Die Interaktionsprozessanalyse (IPA) ist ein in der Mitte des 20. Jahrhunderts von Robert Freed Bales entwickeltes Instrument zur Beobachtung von Interaktionsprozessen in sozialen Kleingruppen.
Die IPA wurde von Bales in seinem 1950 veröffentlichten, auf langjährigen Studien beruhenden Buch Interaction Process Analysis erstmals vorgestellt. Das theoretisch fundierte Kategoriensystem, mit dem eine Vielzahl von Interaktionsprozessen systematisch und simultan erfasst werden kann, fand in der Kleingruppenforschung internationale Anerkennung und wurde vielfach genutzt und weiterentwickelt. Bales selbst entwickelte in den 1970er Jahren ein dreidimensionales Analysemodell, bei dem neben den beiden IPA-Dimensionen „Aufgabenorientierung“ und „Sozio-emotionale Orientierung“ als zusätzliche Dimension der Grad an Einflussnahme von Gruppenteilnehmern berücksichtigt wird. Dieses weiterentwickelte Modell bildete die Grundstruktur seines theoretisch und instrumentell ergänzten und empirisch untermauerten Symlog-Modells, das 1979 vorgestellt wurde.
Kurzbeschreibung Bei der IPA werden zwei bipolare Dimensionen unterschieden: instrumentale/aufgabenorientierte Interaktionen (Fragen – Antworten) sozio-emotionale Interaktionen (positiv – negativ)
Diesen beiden Dimensionen sind jeweils 3 Problembereiche zugeordnet: Instrumental/AufgabenorientiertSozio-emotional Orientierung – Bewertung – Kontrolle Entscheidung – Spannungsbewältigung – Integration
Es ergeben sich 12 Kategorien, mit denen das Interaktionsverhalten der Gruppenteilnehmer signiert wird:
Sozio-emotional: positiv1. Zeigt Solidarität2. Zeigt Spannungsreduktion3. Stimmt zuInstrumental: Antworten/Lösungsversuche 4. Macht Vorschläge5. Vermittelt Meinung6. Vermittelt InformationInstrumental: Fragen7. Bittet um Orientierung8. Bittet um Meinung 9. Bittet um VorschlägeSozio-emotional: negativ10. Stimmt nicht zu/Widerspricht 11. Zeigt Anspannung 12. Zeigt sich feindselig/antagonistisch
Die gewonnenen Daten können in vielerlei Hinsicht ausgewertet werden. So können z. B. Profile entwickelt werden sowohl für das Interaktionsverhalten eines einzelnen Gruppenmitglieds, als auch für die Beziehungen zwischen Gruppenmitgliedern. Besonders häufige oder seltene Handlungen können identifiziert werden und auch als Handlungssequenzen im Zusammenhang mit vorherigen und nachfolgenden Aktionen analysiert werden.
Literatur Robert F. Bales: Interaction Process Analysis. A Model for the Study of Small Groups. University of Chicago Press, Reprint Ed. 1976. ISBN 978-0-226-03618-2 Robert F. Bales: Social Interaction Systems. Theory and Measurement. Transaction Publisher, New Brunswick/New Jersey 1999. ISBN 978-0-7658-0872-1 Robert F. Bales: Die Interaktionsprozessanalyse: Ein Beobachtungsverfahren zur Untersuchung kleiner Gruppen. In: René König (Hrsg.): Beobachtung und Experiment in der Sozialforschung, Kiepenheuer & Witsch, Köln, 8. Aufl. 1975, S. 148–167. ISBN 3-462-00226-0
Weblinks Lewandowski/Uplwski: Interaktionsprozessanalyse nach Bales (PDF; 259 kB)
Kategorie:Sozialpsychologie Kategorie:Erhebungsmethode