mini|hochkant|Klaus-Michael Kühne (2012) Klaus-Michael Kühne (* 2. Juni 1937 in Hamburg; † 23. August 2026 in Feusisberg-Schindellegi, Schweiz) war ein deutscher Unternehmer, Stifter, Mäzen und Sponsor. Über die 1993 gegründete Kühne Holding AG war er unter anderem Mehrheitsgesellschafter der maßgeblich unter seiner Leitung aufgebauten Kühne+Nagel-Gruppe, die weltweit zu den führenden Logistikdienstleistern zählt. Zudem hält die Holding u. a. Anteile an Hapag-Lloyd und der Lufthansa sowie der HSV Fußball AG & Co. KGaA. Weiter ist sie an Luxushotels wie dem The Fontenay in Hamburg und anderen namhaften Immobilien beteiligt.

Die 1976 gegründete Kühne-Stiftung engagiert sich in den Bereichen Logistik, Medizin, Klima und Kultur. Ihr größtes Projekt ist die Kühne Logistics University, eine Wirtschaftshochschule. Laut Forbes betrug mit Stand 2024 Kühnes Vermögen rund 42,5 Milliarden US-Dollar. Dies machte ihn zum reichsten Deutschen.

Leben Kindheit und Ausbildung Kühne wurde 1937 in Hamburg als einziges Kind von Mercedes Greef (1908–2001) und ihrem Ehemann, dem Speditionskaufmann Alfred Kühne (1895–1981), geboren;Hans Jaeger: Kühne, Alfred. In: deutsche-biographie.de. Neue Deutsche Biographie 13, 1982, S. 199 f. Abgerufen am 10. Juni 2016. er war ein Enkel des Unternehmensmitbegründers August Kühne. In: ancestry.com. Abgerufen am 5. April 2015.

Kühne besuchte die Heinrich-Hertz-Schule in Hamburg-Winterhude; dabei war er ein Klassenkamerad von Wolf Biermann bis zu dessen Übersiedlung in die DDR im Jahr 1953.„Ein richtiges Pärchen der Weltgeschichte“. In: faz.net. 19. Februar 2018, abgerufen am 3. Juli 2021.Stefan Grund: Was Wolf Biermann mit Klaus-Michael Kühne verbindet. In: abendblatt.de. 14. November 2013, abgerufen am 10. Juni 2016.

Nach dem Abitur absolvierte Kühne eine zweijährige Ausbildung zum Bank- und Außenhandelskaufmann beim Bankhaus Münchmeyer & Co.,Birger Nicolai: Milliardär Kühne – „Ich will mit dem HSV kein Geschäft machen“. In: welt.de. 16. September 2012, abgerufen am 10. Juni 2016. anschließend war er bei befreundeten Speditionen, Reedereien und Schiffsmaklern tätig.

Privates

Kühne war ab 1989 mit Christine Kühne (* 1938) verheiratet. Ab 1975 wohnte er in Schindellegi in der Schweiz, wo sich der Hauptsitz von Kühne + Nagel befindet, besaß aber weiterhin die deutsche Staatsangehörigkeit.Birger Nicolai: „Die Regierung gibt ein desolates Bild ab. Schlechter geht es nicht“. Interview. In: welt.de. 24. November 2019, abgerufen am 3. Januar 2020.Kühne – die volle Dröhnung HSV. In: stern.de, 25. Oktober 2014.

Klaus-Michael Kühne starb am 23. August 2026 im Alter von 89 Jahren in Schindellegi. Er wurde bei seinen Eltern Alfred (1981) und Mercedes Kühne (2001) in Hamburg auf dem Ohlsdorfer Friedhof beigesetzt (Grabnummer: O27-88). Die Familiengrabstätte befindet sich schräg gegenüber von Uwe Seelers Grab.

Karriere 1958 trat Kühne ins Speditionsunternehmen der Familie ein, 1963 wurde er mit 26 Jahren persönlich haftender Gesellschafter (Komplementär). Bei der Umwandlung von Kühne + Nagel in eine Aktiengesellschaft wurde er 1966 Vorstandsvorsitzender und verlegte 1969 den Firmensitz in die Schweiz.

In den Zeiten der ersten und zweiten Ölpreiskrise versuchte er, ein Reedereiunternehmen aufzubauen, geriet damit aber in finanzielle SchwierigkeitenUnternehmer – Dunkler Drang. In: spiegel.de. 9. Februar 1982, abgerufen am 10. Juni 2016. und musste 1981 – im Todesjahr seines Vaters – 50 Prozent der Anteile für 90 Millionen DM an die damalige Lonrho-Gruppe abgeben. 1992 kaufte er sie für 340 Millionen Mark zurückWilfried Kratz: Abstieg eines Magnaten. In: zeit.de. 31. Januar 1992, abgerufen am 10. Juni 2016.Kühne kauft Spedition zurück, Britischer Mischkonzern Lonrho gibt 50-Prozent-Paket ab. In: abendblatt.de. 24. Januar 1992 (PDF). und brachte 1994 die Kühne + Nagel International AG an die Börse. In: wiwo.de. Abgerufen am 10. Juni 2016. Von 1992 bis 2011 war er deren Verwaltungsratspräsident.

Über die Kühne Holding AG, die in seinem alleinigen Eigentum war, hielt er einen Anteil von 55,75 Prozent an der Kühne + Nagel International AG. Über das Konsortium Albert Ballin wurde er 2008 Gesellschafter der Reederei Hapag-Lloyd. Dort hielt er 30 Prozent der Anteile.Aktionärsstruktur. in: hapag-lloyd.com.

Im Mai 2016 übernahm er 20,3 Prozent der Anteile des Hamburger Eisenbahn-Logistik- und Waggonvermietunternehmens VTG AG, die er im Juli 2018 wieder veräußerte.Kühne macht Kasse: Anteile an Hamburger Traditionsfirma verkauft. In: abendblatt.de, 17. Juli 2018.

Wirken Kühne-Stiftung Kühne gründete 1976 gemeinsam mit seinen Eltern die gemeinnützige Kühne-Stiftung (Stiftung nach schweizerischem Recht), in die er jährlich fünf Millionen Schweizer Franken einbrachte und die nach seinem Tod das Firmenvermögen übernahm.

Kühne Logistics University Gemeinsam mit der Freien und Hansestadt Hamburg und der Technischen Universität Hamburg-Harburg gründete er 2003 die Hamburg School of Logistics, die nach einer weiteren Großspende im Jahre 2007 in Kühne School of Logistics and Management umbenannt wurde und aus der schließlich die Kühne Logistics University (KLU) hervorging. Kühne finanzierte die KLU teilweise über seine Stiftung, dennoch ist sie eine unabhängige Business School – also keine Corporate University von Kühne + Nagel. Die KLU bietet Studiengänge in allgemeiner Betriebswirtschaftslehre, Data Science sowie Logistik und Supply Chain Management an. Ein weiterer KLU-Standort ist Ho-Chi-Minh-Stadt in Vietnam.

Ebenfalls besteht eine Zusammenarbeit mit der Technischen Universität Berlin, die schließlich zur Gründung des Fachgebiets Internationale Logistiknetze führte. Des Weiteren werden an der WHU – Otto Beisheim School of Management in Vallendar das Kühne-Zentrum für Logistikmanagement und der Kuehne Foundation Endowed Chair of Logistics Management von der Kühne-Stiftung unterstützt.

Im schweizerischen Davos unterhält die KLU einen Medizincampus mit Forschungsprogrammen in der Allergologie und Kardiologie sowie eine Hochgebirgsklinik. Bis 2028 soll in Hamburg zudem ein neues Klimazentrum entstehen, um Beiträge der Logistik zum Klimaschutz zu erforschen.

2005 wurde Kühne in die Logistics Hall of Fame aufgenommen. 2007 wurde er vom Hamburger Senat für sein „nachhaltiges Engagement beim Auf- und Ausbau der Logistikwissenschaft in Hamburg und seinen Einsatz für den Bau der Elbphilharmonie“ mit dem Ehrentitel Professor geehrt.Ehrentitel Professor für Klaus-Michael Kühne. In: property-magazine.de. 10. Dezember 2007, abgerufen am 2. Juli 2014.

Engagement beim HSV Kühne war außerdem als Investor beim Hamburger SV tätig. Für 12,5 Millionen Euro erhielt er im Sommer 2010 33 Prozent der Transferrechte an den Spielern Dennis Aogo, Dennis Diekmeier, Paolo Guerrero, Marcell Jansen, Lennard Sowah und Heiko Westermann.Wird Klaus-Michael Kühne der zweite Dietmar Hopp? In: goal.com. 23. Juni 2012, abgerufen am 2. Juli 2014.Ende der Zusammenarbeit mit Investor Kühne. In: faz.net. 26. August 2010, abgerufen am 2. Juli 2014. Im Zuge des Transfers von Rafael van der Vaart 2012, für den Kühne ein Darlehen in Höhe von 8,5 Millionen Euro gab, verzichtete Kühne auf diese Transferrechte und erhielt im Gegenzug 33 Prozent der Transferrechte an van der Vaart.Milliardär und Fan – So machte Kühne die Rafa-Rückkehr möglich. In: mopo.de. 31. August 2012, abgerufen am 5. Januar 2017.

Im August 2014 gab Kühne dem HSV ein Darlehen in Höhe von 17 Millionen Euro für die Verpflichtung neuer Spieler.17 Millionen für den HSV. In: faz.net. 4. August 2014, abgerufen am 5. Januar 2017. Im Januar 2015 wandelte Kühne ein Darlehen in Höhe von 18,75 Millionen Euro in 7,5 Prozent der Anteile der HSV Fußball AG um, in die die Profifußballabteilung im Juli 2014 ausgegliedert worden war.Wie viel Kühne steckt im Hamburger SV? In: abendblatt.de. 19. Mai 2016, abgerufen am 5. Januar 2017.

Zur Saison 2015/16 erwarb Kühne die Namensrechte des HSV-Stadions und benannte es in Volksparkstadion um. Bis 2019 zahlte er hierfür vier Millionen Euro pro Saison.Kühne-Kohle für den HSV – 69 Mio. Euro in sechs Jahren. In: mopo.de. 30. April 2016, abgerufen am 5. Januar 2017. Außerdem finanzierte Kühne im Sommer 2015 die Verpflichtung des Spielers Albin Ekdal.Albin Ekdal und die zentrale Frage beim HSV. In: abendblatt.de. 28. Juli 2016, abgerufen am 5. Januar 2017. Zur Ablösung des Stadionkredites lieh Kühne 2015 dem HSV 25 Millionen Euro, die der HSV im folgenden Jahr nach der Platzierung eines Schuldscheindarlehens zurückzahlte.HSV platziert 40-Millionen-Euro Anleihe. In: kicker.de. 14. September 2016, abgerufen am 5. Januar 2017.

Im Februar 2016 wurde bekanntgegeben, dass ein Darlehen Kühnes in Höhe von 9,25 Millionen Euro in HSV-Anteile umgewandelt wurde und er nun elf Prozent der Anteile der HSV Fußball AG hält.HSV: Frisches Geld und ein neuer Kühne-Deal. In: kicker.de. 6. Februar 2016, abgerufen am 10. Juni 2016. Im Sommer 2016 stellte Kühne dem HSV ein Darlehen in Höhe von 38 Millionen Euro für die Verpflichtung neuer Spieler zur Verfügung.Bilanz veröffentlicht – Kühne gab dem HSV 38 Millionen Euro, In: mopo.de. Hamburger Morgenpost, 19. Dezember 2016, abgerufen am 5. Januar 2017. Auf der Mitgliederversammlung im Januar 2017 wurde verkündet, dass diese Summe nur zurückgezahlt werden muss, wenn der HSV sich in den folgenden sechs Spielzeiten drei Mal für den Europapokal qualifiziert.Todts Herausforderungen – HSV verkündet Kühne-Detail. In: kicker.de. 8. Januar 2017, abgerufen am 8. Januar 2017.

Im Zuge einer Kapitalerhöhung erwarb Kühne im April 2017 für 15 Millionen Euro 312.500 weitere Aktien, um die Lizenz für die erste und zweite Bundesliga zu sichern. Sein Anteil an der HSV Fußball AG wuchs dadurch von 11 auf 17 Prozent.HSV erfüllt Lizenzvorgaben für Bundesliga und 2. Liga. In: hsv.de. 11. Mai 2017, abgerufen am 11. Mai 2017.Kühne sichert die Lizenz mit frischen 15 Millionen Euro. In: abendblatt.de. 11. Mai 2017, abgerufen am 11. Mai 2017. Im Juli 2017 erhöhte er seinen Anteil auf 20,57 Prozent.Der HSV ist so gut wie ausverkauft. In: welt.de. 11. November 2017, abgerufen am 11. November 2017. Im August 2017 gab Kühne in einem Interview mit dem Spiegel bekannt, dass er dem HSV im Sommer 2017 25 Millionen Euro für Ablösen und Gehälter zur Verfügung gestellt habe.Jörg Kramer, Udo Ludwig: „Luschen“. In: Der Spiegel, 19. August 2017, Nr. 34, S. 114 ff.

Im Juni 2018 verkündete Kühne in einem Interview mit der Sport Bild, den HSV künftig nicht mehr finanziell unterstützen zu wollen, und bezeichnete diese Entscheidung als „nachhaltig“.„Ich werde den Verein nicht weiter fördern“. In: spiegel.de. 27. Juni 2018, abgerufen am 27. Juni 2018. Ende 2021 verkaufte Kühne 5,11 Prozent seiner Anteile an die CaLeJo GmbH des Medizinunternehmers Thomas Wüstefeld.HSV-Aufsichtsrat komplett: Wüstefeld neuer Chef. In: sueddeutsche.de. 30. November 2021, abgerufen am 30. November 2021. Kühnes Anteil an der HSV Fußball AG betrug nach der letzten Kapitalerhöhung im März 2022 rund 15,21 Prozent. Ende März 2022 erwarb er über seine Kühne Holding AG bis Juni 2023 wieder die Namensrechte am Volksparkstadion und verzichtete auf eine Umbenennung.Kühne Holding AG sichert Traditionsnamen Volksparkstadion. In: hsv.de. 31. März 2022, abgerufen am 31. März 2022.

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