß hatte unter anderem zur Folge, dass Bulgarien alle Verhandlungen mit Deutschland zunächst unterbrach. Das Königreich Griechenland bot seine Unterstützung an. Italien legte Anfang März 1915 in London Forderungen für einen Kriegseintritt auf Seiten der Triple Entente vor; am 26. April 1915 wurde der Vertrag unterzeichnet.

Scheitern der Seeangriffe